Google+ PPQ: April 2010

Freitag, 30. April 2010

Heile Welt auf der Statistik-Waage

Ist doch alles gut, ist doch alles schön, immer weiter könnte es so weitergehen. Denn eigentlich fehlen dem Halleschen FC im Vergleich zum heroischen Vorjahr, als die Truppe von Trainer Sven Köhler zur Überraschung selbst ihrer eigenen Fans bis zum letzten Spieltag ganz vorn mitspielte, nur ein paar Elfmeter. Die halfen seinerzeit immer, wenn gar nichts gehen wollte vor dem gegnerischen Tor. Und in diesem Jahr fehlen die: den letzten gab es im September 2009 gegen Tennis Borussia Berlin.

Das war noch in der guten Halbserie der Hallenser, als die Mannschaftsmaschine weiterlief, als sei die neue Saison nur die Fortsetzung der formidablen letzten. Aus den ersten 13 Spielen holte der HFC 26 Punkte, die Elf schoss 21 Tore und kassierte nur 12 Gegentreffer. Bis zur Winterpause kamen sogar noch sieben Punkte und sieben Tore bei nur zwei weiteren Gegentoren dazu. Hochgerechnet auf Hin- und Rückrunde wäre der HFC auf 66 Punkte und 54 eigene Treffer bei 28 Gegentoren gekommen - genug, um beinahe bis zum Schluss ganz vorn mitzumischen.

Irgendwas aber war dann geschehen. Die Verletzung von Mittelfeldregisseur René Stark? Die Verbannung von Thorsten Görke, im Jahr zuvor noch bester Vorbereiter der Liga, auf die Bank? Der Sieg von Thomas Neubert über Markus Müller im Kampf um die einzige Stürmerposition? Der kalte, lange Winter?

Während die Ergebnisse nach dem verspäteten Start in die Rückrunde lange Zeit noch brauchbar aussahen, neigte sich die Waage der Statistik schon gegen den Traum der Fans vom erneuten Kampf um den Aufstieg bis zum letzten Spieltag. Nach 13 Begegnungen der Rückrunde sind die Unterschiede eklatant: Statt 26 holte die Köhler-Elf nur noch 21 Punkte, statt 21 Tore schoss sie nur noch deren 13 und die Abwehr ließ mit neun Gegentoren dennoch fast genausoviele Treffer zu wie in der Hinrunde.

Zahlen, die das von seinen Fans als Spitzenmannschaft verkannte Team als Mittelklasseelf enttarnen. Hochgerechnet auf eine ganze Saison würden die Rückrundenergebnisse in der Endabrechnung ganze 49 Punkte bei 33 geschossenen und 20 kassierten Treffern ergeben. 21 Punkte und zehn geschossene Tore weniger als in der vergangenen Saison, bei allerdings immerhin stabil gebliebenen Abwehrleistungen.

Im vergangenen Spieljahr hätte das zu Platz neun gereicht. Damals aber war die Welt noch schön, der Ball lief, die Spieler herzten und drückten sich auf dem Platz und schon am 30. Spieltag wies die Tabelle 65 Punkte aus. Um die diesmal wenigstens ganz zum Schluss zu erreichen, müsste die seit Wochen seltsam geduckt auflaufende, nach Toren nur vereinzelt und verkniffen jubelnde HFC-Elf aus den letzten vier Spielen noch ganze elf Punkte holen. Drei Siege wären Pflicht, das vierte Spiel müsste wenigstens ein Unentschieden sein. Nur dann könnte noch simuliert werden, dass eigentlich alles in Ordnung ist. Sonntag, zum ersten und letzten Sonntagabendspiel in der langen Geschichte des abrissreifen Kurt-Wabbel-Stadions, müsste die Serie schon anfangen, mit der niemand mehr rechnet.

Schlacht um Macht auf dem Dach

Deutsche Richter immer noch im Dienst des Unrechts, der Menschengefährdung durch unterwanderte Kamine und inwendig braune Essen. Drei lange Jahre lang hat es sich die Volksregierung in Magdeburg viel Geld und Gespött kosten lassen, einem rechtsradikalen Schornsteinfegermeister aus Naumburg das schmutzige Handwerk zu legen - nun aber darf Lutz Battke aus Laucha, der für die rechtsextreme NPD im Stadtrat und im Kreistag des Burgenlandkreises sitzt, weiter unbescholtenen Demokraten aufs Dach steigen. "Das Schornsteinfegergesetz setzt eine Verfassungstreue nicht voraus", entschied das Verwaltungsgericht in Halle genauswo, wie es die ganze Welt außerhalb des Magdeburger Kabinettssaals erwartet hatte. Das Gesetz sehe zudem den Entzug der Kehrerlaubnis nur bei der Verletzung von unmittelbar mit der Berufsausübung zusammenhängenden Pflichten vor. Battke, dem vor Jahren einer der auf Initiative des Führers und Reichskanzlers und späteren n-tv-Moderatoren Adolf Hitler anno 1935 gebildeten "Kehrbezirke" zugeteilt worden war, habe sich eine Pflichtverletzung nicht zuschulde kommen lassen, er habe auch nicht während seiner Berufsausübung politisch betätigt.

Die zuletzt mehrfach mit verwegenen Rechtsbrüchen aktenkundig gewordene Landesregierung hatte argumentiert, der braune Feger müsse eine besondere Verfassungstreue nachweisen, weil Bürger unter Umständen gezwungen sein könnten, ihn zu Kontrollzwecken in ihre Wohnungen zu lassen. Die Regelungen des Gewerberecht von 1935, ursprünglich dazu gedacht, jüdische und kommunistische Schornsteinfeger aus ihren Berufen zu treiben, sollten nach Ansicht des künftigen Ministerpräsidenten Rainer Haseloff zur Abwechslung mal völlig willkürlich gegen die Enkel deren verwendet werden, die sie ausgedacht hatten. Wäre das Unternehmen geglückt, hätten in nächsten Stufe Postboten, Hausmeister und Ärzte aufgefordert werden können, die politische Betätigung für Nicht-Regierungsparteien einzustellen, weiterhin wäre es möglich geworden, öffentlichen Bediensteten das ehrenamtliche Mitwirken in nicht verbotenen Organisationen generell zu untersagen. Schornsteinfeger seien "Repräsentanten des Staates", befand das Landesverwaltungsamt - nach dieser unbestechlichen Logik sind dann auch Zugführer, Straßenbahnfahrer, Grünanlagenpfleger und die Freizeitbeamten der Pilzberatungsstellen solche.

Das Land in Gestalt seines Landesverwaltungsamts-Vizechefs Peter Kuras, den der kommende Ministerpräsident Rainer Haseloff angesichts der nicht vorhandenen Erfolgsaussichten seiner innovativen Verbotsinitiative Vizepräsident in die Schlacht um die Macht auf dem Dach geschickt hatte, wird denn auch weiterkämpfen. Battke ist zwar nicht einmal Mitglied der rechtsextremen NPD, aber trotz des Versuchs, ihm ein Berufsverbot zu erteilen, kandidierte er zuletzt wieder frech auf der NPD-Liste für den Bundestag. Im Internet habe Battke zudem eine rechtsextreme Schulhof-CD präsentiert, die nach letztinstanzlichen Urteilen weder verboten noch rechtsextrem war, damit sei klar, wie der Schornsteinfeger zu Recht und Gesetz stehe.

Das Land werde sich das nicht bieten lassen und gegen das Urteil Berufung einlegen, kündigte Kuras noch im Gerichtssaal an. Die Hoffnung dabei ist, dass ein Urteilsspruch des Bundesverwaltungsgerichtes, an das man sich nun wenden will, erst fallen könnte, wenn Battke seinen Kehrbezirk ohnehin nicht mehr betreut. 2014 läuft die Zuteilung des Bezirkes an den rechten Feger aus, der Nachfolger wird eine reine Weste vorweisen müssen, um eine Chance zu haben: Schon in der Ausschreibung wird Mitgliedschaft in einer wirklich demokratischen Partei mit langjähriger Regierungserfahrung in West oder Ost oder zumindest eine Ausbildung bei den DDR-Grenztruppen, wie sie Innenminister Holger Hövelmann vorweisen kann, Teilnahmebedingung sein.

Entschuldigung auf Schenkelhaut

Ein Land voller Mimosen, empfindlich wie die Schenkelhaut frischerblühter 18-Jähriger, so sieht es aus, das Deutschland des Jahres 2010. Worte können hier so verletzend sein, dass großgewachsene Männer beinahe weinen müssen. Alles lechzt beständig nach Entschuldigungen, ein Sorry ist das mindeste, um durch Worte gerissene Wunden zu pflastern und Beleidigungen zu tilgen. Der Papst etwa, eben noch samt aller anderen Deutschen Oberhaupt der katholischen Kirche, hatte während seiner Amtszeit Besseres zu tun als offensive Öffentlichkeitsarbeit für die zahllosen Leichen zu machen, die von katholischen Amtsträgern ermordet in den Kellern der Mutterkirche liegen. Da muss er sich aber, so blökt eine allzeit mobiler Meinungsmob, erstmal entschuldigen! Auch die erste migrantische Ministerin ist dran, seit sie darüber nachsann, ob das Christenkreuz in Schulen denn wirklich sein müsse. Sie kam zum Schluß, dass es nicht muss - und war entschuldigungsreif. Und nun auch noch Marco Tullner von der Ost-CDU. Der habe den künftigen linken Ministerpräsidenten Wulf Gallert "beleidigt" und "ihn in die Nähe von Gewalttaten gerückt". Glaubt man denn das? "Unsäglich! Entschuldigung unabdingbar!", twittert der linke sachsen-anhaltinische Parteichef Matthias Höhn mit vor Empörung zitternden Fingern noch aus dem Landtagssitzungssaal.

Ein Land voller Mimosen, empfindlich wie die Schenkelhaut frischerblühter 18-Jähriger. Treten wollen sie alle, getreten werden will niemand. Ist jemand anderer Meinung, wirkt der Spielplatzrefelx aus Kindertagen: Bocken und pathetisches Beleidigtsein, bis der Täter seine Worte zurücknimmt. Ein Spiel für Erwachsene, die dem Publikum wie sich selbst vorgaukeln, dass wahre Meinungsfreiheit darin bestehe, dass das , was man denke, besser unausgesprochen bleibt, wenn man annimmt, dass jemand anderer es zum Anlass nehmen könne, beleidigt zu tun. Gedacht werden darf im Moment noch weiter, denn die Gedanken sind frei. Zu sagen, was man denkt aber führt unweigerlich zu Bußforderungen, die mit zunehmender Lächerlichkeit nur immer noch berechtigter werden.

