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Dienstag, 31. Dezember 2013

Die Zukunft beginnt zuletzt

"Laßt den andern glauben, was er will, aber fordert dafür auch von ihm, daß er dich nicht glauben läßt, was er glaubt.

Diese Forderung ist gerecht und billig; aber ungerecht und verwerflich. Verwerflicher noch als die Intoleranz des Gläubigen ist die Intoleranz des Aufgeklärten, welcher von den anderen ohne Unterschied verlangt, dass sie zwar nicht so glauben, aber so denken, so frei und gescheit sein sollen wie er selbst.

Man muss auch gegen die Unfreiheit und Dummheit tolerant sein."

Ludwig Feuerbach

2013: Das Jahr Borst

Mit dem Bandwurmsatz "ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt", hatte SPD-Führer Peer Steinbrück das Jahr eingeleitet, mit dem Satz "zwei Leute, die immer gleicher Meinung sind, finden Sie bei uns nicht" beschließt es Sigmar Gabriel, sein Nachfolger als Hoffnungsträger der deutschen Sozialdemokratie. Dazwischen liegen Monate voller Qualen, voller Tief- und Höhepunkte, voller Leere und Leichtigkeit, weil die Politik in diesem Jahr bereits Anfang Juli in die Sommerpause ging - und erst kurz nach Nikolaus wieder von sich hören ließ.

Bei PPQ ist es dennoch eine politische Partei, die die Jahresklickhitparade anführt. Die Grünen, älteren Lesern noch bekannt als potentielle Regierungspartei, schafften es Anfang September, quasi auf dem Höhepunkt eines nichtstattfindenden Wahlkampfes, mit der Coverversion eines historischen "Stahlhelm"-Plakates namens "Und du?" bis in die Herzen und Hirne der Leserschaft: Mehr als zehntausend Fans begeisterten sich für den endgültigen Beweis dafür, dass Marx Recht hat und Geschichte sich stets auch als Farce wiederholt.

Hinter den Linken platziert sich wie immer die Rechte. Beate Zschäpes geheimes Terrortagebuch, das tiefe Einblicke ins Seelenleben der braunen Braut erlaubt, fand fast zehntausend Leserinnen und Leser, die gekommen waren, sich für einen Moment zu gruseln.

Zumindest öffentlichkeitstechnisch beweist auf Platz 3, dass Verbrechen sich unbedingt lohnt. Seit PPQ exklusiv leakte, wie der Bayern-König es schaffte, mit geborgten Millionen und dauernden Millionen-Verlusten an der Börse so viel Gewinn zu machen, dass er seine Schulden komplett zurückzahlen und nebenbei noch Millionen Steuerschulden anhäufen konnte, ist der Text über Hoeneß' Zauberdepot ein Geheimtipps für Anleger, die bei der laufenden Jahrtausendralley an den Weltbörsen zu spät gekommen sind.

Kaum verwunderlich, hat Hoeneß doch besser als Goldman Sachs abgeschnitten - das können aber auch die Sängerinnen der weitgehende musiklos berühmt gewordenen russischen Punkband Pussy Riot von sich sagen. Nach nur zwei Karrierejahren übertreffen die früheren Pornodarstellerinnen Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Marija Aljochina die geheime Weltregierung von der Ostküste nicht nur bei der Suchmaschine Google, wo sie Goldmann Sachs, das es auf 65 Millionen Fundstellen bringt, mit 316 Millionen Treffern deutlich schlagen. Nein, die weltweite Bedeutung des künstlerischen Protestschaffens der drei selbsternannten Musikerinnen zeigt sich auch in der PPQ-Jahreshitparade. Hier rangiert eine feuchte Schreibtischreportage von den Dreharbeiten zum Pussy-Riot-hardcore-Porno "Fuck Putin" auf Platz 3.

Es kommt eben nie darauf an, worum es geht, sondern immer nur darauf, wem es nützt. Stimmt der Täter, kommt es auf die Tat nicht mehr an, aber auch andersherum wird ein Schuh draus, wie der im niedersächsischen Kirchweyhe nach einem Discobesuch totgeschlagene 25-jährige Daniel S. erfahren musste. Weil seine Mörder keine Rechten waren, wurde Daniel S. zum Opfer 2. Klasse, von den Medien kaum beachtet und von der Politik totgeschwiegen. Eine Art Doppelmord, der es allerdings bei PPQ auf Platz 4 der meistgelesenen Texte brachte. Vermutlich wegen des selbst hartgesottenste Leser erschütternden Fazits: "So sehr rassistische Übergriffe und menschenverachtende Brutalität medial begehrt ist, so lange sich die richtigen Täter die richtigen Opfer suchen, so still und schweigsam wird die Meute, wenn die falschen Täter die falschen Opfer töten."

Dagegen hilft nur große Politik mit großen Scheinen, wie sie die EZB mit Erlaubnis der europäischen Friedensregierungen seit Jahren betreibt, um den wankenden, schwankenden Euro irgendwie über die Zeit zu retten. Getarnt durch einen lauthals beschworenen Kampf gegen "Reiche", "Manager" und "Spekulanten" hat sich das durchsozialdemokratisierte Europa im Sommer das Recht genommen, erstmals direkt in die Eigentumsrechte europäischer Bürger einzugreifen und eine Vermögensabgabe von allen zu erheben, die mehr als 100.000 Euro auf dem Konto haben und in Zypern leben. Die Leitmedien spendeten Applaus, weil Leitmedien zu allen Zeiten für scharfes Durchregieren und entschiedene Maßnahmen Applaus spenden. Die PPQ-Leser honorierten die Gegenposition, die im Text "17 Prozent auf alles" beschrieb, wie der Weltfriedenskontinent seine eigenen Grundlagen aushöhlt und so allmählich zu einer Karikatur dessen wird, was er zu sein vorgibt.

Die katholische Kirche ist auf diesem Weg schon weiter und mit ihrem neuen Chef Franziskus hat sie auch endlich wieder einen "Oberhirten" (dpa) gefunden, der in der Lage scheint, den seit Jahrhunderten eingeschlagenen Kurs der weltgrößten Sekte als neue Richtung zu verkaufen. Reichtum heißt jetzt Armut, Pomp wird zu Bescheidenheit und im Dienst des Machterhaltes soll sogar Mitgefühl erlaubt werden. Kein Wunder bei solche sensationellen Neuigkeiten aus Rom: Die bei PPQ nach einer forensischen Fotoanalyse in den elektronischen Bundesblogampelamtslabors im mecklenburgischen Menz weltexklusiv veröffentlichte Nachricht, dass es sich bei Franziskus unzweifelhaft um einen gebürtigen Vulkanier handelt, landete auf Platz 7 der Lesercharts.

Der seit Wochen vielgeklickte Beitrag zum Denker Borst blieb bei der Auswertung unberücksichtigt, da es sich bei den Lesern zumeist um automatische Kommentatoren handelt, die auf unschlagbare Angebote für sexuelle Stimulanzien, todsichere Anlagemöglichkeiten und supergünstiges Zahnbleaching in Paraguay hinweisen wollen.

Die weiteren Plätze:

Sahra Wagenknecht nackt
Männer im Nacktprotest
Zu Besuch beim Chefsexisten
Global wird national
Merkel: Fahnung nach der Fahne
HFC: So pfeift der Fan
Das Vaterland wird überrannt
Giga-Geldgeschütz als Krisenkanone
Heidi Klum nackt
Wie die NSA Facebook erfand: Unternehmen Honigtopf
Zypern: Willkommen im Rechtsstaat
Eurokrise: Rettungspaket für Detroit
HFC: Geiselnehmer in der Kurve

Montag, 30. Dezember 2013

HFC: Nur gegen Ende geht etwas

Nach der umstrittenen Weihnachtsbilanz zum Weinen, die der Hallesche Fußballklub seinen Anhängern pünktlich zum Fest vorgelegt hatte, geht die Saisonanalyse in die Verlängerung. Und einmal mehr stehen nicht die üblichen Leistungen wie Vorlagen, Tore oder gehaltene Elfmeter im Mittelpunkt, sondern Zahlen, die mehr darüber verraten könnten, was in der Mannschaft von Trainer Sven Köhler vor sich geht.

Einen Fingerzeig gibt die Auflistung der erzielten und kassierten Tore nach dem Zeitpunkt im Spiel (Grafik oben). Danach ist der HFC des Jahrgangs 2013/1014 eine Mannschaft, die jeweils unkonzentriert und anfällig aus der Kabine kommt. Sowohl zu Beginn eines Spieles als auch nach der Halbzeit, wenn eigentlich noch Nachwirkungen von Spielvorbereitung und motivierender Pausenansprache zu sehen sein sollten, kassieren die Rot-Weißen gehäuft Gegentreffer. Im selben Zeitraum gelingt es ihnen zudem nur sehr selten, selbst Tore zu machen. Die ersten 30 Minuten jeder Halbzeit gingen im Durchschnitt verloren, zusammengerechnet sogar deutlich mit 8 zu 16 Toren, wobei der Unterschied zwischen Treffern in erster (7) und Treffern in zweiter Halbzeit (11) verdeutlicht, dass Spiele und Punkte im Grunde genommen eher in der ersten Halbzeit als in der zweiten verlorengingen.

