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Freitag, 6. Dezember 2013

SPD: Widerstand bekommt ein Gesicht

Man darf sich den durchschnittlichen Widerstandsgeist der Neuzeit wohl ruhig wirklich so vorstellen: Ein Mann ruft an beim Jungsozialisten Fabian Verch, der gerade durchs Fernsehen getingelt war, um bekannt zu machen, dass er tapfer und unbeirrt an seinen sozialdemokratischen Urwerten festhalten und deshalb gegen ein Regierungsbündnis der SPD mit der Union stimmen werde. Der Anrufer, ausweislich seiner Rufnummer ein Mitarbeiter der Berliner Zentrale der ehemaligen Arbeiterpartei, teilt dem aufmüpfigen Jungsozialisten nun mit, eine Ablehnung der großen Koalition werde „empfindliche Konsequenzen für seine Karriere“ haben. Danach ruft der Mann weitere rund 100 SPD-Nachwuchskader an. Er droht allen mit irgendwelchen Übeln, sollten sie gegen ein Bündnis mit der CDU stimmen.

Nicht einer scheint gelacht zu haben. Was willst Du denn von mir, Du Kasper“, wäre ja eine schöne Antwort gewesen. Oder ein schlichtes, gratismutiges: Leck mich. Schließlich ist Deutschland noch lange wieder keine Diktatur, schließlich kann hier jeder fast jeder Meinung sein und viele davon dürfen auch noch öffentlich geäußert werden. Konsequenzen drohen allenfalls für die Karriere. Konsequenzen für die Karriere? Die Karrieren, die die SPD zu bieten hat, verlohnen nicht die Mühe, Gabriel die Füße zu küssen oder auch nur, einen angeblichen Abgesandten von Andreas Nahles bis zum Ende anzuhören.

Und immerhin ist die SPD die Partei der nachholenden Widerständler, der Leute, die von sich glauben, dass mit ihnen niemals ein Drittes Reich, eine Judenverfolgung oder auch nur ein sanfter Zwangskommunismus wie in der DDR zu machen gewesen wäre. Da würden sie dagegen sein, aber wie! Eine einzige Weiße Rose, die Faust nicht nur in der Tasche, sondern im Gesicht der Despoten!

Bis dann eben dieser Anruf ankommt, im gutgeheizten Juso-Büro. Fabian Verch kennt seine Partei so gut, dass er den Anruf für echt hält: "Ich war schockiert, traurig und unendlich enttäuscht von meiner Partei", sagt er. Auch andere Jungsozialisten fühlen sich bedrängt, bedroht und undemokratisch behandelt. Statt aber nun zu sagen, die Drecksäcke in Berlin können mich mal, ich habe meine Meinung und die vertrete ich, beschweren sie sich massenhaft über den vermeintlichen Ordnungsruf. Mutti, Mutti, Mutti, die sind ganz gemein zu mir!

"Da fragst du dich: Das soll der Dank dafür sein, dass du dich neun Jahre lang engagierst?", erklärt Verch, wie enttäuscht er war, dass ihm nicht ein Platz im Vorstand, sondern nur Karrieredresche angeboten wurde. Wie Dutzende andere Genossen hat er sich beschwert, nun ist er entsetzt darüber, dass es sein könnte, dass man für seine politischen Überzeugungen eintreten und für sie sogar Konsequenzen ziehen muss.

Stell Dir den vor, 1937 oder 1982, die Gestapo oder die Stasi vor der Tür. Da bekommt Widerstandsgeist ein Gesicht.

Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Konsequent weitergedacht

Wir kritisieren die Parteispitze nicht. Sie macht alles richtig. Man muss die Genossen an die Hand nehmen und ihnen den Weg in eine sozialdemokratische Zukunft weisen. Das Sperrfeuer, dass da von einigen ewig gestrigen Genossen kommt, kann die Basis verunsichern. Deshalb ist es gut, dass auf der Webseite zum Mitgliederentscheid keine Gegner des Vertrages zu Wort kommen und dem Wahlzettel Werbung für die Linie des Parteivorstands beiliegt. Denn nur so kann innerparteiliche Demokratie in der SPD funktionieren.

ppq. so hat gesagt…

wenigstens du hast es erkannt

Teja hat gesagt…

Das Interview in der Taz @anmerkung ist ja noch besser als der ppq-Artikel hier.

Die Anmerkung hat gesagt…

Besser als ppq? Da wäre ich vorsichtig. Ansonsten ist es scheingeut. Da pflichtschuldige ich mich bei.

Alleine "Kommando Gerhard Schröder". Für so einen Kampfnamen gebührt den Leuten das Bundesverdienstkreuz angebammelt.

Der letzte Absatz liest sich wie Sonneborn und einem Guerilla-Spaß der Partei für basisdemokratische Initiative.

Die Anmerkung hat gesagt…

schweinegut

ppq. so hat gesagt…

das interview ist ein gleißender stern am finsteren deutschen medienhimmel. erstmal die idee zu haben, das dann durchzusetzen, es so zu machen und - hut ab, taz, es dann wirklich zu bringen, das ist einsame spitze, nicht zu toppen

liegt aber natürlich vor allem am kommande GS - ein wunderbarer einfall, cool und angemessen themenkonform umgesetzt

wenn jeden tag sowas in der zeitung stände, würde ich eine abonnieren

ppq. so hat gesagt…

kommando natürlich