Ein Land voller Mimosen, empfindlich wie die Schenkelhaut frischerblühter 18-Jähriger. Amnesty International verlangt von einem Unternehmen eine "Entschuldigung für das menschenrechtswidrige Verhalten", Bundespräsident Horst Köhler eine Entschuldigung für begangene Morde von einem ehemaligen Terroristen, ein Ministerpräsident entschuldigt sich, weil er das Wort "Pogromstimmung" in den Mund genommen hat, ein Bankchef soll sich für den Erfolg seines Hauses entschuldigen. Dazu wird Schmerz simuliert, wo Weghören Opfer vermeiden könnte, die vorgetäuschte Verletzung aber dient dem selbsternannten Betroffenen als Druckmittel zur Durchsetzung seiner Ansichten.

Scham als Waffe in der Medienschlacht um den Meinungsmainstream hat Konjunktur, wie die Google-Timeline (oben) eindrucksvoll zeigt. Alles, was übersteht, muss sich entschuldigen, muss zerknirscht sein, muss öffentlich Abbitte leisten für das, was es denkt, und fürderhin still schweigen. Alles schreit nach Entschuldigungen, alles erweckt den Eindruck, als eine andere Ansicht schon allein deshalb eine schwere Beleidigung, weil sie nicht mit der eigenen übereinstimmt. Überall verletzte religiöse, politische und geschlechtliche Gefühle, überall feinfühlige Abendland-Talibane, die Radiowellen, nackte Haut und abweichende Sexualpraktiken riechen und sofort Entschädigungsbedarf zu reklamieren verstehen. Aufs Stichwort sinken sie hin wie vom Gegenspieler gefällt Weltklassefußballer, brutal gestoppt durch ein Wort, einen Satz, eine Geste, ein Bild, eine Filmszene, ein Lied. Sie haben Alpträume, wenn sie jemand verlogen nennt. Sie bekommen Angst, wenn ihre Nasen jemanden an Hitler erinnern. Sie verbieten es sich, öffentlich mit ihren Meinungen von gestern oder vorgestern konfrontiert zu werden.

Sie sind empfindlich wie die Schenkelhaut frischerblühter 18-Jähriger, Bewohner eines Landes voller Mimosen, die gern die DDR zurückhätten oder die Sowjetunion Stalins: Alle schweigen in stillem Selbstgespräch, keiner weiß, was der andere denkt, niemand ist beleidigt, weil die Meinungsfreiheit eben endlich nur Meinen meint und nicht immerzu rausplatzen damit. Das Paradies von Matthias Höhn, der Opfer von Kundus, Renate Künast, Wolfgang Thierse und Karl-Heinz Rummenigge. Bodo Ramelow berichtet Unglaubliches aus dem Haushaltsausschuß des Thüringer Landtages: Einer habe da dem anderen den Vogel gezeigt. "Pöbeler!", empört sich Ramelow spontan. Da wird sich wohl jemand in Bälde schwer entschuldigen müssen.

Wir sind Kachelmann

Allein machen sie Dich ein, mit sechs dagegen ist gut kleben: Das größte Geheimnis der modernen mitteldeutschen Kunst ist gelüftet, das Rätsel des Kachelmannes, der seit Jahren unermüdlich liebevoll gestaltete Fliesen-Unikate an die Fassaden der Saalestadt Halle klebt, gelöst. Fünf junge Männer, kunstbeflissen, einfallsreich, im Freeclimbing geübt, wollen ihrer Stadt nach Recherchen des Street Art-Magazins "Bild" durch eine Neuverfliesung der gründerzeitlichen Altstadt überregional zu Ruhm und Ansehen verhelfen. Am Ende stehe der Traum vom Unesco-Welterbetitel, davor aber steht eben beharrliche, beinahe allnächtliche harte Nachtarbeit ohne öffentlichen Dank für die Kachel-Aktivisten, die sich Diego, Dooh, Le Phonk, Jay Flow, Hermano und Hubertus nennen, weil sie Angst vor den Nachstellungen der Staatsmacht haben müssen. Ein Dienst am Gemeinwesen, das von diesem noch kaum geschätzt wird, wie ein Dokumentarfilm des MDR erst kürzlich zeigte.

"Ostfliesland" haben Kacheleologen hier in der einzigen offiziellen Kachel-Galerie PPQ das raumgreifende Projekt des fünffachen Kachel Gott genannt, "Yeah!" nennen sich die jungen Künstler selbst, eine Verneigung vor Halle als zweitgrößte Beatles-Stadt neben Liverpool. Alle Fliesen, mit denen sie versuchen, den Verfall der rissigen Fassaden der Innenstadt zu stoppen, sind im Sinne der Nachhaltigkeit aus Abrisshäusern geborgen und später mal zart, mal kräftig bemalt. 500 Fliesen, jeweils Unikate, hat das Quintett bislang geklebt: Ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts der städtebaulichen Probleme der angeblichen IBA-Stadt Halle, doch allemal ausreichend, um Fliesen-Führungen für neugierigen Kachel-Gott-Fans oder Fliesen-Kalender und Bildbände anzubieten.

Da müsste aber wohl das Stadtmarketing erwachen, da müsste im Rathaus, bislang fliesenfeindlich damit beschäftigt, ganze Straßenzüge abzureißen, nur weil dort von Kachelfreunden besonders geschätzte und vielbesuchte Fliesen ausgetsellt sind, ein entschlossenes Umdenken einsetzen, zugunsten der Kunst, zugunsten der jungen Künstler, deren Werk eine deutliche Sprache spricht: Unsere Jugend ist keine Jugend, die immer nur yeah, yeah und yeah ruft! Unsere Jugend ist beseelt vom Geist eines van Gogh, angetreten, die Erinnerung an das von brutalen Banausen geschleifte Fäuste-Denkmal, an den zur Fettleibigkeit neigenden Fußballzauberer Maradona und an die Artenvielfalt imKäferreich zu bewahren, wie selbstlose Sammler hier im großen Kachelverzeichnis zeigen. Die Unesco versucht derzeit noch, das wachsende Werk, das sich den Klickzahlen im Internet zufolge wachsender Beachtung weltweit erfreut, zu ignorieren. Technokraten bei der Arbeit, denen die verschwundenen Statuen von Bamiyan mehr Weltkurlturerbe sind als das von Schulklassen, Kindergruppen und künftigen Zivildienstleistenden im Einführungskurs Demokratie und FDGO tatsächlich begreifbare Kunstwerk in der Nachbarschaft.

Doch die breite Volksbewegung der Fliesenfrunde wird nicht nachlassen, für das große Ziel des Kachel-Kollektivs zu kämpfen. Jeder ist aufgefordert, eigene Funde direkt an politplatschquatsch@gmail.com geleitet werden, jeder Fund wird von uns auf Wunsch mit einem vom japanischen Computerhersteller Lexmark persönlich hergestellten Kunstdruck der von Kachel-Gegnern vernichteten Ur-Fliese prämiert.

Donnerstag, 29. April 2010

Hungerkur zum Weltruhm

Da ist sie auch mal wieder, die uralte Mär vom rätselhaften Yogi, der seit Jahrzehnten nicht gegessen und getrunken hat und dennoch frisch und fröhlich von Gott erzählt. Aller fünf Jahre macht sich der zauselbärtige Inder Prahlad Jani auf, die internationale Premiumpresse mit wundersamen Geschichten zu Schlagzeilen wie "Seit 70 Jahren auf Null-Diät" (20minuten) oder "70 Jahre ohne Nahrung: Ärzte untersuchen angeblichen Wunder-Yogi" (Spiegel) zu inspirieren. Zuletzt hatte der angebliche Fakir 2003 weltweit Aufsehen erregt, als er angeblich "von angesehenen Medizinern durchleuchtet" (dpa) wurde. Damals kam Prahlad Jani "unter ständiger Beoachtung zehn Tage ohne Essen und Trinken aus", wie es hieß. Und er habe dabei nur "einige Gramm Gewicht" verloren.

Wenn jemand in zehn Tagen ohne Essen einige Gramm Gewicht verliert, wäre er natürlich nach durchhungerten 25.000 Tagen faktisch nicht mehr da. Doch solchen naheliegenden Lösungen des überirdischen Problems gehen Wissenschaftsredakteure in wirklichen Qualitätsmedien eher weniger gern nach. Lieber schreiben sie von "Rätseln", auf die auch "der untersuchende Arzt Dr. Sudhir Shah" keine Erklärungen habe. Dafür ist Shah Spezialist: Zuletzt hatte der Wunder-Wissenschaftler einem Mann namens Hira Ratan Manek bestätigt, dass er ausschließlich von Sonnenlicht lebe. Manek hatte zuvor 400 Tage unter Shahs Aufsicht auf jede Nahrung verzichtet. Seine Erfolgsdiät: "Es reicht völlig, wenn man 40 Minuten pro Tag barfuß läuft und in die Sonne schaut." Shah bestätigte das sehr gern. Sein 63-jähriger Patien habe seinen "energetischen Haushalt auf die Versorgung durch kosmische Quellen umgestellt", er nehme "über seine Zirbeldrüse Licht auf und wandele es durch Photosynthese in Energie um".

Kling wie die Lösung der Ernährungsprobleme der Welt, liegt aber noch hinter dem Ausweg, den Prahlad Jani aller Jubeljahre präsentiert, diesmal ausgelöst durch eine Geschichte in seiner Heimatzeitung Ahmedabad Mirror. Das Staunen ist global, auch das Wissenschaftsmagazin "Spiegel" staunt wieder in vorderster Front mit, obwohl Jani bei seinem letzten Auftritt auf der Weltbühne noch den Fehler gemacht hatte, anzugeben, dass die Ärzte seinen Urin untersucht hätten. Wo die doch behauptet hatten, Jani müsse nie zur Toilette.

Vorsichtshalber wird der Yogi nun aber doch wieder "rund um die Uhr beobachtet, sagte der Direktor des Defence Institute of Physiology & Allied Sciences des nationalen Verteidigungsinstituts, Govindasamy Ilavazhagan", wie der "Spiegel" per Hand aus dem Ahmedabad Mirror übersetzt hat. Ilavazhagan, ein Spezialist für die Behandlung der Höhenkrankheit, ist der neue Dr. Shah, der übrigens schon anno 2003 für "Anfang Dezember neue Untersuchungsergebnisse" über seine Test an Yogi Jani angekündigt hatte, die nie kamen. Der Rest ist der neuen Geschichten sind die alten aus dem Archiv: Jani sei als Achtjähriger von einer Gottheit berührt worden, verspüre er weder Hunger noch Durst, denn er ernähre sich von einer "Flüssigkeit, die aus einer Öffnung in seinem Gaumen" ströme. Ein Perpetuum Mobile, das sich selbst auffrisst, ohne dabei weniger zu werden. Nach Abschluss aller Untersuchungen, von denen man allerdings auch nie mehr hören wird, dann zuerst von Apple in Aluminium, später dann auch bei Aldi als Medion-Nachbau: Der iYogi, auf Hydro oder Erde, zum Inhalieren oder Schnupfen.