Eine kümmerliche, eine verheerende Bilanz, die sich lange nur nicht in einem entsprechenden Tabellenplatz niederschlug, weil das Köhler-Team den Rest der Spielzeit ungleich besser nutzt. Sowohl in den letzten 15 Minuten der ersten als auch in den letzten 15 Minuten der zweiten Halbzeit fällt die Bilanz positiv aus, zusammengerechnet ergibt sich ein Torverhältnis von 12 : 7.

Auffällig ist dabei, dass die Abwehr gegen Ende der ersten Halbzeit ihre beste Zeit hat (nur ein Gegentor zwischen 30. und 45. Minute in 21 Spielen), während sie gegen Ende der zweiten sichtlich unsicherer agiert (sechs Gegentore in 21 Spielen). Offensiv sind die Leistungsunterschiede zwischen 1. und 2. Halbzeit bei 5 zu 7 Toren zu vernachlässigen.

Genauso verhält es sich mit dem Unterschied zwischen Heim- und Auswärtstoren. Neunmal trafen die Hallenser in Heimspielen, elfmal in Auswärtsspielen - mit den Heimtreffern holten sie allerdings 14 Punkte, mit den zwei mehr erzielten Auswärtstoren nur magere zehn. 

Ausgeglichen ist die Art und Weise, die zu den eigenen Toren führten, für die nur sieben Spieler verantwortlich zeichnen, von denen auch nur drei mehr als zweimal trafen (Gogia, Furuholm, Bertram). Vier Elfmeter stehen für ein Fünftel der erzielten Treffer, hinzu kommen vier Tore nach Freistößen. Aus dem Spiel heraus wurden jeweils zwei Tore über rechts, über links und durch die Mitte vorbereitet. Schnelle Konter sorgten für die restlichen sechs Tore.

Eine Statistik mithin, die kaum außergewöhnliche Schwachpunkte, dafür aber auch keinerlei überragende Stärken offenbart. Das sieht auf der Gegenseite schon anders aus. Zwei der 26 Gegentreffer resultierten aus Strafstößen, einer fiel nach einer Ecke, einer nach einem gegnerischen Freistoß. Erstaunlich aber ist die Rechts-Links-Verteilung: Nur drei gegnerische Treffer wurden über die schwächere rechte Abwehrseite des HFC herausgespielt (darunter das Eigentor von Daniel Ziebig), sechs hingegen über links und sogar sieben durch die Mitte vorbereitet. Die verbleibenden sechs Treffer fielen nach schnellen Kontern der gegnerischen Mannschaften.

Zahlen, Zahlen, Zahlen, die kein Fazit erlauben, aber immerhin ein paar Hinweise geben. Die Waage ist bei Elfmetern, Freistößen und Kontern positiv oder zumindest ausgeglichen, auf rechts außen ist sie es fast. Wie in der Weihnachtsbilanz zum Weinen aber weist auch die Analyse der Torstatistik darauf hin, dass Sven Köhlers Elf nicht nur eine derzeit nicht annähernd ligataugliche Offensive, sondern auch eine eklatante Defensivschwäche auf der linken Seite und ein noch größeres Problem in der defensiven Zentrale hat.

Allzeit empörungsbereit: Verletzt gefühlte Gefühle

Es kommt immer öfter vor, dass Menschen sich von anderen Menschen "verletzt" fühlen und der Ansicht sind, ihnen werde "Unrecht getan". People of Color empfinden Schmerz, wenn Schauspieler sich das Gesicht anmalen, Emanzipisten leiden, wenn Frauen behaupten, sie arbeiteten freiwillig als Prostituierte. Muslime sind entsetzt, wenn Weihnachsmänner frei herumlaufen, und Atheisten reagieren aufgeregt, wenn Christen ein Kreuz in Amtsstuben hängen. Von Nazis gar nicht zu reden: Deren Meinung ist nach allgemeiner Auffassung keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Das Denken wird hier zu einem materiellen Angriff auf den Toleranzmuskel der Mehrheitsgesellschaft.

Mitten in einer Gesellschaft, die sich tolerant fühlt wie noch keine vor ihr, grassiert die Empfindlichkeit einer beständig wachsenden Meinungsintoleranz. Wenn früher irgendwo Meinungen aufeinanderprallten, dann gingen die Beteiligten am Ende schlimmstenfalls im Wissen auseinander, einander nicht überzeugt zu haben.

Heute steht am Ende einer Diskussion immer öfter das sorgsam gepflegte Gefühl, das Gegenüber habe mit diesem oder jenem Satz, mit der einen oder anderen Geste eine Grenze überschritten und damit eine persönliche Beleidigung verübt: Die einen malen Allah, die anderen behaupten, das Grundgesetz garantiere Meinungsfreiheit unabhängig von der beinhalteten Meinung. Dritte schließlich sind der Ansicht, dass der beständige Ersatz von diskriminierenden Begriffen durch vermeintlich nicht-diskriminierende Begriffe auch diese schnell zu diskriminierenden Begriffen macht, so lange die grundsätzlich diskriminierenden Einstellungen vorhanden sind.

Der Grund dafür liegt in einer grundsätzlich gewandelten Beleidigungsbereitschaft, die inzwischen kaum noch eine offene und freimütige Diskussion zulässt. War es in der Vergangenheit wichtig für eine vollendete Beleidigung, dass der Beleidigende sie auch als Beleidigung meinte, so reicht es heute völlig, wenn sein gegenüber sich beleidigt fühlt. Jedes Gespräch wird von der einen Seite als Versuch geführt, das, was zu sagen wäre, so auszudrücken, dass es jederzeit dementierbar ist. Während die andere Seite darauf aus ist, noch im harmlosesten Scherz eine neue Offenbarung tiefsitzender Ressentiments zu finden.

Jede Äußerung wird auf ihr Skandalisierungspotential abgeklopf, jede Abweichung vom leisetreterischen Sprachgebrauch genügt, eine Empörungswelle durch die sogenannten sozialen Netzwerke zu schicken, die hier perfekt als soziale Spektakel-Verstärker dienen: Im kleinsten Kreis entwickelte Verletzungen und engagiert empfundenes Unrecht, früher allenfalls ein Fall für ein nassgeweintes Kopfkissen, können nun eingeklagt, angeprangert und öffentlich ausgelebt werden.

Mediale Bedürftnisse und private Empfindlichkeiten bedingen und verstärken einander. Von unten nach oben bricht sich wahre Empörtheit Bahn, von einer Gesellschaft herangezüchtet, die ihren Mitgliedern das Gefühl gibt, jedes Zipperlein, dass ein hypersensibel ausgebildetes Seelchen in sich bemerken könne, sei wichtig genug, vor aller Augen darunter zu leiden. Von oben hilft eine unentwegte, nie ermüdende Simulation von Entsetzen über Sätze, Worte und Ansichten, die man folgenlos einfach hinnehmen könnte, die aber auflagen- und aufmerksamkeitsmäßig besser vermarkbar sind, wenn man sie kleinkrämerisch und peinlich genau auf ihren Empörungsgehalt abklopft.

Sonntag, 29. Dezember 2013

Verbot der Woche: Indien im Abseits

Nach der vom höchsten indischen Gericht aufgehobenen Erlaubnis für gleichgeschlechtlichen Sex zwischen Erwachsenen erreichen Repressionen gegen Andersdenkende in Indien nach Ansicht des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck einen neuen Höhepunkt.

"Jetzt wird sogar Sex verboten", kritisierte Beck. "Das ist eine neue Qualität in der Beschneidung demokratischer Rechte", sagte der Politiker. Jede Kritik werde im Keim erstickt.

Seit der Kolonialzeit hatten homosexuelle Handlungen in Indien unter Strafe gestanden. Als im Jahr 2009 ein Gerichtsentscheid den Sex zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern entkriminalisierte, atmeten Schwule und Lesben im Land auf. Doch nun hob das Oberste Gericht das bahnbrechende Urteil auf - und katapultierte Homosexualität damit zurück in die Illegalität. Verstöße können mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet werden.

"Jetzt ist die Bundesregierung aufgefordert, Klartext zu sprechen", sagte Volker Beck. "Außenminister Guido Westerwelle sollte aus Protest den indischen Botschafter einbestellen." Zugleich kritisierte Beck, dass der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), die indische Politik gegen Schwule und Lesben mit keinem Wort kritisierte. Der offen homosexuell lebende Beck wurde bei einem Protest gegen Schwulengesetze in Moskau bereits attackiert, in Indien hatte er noch keine Gelegenheit zum Protest.

Angesichts des harten Vorgehens der indischen Justiz gegen Schwule verlangte Beck, dass Asylanträge von Indern in der Europäischen Union wohlwollend geprüft werden müssten.

Große Koalition erwägt Verlängerung der Demokratie

Fünf statt der bisherigen vier Jahre, vielleicht auch gleich sechs, sieben oder acht: Union und SPD zeigen sich offen für eine längere Wahlperiode des Bundestages zur Stärkung der Demokratie in Deutschland. Die Idee stammt ursprünglich von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), die Fraktionen von Union und SPD sind aber nun ebenfalls dafür, weil sie überzeugt sind, dass eine wehrhafte Demokratie nicht fortwährend durch Wahlkämpfe gestört werden dürfe.

