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Samstag, 26. Januar 2013

Austausch der Eichhörnchen

Nach einer Minute und 20 Sekunden im HFC-Dress hat sich Timo Furuholm einen Vertrag auf Lebenszeit verdient. Von ganz links außen nimmt der Finne, in der Winterpause als Stürmerhoffnung Nummer fünf aus Düsseldorf geholt, einen Ball, der Björn Ziegenbein, ein zweiter Wintereinkauf, zu ihm durchgesteckt hat. Und als würde das Leder die Hauk, Pichinot, Preuß und Shala verspotten wollen, die sich hier in den letzten Monaten alle schon mehr mehr als weniger vergebens als Goalgetter versucht hatten, segelt es ins lange Eck.

1:0 im ersten Spiel nach der Winterpause, ein Hoffnungsschimmer
an einem eisigen Tag, an dem der Hallesche FC gegen den Tabellennachbarn Stuttgarter Kickers die Basis für den erfolgreichen Klassenerhalt legen will. Mit Telmo Texeira und Andis Shala mussten über den Jahreswechsel zwei Spieler gehen. Neben Furuholm und Ziegenbein kamen mit Daniel Ziebig aus Cottbus und dem Finnen Kristian Kojola aus Mariehamm insgesamt vier neue Spieler.

Erstaunlicherweise aber spielt der Gastgeber gegen Stuttgart nur die ersten zwölf Minuten so, als sei mit der Neubesetzung von 40 Prozent der Feldspieler-Plätze auch ein neuer Geist eingezogen. Ziegenbein schnickt ein-, zweimal überraschend um seinen Gegenspieler herum. Furuholm steht mehrfach genau da, wo Pichinot & Co. in der Hinrunde nie standen. Allein, es ergibt sich nichts Zählbares aus den Versuchen, ein schnelles zweites Tor zu erzielen.

Und nach einer Viertelstunde lassen sie es dann auch dabei bewenden. Statt nach vor passen die Männer in Rot-Weiß lieber zur Seite, statt über die Außen zu kommen, kommen sie als Kollektiv: Ehe nicht jeder einzelne Spieler den Ball wenigstens einmal berührt hat, gibt es kein finales Anspiel Richtung Strafraum.

Stuttgart lässt das zu, direkte Bemühungen, hier den Ausgleich zu machen und danach vielleicht noch mehr zu versuchen, gibt es nicht. Während der HFC sein Spiel bei minus drei Grad langsam einfrieren lässt, keineswegs beunruhigt wirkend ob der von Minute zu Minute weiter nachlassenden Offensivkraft, dürfen die Blauen dann auch mal eine Ecke treten. Es folgt noch ein und in der 33. Minute noch eine. Auch die wird abgewehrt, der Ball aber trudelt dann doch wieder in den Fünf-Meter-Raum. Und von dort irgendwie ins Tor.

Das Übliche also. Der letzte Heimsieg der im alten Kurt-Wabbel-Stadion daheim noch kaum bezwingbaren Mannschaft von Trainer Sven Köhler datiert tatsächlich vom 04. August 2012. In den 175 Tagen seitdem gelangen vier Unentschieden, fünf Spiele gingen verloren. Nur die zweite Mannschaft des VfB Stuttgart ist schlechter.

Eine rabenschwarze Bilanz, die nicht mehr mit Pech oder dem Unvermögen einzelner Spieler zu erklären ist.  Andis Shala, im Verlauf der Saison als einer der Verantwortlichen für die fehlende Durchschlagskraft nach vorn ausgemacht, ist fort. Durchschlagskraft aber entwickelt auch die renovierte Offensive nur in den ersten paar und in den letzten zehn Minuten.

Dazwischen bietet sich ein gewohntes Bild für die leidgeprüften 5200 Zuschauer, unter denen nur echte Fehler-Feinschmecker auf ihre Kosten kommen. Über die linke Angriffsseite etwa geht gar nichts, obwohl hier der in der Hinrunde stärkste Außenstürmer Dennis Mast eigentlich Verstärkung vom erfahrenen Daniel Ziebig bekommen hat. Doch Ziebig steht hinten wie festgewachsen, bis zur 70. Minute macht er keinen Schritt über die Mittellinie.

Rechts außen dagegen, wo Toni Lindenhahn sich anfangs einige Male schöne Zuspiele mit Ziegenbein liefert, spielt ab der 20. Minute nur noch Jan Benes. Der eigentlich bereits aussortierte, durch die tragischen erneuten Verletzung von Pierre Becken aber doch wieder in die Mannschaft gerutschte Tscheche, Überlebender der Oberliga-Mannschaft von 2007, ist neben Ziegenbein und Furuholm auffälligster Mann. Allerdings hat Benes es nicht leicht: Stößt er vor, steht ihm meist nicht nur Lindenhahn im Weg, sondern auch Mast, der, weil auf seiner linken Seite ja nichts los ist, fortwährend in die Mitte drängt.

Das hallesche Spiel hat so eine unglückliche Unwucht, die planmäßig zu sein scheint, da Trainer Sven Köhler keinerlei Bemühungen unternimmt, sie abzustellen. Links außen klafft vor Daniel Ziebig ein riesiges Loch. Rechts stehen sich mit Lindenhahn, Ziegenbein, Benes, Furuholm und Mast fünf Spieler auf den Füßen. Wenn es einen Plan gibt, nach dem das so sein soll, dann wird er hervorragend umgesetzt.

Nur eben leider auch ohne messbare Ergebnisse. Zwischen der 33. und der 69. Minute regiert kopfloses Quergeschiebe mit gelegentlichen Ziegenbein- oder Benes-Vorstößen. Der Druck nach vorn ist wieder sanft wie zu besten Shala-Zeiten. Dann erst nutzt Björn Ziegenbein die Verletzungspause eines Stuttgarters, seinen Kollegen Ziebig heranzurufen. Minutenlang diskutieren beide, dann geht es hinüber zu Ruprecht, Hartmann und Müller, die bekommen etwas erklärt - und auf einmal löst sich der Querschiebe-Knoten im HFC-Spiel.

Eine Schlüsselszene. Jetzt gibt es wieder Torchancen, Ziebig marschiert außen bis über die Mittellinie und flankt, Mast ist wieder im Spiel und Benes und der für Lindenhahn eingewechselte Erich Sautner haben auf ihrer Seite Platz, zum Strafraum zu ziehen.

Leider sind nur noch zehn Minuten auf der Uhr und das ist eindeutig zu wenig für eine Mannschaft, die im Durchschnitt nur aller 104 Minuten ins gegnerische Tor trifft. Mehr als einen Fernschuss von Hartmann, eine Großchance von Sautner, einen Lattentreffer von Furuholm und einen in Rückenlage über das Tor gezimmerten Schuss von Ziegenbein bringt es nicht mehr ein, denn der Schiedsrichter pfeift trotz zahlreicher Unterbrechungen auf die Sekunde pünktlich ab. Immerhin ein Punkt, sagt Björn Ziegenbein später in eine Fernsehkamera. Darauf könne man aufbauen.

Anders gesagt: Die Eichhörnchen sind andere. Aber das Sammeln ist immer noch verdammt mühsam.

Spielbericht bei HallescherFC.de

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