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Freitag, 4. Januar 2013

Der letzte Walzer


Hat sie? Oder hat sie nicht? War die Version von „Tennesse Waltz“, die Patti Page vor 63 Jahren sang, die beste aller Zeiten? Oder war es doch eher die von Patsy Cline?

Die Geschmäcker sind verschieden, und verschieden ist nun auch Patti Page, mit deren Namen der Country-Klassiker verbunden ist, obwohl sie das Lied weder schrieb noch selbst aussuchte, es zu singen. Page, die eigentlich Clara Ann Fowler hieß, starb am Neujahrstag im Alter von 85 Jahren in Kalifornien, zuletzt hatte die Interpretin von Stücken wie „How Much is that Doggie in the Window“ und „Allegheny Moon“ in einem Altenheim gelebt.

Page gehörte zu einer Generation Popstars, die noch nicht so hießen. Betreut von Produzenten, die ihr Songs suchten und ihr sagten, wie sie sie interpretieren sollte, gelang der aus Oklahoma stammenden Erfinderin des Overdubbing eine Karriere, wie sie heute Sternchen wie Lana del Ray oder Lady Gaga anstreben. Page verkaufte den „Tennessee Waltz“ mehr als zehn Millionen mal, sie übernahm eine eigene TV-Show und war während der 50er Jahre eine der beliebtesten Künstlerinnen der USA. Widersprüche gab es nicht im Leben der strahlenden Blondine, die immer lächelte und dem Role Model des amerikanischen Traums entsprach.

Patti Page lebte mit sich im Reinen. „Es gibt sicher viele Dinge, die ich hätte anders machen sollen“, sagte Page sie, „aber ich glaube nicht, dass ich jemandem weh getan.“ Mehr kann man nicht wollen.

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Ich habe auch lange überlegt, mit welcher der zweitausend Versionen meine musische Erziehung erzwungen wurde, da ich die Trällerei etwas strammer und mit tief gelegter Stimme in Erinnerung habe.

Hier ist sie. Bert Hendrix mit dem Orchester Walter Eichenberg.

Anonym hat gesagt…

Zum Glück wurde mir in meiner Jugend eine (freiwillige)musikalische Ausbildung zuteil, sprich ich lernte ein Imstrument. Das brachte mich in Kontakt mit der heute sogenanten E-Musik, der klassischen Harmonielehre, dem vierstimmigen Satz etc. - Aus solch einer Perspektive heraus merkt man erst, wie die heutigen Krethis und Plethis auf eine triviale Kadenzmusik (meist angloamerikanischer Provenienz) fixiert sind. So reicht ihr Wahrnehmungshorizont meist nur von Rock'n Roll, Country, über Beat, Rock, Pop bis zu Soul, Hipphopp, Rap, Tekkno und wie der ganze Kram auch immer heißen mag.
Hat man sich indes innerlich von dieser 'Mcdonaldisierung' der Musik distanziert, so rühren einen die ganzen Tennessee-Waltzes so heftig an, wie nächtliches Wolfsgeheul in verschneiter Taiga.- Genausewenig tangieren einen die ganzen Brimboriums um die Pop-Götzen, wie weiland um einen 'Maikl-Tschäcksn' und Konsorten. Denn hätte ihr Geträller und Gedudel nur einen Bruchteil der Substanz ihrer großen 'Ahnen' wie WAM oder LvB oder JSB, so könnte ich noch einen Bruchteil der lächerlichen Vergötterung verstehen, die sie genießen. - So aber ist der weltweite Rummel um diese Pop-Ikonen offenbar reziprok zu der Bedeutung ihrer musikalischen Hervorbringungen.