"Wir würden uns einer Diskussion über die Verlängerung der Wahlperiode des Bundestags von vier auf fünf Jahre nicht verschließen", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer. Damit würde "letztlich nur die Wahlperiode des Bundestags an die der deutschen Landtage und des Europäischen Parlaments" angepasst. In einem nächsten Schritt könne man sie dann an die Wahlperiode angleichen, die für viele Bürgermeister gelte und heute schon sieben Jahre betrage. Norbert Lammert hatte es zuvor aufgrund der deutschen Geschichte als "naheliegend" bezeichnet, "über die Verlängerung der Legislaturperiode zu sprechen". Zwischen 1933 und 1945 war Deutschland ganz ohne Wahlen ausgekommen, durch die drei übersprungenen Wahlen konnte der Steuerzahler seinerzeit allein Wahlkampfkostenrückerstattungen von weit über 100 Millionen Euro (nach heutigen Preisen) sparen.

Der Argumentation schloss sich auch SPD-Innenexperte Michael Hartmann an. Eine Verlängerung der Zeitspanne zwischen zwei Bundestagswahlen sei nahezu überfällig, weil auch Abgeordnete ihr Leben planen können müssten. Eine Legislaturperiode von 35 bis 40 Jahren sei wünschenswert, da nur so jeder Parlamentarier bei seiner Kandidatur schon sicher sein könne, im Amt auch in Rente zu gehen. Für die Regierung hätte das den Vorteil, dass "zwischen den Wahlterminen mehr Zeit ist für ruhige Politik", Wählerinnen und Wähler wiederum müssten sich nicht aller vier Jahre an der Wahlurne zwischen SPDest und CDUholera entscheiden.

Linken-Fraktionsvize Jan Korte widersprach nicht, stellte aber zusätzliche Forderungen: "Bevor über eine Verlängerung von Wahlperioden diskutiert wird, braucht dieses Land mehr direkte Demokratie, mehr Volksentscheide und mehr Partizipation auf allen Ebenen." Wenn der Bürger die, die ihn regieren, schon nicht mehr aller vier Jahre auswechseln könne, müsse man ihm wenigstens das Gefühl geben, über Nebensächlichkeiten abstimmen zu können. Korte denkt dabei an Unterschriftensammlungen, das Schreiben von Solidaritätspostkarten und Internet-Petitionen.

Ähnlich positionierte sich Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Britta Haßelmann: "Wenn wir später über eine Verlängerung der Legislaturperiode diskutieren, dann muss dies verbunden sein mit mehr Bürgerbeteiligung und direkter Demokratie." Sie könne sich vorstellen, dass Bürger ihre Ehepartner frei wählen, über ihr Kantinenessen abstimmen oder die Möglichkeit erhalten, Briefe an ihre Abgeordneten zu schreiben.

Strammstehen zum Appell


Dieser Post sollte eigentlich nur ein müdes Lächeln darüber garnieren, wie die "internationale Gemeinschaft" (dpa et. al.) glaubt, mit Appellen und Protesten kriegerische Konflikte lösen zu können und sich dabei gleichzeitig der deutsche Journalismus nicht zu doof ist, die Verwunderung über das Ausbleiben von Friedensverhandlungen nach Appellen und Protesten groß und breit und ganz ernsthaft in die Welt zu tröten. Man sieht die sudanesischen Warlords regelrecht vor den Appellen und Protesten erzittern, um sich dann im letzten Moment und nach reiflicher Überlegung doch zur Fortsetzung des aktuellen blindwütigen Terrors zu entschließen: "Hast du gehört, sie haben appelliert und protestiert. Ist echt doof, und Angst macht es mir auch. Aber ..." usw. usw.

Dass sich dabei gleichzeitig via Google die Gleichförmigkeit der Berichterstattung über tausende Tote und 120.000 Menschen auf der Flucht selbst entlarvt, ist ein unvorhergesehener Nebeneffekt unserer tiefgründigen Recherchen zum Thema. Jetzt kann nur noch Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Welt retten, der jenseits wohlfeiler Parolen einen Satz wie Donnerhall im Gepäck hat: "Das Morden muss ein Ende haben."  

Samstag, 28. Dezember 2013

Klimaerwärmung schreitet voran: Scheiß Eis!

Niemals vorher gab es wegen der fortschreitenden Klimaerwärmung mehr weniger Eis als in der Arktis, einer Jubiläumsexpedition von Klimawandelfans in die Antarktis aber wird das nun wohl zum Verhängnis: Das Schiff der Eis-Enthusiasten steckt in schwerem Eis fest. , eine Rettungsexpedition musste Fahrt aufnehmen, um die Klimaflüchtlinge herauszuholen.

Von Panik keine Spur, berichtet die klimawandelerfahrene FR, doch Fakt ist: Das im Eis gefangene Schiff der "Australasischen Antarktis-Expedition 2013/14" schaffte es wegen der zunehmenden extreme nicht einmal an den Anfang der Spuren des legendären australischen Polarforschers Sir Douglas Mawson, der vor 100 Jahren noch bewiesen hatte, dass Vegetarier in Eis und Kälte früher sterben als Fleischesser.

"Besonders auffällig sind die Extreme in alle Richtungen", sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche. Sowohl der lange letzte Winter in Europa als auch der ausbleibende aktuelle Winter sind nach der neuen Oszillationstheorie auf die schmelzende Arktis zurückzuführen. Die führt zu eisigen Wintertagen und fehlendem Winter in Europa, sie sorgt für Dürren und Fluten im Sommer, zu kalten und warmen Frühjahren und zu spätem oder aber verfrühten Herbstlaub. Einen Zusammenhang zwischen den schwindenden Eisflächen im Nordpolargebiet und Kälteeinbrüchen in der Südpolarregion werden Klimatologen bereits in den kommenden Wochen ziehen.

Der letzte Tanz des braunen Popanz

Etwas mehr als ein Jahr hat es gedauert, bis der leitmediale Konsens sich einer frühen PPQ-Analyse angeschlossen hat. Nun aber ist es soweit: Aus der NPD, einer Kleinpartei, die trotz sichtlicher Bedeutungslosigkeit über Jahre hinweg als brauner Popanz durchs Land getragen wurde, um dem "Kampf gegen rechts" (Angela Merkel) eine Zielscheibe zu liefern, ist binnen weniger Tage eine Kleinpartei von zunehmender Bedeutungslosigkeit geworden.

Von "Hamburger Abendblatt" über "Spiegel", "Focus" und "taz" ergehen sich die Welterklärer plötzlich nicht mehr in tiefsinnigen Betrachtungen dazu, warum es unendlich wichtig ist, eine Gruppe von nicht einmal noch 4000 aktiven Nazi-Nerds (Grafik Mitgliederentwicklung der NPD oben) unter möglicher Inkaufnahme eines Bruchs der Grundlagen der Verfassung zu "verbieten". Sondern dazu, wieso der in jahrzehntelangen Geburtswehen zusammengefriemelte Verbotsantrag nun eigentlich nur noch eine wankende Leiche trifft, die allein der Gedanke aufrechterhält, dass sie wohl irgendwie doch wichtig sein müsse, wenn 16 Bundesländer mit 16 Verfassungsschutzämtern und 16 Staatsschutzabteilungen der Polizei eine "umfangreiche Materialsammlung" (dpa) erstellen, um sie als "Gefahr für die demokratische Grundordnung" darzustellen.

Viel zu viel der Ehre, so lesen sich die Auguren nun, die eben noch begeistert von der Aussicht waren, dass sich das Bundesverfassungsericht in Karlsruhe und anschließend natürlich auch diverse EU-Gerichte mit dem Fall beschäftigen. Arbeit und Brot für viele Berichterstatter, endlich wieder Presse für die Neonazis, deren ganzer und einziger politischer Lebensinhalt seit Jahren nur noch darin besteht, Gegenstand eines Streit um die Notwendigkeit eines Verbotsverfahrens zu sein.

Druck von außen, der den in sich verzankten Flügeln der NPD lange den inneren Zusammenhalt lieferte, der die komatöse Partei noch auf den Beinen hielt. Das war zu sehen, das war zu spüren, das lag offen auf dem Tisch. Doch medial musste der braune Popanz tanzen, musste der Zwerg den Scheinriesen geben, musste der Schatten der Berichterstattung als Figur der keiner Berichterstattung werten Bemühungen der Partei um die Errichtung eines vierten, fünften oder sechsten Reiches ersetzen.

Erst mit der "internen Schlammschlacht" (Abendblatt) um mögliche schwule Übergriffe des Parteivorsitzenden Holger Apfel auf einen Wahlkampf-Praktikanten entdeckte der Mainstream das komische Potential der Ewiggestrigen: Nicht nur klammheimlich die Freude, dass der nunmehr ehemalige Bundesvorsitzende ein Schwuler sein könnte, hochgradig die Erregung darüber, dass der innerparteiliche Zwist die NPD schneller erledigen könnte als es das langwierige Verbotsverfahren könnte. Die geschichtlich gebildete FAZ freut sich über eine "Nacht der langen Messer". Was aber dann? Was kommt danach? Welche Gefahr? Wogegen kämpfen? Wohin mit all der Tinte?

Freitag, 27. Dezember 2013

Frohe Botschaft: Zukunft ist ein offenes Buch

Edward #snowden - Weihnachtsnachricht 2013 from on Vimeo.

Lechts und Rinks: Verschobene Wahrnehmung

Diese Nachrichten aus Berlin sind erschütternd, aufrüttelnd und empörend. Da ist es Rechtsradikalen, Rechtsextremenen und Rechtsextremisten nach Jahren von Stagnation und Niedergang zumindest in der deutschen Hauptstadt gelungen, die Zahl der von ihnen verübten Gewaltdelikte auf von 53 auf 72 zu steigern und den Innensenator damit zu veranlassen, von einem "erschreckenden Zeichen" und einer "beunruhigenden Entwicklung" zu sprechen.

