Google+ PPQ: Schnecken am Hang "

Samstag, 12. Oktober 2013

Schnecken am Hang

"Du kannst die Fenster offen lassen", heißt es in "Mutatio", einem Oldie der Cottbusser Bigband Sandow, geschrieben in einer Zeit, als Boris und Akardi Strugazki noch lebten, allenthalben aber nicht verstanden werden durften. "Die zweite Invasion der Marsianer" hatten sie früh beschrieben und theoretisch in ihren Auswirkungen ergründet, die erste Invasion des Westens aber erwarteten auch die beiden Leningrader nicht. Klar war, dass die grundsätzliche Mühsal des menschlichen Lebens ebenso systemunabhängig ist wie der Versuch zum Scheitern verurteilt, einen tieferen Sinn im Tappern durch die Zone zu erkennen, als die der Regisseur Andrej Tarkowski den Platz bekannt gemacht hatte, den die Brüder in ihrem Buch "Picknick am Wegesrand" beschrieben hatten.

Der Mensch, eine "Schnecke am Hang", geboren, um durch "Schleusen ohne Wasser" in den "Raum aller Dinge" zu treiben, wie Sandow-Dichter Kai-Uwe Kohlschmidt die Landschaften beschrieb, die die Strugatzkis jenseits dessen fanden, was als wirkliche Welt im Fernsehen läuft. Die Strugatzkis, so meinten ihre Leser oft, wussten im Grunde genommen meist nicht, was sie schrieben und warum, es war an ihrem Publikum, die verrätselten, verschrobenen, langatmigen Erörterungen aufzulösen. Die Sandow-Version von "Mutatio" verhält sich so gesehen zur anlässlich des 22. Todestages von Boris Strugatzki oben reanimierten Coverversion von Allfarbe wie der "Stalker"-Film zum Buch "Picknick am Wegesreand". Schlagartig wird klar, was gemeint ist.

Kommentare:

Borsig hat gesagt…

Eine Anleihe bei Kraftwerk - und die ungestimmte Gitarre von Eisenstuck höre ich auch heraus. Treffer ?

Anonym hat gesagt…

Die alten, ausgetretenen, verschlungenen Pfade, die aus der Last rastloser Gedanken ausgehauen wurden und starren Gesetzen unterworfen sind, sie erschufen den erdrückenden Ballast, der die Seele niederringt. Rastlose Gedanken sind gebundene Kräfte des Verstandes.

Immer wieder ertönt in der Seele der Ruf nach Rückkehr, der Wunsch alles Trennende aufzuheben.
Der Körper ist die Heimat der Gedanken und Worte, Gott die Heimat der Seele. In Gott, der ALLE IN ALLEM ist, gibt es nichts Trennendes, denn Ewiges teilt sich nie.
Menschsein ist nicht vom Ewigen getrennt, nur der Verstand schafft Trennendes, und er ist nicht etwas real Existierendes.

Die Welt ist eine Gabe der Zeit, und die Zeit ist wie ein Dunst des Geistes. Die Formen, die erscheinen, existieren in der Nähe des Ewigen, sind aber selbst nicht ewig.
Auch wenn die Ursachen der Welt verschwunden und aufgelöst sind, Geist ist Geist und bleibt Geist, und das Ewige bleibt auf ewig ewig!

Die Wege des Schicksals sind an alte Menschengewohnheiten gebunden. Jahrhundertealte Kräfte erschufen Gutes und Böses, erschufen kurzlebige Zyklen, in denen sich Freuden und Enttäuschungen abwechseln. In Gegensätze verstrickt, entstanden durch endlose Zeiten Unmengen an Unzulänglichkeiten und Widerwärtigem, die die Seele unter sich begraben haben.

Der Mensch, der die alten schwierigen Wege endgültig überwunden hat, wandert todlos inmitten der vergänglichen Ereignisse, losgelöst und unberührt von Gedanken, Träumen, Unwissenheit und selbst erschaffenem Elend.