Kampfgruppen aus neuen Puppen

Neue Uniformen, neue Kopfbedeckungen, neue Feinde und neue Schlachten, sonst aber geht es kurz vor dem 1. Mai in alten Stiefeln zu neuen Tänzen: Ausnahmezustand im Land ist angedroht, nicht wegen Griechenland, sondern wegen der Antiglobalisierungsbemühungen linker Burschenschaftler in schwarzen Nahkampfburkas. Brennen wird das System und danach wird es untergehn, wie eine leider sehr vergessene Kampfcombo bereits vor Jahren vokal vorausahnte.

Wohin das führt, wenn Männer sich uniformieren, um der Welt das Heil nach selbstgebackenem Rezept in den Mund zu stopfen, erinnert der Berlinpankowblogger tagesaktuell in einem bewegenden Kurzfilm aus einem untergegangenen Land, in dem alle eben noch nicht dabei sein wollten, so wie heute die Volksfront aus Linken, Rechten, Grünen, Roten, Schwarzen, Gelben, Armen, Reichen, Gewerkschaftern, Verbände, Studierenden, Arbeitenden, Nicht-Arbeitenden, Prominenten, Abgeordneten, Kulturschaffenden, Bullen und Migranten. Der 1. Mai ein Tag, an dem alle allen alles demonstrieren können, am besten in Berlin.

Warum nur, fragt der Pankowblogger, dem es schlimm genug scheint, dass der erste Mai in diesem Jahr wie alle anderen Feiertage ein Sonnabend ist? Damit wird den fleißigen Werktätigen ein Feiertag geklaut und dem Kapitalismus beim wölfischen Wachstum geholfen, klar. Aber statt dass das so kalt enteignete Volk nun gemütlich vor seiner Laube oder auf seinem Balkon sitzt oder ein paar Stunden mit Freunden im Biergarten gehen sie auf die Straße.

So wie wir damals, nur eben ganz anders. Als die Demonstration zum 1. Mai inklusive ”Der Sozialismus wird siegen”-Losungen noch Pflicht waren, was aber uns nie interessiert hat. Wichtig war, dass man sich frühmorgens am Aufstellungsort sehen ließ. Der Anwesenheitsliste wegen. Einmal dort abgehakt, war es die Demo auch. Wenn sich dann die revolutionären Marsch-Reihen in Bewegung setzten, haben wir uns verpisst. Auf die Peißnitz zum Beispiel. Haben dort den ganzen Tag Skat gespielt. Oder Tischtennis. Dabei Hallesches Helles getrunken.

Und heute? Jetzt muss man fürchten, auf dem Weg in den Biergarten entweder den einen oder den anderen Vollidioten über den Weg zu laufen. An jeder Kreuzung muss man darauf achten, dass man nicht von links oder rechts angefahren wird. Oder angezündet. Sogar Fußballspiele in den Regionalligen werden an diesem Wochenende erstmals am Sonntagabend ausgetragen. Damit genügend Bullen aus Hamburg und Sachsen-Anhalt in Berlin auf links und rechts einprügeln können. Manche von denen freuen sich schon darauf, tuschelt man in den Hundertschaften. Und: Diese ganze Vollidioten-Prügelei soll in diesem Jahr auch noch in Pankow stattfinden. Da müssen wir wohl auch noch unsere Autos umparken, weil sie sonst abgefackelt werden. Auch das ist anders. Damals brannten maximal die Fackeln der FDJler beim Umzug. Aber die waren zu jener Zeit wenigstens weit von uns entfernt.

Mittwoch, 28. April 2010

Auf dem Zahnfleisch am Stadtrand

Je tiefer die Hürde, desto schwerer drunter durchlaufen, ohne sich den Kopf anzuschlagen. Im Pokalwettbewerb des Landes Sachsen-Anhalt, seit Jahren eine reine Fußball-Simulation mit einem zwischen den greisen Fußballfunktionären der Region vorher vereinbarten Endspiel zwischen dem Halleschen FC und seinem Dauerrivalen aus Magdeburg, ist in dieser Saison alles durcheinander gekommen. Außerplanmäßig ist der Klub aus Magdeburg, wegen lange zurückliegender internationaler Erfolge von seinen Fans beharrlich gefeiert als der "größte der Welt" bereits im Halbfinale ausgeschieden. Damit steht drei Wochen vor dem Endspiel weder fest, wer im Endspiel antritt noch wo gespielt wird. Als finaler Spielort wird nämlich normalerweise das Magdeburger Heimstadion gebucht, das aber wird bei erwarteten Zuschauerzahlen von nur 200 oder 3000 selbst dem traditionell verschwenderischen Fußballverband zu teuer. So könnten sich also diesmal Orte wie Sangerhausen, Wolfen, Dessau oder die Landgemeinde Braunsbedra auf ein rauschendes Finalfest freuen. Nur nicht Halle, denn der HFC ist noch im Wettbewerb und ausnahmsweise wäre es nun natürlich unfair, einer Mannschaft Heimvorteil zu geben, wenn es um alles geht.

Dabei könnte der Klub aus der Saalestadt, seit annähernd drei Jahren beständig und auffällig stabil an seiner oberen Leistungsgrenze kickend, dergleichen Hilfe derzeit gut gebrauchen. Seit der Mannschaft von Trainer Sven Köhler im Meisterschaftsspiel beim FC Magdeburg ein überzeugender 1:0-Sieg gelang, der mit einer eigenen 0:1-Heimniederlage gegen die Reservemannschaft des HSV veredelt wurde, geht nichts mehr bei den Mannen von Trainer Sven Köhler. Die Meisterschaft und der Aufstieg sind futsch, die Beine sind schwer, die Köpfe hängen tief, es hagelt gelbe und rote Karten. In Plauen gab es zuletzt eine deftige Niederlage - in den 29 Meisterschaftsspielen zuvor hatte der HFC 16 Tore kassiert, im Vogtland reichten 90 Minuten für vier weitere.

Nun also um einen Pokal spielen, den man nach der Papierform schon in der Tasche hat. Gegen einen Gegner, der zwei Ligen tiefer kickt, aber mit einem halben Dutzend früherer HFC-Akteure aufläuft, die alle zeigen wollen, dass sie eigentlich in der falschen Mannschaft spielen. Danach dann womöglich auch noch gleich kommenden Mittwoch zum Halbfinale nach Stendal, denn das Finale ist ja schon Mitte Mai, muss sein, denn gleich danach fährt die Nationalmannschaft ins Trainingslager. Jogi braucht jeden, da darf kein Ball mehr rollen im Land.

Es kommt wie gemalt auf dem winzigen Ammendorfer Sportplätzchen, von dem der Stadionsprecher verkündet, es sei einst von 13.000 Menschen gleichzeitig besucht worden. heute ist es mit 1.800 richtig voll, damals waren die Menschen aber ja auch noch kleiner. Damals hat Ammendorf, die Elf des großen Waggonbau-Werkes nebenan, das vor ein paar Jahren vom damaligen Kanzlerdarsteller Gerhard Schröder eigenhändig gerettet und gleich nach Abzug aller Kamerateams geschlossen wurde, 3:1 gewonnen. Damit ist hier heute nicht zu rechnen, das ist nach fünf Minuten klar. Doch auch nach einem Sieg des Favoriten sieht es nicht aus. Siehe: Die Beine sind schwer, die Köpfe hängen, die Bälle springen, der HFC ist offensichtlich auf dem Zahnfleisch an den halleschen Stadtrand gekommen. Nach vorn geht nichts und hinten hilft auch nur Adli Lachheb, der große Tunesier, der seine Abschiedsrunde durch die vierte Liga dreht.

Der Rest ist Gewürge, Gerenne, Gefummle ohne Zweck und sichtbares Ziel. Wer hier aus der 4. Liga und wer aus der 6. kommt, ist nur an der Spielkleidung erkennbar: Ammendorf im HFC-Stamm-Rot-Weiß, der HFC in Trauerschwarz, der derzeitigen Stimmung im Verein geschmackvoll angepaßt. Einmal, die Begegnung wabert gedankenverloren Richtung Hlabzeitpause, fasst sich Kapitän Nico Kanitz ein Herz, zieht auf Linksaußen entschlossen nach innen, beschleunigt kurz und zieht ab. 1:0, Tor, Satz und Sieg, dankeschön.

Doch es geht ja noch weiter, und zwar ganz ohne, dass irgendwo noch irgendwelche Knoten platzen. Die Ammendorfer Stadtrandelf, vom ehemaligen HFC-Urgestein Marcel Geidel als klassischem Libero geführt, möchte gern, sie kann aber nicht. Beim HFC ist die Sachlage nicht so eindeutig: Toni Lindenhahn hat schöne violette Schuhe an, Ronny Hebestreit ist bereit, jeden Einwurf auszuführen oder anzunehmen, Torwart Horvat harrt geduldig auf der Linie und ist da, wenn man ihn braucht, während der künftige Drittligaprofi Lachheb meist dafür sorgt, dass es gar nicht soweit kommt.

Aber Fußball ist das nicht. Vier Wochen nach dem Triumph von Magdeburg wankt der Torso einer großen Elf über den kleinen Platz, ein Abziehbild nur noch der einstigen Tugenden: Keine Gegentreffer kassieren kann sie, weil der Gegner es zulässt, keine Tore schießen sowieso, selbst heute. Die standardmäßig im Eintrittspreis enthaltene Rote Karte bekommt das Publikum wenigstens noch zu sehen, diesmal ist es Ronny Hebestreit, der gar nicht verstehen kann, weshalb er gehen muss. Enrico Kricke, als "Rico" einst eines der Verbandsliga-Idole des HFC-Fanblocks, geht gleich mit, obwohl der Schiedsrichter bei all der Aufregung nur die Gelbe Karte gezeigt hat. Ammendorf wacht da erst auf und ein paar Minuten lang droht das Allerschlimmste, eine todlangweilige torlose Verlängerung und das HFC-Weiterkommen erst im Elfmeterschießen, dank Horvat-Torwart. Doch der Underdog hat ein Einsehen und lässt es gut sein mit dem kopflosen Anrennen, damit alle pünktlich zum Essen kommen. Kommende Woche dann Halbfinale im Stendaler Stadion am Hölzchen. Dieser HFC scheidet dort aus. Das gibt dann ein Finale wie ein Bravo-Starschnitt von Sachsen-Anhalt: Halberstadt gegen Stendal auf dem Sportplatz von Braunsbedra.

Spekulanten retten Griechenland

Raustreten zum Retten! Erneut sind es die Spekulanten, die zuerst zur Stelle sind, um hilfreich einzugreifen. "Griechenland steht mit dem Rücken zur Wand", trompetet der Newsletter derspekulant.ch, jetzt aber sei es Zeit, die Wetten auf einen Staatsbankrott zu schließen und darauf zu setzen, dass die griechische Krankheit heilbar sei.