Doch als wie ungerecht, zurücksetzend deprimierend muss jeder aufrechte Linksradikale, Linksextreme und Linksextremist die Berichterstattung etwa im "Tagesspiegel" empfinden? Hier widmet sich Fachberichterstatter Frank Jansen der Analyse der 72 rechten Taten in aller Ausführlichkeit - unter der Karl-Eduard-von-Schnitzler-Gedächtnisüberschrift "Neonazis verüben mehr Gewalttaten Auch linksextremistische Angriffe nahmen 2013 zu". Dem Geist der Überschrift folgend bündelt das im Kampf gegen rechts seit Jahren verdiente Blatt den Anstieg der von Linksextremen verübten Gewalttaten von 201 auf 243 in einem Satz am Ende. Man weiß sich hier eins mit dem Berliner Senat, der alle Anstrengungen der Linken im Kampf gegen Polizei und Rechte kommentarlos übergeht: Eine Konferenz zur Frage der politisch motivierten Gewalt war bündig mit „Gewalt von rechts – Herausforderung für Politik und Gesellschaft“ überschrieben.

Mit mehr als dreimal mehr Gewalttaten erreichen Linksextreme damit bei der Berliner Landesregierung hundert Prozent weniger Aufmerksamkeit, beim "Tagesspiegel" beträgt das Verhältnis gemessen in Sätzen 13 zu 1. In Zahlen ausgedrückt, schaffen es Rechtsextreme damit bereits mit fünf Gewalttaten, den "Tagesspiegel" zu einem sorgenschweren Satz zu bewegen. Linksextreme hingegen müssen 246 Mal zuschlagen, treten und prügeln, um in einem Satz erwähnt zu werden.

Rinks und Lechts: Brüder im Geiste

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Gott zu Besuch in Köln

Pünktlich zum Weihnachtsfest hat Gott ein altes Versprechen eingelöst und ist auf die Erde zurückgekehrt. Beim Weihnachtshochamts im Kölner Dom zeigte sich der Vaterunser in der Gestalt einer 20-jährigen Frau, unbekleidet wie er sich selbst geschaffen hatte, zur besseren Identifizierung mit "Ich bin Gott" beschriftet. Die erstmalige Wiederkehr seit Gott seinen Sohn Jesus in den Himmel zurückbeorderte, fand unter den Augen von Kardinal Joachim Meisner und seinen Mitarbeitern statt, die sich jedoch wie ihre Vorgänger damals in Jerusalem weigerten, den Heiland anzunehmen.

Gott hatte bis zum Beginn des katholischen Gottesdienstes mit einem Ledermantel und einem muslimischen Kopftuch bekleidet in der ersten Reihe gesessen, um Solidarität mit russischen Homosexuellen und bedrohten Andersgläubigen zu demonstrieren. Später entkleidete sich Gott bis auf einen Lendenschurz, um über sexistische und patriarchale Strukturen der katholischen Kirche aufzuklären und die enge Verstrickung von Kirche und Staat in Deutschland zu verdeutlichen. Nach einer gewalttätigen Festnahme durch Schergen der Amtskirche stellte sich Gott den herbeigeeilten Zöllnern mit dem Namen Josephine Witt vor. Sie sei gekommen, den Menschen das Licht zu bringen.

Eine Absicht, die inzwischen allerdings von einer offenbar aus dem Vatikan gesteuerten Medienkampagne gezielt verunglimpft wird. Wurde ein von der russischen Pornogruppe Pussy Riot gedrehter Hardcore-Sexstreifen von den Leitmedien noch als "feministischer Protest gegen Russlands Establishment" (FR) gelobt oder aber einfach komplett verschwiegen, beschreiben Leitartikler die barbusige Provokation Gottes jetzt als "getarnten Exhibitionismus" und "spätpubertierenden Quatsch", den zu beachten sich nicht lohne. Das Bild der nackten Göttin müsse allerdings verbreitet werden, um die Attraktivität von Mutter Kirche deutlich zu machen. Davon erhoffe man sich, so ein Kommentator, die Zahl der Kirchenaustritte senken zu können.

Paris Hilton jetzt bei Femen

Eklat bei Weihnachtsansprache von Gauck


In Baden-Württemberg ist es anlässlich der traditionellen Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten zu einem Eklat gekommen. Der Südwestrundfunk strahlte erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik nicht die Weihnachtsrede eines Bundespräsidenten aus. Das schürt Sorgen vor noch stärkeren separatistischen Tendenzen in der Region.

Mitarbeiter der Fernsehdirektion in Baden-Baden legten während der Ansprache am Mittwochabend kurzzeitig die Arbeit nieder. Hintergrund ist die Olympiaabsage Joachim Gaucks. Dies brachte das Fass zum Überlaufen, so ein Redakteur. "Gauck verzichtet auf eine Reise nach Sotschi, wir verzichten auf die Ausstrahlung seiner Rede, so einfach ist das". Zumal die Rede ohnehin schon in der Zeitung steht.

Baden-Baden unterhält traditionell gute Verbindungen zu Rußland, die geschichtlich bis in die Zarenzeit zurückreichen. Scherzhaft wird die Kur-Bädermetropole bisweilen auch als "einzige russische Stadt außerhalb Russland bezeichnet. Sotschi ist seit einem Jahr Partnerstadt. Das Verhalten Gaucks wird als Afront gewertet. Zumal Baden-Baden stolz den Ehrentitel "Olympische Stadt" trägt, mit dem die 1997 vom IOC geehrt wurde.

Baden-Württemberg zählt zu den wirtschaftsstärksten und wettbewerbsfähigsten Regionen Europas. Das Bundesland hat über zehn Millionen Einwohner und eine eigene Sprache. Schon lange hat man sich im Südwesten von der Berliner Republik entfremdet, an deren Spitze ein Präsident steht, dessen Ansehen von Rede zu Rede sinkt.

Viele Baden-Würtemberger verorten die Pleitehauptstadt geographisch ohnehin eher in Polen als in Deutschland. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt gehört Baden-Württemberg zu den wohlhabenderen Regionen der EU, es gibt Bestrebungen eine Volksabstimmung über einen Beitritt zur Schweizer Eidgenossenschaft abzuhalten. Die Schweiz ist sowohl im Hinblick auf ihre Steuersätze als auch die direkte Demokratie attraktiver als die Bundesrepublik.

Als Ersatz für die ausgefallene Gauck-Rede entschied man sich beim SWR für den Loriot- Klassiker "Advent" (oben), der enthalte einfach mehr Klartext.

Ein Gastbeitrag von Traktorist.

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Rebellion in Moll

Sie nennt sich selbst einen "traveling folk rock blues troubadour", spielt Gitarre wie Billy Bragg, hört sich an wie eine Mischung aus Patti Smith und Ani DiFranco und Bob Dylan kennt sie nach eigenem Bekunden nur von einer alten Kassette, die ihr Vater im Auto hörte.

Meyers Musik, etwa auf dem Album "Golden Delicious", reißt keine Mauern ein, sprengt keine Ketten und schockierende oder erhellende Botschaften gibt es auch nicht. Selbstverständlich ist sie gegen korrupte Banker, gegen Monsanto und für Occupy dies und das. Sie selbst lebt die Rebellion, einmal ist sie aus ihrer Yoga-Klasse geflogen, wirklich. Ansonsten ist da einfach eine junge Frau, die gern und dunkel singt und sich aus allem, was die Musikgeschichte zu beaten hat, einen eigenen Soundanzug zurechtschneidert. Laura Meyer kommt erstaunlich gut durch die Welt damit, seit sechs Jahren schon reist sie herum, stöpselt abends irgendwo ihre E-Gitarre ein und folgt ihrer Mission, wie sie selbst sagt: "There’s no need to spend it following orders and not doing what you love."

Wer es sich leisten kann.

Heiße Weihnacht: Hitze stoppt Erwärmung

Es war die Nordatlantische Oszillation, die im März endlich eine Erklärung dafür lieferte, warum das Wetter partout nicht so sein wollte, wie es Wetterwissenschaftler und Klimaerklärer zuvor auf unzähligen Klimakonferenzen vorhergesagt hatten. Musste kurz vorher noch das wegen des Klimawandels schmelzende Arktiseis dafür einstehen, dass in "hiesigen Breiten kalte Winter eher wahrscheinlich“ und seit Jahren weitverbreitet sind, lag die neue Eiszeit nun an einem „Wechselspiel der Luftdruckverteilung“, das seine Ursache selbstverständlich in einer bislang noch nicht ganz erklärten Auswirkung des Klimaerwärmung hatte.

Die Folge aber war klar: „Blockierte Wetterlagen“ sorgten für Kälte, wo hätte Wärme sein müssen. Wenigstens aber war damals wieder alles klar. Die erwartete Erwärmung blieb wegen der Erwärmung aus, der Ozean saugte durch die zunehmende Hitze mehr Wärme auf, das Wetter spielte einfach verrückt, die Klimawissenschaft hatte also doch recht, nur eben aus anderen Gründen.

