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Dienstag, 11. Oktober 2011

Im Groschenheft zur Gottesrepublik

Für den Umgang mit einer Frau gibt es drei verbindliche Richtlinien. Kennt man sie nicht, wahrt man strenge Distanz. Ist sie eine Verwandte, ist das Verhältnis zu ihr geschwisterlich vertraut, wobei die Interessen des Mannes stets im Vordergrund stehen. Die Frau gehorcht. Eine Ehefrau aber ist ihrem Gatten hörig. Was er sagt, ist Gesetz, sie hat sich unterzuordnen.

Willkommen im Deutschland des Jahres 2066, willkommen im Deutschland des Buches "Die Gotteskrieger - Islamistische Republik Deutschland 2066" , in dem das gute alte Abendland den Weg aller Dinge gegangen ist. Wo ehemals Deutschland war, ein Staat voller Ausschweifungen, weltlicher Sünden und falscher Glaubenssätze, haben jetzt strenggläubige Bartträger die Macht übernommen. Die grüne Fahne des Propheten weht über Berlin, der Muezzin ruft im Breigau wie in Dresden - und alle, aber wirklich alle eilen, dem Mullah zu Füßen zu fallen.

Denn anderenfalls, so wenigstens will es der "Gotteskrieger"-Autor, der sich Hermann Wacken nennt, taucht die Glaubenspolizei auf, um die wacklichen Anhänger hart zu bestrafen.

So geht das in der "Islamistischen Republik Deutschland", die Wackens groschenheftigem Roman auch gleich noch den Untertitel liefert. Das Bemühen um den Tabubruch ist erkennbar, die Absicht augenscheinlich. Wacken, der natürlich nicht wirklich so heißt, sondern mit seinem Pseudonym wohl einerseits an Hermann den wackeren Etrusker, andererseits aber auch an das Wort "Erwachen" erinnern will, malt ein gewollt überapokalyptisches Bild der islamistischen deutschen Zukunft. Hier sind nicht einmal mehr die Gedanken frei, geschweige denn sonst irgendwas: Alles wird überwacht, jeder wird bespitzelt, erlaubt ist nur, was erlaubt ist, alles andere dagegen ist verboten.

Der Alptraum der Islamphobiker, auf eine Spitze getrieben, die so dünn ist, wie sie Flann O´Brien in "Der dritte Polizist" beschrieben hat. Ludwig Rauber, der das Pech hat, von Hermann Wacken als Hauptgestalt in das traurige Reich vobn Überwachung, Bestrafung und fleißigen Gebeten geworfen zu werden, arbeitet dann auch noch in einer Art Internet-Überwachungsbehörde, die dafür zuständig ist, Schaden abzuwenden, den Staatsnetznutzer nehmen könnten, wenn sie irgendwelche unzensierten Inhalte zur Kenntnis nehmen müssten - eine Lektüre, die schmeckt wie gebratenes Salz, in Pfeffer eingelgt und mit Curry abgeschmeckt.

Dabei hat Wacken durchaus einige spaßige Ideen, so man denn der Meinung ist, literarisch sei auch eine solche Utopie zulässig. Die Volkswagen im Gottesstaat etwa heißen "Gläubige", die Scharia unterliegt noch immer einem fortdauernden Auslegungsstreit, der mit Logik soviel zu tun hat wie Gott mit Gebeten und die Medien liefern den deutschen Glaubensbrüdern Dokumentarfilme aus dem arabischen Raum, die ein Paradies zeigen, das es so in Wirklichkeit so wenig gibt wie es die kapitalistische Hochhölle gab, aus der Karl-Eduard von Schnitzler in seinem Schwarzen Kanal berichtete.

Aber die grundsätzliche amüsante Ausgangslage und die paar originellen Verzierungen am institutionalisierten Debakel von Freiheit udn Demokratie reichen nicht, die "abwegige und böse Geschichte" (Hermann Wacken) über die Runden zu bringen. Zu viel Kolportage, zu viel Klischee regieren im Reich der Scheichs: Auch die Mullahs trinken natürlich hinter den Kulissen und gerade die eifrigste Vorbeter der neuen Weltanschauung entpuppen sich zuweilen als härteste Widerstandskämpfer.

Wie immer beim Unitall-Verlag, der schon Parallelwelt-Science-Fiction über ein im Ersten Weltkrieg siegreiches Deutschland ("Kaiserfront) und einen 1952 noch lebenden Hitler im Programm hat ("Mein Frieden"), wird aus den "Gotteskriegern" eine Buchreihe werden. Hat der Verlag, der seine Provokationen vorsichtshalber von der Schweiz aus in die welt setzt, richtig Glück, springt der "Spiegel" noch einmal über das Stöckchen und empört sich über "haarsträubende Science-Fiction-Romane" voller "Verschwörungsphantasien und rechtem Gedankengut", wie sie nach Ansicht des Leitmagazins und seines Autors Emanuell Möbius eigentlich verboten sein müssten. Kommt es soweit, wird Wackers Werk ein Hit.

Kommentare:

Kurt hat gesagt…

Danke für den Hinweis. Da muß ich mal wieder auf deren Site gehen.
Grundsätzlich halte ich es für zulässig, daß alle möglichen Zukunftsszenarien literarisch durchgespielt werden. Über Diemar Daths Chimären in "Abschaffung der Arten" hat sich ja auch keiner aufgeregt. Und da geht es um einiges menschenfeindlicher zu, als in der Pulp Fiktion vom Unitall-Verlag. Deren Reihe "Stahlfront" z.B. hatte eine witzige Ausgangsidee die aber durch mangelnde literarische Qualität völlig für den Eimer war. Deshalb gab es dann auch die ersten Bände kostenlos als pdf.
Ich warte auf die Romane, wo ausgemalt wird, wie es ist, wenn die Bilderberger die NWO errichtet haben werden.

ppq hat gesagt…

volle zustimmung. die ausgangsideen sind gut, die umsetzung ist groschenheft.

lass uns das mit den bilderbergern selber schreiben.

das knallt, würden elsterglanz rufen (wenn nicht bekannt, bitte nach elsterglanz und rambo gugeln)

Volker hat gesagt…

Was machen wir nur mit ihnen, den vielen nicht hilfreichen Büchern?

eulenfurz hat gesagt…

@Volker
Auf den Scheiterhaufen...

Ach nee, das macht man in der Mediengesellschaft nicht mehr.

Aussondern, indizieren, totschweigen oder diskreditieren!

ppq hat gesagt…

man sollte solche bücher verbieten. oder eben verbrennen.

keine zeile den nichthilfreichen!

Kurt hat gesagt…

Die Macher vom unitall-verlag haben schon ihre gerchte Strafe erhalten. Sie sind vom SF-Fandom abgewatscht worden, daß es nur so krachte. Auf irgendeiner deutschen CON hageltete es Proteste und Distanzierungen und Entschuldigungsschreiben der Veranstalter usw.

Also der ganze neo-Stalinistische Mummenschanz wurde ausgespielt.
link unter meinem Namen oder hier:
hp://www.fandomobserver.de/2011/01/ideologisch-behaemmert/