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Freitag, 7. Oktober 2011

Weil heute Dein Geburtstag ist

Nur das DDR-Ampelmännchen hat noch Freunde, die gemeinsam mit ihm feiern, wenn die Feste fallen. Die Leipziger Volkszeitung etwa erinnerte gerade gern und fröhlich an den 50. Geburtstag der liebenswerten Lichtgestalt, die mit Hut und durchgedrücktem Rücken seit 20 Jahren auch im wieder größer gewordenen Vaterland dafür sorgt, dass T-Shirt -Verkäufer etwas aus dem guten alten Zeit auf Hemdbrüste zu drucken haben.

Der Ehrentag des Mutterlandes der Sagenfigur aus dem Reich der Arbeiter, Bauern und Funktionäre geht dagegen gern mal verloren in der medialen Planung. So groß das Getöse, sobald sich Daten im Dezimalsystem runden, so laut das Schweigen, wenn es um Jubiläen geht, die knapp neben Pflichtübungen liegen. Zum 62. Geburtstag der DDR, im 31er-Zählsystem immerhin der 2. Geburtstag des deutschen Friedensstaates, übergeht die versammelte deutsche Qualitätspresse die historische Tatsachen. Ein Moment Hoffnung macht freie-radios.net, das "Audioportal Freier Radios", das einen Jubiläumstext zum 7. Oktober mit dem vielversprechenden Satz "Nicht alle Jubiläen geben Anlass zur Freunde" beginnt. Hier kann es nur um die DDR gehen, glaubt der mitteldeutsche Mithörer. Und irrt: "Heute vor 5 Jahren wurde die russisch-amerikansiche Journalistin Anna Politkowskaja erschossen", sagt der Moderator überaus mitfühlend.

Es ist, nur zwei Jahrzehnte danach, als habe es den zweiten deutschen Staat nie gegeben. Die staatliche Nachrichtenagentr dpa erinnert an " 20 Jahre Verkehrsprojekte Deutsche Einheit", das deutsche Auslandsradio Deutsche Welle an den 7. Oktober 2001, als "in Afghanistan die ersten US-Bomben einschlugen", die Süddeutsche Zeitung an einen Werbegag aus dem Jahr 2000, als ein Bier-Produzent erstmals "auf seinen Flaschen vor den negativen Folgen von Alkohol" gewarnt habe. Historie im Hibernationsmodus. Doch andererseits erinnert gerade das kollektive Vergessen, unangeordnet und unaufgefordert, daran, dass er immer noch oder doch schon wieder da ist. So freiwillig DDR, wie sie wurde, als sie nicht mehr war, ist die echte DDR nie gewesen.

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Kommentare:

derherold hat gesagt…

"... als habe es den zweiten deutschen Staat nie gegeben ... "

Das muß aber auch so sein.

Ach, was hatten es dt. Sozialwissenschaftler und dt. sozialwissenschaftlich bewegte Journalisten in der langen, langen dunklen Zeit nach ´90 schwer.

Nicht mehr durften sie "Selbstmordrate durch kapitalistische Ausbeutung beeinflußt" oder "die Studierenquote in Deutschland ist zu gering" oder "die Verschulung des Studiums dient dem Kapitalismus" sagen, weil es noch Lebende gab, die sich an die ... äh... *Dings* erinnerten.

Endlich !
So erfuhren wir jüngst durch Norbert Mao Blüm, daß ein starker Zugriff auf die Kleinsten und ihre Zuführung der staatlichen Obhut *neoliberal* ist.

Oels hat gesagt…

Fairerweise muß man sagen, das auch der 3.Oktober in den Medien nur noch als "Tag der offenen Moschee" in Erscheinung tritt.

ppq hat gesagt…

das tehma ist eben immer rund