Die richtigen zu finden, bleibt jedoch augenscheinlich ein langer Prozess. Denn keine ganze Schwangerschaft nach der endgültigen Klärung der Ursachen für die Wärme, die als Kälte kam, die vorausgesagte Klimaerwärmung zum Stocken und kalte Winter zurück in die Erinnerung der Menschen brachte, stellt sich nun heraus, dass es die ausbleibende Erwärmung doch eigentlich gar nicht gegeben hat. Die heiße Weihnacht bringt es an den Tag: Die ganze Energieaufnahme der Ozeane, die Nordatlantische Oszillation, die Killerkälte, alles das war ein Irrtum, wie neue Forschungsergebnisse zeugen, mit denen Wissenschaftler die Zweifel ewiger Klimaleugner jetzt endgültigst widerlegen konnten. Nach den neuen Zahlen hat die Erwärmungspause nie stattgefunden. Ganz im Gegenteil: Seit 1998 ist die Temperatur in Bodennähe im weltweiten Durchschnitt um 0,12 Grad gestiegen. Einzig "fehlende Messtellen in bestimmten Gegenden der Welt" hätten den Eindruck erweckt, als gebe es eine nicht weiter zunehmende Erwärmung, kalte Winter und viel Schnee.

Richtig ist nun vielmehr wieder die Prognose, dass Winter mit "weniger Schnee“ auskommen müssen und auf „trocken-heiße Sommer mild-feuchte Winter" folgen. Damit gilt auch Mojib Latifs Vorhersage ”In Deutschland gehören klirrend kalte Winter der Vergangenheit an, Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben" wieder als unbeschränkt richtig. Zumindest bis zur nächsten jähen Wendung.

Einsame Stimme: Hetze gegen Klimaerwärmer

Dienstag, 24. Dezember 2013

Wenn das Wünschen nicht mehr hilft



Fröhliche Weihnachten allen Lesern. Und Leserinnen. Und so weiter.

Gewalt mit menschlichem Antlitz

Kaum hatte sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen von der Heimatfront zurückgezogen, brachen in Hamburg Unruhen aus. Steine und Flaschen flogen auf Polizisten, Schlagstöcke und Wasserwerfer mussten gegen aufmarschierte Erben der legendären Putztruppe aufgefahren werden.

Zum Glück für Deutschland, seine Medien, Bürger und Regierung aber handelte es bei den Urhebern der "schwersten Krawallen seit Jahren" (Der Spiegel) nicht um rechtsradikale Schläger, die ausgezogen waren, kurz vor dem Weihnachtsfest die gefürchteten "national befreite Zonen" mitten in Europas größter Demokratie zu schaffen. Sondern nur um "linke Demonstranten" (dpa), die 120 Polizisten verletzen mussten, um ein "Bleiberecht für alle" durchzusetzen.

Brutale Gewalt mit menschlichem Gesicht, die sofort Erfolge zeitigt. War um die Aufnahme des amerikanischen Whistleblowers Edward Snowden in Deutschland monatelang nicht einmal gestritten worden, weil für Staatsfeinde, Ddeserteure und Vaterlandsverräter hierzulande nach Auffassung aller Partein kein Platz ist, ging es nach den blutigen Protesten in Hamburg, an denen sich 4500 Aktivisten aus dem linksextremistischen Spektrum beteiligt hatten, im Fall Chodorkowski ganz schnell: Deutsche Regierungskreise bestätigten, dass der Multimillionär, der einst den Kampf mit Putin um die Macht Kreml verloren hatte, die von der Großen Koalition geplante neue Willkommenskultur in Anspruch nehmen und sich in Deutschland frei bewegen könne, so lange er wolle.

Kampf gegen rechts: Ein Geschenk für die extreme Linke

The Black Flies: Musik für die Stille Nacht

Es war das erste kanadische Rockalbum, das mit Finanzierungshilfe von PPQ und dem sich spontan anschließenden Berlinpankowblogger entstand, eine Stück Freihandel im Kleinen, Solidarität unter Nato-Partnern und Friedengruß über den Atlantik. Jetzt ist "Root&Roll" da, das dritte Werk der kanadischen Band The Black Flies - und es ist fantastisch geworden. Die 13 neuen Songs bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Neil Young, Ryan Adams und den Counting Crows, Sänger Nathanial Goold verzaubert wie bereits auf den Vorgängeralben mit safter Harmonie und die Band hinter ihm verziert die zumeist lieblichen Melodien mit klassischem Country-Rock-Backing.

Calexico und die Jayhawks stehen Pate, wenn Goold "Blinded by the Sun" singt oder "Running Away Again" barmt. Die "Fallen Leaves", die der Mann mit der Gitarre aus einem alten Ölkanister schon mal auf einem Solo-Album besungen hat, haben es auch auch das dritte Album seiner Band geschafft, das es beinahe nicht gegeben hätte, weil Bassist Jay Forhan eigentlich schon ausgestiegen war.

Ist er nicht, denn es wäre auch sehr schade gewesen, wenn dem kleinen Kreis der Connaisseure dieses Album vorenthalten geblieben wäre - zumal die Black Flies das neue wie die beiden alten Alben heute für spätentschlossene Geschenkesammler noch zum Sparpreis von 3,65 Euro zum Download anbieten. "Nights you will remember" heißt ein Lied. Die richtige Musik für die Stille Nacht.

Montag, 23. Dezember 2013

HFC: Weihnachtsbilanz zum Weinen

Der Geist der vorigen Weihnacht ist es beim Halleschen FC wieder zu Gast. Dreimal verloren, das Septemberhoch passe, die Tristesse eines trostlosen Herbstes zeigt deutliche Spuren im Chart (oben) des Saisonverlaufes: Am heiligen Abend steht der HFC erstmals seit dem Spätsommer wieder auf einem Abstiegsplatz. Die Trendlinie (oben blau) zeigt zudem Unheil an. Seit acht Spieltagen fällt sie bereits - Ergebnis der Tatsache, dass die Stürmer nicht treffen, die Standards nicht funktionieren und die Fitness der gesamten Mannschaft in Kombination mit der Wechselpolitik von Trainer Sven Köhler in den letzten zehn Spielen eine desaströse Bilanz produziert haben.

In diesen Spielen seit Ende des goldenen Spätsommers, der fünf Siege bei nur einer Niederlage und einem Remis einbrachte, kassiert die Abwehr wieder 1,4 Gegentreffer pro Spiel, vorn dagegen trifft die Köhler-Elf nur noch 0,7 mal pro Spiel.

So stehen die Zeichen an der Wand: Darmstadt schaffte als bester Absteiger in der letzten Saison immer noch Werte von 0,84 eigenen Treffern bei 1,2 Gegentreffern pro Spiel. Selbst Babelsberg, das als Tabellenvorletzter ins Ziel ging, lag mit 0,84 eigenen Toren bei 1,4 Gegentreffern leicht besser als der HFC im Moment. Dessen Offensivleistungen sind numerisch sogar schlechter als die des Vorsaison-Letzten Aachen. Im Augenblick treffen auch die beiden hinter den Hallensern platzierten Vereine aus Saarbrücken und Burghausen häufiger das Tor. Nur die immer noch achtbare Defensivarbeit des HFC hat verhindert, dass sich die Rot-Weißen wieder ganz hinten am Tabellenende wiederfinden, wo sie nach dem verkorksten Start Mitte August schon einmal gastiert hatten.


In der Formtabelle dagegen nützt das nichts. Hier haben die Bertram, Gogia, Ziebig und Co. das Ende der Fahnenstange bereits erreicht: Es stehen zwar drei Punkte mehr als im Vorjahr zu Buche und auch die Torbilanz verbesserte sich marginal von 17-28 auf 20:26. Doch die Liga ist ausgeglichener als im letzten Jahr, die Abstände nach oben wie nach unten sind geringer geworden, die positiven Überraschungen seltener, Spiele häufiger, in denen eigene Überlegenheit nicht in Tore und Punkte umgemünzt werden kann.

In der Einzelbilanz der 20 Spieler aber, die irgendwann in diesen ersten 21 Spielen der Saison in der Startelf des HFC standen, zeigen sich die wirklichen Überraschungen - und statistische Auffälligkeiten, die mit dem Bild korrelieren, das Spieler auf dem Platz abgeben. Das System ist einfach, es orientiert sich an der Einzelstatistik in amerikanischen Sportarten: Wieviel Punkte holt ein Team, wenn welcher Spieler auf dem Platz steht? In einer solchen persönlichen Statistik zeigt sich, welcher Spieler der Mannschaft gibt und welcher von ihr nimmt, wer sie stärker macht - und wer sie schwächt.

Beim Halleschen FC des Jahrgangs 2013/2014 ist die entsprechende Tabelle eine Fundgrube an erstaunlichen und erschreckenden Informationen, die sich zudem auch noch bis ins Detail mit dem Gesamtbild decken, das die Mannschaft derzeit bietet, die auf einen Punkteschnitt von 1,14 pro Spiel kommt.

Der beste Spieler ist danach pro forma Außen Robert Schick - seine zwei Spiele von Anfang brachten sechs Punkt. Doch ebenso wie Niklas Brandt, der in seinen zwei Spielen in der Startelf auf immerhin drei Punkte kam, wird Schick wegen zu geringer Startplatz-Spiele - ebenso wie Torwart Kisiel und Abwehrrecke Lachleb - nicht berücksichtigt, um das Bild nicht zu verzerren.

