Google+ PPQ: Free Uli: Einstweilige Erschießung

Dienstag, 16. Juli 2013

Free Uli: Einstweilige Erschießung

Millionen und Abermillionen hatte er schon an Steuern hinterzogen. Von "dreistelligen Millionenbeträgen", die Bayern-Manager Uli Hoeneß der Volksgemeinschaft vorenthalten hatte, wusste der "Focus" im April. Fernsehgerichte tagten in Permanenz, in der üblichen moralischen Aufwallung brachte sich die Politik als moralische Anstalt ins Spiel: Euro-Rettung? Staatsschuldenkrise? Steuerverschwendung? Hoeneß, das ist doch eine ganz andere Hausnummer! Da geht es nicht um Milliarden, sondern um Millionen!

Kurzzeitig war der dicke Wurstfabrikant Staatsfeind Nummer 1, ein Ausbund an asozialer Gemeinschaftsfeindlichkeit, dem Vater Staat nur mit härteren Gesetzen, dem vermehrten Kauf gestohlener Steuer-DVDs und strengerer Überwachung beikommen konnte. Hoeneß stand vor dem bürgerlichen Tod, kein Stück Brot mehr vom ehemals hochangesehenen Bayern-Macher mehr anzunehmen, gehörte für das politische Berlin zum guten Umgangston. Nach der Guillotine zu rufen, war Alltagsroutine für Zeitungskolumnisten.

Unklar blieb dabei allerdings, wie es der Hobby-Börsenzocker in den Jahren 2000 und 2001 schaffte, aus geliehenen zehn Millionen mal eben 20 Millionen zu machen, indem er in ausgesprochen düsteren Börsenzeiten in eine ausgesprochen finstere Staatsaktie wie die der Deutschen Telekom investierte. Der "Midas von München" (PPQ) schien ein geheimes Rezept zu haben, bei dem aus Geheimniskrämerei, Adrenalin und besinnungsloser Hin- und Herschieberei "astronomische Gewinne" wurden, die sich wenig später als "Verluste in Millionenhöhe" entpuppten.

Drei Monate blieb das Rätsel, wie aus denen einen Steuerschuld entspringen kann, mangels Nachfrage ungelöst. Als die Flut kam, tauchte auch das Thema Hoeneß im steten Strom der Nichtigkeiten unter, um zusammen mit dem NSU-Prozess, der Euro-Krise und der Klima-Katastrophe ein paar schöne Tage in der Anonymität allgemeiner Nichtbeachtung zu verbringen.

Und nun lesen sich die Zahlen ganz anders als am Anfang. "Möglicherweise", will der "Spiegel" wissen, komme der Delinquent mit einer milden Strafe davon: Eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung wie seinerzeit bei Hoeneß-Vorgänger Klaus Zumwinkel soll es sein. Nicht mehr "zweistellige Millionenbeträge" stehen jetzt im Raum, sondern "nur knapp 900.000 Euro" (Spiegel). Nicht mehr der Gang ins Gefängnis droht dem Fleischersohn, sondern eine Geldstrafe.

Die Verhandlung könnte schon im September beginnen. Die Justiz kommt damit allgemeinen Erwartungen entgegen, nach denen "Hoeneß Wahlkampfthema" werden müsse, wie es Ende April aus allen Rohren orgelte.

Kommentare:

Cordt hat gesagt…

Neue Enthüllungen rechtzeitig vor der Wahl in Verbindung mit verdächtiger Nähe des H. zur Union.

Gabriel wird extra für den Auftritt ein wenig abnehmen, damit die nachdenklichen Stirnfalten gelingen.

Thomas hat gesagt…

Also der blaue Elefant mit Wolfsgebiss und meterlangen Krallen war in Wirklichkeit eine Maus!
Sowas!
Das dar aber keineswegs dazu führen, daß die Glaubwürdigkeit unserer Qualitätsmedien abnimmt!

Anonym hat gesagt…

Gut gesprochen "Qualitätsmedien". Ich habe mir gestern wieder einmal die Bild Zeitung angeschaut. Also wer diese Zeitung regelmässig liest, dessen IQ fällt unter -0. Ich wundere mich, wer diese Zeitung überhaupt noch kauft. Da wird nur Dreck herumgestreut, mit den üblichen Promis - ich finde das nur noch grässlich - und ist das Platt Papier nicht wert für solches Geschreibsel. Nur widerlich.

Thomas hat gesagt…

@Anonym: Sind Sie wirklich sicher, daß Sie die Bildzeitung vor sich hatten?

Anonym hat gesagt…

"Ich wundere mich, wer diese Zeitung überhaupt noch kauft"

Harr, harr, im Gegentum, sollten mal sehen, wie sie morgens überall nach diesem Blatt schnappen, die Bundes-Hornochs_Innen. Mit ihrem "theutschen" Hunger nach Wahrheit, Klarheit, nach Recht und Gerechtigkeit.
Denn sie wissen ja felsenfest, sie leben in der dämokrattischsten Dämokratur aller Zeiten. - So geläutert und antifa-dekontaminiert, wie sie sind, kann ihnen Niemand mehr was vormachen. Und zudem wissen sie seit Generationen, solch heilige Verlautbarungen wie bedrucktes Papier, sind Sprachrohre der reinsten, tiefsten Wahrheiten.