"Das Land hat mit geschönten Statistiken die Aufnahme in die Euro-Zone erreicht und einige Zeit lang von den daraus resultierenden niedrigen Zinssätzen profitiert", analysieren das Sprachrohr des schnellen Geldes, das innerhalb einiger Monate vollbracht hatte, was der gesamten EU-Bürokratie zuvor neun Jahre lang nicht gelungen war: Griechenland die Rechnung dafür zu präsentieren, dass das Land seit mehr als einem Jahrzehnt exzessiv über seine Verhältnisse lebte. Die älteste europäische Demokratie importierte mehr, als sie bezahlen konnte, sie lieh sich notgedrungen Geld, um es für Verbrauchsgüter auszugeben. Das Ende vom Lied, so der Spekulant: "Die Zinsen zeigen Panik, zweijährige Staatsanleihen bieten aktuell Renditen von über 20 %, während mittel- und längerfristige Anleihen deutlich niedrigere Renditen abwerfen" Das sei ein klares Zeichen dafür, dass die Angst vor den möglichen Ereignissen in den nächsten Wochen größer ist als etwa die Angst vor dem, was in zehn oder 30 Jahren passieren könnte.

Doch ist diese Angst wirklich begründet? Wird nicht die restliche EU alles tun, um die Griechen herauszuboxen - und sei es nur, um das eigene Überleben zu sichern? Ja, meinen die Profi-Spekulanten aus der Schweiz: "Wir gehen davon aus, dass die ersten Auszahlungen aus dem beschlossenen Hilfspaket von Euro-Staaten und IWF Beruhigung bringen werden." Man müsse das 'Problem Griechenland' im Rahmen des großen Bildes sehen, dann sei es "überschaubar", denn die griechische Wirtschaftsleistung von 0,3 Billionen Dollar sei im Vergleich zur Gesamtwirtschaftsleistung der von über 16 Billionen kaum mehr als eine Marginalie.

Die nächste Runde der Spekulation könnte folglich in Richtung Erholung gehen, gerade weil noch nichts darauf hindeute. Der frühe Vogel fängt den Wurm, der schnelle Spekulant lege sich die bis 20.3.2012 laufende griechische Euro-Anleihe mit der Wertpapierkenummer A0T6US zu einem Kurs von nur noch 74 Prozent des Nominalwertes ins Depot. "Das entspricht einer Rendite von 20 Prozent", rechnet der Börsenbrief vor. "Kommt die von uns erwartete Stabilisierung, sollten wir hier mittelfristig wieder Kurse um 100 % sehen können." Dann wäre der Spekulant reich. Und Griechenland gerettet.

Update: Ergänzend entdeckt jetzt auch die Welt die gesundende Kraft der Spekulation.

Dienstag, 27. April 2010

Klimawandel benachteiligt Osten

Kalt ist das neue warm und der wirtschaftlich auch 20 Jahre nach dem Mauerfall benachteiligte Osten Deutschlands bleibt auch in Sachen Erderwärmung das Armenhaus der Nation. Das hat der Deutsche Wetterdienst in seinem Klimareports 2009 festgelegt. Danach werden die Sommer hierzulande immer trockener, die Winter dagegen immer milder und regenreicher, zuweilen fällt der Regen auch anhaltend als Schnee und es werde bitterkalt. Das sei ein Zeichen dafür, wie der Klimawandel voranschreitet. Insgesamt sei das vergangene Jahrzehnt auch weltweit das wärmste seit Beginn der Messungen vor 130 Jahren gewesen. Wie sich das Jahr im Vergleich der letzten 20.000 Jahre geschlagen habe, könne man derzeit allerdings noch nicht sagen.

Fest steht jedoch, dass der wohlhabende Westen übermäßig von der Erwärmung profitiere, erläuterte Gerhard Müller-Westermeier vom Bereich Klimaanalyse. So seien die Temperaturen etwa im Saarland seit 1881 um knapp 1,4 Grad gestiegen, in Mecklenburg-Vorpommern aber nur um 0,6 Grad. Auch von der Deutschland zur Verfügung gestellten Feuchtigkeit, die als Regen falle, nehme sich das Gebiet der alten Bundesrepublik im Jahresdurchschnitt einen ungleich größeren Anteil als auf die ehemaligen neuen Länder im Bereich der früheren Ex-DDR entfalle. West-Länder wie das kleine Bremen hätten sich bis zu 17 Prozent mehr Regen organisiert, in den ostdeutschen Ländern habe es hingegen durchweg nur einstellige Zuwächse gegeben, prangerte Müller-Westermeier an. Krasses Beispiel: Während die ohnehin mit höherem Lohnniveau, höheren Mieten und einem höheren Lebensstandard gesegneten Länder westlich der ehemaligen Grenze immer feuchter werden, ging die Regenmenge in Sachsen sogar um vier Prozent zurück.

Die ostdeutschen Ministerpräsidenten planen jetzt einen eigenen Klimagipfel, auf dem Maßanahmen beschlossen werden sollen, um die innerdeutsche Klimaspaltung zu überwinden. Es gehe darum, blühende Landschaften beiderseits von Todesstreifen und Mauer zu schaffen, hieß es bei der Landesregierung in Magdeburg, die derzeit mit einer Landesgartenschau im beschaulichen Aschersleben Aufsehen erregt. Dazu gehöre eine faire Teilhabe der ehemaligen Bürger der Ex-DDR an den deutschen Regen- und Wärmemengen.

Ungeheuer in Unterwanderstiefeln

Sachsen-Anhalts Rechtsextreme, eben noch von linker Gewalt um ihre Pullovershops betrogen, schmieden eine neonationale Einheitsfront, so meldet Deutschlands einzige wahre Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf eine rechtsextremistische Pressemitteilung des Vorstandes der rechtsextremen Deutschen Volksunion. Die rechtsextreme NPD könne bei der im kommenden Jahr anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auf Unterstützung der DVU hoffen, nachdem die Delegierten der konkurrierenden Rechtspartei auf ihrem Landesparteitag einen Antrittsverzicht beschlossen. Da geht die Angst um vor einem "Rechtsruck" (Klich-nach-rechts.de), noch mehr "Kampf gegen rechts" (Angela Merkel) tut zweifellos not.

Wäre das die ganze Geschichte, wäre sie gut erzählt. Doch wie
Altermedia und das Paidcontent-Portal Blick nach rechts übereinstimmend berichten, zeigt der Wahlverzicht der DVU vor allem, dass Rechtsaktivisten inzwischen offenbar nicht mehr nur die arglose Gemeinschaft der "Anständigen" (Gerhard Schröder) unterwandern, um nächste Woche oder nächstes Jahr schon ein neues Viertes oder Fünftes Reich zu errichten. Sondern sich gegenseitig: So ist der DVU-Landesvorsitzende Ingmar Knop, ein Rechtsanwalt aus Dessau, rein zufällig "parlamentarischen Berater" (Bnr) der NPD in Sachsen oder, wie es Altermedia extremistischer formuliert, "Gehaltsempfänger der NPD-Landtagsfraktion im Sächsischen Landtag".

Als solcher sei er "wohl kaum in der Lage, sich anders als im Sinne der NPD Sachsen zu äußern", mutmaßt das selbsternannte "Störtebecker-Netz". Auch mit dem Verzicht im Dienst der gemeinsamen Sache sei es "nicht allzu weit her": In Sachsen-Anhalt sei "nach wie vor unvergessen, wie gerade die DVU den wohl größten Wahltriumph einer deutschen Rechtspartei in der Nachkriegszeit mit Karacho versiebt" habe. 1998 noch mit sensationellen 12,9 Prozent der Stimmen in den Landtag gesprungen, gelang es dem disparaten Haufen irrlichternder Amateurpolitiker in sensationeller Geschwindigkeit wieder "ins politische Nichts zu verschwinden" (Altermedia). Man dürfe daher sehr wohl davon ausgehen, dass ein Wahlantritt der DVU in Sachsen-Anhalt nicht so sehr ein Zeichen kameradschaftlicher Größe sei als "der Versuch, auf diese Weise zu kaschieren, dass man als Partei zu solch einem Kraftakt gar nicht mehr fähig ist", schreibt die NPD-nahe Seite. Der es lieber gewesen wäre, wenn Knop "seinen Verband ohne Wenn und Aber geschlossen in die NPD überführt" hätte. Zumal er ja ohnehin auf deren Lohnliste stehe.

Historische Vergleiche ohne jede Gleichsetzungsabsicht dazu: Netzwerkrecherche

Nazifrei in den Mai

"Erster Mai - Erfurt Nazifrei!", zwitschert PDS-Spitzenmann Bodo Ramelow kurz vor dem 67. Jubiläum des Junitages im Jahr 1943, an dem die NSdAP stolz verkünden konnte "Berlin ist judenfrei!".

Was Ramelow für Erfurt erst erträumt, ist im beschaulichen Köthen schon erreicht: Die Stadt, in der schon 1930 ein Viertel der Einwohner für Hitler stimmten, geht dank der Bemühungen der örtlichen Antifabewegung nazifrei in den Mai. Der im vergangenem Jahr insgeheim angesiedelte Nazi-Ausstatter "Nordic Flame", das einzige Geschäft der Stadt mit permanent kaputter Frontscheibe, stellt sich pleite, um die
Bevölkerung in Sicherheit zu wiegen.

"Um die Demokraten einzulullen, haben die Nordirrlichter sämtliche staatsgefährdenden Thor-Steinar-Pullover und verfassungswidrigen Hein-Blöd-Hemnden aus den Verkaufsräumen geschafft und nur leere Regale zurück gelasssen", berichten besorgte Beobachter.

72 Jahre nach der erfolgreichen Brandschatzung der Köthener Synagoge zieht die örtliche Antifa stolz und zufrieden Bilanz. Die Tat hat entschieden, nicht das Wort! "Nicht durch massive Öffentlichkeitsarbeit, jedoch durch vereinzelt wirksame Aktionen wurde der Laden ruiniert", heißt es. Dank mehrerer kostspieliger Reparaturen und schlechtem Umsatz habe der „Nordic Flame“ schließen müssen, denn "der Kapitalismus macht auch nicht vor Nazis halt".

Derweil warnt das zuständige "Aktionsbündnis gegen rechte Gewalt" im benachbarten Dessau schon vor Entwarnung. In Halle seien Thor-Steinar-Uniformen immer noch problemlos zu erhalten, obwohl die Scheiben des Geschäfts "Oseberg" immer wieder von engagierten Mitkämpfern mit Gratis-Mut eingeschlagen worden seien. Inzwischen habe der faschistische Pulloverlieferant, so berichten Aktivisten, seine Verkaufsräume im Stil eines Panzerzuges verbarrikadiert. Der Schoß sei zweifellos fruchtbar noch und jederzeit könne auch die "Nordic Flame" wieder in Köthen lodern und rauchen.