Danach wird die Sache klarer: Bester Spieler beim HFC ist Philipp Zeiger, der seine acht Startplatz-Einsätze mit 16 Punkten krönte. Hinter ihm liegt mit Tony Schmidt ein weiterer offensichtlich unterschätzter Akteur - Schmidt hat in 14 Spielen von Beginn an 22 Punkte geholt. Nur wenig schlechter ist der zuletzt so arg kritisierte Timo Furuholm, der es in 15 Startplatz-Spielen auf beeindruckende 23 Punkte brachte.

Dahinter dann die nächste Überraschung: Mittelfeldmann Anton Müller avanciert mit 1,45 Punkten pro Spiel ((16 Punkte aus 11 Spielen) zum viertbesten HFC-Spieler.

Hinter diesem Quartett steht der Abwehrblock, der von links nach innen im Saisonverlauf nur einmal grundsätzlich verändert wurde, als Trainer Sven Köhler Routinier Adli Lachleb nach vier Spieltagen herausnahm und Kristian Kojola brachte. Kojola, der die Niederlagenserie zu Beginn verpasst hat, steht als bester Abwehrspieler nun mit 1,4 Punkte pro Spiel auf Platz fünf, hinter ihm folgen Torwart Kleinheider (1,3/18 Spiele/24 Punkte), Daniel Ziebig (1,2/20 Spiele/24 Punkte) und Marcel Franke (1,14/21 Spiele/24 Punkte).

Bis hierher liegen alle Spieler über oder zumindest auf Team-Durchschnitt. Die Baustellen folgen nun - und sie offenbaren die eigentlichen Problempunkte. Andy Gogia etwa, von den Fans für einen der wenigen Matchwinner-Typen gehalten, liefert faktisch nur 1,12 Punkte pro Spiel, etwa den Mannschaftsdurchschnitt. Und dass die rechte Abwehrseite eine Baustelle ist, zeigen auch die Zahlen: Sowohl Baude als auch Brügmann, die 12 bzw. 13 Mal eingesetzt wurden, bringen es nur auf einen Wert von 1 und liefern damit die schlechtesten Werte aller Abwehrspieler.

Noch schlechter sind jedoch die Daten derer, die bis hierher fehlen. Der allgemein für spielstark gehaltene Sören Bertram etwa kommt auf nur 0,88 Punkte pro gespieltem Spiel - in seinen 17 Einsätzen von Beginn an holte er nur bescheidene 15 Punkte. Noch schlechter ist Pierre Becken, der in fünf Starteinsätzen auf nur 4 Punkte kommt (0,8), während Toni Lindenhahn, von den Fans immer noch für einen Aktivposten gehalten, nicht mal das schafft. Das ewige Talent stand bis zu seiner Verletzung achtmal in der Startelf. Und holte sagenhafte fünf Punkte, was ihm einen Durchschnitt von 0,66 beschert.

Es gibt nur einen in der aktuellen Elf, dessen Trackrecord noch miserabler aussieht. Es ist der Mann, der auch von den Fans am heftigsten kritisiert wird. Stürmer Pierre Merkel durfte sich achtmal von Beginn an beweisen. Und schaffte es tatsächlich, dabei ganze vier Punkte zu holen. Ein unterirdischer Wert von 0,5 ist die Folge - Merkel ist der Ausreißer nach unten, der einzige Spieler, der nicht einmal 50 Prozent der Mannschaftsleistung erreicht.

Die Zahlen aber sind nur das eine, ihre Analyse ist das andere. Hier werden Verwerfungen deutlich, die dem Verein zu denken geben müssen. Schaut man auf die erfolgreicheren Spieler in der Trackrecord-Tabelle, fallen Zeiger und Müller auf, zwei Fußballarbeiter, die in der Kurve nie geliebt wurden, mit deren Namen sich aber die erfolgreichste Saisonphase bis Ende September verbindet. Elfmal stand Müller auf dem Platz, achtmal mit Zeiger zusammen, 16 Punkte waren das Ergebnis. Zum Vergleich: Pierre Becken, der die beiden ersetzt, seit Trainer Sven Köhler erst Müller und dann Zeiger endgültig aus der Startelf rotierte, kommt in seinen fünf Spielen auf gerademal vier Punkte.Selbst wenn Becken die drei Spiele, die ihm zu Zeigers Einsatzbilanz noch fehlen, sämtlich gewinnen würde, käme er nur auf 13 Punkten und läge hinter dem Mann, den er seit dem Sieg beim MSV Duisburg ersetzt.

Was ist da passiert? Warum hat Köhler den Erfolg ausgewechselt? Warum setzt er hartnäckig auf Becken, dessen Bilanz nach fünf Spielen keineswegs überzeugt? Und warum auf Merkel, dessen Statistik ein einziger Offenbarungseid ist?

Einen Fingerzeig gibt die Art, wie sich Sven Köhlers Umgang mit Aus- und Einwechslungen verändert hat. Zu Saisonbeginn lag sein Standartwert bei drei Auswechslungen, dabei blieb er bis zur Niederlage in Rostock. Die darauffolgenden drei Spiele wurde dann nur noch zweimal gewechselt;  die letzten vier Saisonspiele beließ es Köhler sogar bei einer einzigen Einwechslung (abgesehen von einem verletzungsbedingen Wechsel in der 92. Minute in Burghausen, als Ziegenbein pro forma als 2. Wechsler kam).

Der Kreis der Spieler, denen Köhler vertraut und mit denen er rechnet, wird offenbar nicht nur verletzungsbedingt - wie in den Fällen Lindenhahn und Wagefeld - kleiner. Nein, Lachleb, Zeiger, Müller und Brandt gehören augenscheinlich auch in verletzungsfreien Zeiten nicht zu dem Teil des Kaders, von dem sich der Trainer Hilfe oder gar Rettung erhofft. Und das wiederum ist erschreckend, weil er mit Müller und Zeiger immerhin auf zwei der vier besten und bislang erfolgreichsten Akteure seines Aufgebotes verzichtet. Während er andererseits mit Merkel, Becken und Bertram den - neben dem verletzten Lindenhahn - erfolglosesten Spielern eine Auflaufgarantie gegeben hat.


Das Comeback der Triple-A-Verschwörung

Sie haben es wieder getan! Dreist und frech, als hätte die EU nicht längst neue Regeln für Ratingagenturen beschlossen, nach denen Herabstufungen vor ihrer Bekanntgabe im inneren Kreis der Kommentare veröffentlicht und von den Finanzminstern der Gemeinschaft genehmigt werden müssen, hat die Ratingagentur Standard &Poor's (S&P) mit einem Schlag der gesamten Europäischen Union (EU) die Bestnote entzogen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass sich ein mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneter Kontinent mit einer Ratingnote unter AAA abfinden muss.

Die Begründung von S&P ist denn auch windelweich. Angeblich befänden sich die meisten der 28 Mitgliedsländer der Europäischen Union in einer schwächeren wirtschaftlichen und finanziellen Verfassung, dadurch sei die Kreditwürdigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Zuvor hatte die Agentur bereits Frankreich als zweitgrößter Euro-Volkswirtschaft die Bestnote entzogen, die Rating-Agentur Moody's hatte angekündigt, Deutschlands Kreditwürdigkeit prüfen zu wollen und dem Euro-Rettungsschirm war böswillig die Bestnote entzogen worden. «Wir glauben, dass sich die finanzielle Lage der EU verschlechtert und der Zusammenhalt der Mitgliedstaaten verringert hat», schreiben die S&P-Experten.

Das durch die us-amerikanischen und französischen Agenturen derart angegriffene Europa hält dennoch still. Von den hochfliegenden den Plänen, eine eigene Ratingagentur gründen zu wollen, die je nach Bedarfsanmeldung der europäischen Spitzenpolitik Bestnoten vergibt, ist seit den heißen Tagen der „Triple-A-Verschwörung“ (Süddeutsche Zeitung) im Sommer 2012 nicht mehr die Rede gewesen. Um wenigstens den Eindruck zu erwecken, es werde etwas getan, hatten die EU-Finanzminister im Frühjahr festgelegt, dass Ratingagenturen Staaten nur noch zu festen Terminen bewerten, die außerhalb der europäischen Börsenöffnungszeiten liegen müssen. Die Bekanntgabe der Bonitätsbewertungen von Staaten muss vorab an die Regierungen erfolgen, wenn diese sich ungerecht behandelt fühlen, können sie auf Schadenersatz klagen.

Trotz dieser Vorgaben machte S&P nun sein neues Verdikt öffentlich – eine Demütigung der EU, wie die Finanzzeitschrift Taz befindet. Das zuletzt schrumpfende EU-Budget und die nachlassende finanzielle Solidarität unter den 28 EU-Staaten seien noch lange kein Grund, der EU eine unsicherere Zukunft zu prophezeien.


Wie Sahra Wagenknecht die Schulden abschaffte

Sonntag, 22. Dezember 2013

Asyl für Snowden: Akte tiefster Symbolik

Deutschland hat die Entscheidung der USA begrüßt, die Strafverfolgung des amerikanischen Regierungskritikers Edward Snowden einzustellen. Außenminister Frank Steinmeier rief die USA aber zugleich dazu auf, mehr für die Beachtung der Menschenrechte zu tun. Dazu müssten Reformen im Geheimdienstbereich vorangebracht werden, die ein "transparentes, unabhängiges und verlässliches Rechtssystem" garantieren, sagte der SPD-Politiker. Der 32-jährige ehemalige Geheimdienstmann Snowden war nach sechsmonatiger Flucht von USA-Präsident Barack Obama überraschend begnadigt worden. Snowden will jetzt nach Berlin fliegen, um sich dort auf einer Pressekonferenz im Mauermuseum zu seinen Zukunftsplänen äußern.

