Google+ PPQ: Der große Harlem-Shake-Schwindel

Samstag, 30. März 2013

Der große Harlem-Shake-Schwindel

Fast zehn Millionen Filme, mehrere hundert Millionen Zuschauer - der obskure Tanz "Harlem Shake" ist nach Angaben der Leitmedien ein soziales Phänomen. Ende Januar von einem amerikanischen Hobby-Komiker namens George Miller erfunden, hat das Zappeln und Blödeln vor der Kamera sogenannten "Kultstatus" erreicht, dank angeblicher viraler Verbreitung über "soziale Netzwerke" wurde des klapperdürre Musikstück dazu, erdacht und eingespielt von einem DJ namens Baauer, zu einem sogenannten Hit, der selbst in dünnbesiedelten Gebieten an der Straße der Gewalt für überschäumende Begeisterung sorgt.

Eine schöne Geschichte, nur eben leider nicht wahr, wie die US-Webseite Quartz jetzt recherchiert hat. Kevin Ashton hat den Werdegang des Tanzes dazu vom ersten Auftauchen bis in die Jetztzeit verfolgt - die zufälligen Anfänge, die begrenzte Verbreitung, den begrenzten Erfolg, der Millers eigenen drei Filmchen nach einer Woche immerhin zwei Nachahmer gebracht hatte.

Dann stiegen die Maker Studios ein, eine Firma aus Los Angeles, die zu Time Warner gehört und Filmchen dreht, die auf Youtube zu Marketingzwecken laufen. Maker Studio-Mitarbeiter Vernon Shaw habe den ersten Nachmach-Shake über Reddit entdeckt und geglaubt, daraus sei mehr zu machen. Am nächsten Tag tanzten schon ein paar Maker-Studio-Mitarbeiter auf Youtube, gleichzeitig verbreiteten Maker und allerlei Maker-Mitarbeiter die Botschaft vom neuen Trend über alle denkbaren Kanäle. Irgendwo habe es dann der "Dancemusic-Blogger" EDM Snob gefunden, der es seinerseits weiterverbreite. Gleichzeitig startete DJ "Baauer" zusammen mit dem Plattenlabel-Chef Thomas Wesley Pentz und zwei anderen DJs von dessen Label Mad Decent ihre eigene werbekampagne auf Facebook, Twitter und so weiter.

Nichts hier ist viral, lustig oder nur zum Spaß. "EDM Snob was selling himself. The other five were selling the record", erklärt Kevin Ashton die Gefechtslage: Sechs Dollar zahlt Youtube für je tausend Menschen, die sich ein Video mit Baauers "Song" angeschaut haben - am 8. Februar, als alles beginnt, sind das ein paar Dollar. Ab 10. Februar gewinnt die Idee an Kraft, täglich werden hunderte, dann täglich tausende "Shake"-Videos hochgeladen. Zeitungen erzählen bereitwillig die fast echte Geschichte vom Wunder von Harlem und jede Stadt, jede Schulklasse, jeder Fußballverein, jedes Damenkränzchen will nun dabei sein.

Ende März wird es fast zehn Millionen Filme geben, die mehrere hundert Millionen Zuschauer angeklickt haben

Kommentare:

eulenfurz hat gesagt…

Ist dieses Hardbaß-Herumgetanze nicht schon älter? Polnische Hooligangruppen sind doch schon vor 2 Jahren so durch ihre Städte gezogen?!

http://www.youtube.com/watch?v=L4uwoE62iaE

"odin-tschetirje-wosjem-wosjem"

Alles Nazis, außer Mutti!

derherold hat gesagt…

Rangliste:

1. Norwegische Armee
2. Freiwillige Feuerwehr Ahrensburg
3. Uni Bayreuth
4. Das auf dieser Compilation, wo nur Frauen sind, die sich im zweiten Teil bis auf den Bikini entblößen

Volker hat gesagt…

Seltsam. Ich würde die entblößten Frauen der Armee, Feuerwehr und Uni vorziehen.

ppq. so hat gesagt…

wir wollen doch aber nicht den einfachen weg gehen

derherold hat gesagt…

@Volker ist ein Sexist.

Anonym hat gesagt…

Ich fand's von Anfang an doof und hatte recht.