Montag, 26. April 2010

Halt die Presse

Es ist eine "völlig neue Qualität" (Bayerns Innenminister Joachim Herrmann) von Qualitätsjournalismus, die der renommierte "Spiegel" seinen Lesern als Ergebnis einer jahrelangen Diskussion um Urheber- und Verwertungsrechte stolz präsentiert: Auf seiner Internetseite bettete das frühere Enthüllungsmagazin ein Youtube-Video mit selbstaufgesprochenem Kommentartext ein und kennzeichnete das so entstandene "Werk" selbstbewusst mit dem Vermerk "Video: Spiegel Online". Auch n-tv, seit Jahren Heimatsender des ehemaligen Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, war beim selben Video nicht zimperlich. Nur hier lautete der Quellenvermerkt natürlich "n-tv Video". 
 
Angesichts der offensichtlich ganz absichtlich verfälschten Quellenangaben hat PPQ sich seiner von der Leserschaft immer wieder eingeforderten Blogwartsfunktion besonnen und den Deutschen Presserat alarmiert, der sich höchste Aufgabe gewählt hat, "das Ansehen der Presse zu wahren und für die Pressefreiheit einzutreten". Immerhin gilt Quellenverfälschung gilt als journalistische Todsünde, Quellenraub führte in den guten alten Zeiten der Schreibmaschine sogar zur sofortigen Exkommunikation ganzer Schreibschulen.

Entsprechend brach offenbar helle Aufregung beim Presserat auf, denn der reagierte prompt. "Hiermit bestätigen wir dankend den Eingang Ihrer Beschwerde. Darin beschweren Sie sich über verfälschte Quellenangaben", erfahren wir staunend. Und das Staunen wird noch größer: "Wir bitten Sie um Nennung Ihrer vollständigen Anschrift", teilt das Presseratssekretariat nun mit, "damit wir Ihre Beschwerde bearbeiten können".

Die Beschwerdeordnung des Deutschen Presserats sehe vor, dass Beschwerden, die im Beschwerdeausschuss behandelt werden, dem Beschwerdegegner zugeleitet werden, "um diesem die Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben bzw. ihm die Möglichkeit einzuräumen, sich einvernehmlich mit dem Beschwerdeführer zu einigen", heißt es abweichend vom Originaltext der Beschwerdeordnung, in der nirgendwo die Rede davon ist, dass eine Beschwerde beim Presserat nur unter Abgabe der vollständigen Wohnadresse möglich ist.

Aber wenn es der Sache dient, muss der Datenschutz zurückstehen. Wer nichts zu verbergen hat, muss auch nichts fürchten, nicht einmal vom "Spiegel". "Bitte teilen Sie uns kurz mit, ob Sie Ihre Beschwerde unter Nennung Ihres Namens aufrecht erhalten möchten", fordert die Frau vom Presserat. Also dann, kurz gesagt: Ja.

Jesus kam nur bis Püspökladány

Wie gefährlich die Internet-Landkartenmaschine Google Maps sein kann, musste jetzt erneut ein Prominenter erfahren. Auf einem Feld in der Nähe der ungarischen Stadt Püspökladány gefiel es Gott, nur für sich ganz allein ein Bild seines bekanntesten und - soweit bekannt - einzigen Sohnes in die Ackerkrume zu schieben. In den zurückliegenden rund 2000 Jahren war das zeichnerische Talent Gottes nie aufgefallen, da er sich für seine großformatigen Landschaftsskizzen stets abgelegene Plätze aussuchte und die Bilder im Stil der späten "Land Art" so allenfalls in den letzten paar Jahrzehnten von Bord eines Raumfahrzeuges hätten entdeckt werden können.

Erst Google Earth öffnete kirchlich gebundenen Kunstfreunden die Tür zum führenden Vertreter der modernen Land Art: Gott, bis bereits als Gestalter von Brotscheiben auch kommerziell recht erfolgreich, zeigt jetzt weltweit, was er von der Debatte um Missbrauchsvorwürfe in der Katholischen Kirche und der Loyalität von Katholiken hält, die wegen einiger zehntausend Missbrauchsfälle gleich komplett vom Glauben abfallen. Die Mutterkirche verlassen, in ihrer schwersten Stunde, obwohl wir Papst sind und der den vom Eros geplagten Priesterkollegen höchstens mal die andere Wange eines missbrauchten Knaben hingehalten hat. Matthäus 8:26: "Da sagte er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; da ward es ganz stille."

Sonntag, 25. April 2010

Die machen das mit den Fähnchen

Der Papst boxt nicht in Norderstedt! Darauf hat sich der Runde Tisch gegen Missbrauch bei seinem ersten Treffen in Berlin überraschend geeinigt. An der von der Bundesregierung einberufenen Runde nahmen rund 60 Vertreter von Bund, Ländern, Kirchen, Verbänden und aus der Opferberatung teil, darunter die Ministerinnen Leutheusser-Schnarrenberger (Justiz), Schavan (Bildung) und Schröder (Familie). Schröder sprach von einer "sachlichen und facettenreichen" Diskussion mit klaren Ergebnissen. So sollten Kinder und Jugendliche künftig "stark gemacht" werden, damit sie nicht zu Opfern würden, sagte Schröder. Schulen sollen in die Prävention eingebunden und "Eltern sensibilisiert" werden. Andererseits müsse man "potenzielle Täter frühzeitig erkennen und therapieren, damit sie nicht zu Tätern werden". Institutionen sollten deshalb künftig "eine verbindliche Selbstverpflichtung" abgeben, dass sie schon in Bewerbungsgesprächen auf das Thema sexueller Missbrauch eingehen und potenzielle Täter nach Möglichkeit zu Geständnissen bewegen.

Ein Weg, den auch der Deutsche Fußball-Bund eingeschlagen hat. Unter Führung seines durch den Sex-Skandal um die Schiedsrichter Amerell und Kempner schwer angeschlagenen Chefs Theo Zwanziger erteilte der erstmals tagende Runde Tisch gegen Fußball-Gewalt ungeeigneten Maßnahmen im Kampf gegen Fußball-Gewalt eine einhellige Absage. Man setze, so hieß es völlig überraschend in der "Tagesschau", auf "geeignete Maßnahmen". Im erstmals öffentlich präsentierten "Maßnahmekatalog" stehen ein selbstbewusstes Fußballverbot für den traditionell linken Krawall-Feiertag 1. Mai neben einer "Verbesserung der Kommunikation zwischen allen beteiligten Parteien", der Ausgabe kostenloser Sponsorfähnchen zum friedlichen Einwinken der Funktionärsparade und der "wissenschaftlichen Begleitung der Sicherheits- und Präventionsmaßnahmen", die später noch sehr viel konreter zu benennen sein werden, wie es hieß. Im Augenblick sei es schön, dass man mit der entschlossenen Initiative, einen Runden Tisch zu gründen, in die Fernsehnachrichten gekommen sei.

Die Runde-Tisch-Teilnehmer Zwanziger, Innenminister Thomas de Maizière, Hamburgs Innensenator Christoph Ahlhaus und DFL-Geschäftsführer Christian Seifert prüfen derzeit eine Zusammenlegung des Runden Tisches gegen Fußball-Gewalt mit dem Runden Tisch gegen Missbrauch. Auch der Fußball sei ein Opfer, so stellte der DFB klar, er werde von seinen angeblichen Fans missbraucht. Eine Vereinigung der beiden Runden Tische, der nach PPQ-Informationen demnächst auch der Runde Tisch fürs Freibad in Hamburg-Ohlsdorf, der „Runde Tisch“ zur Straßenbaumaßnahme „Am Getterbach“ in Münster-Mecklenbeck, der "Runde Tisch für Integration"in Flensburg und der "Runde Tisch gegen Rechts" im sachsen-anhaltinischen Burg beitreten werden, schaffe zwar Platzprobleme, habe aber inhaltlich "sehr viele Schnittmengen". Die durch den Umzug in einen größeren Tagungssaal und die Beschäftigung eines Schreiners entstehenden Mehrkosten würden durch die erwarteten Synergieeffekte bei Sensibilisierung, Prävention und Täterarbeit mehr als aufgefangen.

Samstag, 24. April 2010

Boykott mit dem Bagger

Das Volk, es will trotz Aufforderung durch Landwirtschafts- und Internetministerin Ilse Aigner nicht so recht in Panik verfallen angesichts des drohenden Starts von Google Street View in Deutschland. Obwohl die gelernte Rundfunkmechanikerin gleich mehrmals den Untergang des Abendlandes nahen sah, wenn erst echte Häuser als Bild im unechten Internet zu sehen sein werden, fanden sich bislang nicht einmal zehntausend Mitbürger bereit, ihre eigene Fassade mit Hilfe eines Einspruch bei Google vor der datenschutzrechtliche bedenklichen Abbildung zu schützen.

Wo der Einzelne nicht will oder kann, muss nun natürlich der Staat "ran" (Franz Müntefering). Die Stadtverwaltung von Halle an der Saale hat aus der weitgehenden Verweigerungsmüdigkeit ihrer Bürger im Überlebenskamf mit Google entsprechend schnell und konsequent Schlüsse gezogen: Weil sich "Google Street View in dieser späten Phase durch gewöhnliches Verwaltunghandeln", wie es ein Beamter nennt, nicht mehr aufhalten lasse, habe man zu härteren Maßnahmen greifen müssen, zumal im Internet aufgetauchte erste Street View-Bilder aus Deutschland Schlimmes für den Datenschutz befürchten lassen. "Wenn wir Google nicht daran hindern können, die Stadt gegen unseren Willen zu fotografieren", beschreibt der mit den Planungen vertraute Fachmann, "müssen wir eben dafür sorgen, dass die bei Street View präsentierten Fotos nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben."

Ein kühner, ein verblüffender Plan: Als erste Stadt in Deutschland boykottiert Halle den Google-Bilderdienst mit dem Abrissbagger. Sobald die ungeliebten Street-View-Kamera-Fahrzeuge eine Straße passiert haben, um sie 1:1 für die Darstellung im Internet aufzuzeichnen, rücken in Halle im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Bautrupps mit schwerem Gerät an, die großflächig Häuser abreißen, Bäume fällen und Baulücken mit Planen verhängen. Allein in der innerstädtischen Ludwig-Wucherer-Straße gelang es in den letzten zwei Wochen drei Mietshäuser und die ehemalige Fabrikanlage des VEB Gravo-Druck (Bild oben, Foto: Irrsinnslawine) völlig auszuradieren. So solle, heißt es im Rathaus, gezeigt werden, dass das von Google ins Netz gestellte Halle-Bild mit der Wirklichkeit gar nichts zu tun habe.

Auch an die Skyline der Saalestadt wagen sich die Protestler: In enger Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Landwirtschaft und Raumordnung plane die Stadt eine Entfernung der bislang über Halle aufragenden Flutlichtmasten des Kurt-Wabbel-Stadions und eine komplette Umgestaltung des zentralen Riebeck-Platzes, der in Googles Street View-Dienst von zwei Hochhäusern dominiert wird, die derzeit auch im realen Leben noch über den Platz herrschen. Damit der kalifornische Internetriese diese Quasi-Echtzeitansicht nicht in alle Welt transportieren kann, wo sich Datendiebe, zwielichtige Tourismusunternehmen und Busreisefirmen ihrer bedienen könnten, soll eines der Hochhäuser zeitnah abgerissen werden.