Snowden dankte allen, die seine Freiheit ermöglicht haben. Insbesondere dem russischen Präsident Wladimir Putin, der ihm Asyl gegeben habe, als alle Rechtsstaaten sich weigerten, ihm Obdach zu geben, schulde er Dank. "Nach sechs Monaten Verfolgung durch den mächtigsten Geheimdienst der Welt ist das ein unglaubliches Gefühl der Freiheit", sagte er der The New Times. "Das Wichtigste ist jetzt: Freiheit, Freiheit, Freiheit." Snowden kündigte an, sich für andere Gefangene in den USA einzusetzen, die wie er wegen der Enthüllung fragwürdiger Geheimdienstmethoden verfolgt und in Haft gehalten würden. "Es gibt noch viel zu tun", sagte er. Namentlich nannte er die in Haft sitzenden Jeremy Hammond und Bradley Manning, der unter anderem wegen Geheimnisverrats verurteilt worden war.


Die frühere Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) forderte ein dauerhaftes Bleiberecht für Snowden in Deutschland. Wenn er dies wolle, sollte die Bundesregierung ihm einen Aufenthalt ermöglichen, sagte sie der Passauer Neuen Presse. Sie schlug eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis oder politisches Asyl für den Whistleblower vor, der sich um die Wahrung der Menschenrechte verdient gemacht habe. Der Direktor der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, lud Snowden zu einem Besuch ein. "Es wäre ein Akt von tiefer Symbolik, wenn Sie als früherer USA-Geheimdienstmann dieses von der sowjetischen Geheimpolizei aufgebaute Gefängnis besuchen würden", schrieb Knabe in einen Brief an den Amerikaner. Vorstellbar seien sowohl ein "eher privater Besuch als auch eine große öffentliche Veranstaltung", bei der Snowden ausführlich von seinen Monaten auf der Flucht berichten könnte.

Die Oppositionspolitikerin Petra Rausch forderte den Präsidenten ihres Landes, Joachim Gauck, in der Bild-Zeitung auf, Obamas Beispiel zu folgen und die Begnadigung des inhaftierten Neonazis Horst Mahler zu erwirken. "Es ist sehr bezeichnend, dass Russland Chodorkowski, die USA Snowden begnadigen, aber in Deutschland noch immer ein Mann im Gefängnis sitzt, der nichts weiter getan hat, als Blödsinn zu erzählen", schrieb Rausch. "Präsident Gauck sollte sich zumindest in diesem Fall ein Beispiel an seinem Freund Putin nehmen und Mahler endlich freilassen."


Zu warm, zu kalt, zu zu


Ist es jetzt besonders schlimm, wenn der Herbst zu kalt und der Winter zu warm bzw. der Sommer zu trocken und das Frühjahr zu nass ist? Der Beginn des Jahres dürre Hitze oder das Ende niederschlagsreiche Bibber-Temperaturen verheißt? Beim Klima-Monopoly gibt es darauf eine ganz klare Antwort: Scheißegal! Hauptsache, irgendein Parameter zeigt in Bezug zu irgendeinem anderen Parameter nicht das im statistischen Mittel erwartete Verhalten. Vergleichbar sind diese als "Wurschtegal-Phänomen" bekannten Einzel-Beobachtungen den Erkenntnissen bei der Formulierung von Armut und Reichtum. Oder ist es anders zu erklären, dass der November als der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen daherkommt und somit die bange Frage "Geht die Pause bei der Erderwärmung (endlich, Anmerkung der Redaktion) zu Ende" durch die Medien wabert, während fast gleichzeitig vor dem kältesten Winter seit Jahren gewarnt wird? Solange der berühmt-berüchtigte Beginn der Wetteraufzeichnungen wahlweise in den Jahren 1871, 1880, 1891 oder ganz woanders liegt, kann uns leider nicht so richtig Bange werden. Tut uns leid, nächstes Jahr sind wir bestimmt mit im Boot!

Samstag, 21. Dezember 2013

HFC: Mehr Pierre wagen

Als es vorüber ist, ist das Erwartete eingetreten. Der Hallesche Fußballklub steht zur Winterpause auf einem Abstiegsrang, statt im gesicherten Mittelfeld den frühen Klassenerhalt anzuvisieren, ist die Zwischenbilanz noch einmal drei Plätze schlechter als die in der vorigen Saison.

Allerdings hätte es im letzten Spiel anno 2013 nicht so kommen müssen. Beim Staffelfavoriten RB, in der Vergangenheit einer der liebsten Gegner der Hallenser, präsentiert sich die zuletzt eher glück- als kraftlose Mannschaft von Trainer Sven Köhler anfangs aufgeräumter in Stimmung. RB drückt, Halle aber kontert durchaus vielversprechend. Nach fünf Minuten aber folgt der gewohnte Nackenschlag, als Daniel Frahn aus klassischer Mittelstürmerposition das 1:0 macht, nachdem in Poulsen per Kopf angespielt hat. Für eine Minute jubelt seine Elf, für zwei Minuten jubeln auch die Brausefans im Stadionrund. Dann protestieren die HFC-Spieler. Dann erhört sie Schiedsrichter Daniel Siebert. Kein Tor, die Anzeigetafel muss zurück auf Null gestellt werden.

RB steckt jetzt zurück, der HFC versucht, über Akaki Gogia offensiver zu werden. Gefährlich aber werden die diesmal mit Björn Ziegenbein im zentralen Mittelfeld neben Pierre Becken aufgelaufenen Hallenser nur bei Standards und auch da wie immer nur selten. Ein Kopfball von Kristian Kojola nach einer Ecke von Sören Bertram bringt mit einem Pfostentreffer die größte Annäherung an ein Tor für die Gäste.

Die spielen gut, das aber vor allem weil RB keine Mittel findet, die meist sehr sicher stehende Abwehr auszuhebeln. Und gelingt es doch einmal, geht die Fahne hoch wie nach einem zweiten Treffer von Frahn. Wieder abseits. Die HFC-Fans unter den 20.300 im Stadion sind zur Pause zufrieden, hier ist noch alles drin und die befürchtete Klatsche weit und breit nicht in Sicht.

 
Bis RB dann, von den Rängen immer wieder durch wunderliche "RTL"-Rufe angefeuert, nach der Pause das Tempo verschärft. Halle ist jetzt sichtlich aus dem Spiel, mehr als hin und wieder ein harmloser Schuss weit über das Tor kommt nicht. RB berennt das hallesche Tor, in der 51. Minute dann auch mit Erfolg. Eine Flanke von rechts erwischt Kojola nur mit dem Oberarm, der Ball tropft ihm nicht auf den eigenen Fuß, sondern er rollt Richtung Elfmeterpunkt. Dort hat Kaiser keine Mühe, ihn unbedrängt unter die Latte zu nageln.

Wenigstens bricht auf Halle-Seite danach nicht alles zusammen. Gogia müht sich, Bertram läuft, wie er kann, Schmidt sucht die Zweikämpfe. Und in der 63. Minute, als der fleißige, aber lange Zeit auf sich allein gestellte Timo Furuholm sich rustikal auf rechts durchsetzt und den inzwischen von Köhler nach dem Motto "Mehr Pierre wagen" für Ziegenbein eingewechselten Pierre Merkel mustergültig bedient, scheint die Belohnung in Sicht. Der Ex-Braunschweiger steht sieben Meter vor dem leeren Tor. Er müsste den Ball nur umlenken. Stattdessen versucht er aufwendig, ihn anzunehmen und sich zurechtzulegen. Ehe er zum Schuss kommt, sind zwei Gegenspieler da.

Es ist die bis dahin klarste Tormöglichkeit im ganzen Spiel und sie wird auf eine Art vergeben, die kläglich zu nennen noch ein Lob wäre. Wie es richtig geht, zeigt RB beinahe im direkten Gegenzug: Ballverlust von Furuholm, schnell überbrücktes Mittelfeld, langer Pass auf Poulsen, der umkurvt Kleinheider, den dritten Pierre im Halle-Dress. Und vollendet.

2:0 statt 1:1, Kopfschütteln beim mitgereisten halleschen Anhang, dem ein Großaufgebot an Polizei Anreise und Eintritt zu einem echten Erlebnis hatte werden lassen. Nun steht Pierre Merkel unangefochten im Mittelpunkt des Interesses, jeder seiner Versuche, einen Ball anzunehmen oder weiterzuleiten, wird höhnisch kommentiert - und das auch noch völlig zurecht.

Sven Köhler steht währenddessen draußen an der Linie und beobachtet den Untergang der Truppe, von der er gehofft und versichert hatte, sie sei besser als die der Vorjahre. Besser? Besser frisiert, das steht fest. Doch was sie auf dem Platz zeigt, ist auch jenseits der erneuten Negativ-Gala des Pierre Merkel nur Stückwerk. Gogias Tricksereien, Furuholms handfestes Drücken, Schmidts eifriges Draufgehen, Bertrams Spielwitz-Versuche und Beckens wie Ziebigs rustikales Defensivspiel laufen immer irgendwie nebeneinander her. Nichts ergibt ein Gesamtbild, selbst die Freistöße und Ecken, von denen es einmal mehr verschwenderisch gibt, erzeugen irgendeine geplant wirkende Torgefahr.