Der Abriss des die Silhouette prägenden Gebäudes (rechts) wird von Bund und Land mit rund 800.000Euro gefördert, eine nach Ansicht von Bundesministerin Ilse Aigner recht preiswerte Lösung, Google das datenschutzgefährdende Spiel zu verderben. Langfristig werde der Konzern zwar sicherlich mit Nachaufnahmen versuchen, sein Halle-Bild im Internet auf den neueren Stand zu bringen. Jedoch seien Stadtverwaltung, Landesregierung und Bund bereit, mit weiteren großräumigen Flächenabrissen dafür zu sorgen, dass Halle sich schneller verändere, als die Datenkrake mit der Neuaufnahme hinterherkomme. Es bestehe begründete Hoffnung, dass weite Teile der Stadt bereits abgerissen sein könnten, wenn der fragwürdige Google-Fassadendarstellungsdienst in Deutschland starte. Dann könne sich jeder Besucher überzeugen, dass das wahre Halle nichts mit den nicht einmal rechtswidrig erstellten Street-View-Aufnahmen zu tun habe. Man sei überdies sicher, als Verwaltung am Ende den längeren Atem zu haben, auch wenn Google regelmäßig versuche, seine Fotodatenbank auf dem Laufenden zu halten - schließlich laufe in Halle derzeit ein Themenjahr mit dem eindeutigen Motto "Halle verändert".

Freitag, 23. April 2010

Ich drehe alles um, in einer Stunde

Evo Morales, Boliviens Präsident und von allen prä-stalinistischen Staatschefs derjenige mit dem fulminantesten Mittelscheitel, ist nicht nur folkloristisch-demagogischer Drehrumbum (Foto oben), sondern auch Welterklärer und Wissenschaftler. Beim alternativen Klimagipfel kümmerte sich der stämmige Indio dementsprechend um die großen Themen der Menschheit. Der Verzehr von Genkartoffeln führe zu Haarausfall und Glatzen, ließ sich der lustige Eintänzer von nationalen Medien zitieren. Außerdem erklärte er Cola kurzerhand zu einem veritablen Mittel, um verstopfte Abflussrohre zu reinigen. Nebenbei löste er noch ein immer wieder diskutiertes Problem: Homosexualität ist nach der Meinung von Morales auf den Verzehr von Hähnchenfleisch zurückzuführen, da dieses mit weiblichen Hormonen behandelt werde. Warum sich der beliebte Diktator nicht zu den Themen Neuschwabenland und Aids äußerte, ist bis jetzt leider noch nicht bekannt.

Wiedergeboren als Zweitfrau

So schnell kann das gehen! Eben noch verblüffte die zahnlückige Diva Amy Winehouse die Welt mit ihrem "Liebes-Comeback mit Ex-Mann Blake Fielder-Civil" (dpa). Hand in Hand ließen sich die beiden Drogenwracks in London von Fotografen ablichten. Anschließend hätten sie in einem Jazz-Club den 28. Geburtstag von Fielder-Civil gefeiert (Bild oben rechts), berichtete die "Sun". Die Sängerin sollte nach Angaben der britischen Qualitätsmedien gerade ein Haus im Londoner Stadtteil Camden gekauft haben, in dem sie schon demnächst gemeinsam mit Fielder-Civil leben, saufen und kiffen wollte, ehe dann irgendwann auch an ein Baby gedacht sei.

Und nun ist die Verblüffung groß und das Erschrecken nicht minder. Nur vier Tage nach ihrem Techtelmechtel mit Blake Fielder-Civil zeigte sich Amy Winehouse im Rahmen der PPQ-Reihe "Wiedergeboren als..."mit ihrem Neuen, dem Journalisten und Hobbythek-Erfinder Jean Pütz (Bild oben links). Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein, denn nur wenige Stunden nach Veröffentlichung der ersten Fotos gestand der 73-jährige Fernsehsenior, dass er Vaterfreuden entgegensehe. "In meinem Alter ist das erstaunlich, ich war nicht darauf vorbereitet", hieß es", aber wir freuen uns riesig". Winehouse, der die Schwangerschaft noch nicht anzusehen ist, will vor der Geburt, die im Oktober anstehe, noch neue Songs mit ihrem US-Kollegen Usher aufnehmen. Der neue, reife Partner scheint der bisher oft verwirrt wirkenden 26-Jährigen gut zu tun: Allein über das letzte Wochenende, teile ihr Vater Mitch offiziell mit, "hat Amy drei Tracks für Quincy Jones aufgenommen". Das sind nach Angaben von Winehouse-Experten etwa drei mehr als in den letzten drei Jahren zuvor.

Zwerge verändern die Welt

Der Cricetus cricetus ist der Dauerbrenner, ein Zwerg, der die Welt verändern kann und das auch tut. Wo immer die Prediger von Fortschritt, Globalisierung, Straßenbau und Flächenversiegelung beginnen, die naturbelassenen Landschaften um uns herum nach ihrem Bild zu formen, schaltet sich Cricecus cricecus, besser bekannt als Feldhamster, ein wie ein raffinierter Partisan auf geheimer Mission. Den Bau eines völlig unnötigen neuen Gebrauchtwagenzentrums der Daimler-Chrysler AG in Wiedemar bei Delitzsch unterband das possierliche Tierchen ebenso wie es die Errichtung eines Gewerbeparks bei Aachen mit 12.000 naturfernen Arbeitsplätzen um Jahre verzögerte.

Gerade das Beispiel Aachen aber zeigt, wie wichtig konsequenter Hamstereinsatz ist. In Aachen fanden Spezialisten nur Erdlöcher, die auf die Anwesenheit der geschützten Art hindeuteten. Als sich später herausstellte, dass keine Hamster auf dem Gelände lebten, wurde der Bau eiskalt weitergeführt. Eine Lehre, die das Kollektiv von Feldhamsterverleih.de seitdem konsequent umsetzt. Naturschutz ist möglich, wo bedrohte Arten ins Spiel kommen, folglich muss man für bedrohte Arten sorgen, wo es sie nicht gibt. "Dank zahlreicher, im Laufe der letzten 20 Jahre erlassener Schutzbestimmungen für entsprechende Habitate gefährdeter Arten ist es nunmehr möglich, wirksam gegen den grassierenden Landschaftswandel einzuschreiten", erklären die Initiatoren auf ihrer Homepage. Durch das gezielte Ansiedeln bedrohter Spezies in vom Raubbau bedrängten Arealen könne aufgrund der genannten Vorschriften Einspruch erhoben werden. "Die Bauprojekte geraten dadurch unter Kostendruck, was einem eventuellen Scheitern des Vorhabens Vorschub leistet und es so ganz verhindern kann."

Das ist nicht einmal teuer. Einen kompletten einwöchigen Feldhamstereinsatz inklusive Vorbereitung eines Hamsterbaus durch Spezialisten, das Anstoßen der notwendigen Pressearbeit durch einen kundigen Leserbrief und die Futterversorgung der Einsatzkräfte vor Ort gibt es schon für 292,50 Euro. Edeltiere wie Biber und Fischotter sind mit knapp 500 Euro nicht sehr viel kostspieliger, möglich sei auch die Ausbringung seltener Schmetterlinge wie Hauben-Azurjungfer und Fetthennen-Bläuling, entscheide sich der Kunde für die Rotbauchunke (Bombina Bombina) als Baustoppgrund etwa für eine Autobahn, bekomme er eine paarweise Ausbringung in geeignetem Gewässer inklusive Unterrichtung örtlicher Naturschutzvereinigungen mit Foto der Tiere.

Eine Strategie, die sich immer wieder bezahlt macht. So konnte im mitteldeutschen Halle zuletzt der Bau eines für die Volksgesundheit gar nicht wesentlichen Fitness-Centers für zwei Jahre aufgehalten werden, nachdem in den Kellergewölben einer alten Fabrikruine aus DDR-Zeiten dort von Feldhamsterverleih-Experten angesiedelte Fledermäuse entdeckt wurden. Auch die Schließung des Autobahnrings um Halle konnte erfolgreich verhindert werden, nachdem Spezialisten seltene Farne angepflanzt und für die Region existenziell wichtige Käfer auf einer Wiese direkt an der geplanten Streckenführung ausgestreut hatten. Über laufende Projekte, so heißt es beim Feldhamsterverleih, könne leider nicht gesprochen werden, da ein Bekanntwerden der Tätigkeit von FHV-Mitarbeitern den Erfolg von Maßnahmen "eher erschwere". Interessenten können sich aber direkt an die Internet-Verleihstation wenden, wo Experten gern und diskret alle Fragen beantworten.

Donnerstag, 22. April 2010

Die Widersprüchlichkeit der Wirklichkeit

Im Blog Honigmannsagt muss wieder der alte Nathan Mayer Rothschild das Maul aufreißen: “Mir ist es egal, welche Marionette auf dem Thron von England sitzt und ein Imperium regiert, wo die Sonne nie untergeht", denn, so sprach der 1836 Verstorbene: "Ich bin der Mann, der die Geldmenge Britanniens kontrolliert."

Natürlich geht es hier darum, "wie man eine wirtschaftliche Katastrophe macht, um die Weltregierung zu erlangen". Darum geht es ja überhaupt immer und immer öfter. Wurde die ganze Finanzkrise von Goldman Sachs eingefädelt, um die Menschheit zu versklaven? Haben dunkle Mächte Jörg Haider ermordet, weil er reden wollte? Ist die Schweinegrippe menschengemacht, um mittels einer vermeintlich notwendigen Impfung kleine Chips bei jedermann zu implantieren, mit denen die Mächtigen den kleinen Mann an der langen Leine laufen lassen können? Und der Vulkan auf Island, dessen Staub niemand sehen konnte, der aber dennoch tagelang alle am Herumfliegen hinderte: Existiert der wirklich? Speit er Asche? Oder war sein Ausbruch nicht vielmehr nur ein Vorwand dafür?

Ja, wofür denn? Da sind der Fantasie kaum Grenzen gesetzt. Geheime Nato-Manöver zum Angriff auf den Iran direkt aus dem schwedischen Luftraum, geplant von sinsitren Gruppen namens "Bilderberger", "Illuminaten" und "Templer". Radarübungen, die nur über der Nordsee stattfinden konnten. Es soll vom Griechenland-Problem abgelenkt werden. Oder auch vom Mißbrauchsskandal in der Kirche. Oder lenkt der Missbrauchsskandal vom Vulkan ab? Und das Griechenland-Problem vom "Probelauf für einen Terrorangriff" einer unbekannten Macht, wie es im Netz heißt, über den die stets anonymen "Mächtigen" längst Bescheid wissen, den sie aber aus nur ihnen ersichtlichen Gründen beharrlich verschweigen.

Fast jedenfalls. Immerhin hätten ja Mitarbeiter großer Frankfurter Banken bereits vor dem Ausbruch des vermeintlichen Vulkans geheime Hinweise darauf bekommen, "Ende der Woche" besser keine Flüge mehr anzutreten. Und wenn sie denn doch fliegen müssten, dann lieber "ohne Begleitung". Beim allem Anschein nach tief in die allumfassende Ververschwörung involvierten Billigflieger Ryanair wussten Mitarbeiter sogar, wann der Vulkan wieder Flüge zulassen würde: Noch vor dem Ausbruch hätten hier Leute die Wiederaufnahme des Flugverkehrs für den Dienstag nach dem Flugzeugverbots-Wochenende geplant.

Alle Brennpunkt-Sendungen, der Überfluß der Nachrichten-Surrogate, das aufgeregte Flügelschlagen der Katastrophen-Industrie - sie alle hindern die Menschen nicht daran, hinter der vorgeführten Medialität eine höhere Ebene von Realität zu vermuten. Nein, sie motivieren Tausende und Abertausende erst, sich ihren eigenen Reim auf die verwirrende Widersprüchlichkeit der Wirklichkeit zu machen. Alles, was man weiß, deutet darauf hin, dass man nicht alles weiß. Wenn man aber nicht alles weiß, deutet das darauf hin, dass etwas verschwiegen wird. Verschweigen hat einen Grund, der wiederum sehr wichtig sein muss, wenn soviel sovielen verschwiegen wird.


Logisch. Es kann in diesem Falle also nur um alles gehen, das Überleben der Menschheit als Art, der Erde als Planet und des einzelnen als freies Individuum. Die Finanzkrise, ursächlich ausgelöst durch eine weltweit über zwei Jahrzehnte im Konsens von Regierungen und Bevölkerungen betriebene Wachstumspolitik mit billigen Geld, über das die Zukunft beliehen wurde, wird so zum von geheimen Mächten geplanten Anschlag auf den kleinen Mann, der sich nicht wehren kann. Ja, die acht Prozent Zinsen, die wollte er auch. Aber die Spekulanten sind natürlich andere, namenlose Multimillionenmilliardäre und zynische Hedge-Fonds-Manager, die nicht etwa im Auftrag von Pensionsfonds der öffentlichen Hand und von Großunternehmen versuchen, die Alterversorgung von abhängig Beschäftigten sicherzustellen. Sondern zu von anonymen Eliten geschickt sind, Krisen zu befördern, um einer grausamen weltweiten Diktatur den Weg zu bereiten.

Ein Vulkanausbruch, verwaltet von einer risikoaversen Regierung, wird da zum Menetekel für eine bevorstehende Zeitenwende. "Vielleicht eine Warnung an Rußland, im Kriegsfall gegen den Iran keine Hilfestellung zu leisten - ansonsten....", mutmaßt Volkes Stimme. "Für mich steht fest, das war ein wichtiger Testfall für den geplanten Iran- Angriffskrieg, der Befehl kam wohl von ganz oben in der Logenkette, weil andererseits diese konzertierte Aktion so nicht ablaufen hätte können".

Wieder logisch: "Alle gehorchten der Stimme ihres Obermeisters". Auch der Vulkan, vor dessen mutmaßlich zielgerichteter Auslösung ("Ich halte es für möglich, dass dem Ausbruch zu einer vorher bestimmten Zeit mit kleinen Sprengbomben nachgeholfen wurde") der einzig berufene Experte vorsichtshalber von der geheimen Weltregierung in Haft genommen wurde: Nur wegen der Tarnung des falschen Vulkan-Alarms wurde der weltweit einzige widerspenstige Metereologe Jörg Kachelmann durch die falschen Anschuldigungen einer ahnungslosen, aber gedungenen falschen Zeugin auf Eis gelegt. Für die Mächtigen, die wissen, "wie man eine wirtschaftliche Katastrophe macht, um die Weltregierung zu erlangen", ist das eine der einfachsten Übungen.

Des Wahnsinns fette Beute

Immer, wenn man denkt, der Wahnsinn gehe langsam in Agonie über, kommt wieder ein Irrer daher und bläst ihm neues Leben ein. Vulkane, McAfee, Griechenland? Ha! Eine neue Zeitrechnung muss her, wie Herr oder Frau Bingießer genau weiß - immer noch:Immer, wenn man denkt, der Wahnsinn gehe langsam in Agonie über, kommt wieder ein Irrer daher und bläst ihm neues Leben ein. Vulkane, McAfee, Griechenland? Ha! Eine neue Zeitrechnung muss her, wie Herr oder Frau Bingießer genau weiß - immer noch:

"Laufende Nummer: + 150 126-R-d, Regierungen, intern. Organisationen, usw.. 08.04.2010
Betreffend: Strafanzeige vom 02.05.09 gegen Deutschland, wegen terroristischer Umtriebe und Mord. Und daß allen Menschen die gleichen Chancen mit dem „Status 0“ und einer „neuen Zeitrechnung“ ermöglicht wird ! ! ! ! ! ! !

Will eine Regierung, Organisation, Institution, usw., die Umsetzung der Menschenrechten des einzelnen Menschen, in die sozialere, gerechtere, höhere Ebene aller Menschen erreichen, um den Kampf gegen den Klimawandel und die alles bewirkende Armut in Bewegung zu bringen, unterstützt und meldet sie, er sich bei : Wie oben.

An die Regierungen, Organisationen, Verwaltungen, usw., sind nachstehende im Anhang mitgesendete und nach Bedarf vorzulegende Anlagen gesendet. Es ist für alle Belange ein Schreiben vorhanden. Fangen wir mit + 150 051-R-e,d, an.

Die Naivität der Allgemeinheit ist es, die nicht merken wann sie verraten, verkauft und damit ausgenutzt werden. Zeigen Sie, daß damit Schluß ist und halten sich an ihren nach § 4 Öffentlich-rechtliche Amtsver-hältnisse „Eid“ dann erreichen wir, daß allen Menschen die gleichen Chancen mit dem „ Status 0 “ und einer „ neuen Zeitrech-nung “ ermöglicht wird, setzen wieder „Glaubwürdigkeit“ für die Politik und erreichen die Umsetzung der Menschenrechten des einzelnen Menschen, die sozialere, gerechtere, höhere Ebene aller Menschen und bringen den Kampf gegen den Klimawandel und die alles bewirkende Armut in Bewegung.

Sie bestimmen, wie die Menschheit existiert.

Da uns keine Zeit bei der Schnelligkeit des Klimawandels bleibt und die Armut mit der Politik nicht zu bekämpfen ist, brauchen wir eine Konkurrenz zur Politik, die für eine höhere, sozialere, gerechtere Ebene aller Menschen sorgt und das ist nur die „ikf“.

Mit freundlichen Grüßen.
i.A.Bingießer"

Kacheln auf allen Kanälen

Fünf Jahre hat er im Stillen gekachelt, fünf Jahre hat er entworfen, gemalt, Kleber gerührt. Er musste sich verstecken, er ist gejagt worden und musste sich die Nacht zum Verbündeten nehmen, um seinen großen Plan zu realisieren, den Verfall Saalemetropole Halle mit Hilfe einer Vielzahl von liebevoll gestalteten Fliesen aufzuhalten.

Die Hoffnung des Mannes, den seine Fans liebevoll Kachel Gott nennen, war stets, die Unesco aufzurütteln, auf dass sie der selbsternannten Kulturhauptstadt Halle auch offiziell den Titel Unesco-Welterbestätte verleihe. Eine nur angemessene Ehrung für die einzige vollverkachelte Stadt der Welt. Obwohl der Gegenwind für das gigantische Vorhaben immer stärker wurde, weil Behörden und Fliesenfeinde, aber auch engstirnige Sammler begannen, Kacheln von den Wänden zu meißeln und sogar ganze Häuser abzureißen, nur um die Verkachelung zu sabottieren, machte der Kachelmann von Halle unverdrossen weiter.

Und endlich folgte auch ein wenig öffentliche Anerkennung in den Massenmedien: Das Heimwerkermagazin "Bild" machte den Anfang, der Heimatfliesenfunk MDR folgte, der Kachelkulturkanal arte eilte herbei, um es der ganzen Welt zu erzählen. Kacheln auf allen Kanälen, kopfschüttelnde, ignorante Hallenser davor: Nie zuvor gesehen haben wollen die meisten die begeisternden Blickfänge an den Fassaden. "Man weiß nicht, was das soll", sagt eine Galeriebesucherin dem Kamerateam von "Dabei ab Zwei", "ich verstehe die Botschaft nicht", kritisiert eine andere. Sie wünsche sich die Fliesen sehr viel größer, außerdem wären Erklärungen des Kachelkünstlers angebracht.

Kunst solle wohl nach Ansicht dieser Leute ein wie ein SED-Mai-Transparent, so ärgern sich Fliesenfreunde, die seit Jahren ehrenamtlich und ohne auf den eigenen Geschmack zu achten viel Zeit aufwenden, um das erste und bislang einzige offizielle Kachelverzeichnis im Internet zu pflegen. Dank der beim großen Partner Google gespeicherten GPS-Daten zu jeder einzelnen Fliese können hier mit Hilfe von Google Maps spezielle Fliesenführungen durch die ehrwürdige Saalestadt geplant werden, die Route gibt dabei das Handy automatisch vor. Stationen sind dabei auch die Orte, an denen langgediente Kacheleologen still werden vor Zorn: Orte, an denen einst Kacheln klebten, die nun aber, wo endlich eine ganze Stadt, ja, ein ganzes Land hinschaut, nur noch Leerstellen sind, deren frühere Pracht sich allein online noch betrachten lässt.

Eigene Sichtungen können jederzeit direkt an die die 24-Stunden-Kachel-Hotline gemeldet werden. Jeder Fund wird von uns auf Wunsch vertraulich behandelt und mit einem nachgemalten Kunstdruck der inzwischen von Kachel-Gegnern feige vernichteten Ur-Fliese prämiert.

Mittwoch, 21. April 2010

In der virtuellen Aschewolke

Der Trend geht zur Cloud, der Trend geht zur Zweitschlagzeile: Erst legte das ursprünglich von Edvard Munch entworfene "Aschemonster" (vergleichend forensische Fotos unten) "Europa lahm" (Tagesschau), dann hieß es, die "Kritik an Verkehrsminister Ramsauer wächst" (Die Welt), weil die verheerende Aschewolke von ähnlicher Körperlichkeit war wie Ozonloch, Klimawandel, Rinderpest und Schweinegrippe: Die Wissenschaft hatte ihr Vorhandensein mit Hilfe komplizierter Computermodell eindeutig nachgewiesen. Doch kein lebendiger Mensch konnte sie wirklich sehen.

Das Wagnis, inmitten dieser Ungewissheit aufzusteigen und selbst nachzuschauen, wieviel Asche da aufs Haupt des Europäers rieselt, war immens. Doch im Dienst der Volksaufklärung, als Sklaven von Wahrheit und Wahrhaftigkeit, scheute eine PPQ-Testfliegerbesatzung das Risiko nicht. In engem Zusammenwirken mit der Fluglinie Widenoe.no ging ein Kamerateam an Bord einer aus Sicherheitsgründen mit Propellern angetriebenen Widenoe-Maschine, um erste spektakuläre Aufnahmen vom Hinterkopf des "Aschemonsters" (Bild) zu machen. Vier Stunden jagte der mit einem hochsensiblem Tümmlerradar ausgestattete Flieger die virtuelle Aschewolke, immer wieder schien sie greifbar nah, löste sich dann aber wie ein gespenstischer Nebel auf, sobald der fliegende Erkundungstrupp sich unter Führung des erfahrenen Wetterpiloten Sandro Wolf auf Objektivweite näherte.

Die Bilder sprechen denn auch eine eigene Sprache. Unsichtbar wie einst die Radioaktivität aus dem zerstörten Meiler von Tschernobyl dräut die Aschewolke, sie drängt die Globalisierung zurück in den Zahnpastatube, sie treibt die Zivilisation vom Wir zum Ich. Gestrandete Kanzlerinnen, geplatzte Südseeträume, Nachrichtensendungen, die so tun, als würde in Deutschland inzwischen jeder jeden Tag mit Lufthansa ins Büro fliegen. Nahaufnahmen, wie sie PPQ weltexklusiv präsentieren kann, zeigen das ungetrübte Himmelsblau der Tage seit der medialen Entdeckung des Vulkanausbruchs als Schottenrock im Sinne des Endzeit-Philosophen Nico Haak: Darunter ist nichts und da war nichts, nicht mal ein großer Sack mit Pfeife.

Der Staat als Steuerhinterzieher

Noch ist unklar, ob es sie wirklich gibt, inzwischen steht sogar fest, dass es für den Staat besser wäre, es gäbe sie nicht. Denn beim Kauf der Schweizer Bankdaten-CD haben der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen offenbar selbst massiv gegen Zoll- und Steuergesetze verstoßen. "Die Lieferung der CD hätte in jedem Fall beim Passieren der Grenze beim Zoll angemeldet werden müssen", beschreibt der Zollrechtsprofessor Hans-Michael Wolffgang in der 'Financial Times Deutschland'.

Habe der Verkäufer die CD selbst nach Deutschland gebracht, sei er strafbar geworden, wüssten die Behörden davon, müsse auch gegen sie ermittelt werden. Noch schlimmer wäre es, sollte ein Staatsbeamter die CD über die Grenze gebracht haben. "Dann wäre dieser Beamte der Schuldner und die Tat seiner Behörde zuzurechnen", erklärte Wolffgang.

Die ist kein Bagatelldelikt: Beim Import wertvoller Güter aus Nicht-EU-Staaten verlangen der deutsche wie auch der französische Zoll rund 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer. Im Fall der Steuersünder-CD wären das immerhin rund 500000 Euro, die sich der Staat selbst an Umsatzsteuer hinterzogen hätte.

Hilfe für Hakenkreuzschmierer

Sachsen-Anhalt macht ernst, das westlichste der östlichen Bundesländer setzt Maßstäbe. Nach einem Beschluss einer Parlamentskommission soll sich der vom ehemaligen DDR-Grenzoffizier Holger Hövelmann umsichtig geführte Verfassungsschutz des Landes künftig an geltende Gesetze halten. Darauf verständigte sich eine hochrangige Parlamentarische Kontrollkommission (PKK) des Landtages, die einberufen worden war, um den über Jahre rechtswidrigen Umgang des Verfassungsschutzes mit den Daten von straffälligen Kindern unter 14 Jahren zu untersuchen.

Die hatte der Geheimdienst in guter alter Stasi-Manier sowohl elektronisch als auch in traditionellen Stasi-Akten gespeichert, obwohl das verboten ist. In weiser Voraussicht, dass aus jedem kleinen Hakenkreuzschmierer später ein neuer Hitler werden kann, waren schon bei staatsfeindlichen Bagatelldelikten wie Hakenkreuzschmierereien Vorgänge zu elf- und zwölfjährigen Tätern angelegt worden. Damit hoffte der Verfassungsschutz, mutmaßlichen späteren Gesetzesbrechern vorbeugend auf die Spur zu kommen. Praxis war es, etwa vom Zeichner einer Hitler-Karikatur (Bild links) nach dessen dreistündiger Einvernehmung Fingerabdrücke zu nehmen, um ihn auch im Erwachsenenalter sofort als Rückfalltäter identifizieren zu können. Welches Ausmaß die Speicherpraxis hatte und wieviele Kinder betroffen waren, konnte die PKK nicht mehr feststellen, da der Verfassungsschutz auf Geheiß des Innenministers sofort nach Beginn der Untersuchungen nicht nur alle Daten, sondern auch alle Daten über die Daten gelöscht hatte.

Die Parlamentarier ziehen jetzt harte Konsequenzen aus der Hilfsaktion für Hakenkreuzschmierer. Man schlage vor, dass der Verfassungsschutz sich künftig an die geltenden Gesetze halte und keine Daten mehr von unter 14-Jährigen erfasse, hieß es. Dazu wolle man ein entsprechendes neues Gesetz verabschieden. Bewähre sich diese Strategie, könnten später Gesetze zum Verbot von Mord, Brandstiftung und zu schellem Fahren in 30er-Zonen folgen, die dann auch die ganz normale Bevölkerung betreffen würden.

Dienstag, 20. April 2010

Führerfeier auf friedlichen Fliesen

Früher, ja, früher, da wurden noch Fußball-Länderspiele gegen Engeland abgesagt, damit die Ewiggestrigen nicht reinfeiern können in den Führergeburtstag. Der 20. April war der äußersten Rechten stets willkommener Anlass, sich das Demonstrieren verbieten zu lassen oder doch zumindest knarzige Störkraft-Lieder aus dem offenen Fenster der Neubaubuchte zu brüllen, bis die Polizei und die Lokalpresse vorbeikamen.

Damals stand die Errichtung des Vierten oder Fünften Reiches unmittelbar bevor, mit der ganzen Kraft der demokratischen Volksgemeinschaft aber hat es Deutschland geschafft, die Extremen doch wieder zu integrieren: Adolf Hitler ist an seinem 121. Ehrentag ein Pfeiler der deutschen Fernsehunterhaltung. Ene Erkrankung oder gar ein totaler Ausfall des einstigen Führers und Reichskanzlers würde ZDF, ARD, n-tv und alle dritten Programme nebst den digitalen GEZ-Bildungssendern lahmlegen wie ein Aschevulkan den europäischen Luftverkehr. Die Jünger des Diktators aber haben sich abgewandt: Nicht einmal mehr Altermedia, das Störtebeker-Portal, auf dem verfassungswidrig mit nur zwei "S" geschrieben wird, würdigt den vielbeschäftigten Jubilar an seinem Ehrentag auch nur eines Wortes.

Doch dafür ist Google zur Stelle. Wie von Zauberhand unterschob der kalifornische Gigant der PPQ-Werbeleiste ausgerechnet heute ein Banner mit der dringenden Bitte "Hitler, Hitler billig!" Angeregt worden war die allwissende Google dazu offenbar durch die PPQ-Berichterstattung zur Kachel-Berichterstattung über den Kachel Gott von Halle, der seit nunmehr fünf Jahren das Ziel verfolgt, die Mitte des Jahrhunderts in Halle an der Saale entstandenen Kriegsschäden durch das Zukleben mit selbstgestalteten Fliesen zu beheben. Der Zusammenhang zwischen friedlichen Fliesen und feierndem Führer erschließt sich vorerst nur der Maschinenintelligenz im Google-Rechenzentrum. Doch für die Anständigen unter uns heißt es nun auf jeden Fall "Augen auf" und "Hinsehen", wenn irgendwo eine neue Kachel auftaucht: Nur zu leicht könnten die Falschen ihre verderbten Botschaften in die Keramik brennen und die zarte Demokratie in den immer noch jüngeren Bundesländern so ins Wanken bringen.

Die Entdeckung von Ostfliesland

Ein wenig nostalgisch werden die ganz alten Kacheleologen schon, wenn sie diese Bilder bei Youtube sehen (Film unten). Kachel auf Kachel, Fliese auf Fliese zieht vorbei, eine schöner als die andere, und alle sind sie in den letzten vier Jahren handgeklebt vom größten lebenden Keramiker, den die Saalestadt Halle hat. Doch jetzt, wo große Kunstmagazine wie die "Bild"-Zeitung beginnen, sich mit Leben und Werk des enigmatischen Kämpfers für die komplette Neuverkachelung der Innenstadt zu befassen, sind viele seiner grundstürzend guten Klebwerke schon nicht mehr oder doch nur noch in den Archiven des World Wide Web zu besichtigen.

Eine Kulturschande. Kachelstürmer und Baubanausen rissen die fantastischen "Fäuste" aus der Großen Steinstraße, sie vernichteten den "Schmetterling" in der Ludwig-Wucherer-Straße, zerstörten den Maradona in der Mittelstraße, sie radierten die eindrucksvolle Doppelklebung an den Blumenkübeln vor dem Steintor aus und schliffen mühevoll alle Farbe von der Ur-Kachel in der Schulstraße. Der Weltkulturerbestatus, zu dem der von seinen Fans liebevoll Kachel Gott genannte Ausnahmekünstler seiner Heimatstadt durch das vom Klassiker Funk25 inspirierte großangegelegte Street-Art-Projekt hatte verhelfen wollen, ist durch Bilderstürmerei und Engstirnigkeit mehr denn je bedroht. Gut, dass das nun endlich auch die großen Medienhäuser in der Region erkennen und versuchen, die Behörden aufzurütteln.

Die Chancen stehen gut: Trotz der schlechten Presse durch den Vergewaltigungsskandal um den angeblichen Wetterfrosch, der sich ebenfalls "Kachelmann" nennt, klebt der Original-Fliesenleger von Halle unentwegt weiter an seinem großen Traum, Mitteldeutschland zu Ostfliesland zu machen. Der Radiosender Corax plant indes endlich, einen Plan umzusetzen, den das Fliesen-Fachboard PPQ bereits vor Jahresfrist angeregt und dringend angemahnt hatte: Eine Stadtführung speziell für Freunde der Kachelkunst. Wegweiser dürfte dann das erste und einzige offizielle Kachelverzeichnis sein, das PPQ in enger Zusammenarbeit mit dem Fliesenfreund Mike Bach und dem Netzgiganten Google erstellt hat.

Eigene Sichtungen können jederzeit direkt an die die 24-Stunden-Kachel-Hotline gemeldet werden. Jeder Fund wird von uns auf Wunsch vertraulich behandelt und mit einem nachgemalten Kunstdruck der inzwischen von Kachel-Gegnern feige vernichteten Ur-Fliese prämiert.