RB muss nun gar nicht mehr bangen. Jeder im Stadion sieht, dass das Spiel entschieden ist. Auch Sven Köhler schätzt das wohl so ein, denn einmal mehr erspart er sich den Versuch, mit den zwei weiteren möglichen Einwechslungen Einfluss auf den Spielverlauf zu nehmen. Zorniger auf RB-Seite dagegen wechselt und vielleicht auch deshalb wirkt seine Mannschaft in den letzten zehn Minuten viel frischer als die abgekämpften Betram, Schmidt und Furuholm, die bei jeder Spielunterbrechung mit den Händen auf die Knie gestützt um Luft ringen.

Dass es noch einmal ein bisschen spannend wird, könnte auch daran liegen: Tony Schmidt fällt fünf Minuten vor dem Abpfiff im Strafraum hin, Bertram verwandelt den fälligen Strafstoß. Passt auch: Der Elferschütze vom Dienst ist damit der erfolgreichste HFC-Torschütze.


Statt einer bedingungslosen Schlussoffensive, wie sie die HFC-Bank händerudernd fordert, erscheint dann unten auf dem Rasen auch nur der Schatten eines Sturmlaufes. RB hat jetzt Zeit, der HFC immer noch keine Idee. Am Ende dann eben das Erwartbare: Pierre Merkel hatte in seiner halben Stunde acht Ballkontakte, achtmal hat er den Ball dabei verloren oder verstolpert. Der Mann, der Anfang der Saison als Stürmer Nummer 1 gesetzt war, beendet das Jahr ohne Torerfolg in der Liga, seine Mannschaft rutscht durch auf einen Abstiegsplatz.

Das Gute daran: Jeder sieht, dass es so in der Rückrunde nicht mehr gegen den Abstieg geht, sondern nur noch darum, wann er feststeht.


Damals wars

Armut: Sechs, sieben oder fünf

Noch nie zuvor hat der Paritätische Wohlfahrtsverband bei so wenigen armen Menschen in Deutschland ein neues Rekordhoch ausrufen können. Mit 15,2 Prozent habe die Armut eine neue Spitzenmarke erreicht, warnt der Verband jetzt - jeder siebte Haushalt in Deutschland gelte damit als arm oder armutsgefährdet, ganze Regionen seien vom Reichtum anderer abgehängt. Das Erstaunliche daran: Nach Informationen des "Spiegel" hatte die Armutsquote in Deutschland bereits im Oktober 2010 einen Wert von 15,5 Prozent erreicht. Bis zum neuen Rekord ist sie damit um 0,3 Prozent gesunken.

Auch übrigen Zahlen sind schwer zu erklären. War 2010 noch „jeder Sechste“ (Spiegel) von Armut bedroht oder betroffen, ist es jetzt jeder Siebte, allerdings nur jeder siebte Haushalt. Ein abrupter Einbruch, denn noch zwei Tage zuvor war jeder Fünfte in Deutschland arm gewesen.

Nun ist es – vielleicht eine erste Folge der Regierungsbildung – bereits „jeder Sechste" - und das, wie hier gern immer wieder beklagt wird, mitten im größten Aufschwung seit dem Beginn der Autobahnarbeiten an der Strecke Frankfurt - Darmstadt vor vor 80 Jahren. Weniger arm als in Deutschland sind die Menschen in Frankreich, noch ärmer allerdings zumndest im Durchschnitt in der gesamten Europäischen Union. Fast ein Viertel der Bürger profitieren hier durch Armut oder soziale Ausgrenzung (Die Welt) von den Erfolgen des gemeinsamen Binnenmarktes. Das ist derzeit fast jeder Sechse, Siebte oder Fünfte.

EU nimmt sich Europas Ökoboykotteure vor

Die europäische Industrie muss um ihre milliardenschweren Rabatte beim Ökostrom-Ausbau fürchten. Nach Ansicht der EU-Kommission verstoßen die Vergünstigungen für Industriebetriebe, die Firmen außerhalb Deutschland genießen, gegen die Grundprinzipien des fairen Wettbewerbs in Europa. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia ist der Ansicht, dass deutsche Unternehmen benachteiligt werden, weil seine seit Jahren eine sogenannte EEG-Umlage zahlen müssen, um erneuerbare Energien zu fördern, während spanische, italienische und französische Unternehmen von der Abgabe befreit sind.

Die Ökoboykotteure rücken nun ins Visier der Brüsseler Aufseher. Im Zuge der Vollendung des Friedenswerkes der europäischen Einigung habe die EU-Behörde gegen alle EU-Länder außer Deutschland und Österreich, die wegen der Weitsicht und Weisheit ihrer Führer bereits eine EEG-Umlage von Bürgern und Wirtschaft kassieren, Verfahren wegen des Verdachts auf unzulässige Beihilfen eröffnet, teilte die EU-Kommission mit. Sie beanstandet, dass sämtliche Unternehmen, aber auch alle Bürger in 25 von 27 Mitgliedsstaaten der Union von der Finanzierung des zukünftsträchtigen Ausbaus von Solar-, Wind- und Biomasse-Anlagen befreit sind. Die EU-Kommission hat dagegen ernste Bedenken. Es könne sein, dass der Wettbewerb dadurch verzerrt wird, hieß es in Brüssel, zudem sei die Erde nur von späteren EU-Kommissionen geborgt, er verbiete sich,k sie mit traditionellen Energien zu beheizen.

Derzeit profitierten französische Firmen etwa von billigem Atomstrom, die deutsche Schwerindustrie hingegen müsse Kupfer und Stahl für neue Windräder mühsam und teuer mit Hilfe von Windenergie (Foto oben) schmelzen. Der Ausgang des Prüfverfahrens, das etwa ein Jahr dauern dürfte, ist noch offen. Am Ende könnte Brüssel eine europaweite Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes fordern und gewährte Vorteile bei der EEG-Umlage von der Industrie zurückverlangen. Auf Franzosen, Italiener, Spanier und alle übrigen Profiteure kämen Milliardenzahlungen zu.

Von den Nachzahlungen würden die deutschen Stromzahler profitieren, die den Ausbau der Anlagemöglichkeiten für Zahnärzte, Rechtsanwälte und mittelständische Unternehmerin Ökofonds derzeit allein finanzieren. Das deutsche EEG legt fest, dass Betreiber von Windparks, Solar- und Biogasanlagen auf jeweils 20 Jahre von den deutschen Stromverbraucher feste Renditen in Höhe von zehn bis 18 Prozent erhalten. Bei Gesamtstromkosten von 65 Milliarden Euro steigen die Umlagekosten zur Finanzierung der Gewinne von Solar- und Windfonds im kommenden Jahr auf etwa 23,5 Milliarden Euro steigen.

Freitag, 20. Dezember 2013

Rußland: Rechtsstaat außer Kontrolle

War es die Olympia-Absage von Bundespräsident Joachim Gauck, die den russischen Diktator Wladimir Putin in die Knie gezwungen hat? Oder treibt der ehemalige Geheimdienstoffizier ein besonders perfides Spiel, um die westlichen Demokratien hinters Licht zu führen und seine entschiedensten Gegner zu schwächen? Überraschend selbst für die deutsche Spitzenpolitik hat Putin in Moskau verkündet, seine hartnäckisten und gefährlichsten Gegner - die Mitglieder der Rockband Pussy Riot und den ehemaligen Ölmagnaten Michael Chodorkowski - begnadigen zu wollen.

"In der nächsten Zeit wird ein Erlass unterschrieben, der seine Begnadigung ermöglicht", sagte Putin zum Fall Chodorkowski. Die Freilassung der Mitgliederinnen der berühmtesten russsischen Band war ihm sogar nur einen knappen Nebensatz wert. Offizieller Anlass dafür ist der 20. Jahrestag der russischen Verfassung.

Kritiker im Westen bemängelten die Amnestie. Hier zeige sich das "zaristische Selbstverständnis" des Kreml, heißt es bei n-tv. Putins versuche nur, vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi gut Wetter beim Westen zu machen, zeige dabei aber, dass der russische Rechtsstaat außer Kontrolle sei. Wie bei der Aussetzung der Absenkung der Rentenbeiträge in Deutschland, hieß es in Berlin, gebe es für die plötzliche Freilassung keine Rechtsgrundlage. "Putin handelt nach Gutsherrenart, wie man das Diktaturen kennt", hieß es bei den Grünen. Zudem widerspreche er einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte, der im Juli erst befunden hatte, dass das Verfahren gegen den früheren Milliardär "auf einer juristisch soliden Grundlage" gestanden habe. Das müsse auch Rußland respektieren.

"Dieser Gnadenakt des russischen Präsidenten Putin ersetzt kein unabhängiges Rechtssystem, geschweige denn führt er zu mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Russland", sagte die frühere Grünen-Chefin Claudia Roth. Putin bezwecke einzig und allein, seine Kritiker im Westen mundtot zu machen. Sie werde aber dennoch nicht nach Sotschi fahren.

Das Bundespräsidialamt wollte den Fall nicht kommentieren, dem Vernehmen nach erwägt der Bundespräsident nach seinem Überraschungscoup jedoch, im kommenden Jahr auch nicht bei der Fußball-WM in Brasilien anzutreten. Nach einem Urteil der Bundeszentrale für politische Bildung, das Gauck vorliegt, war und ist Brasilien kein Rechtsstaat. Dies wolle der Bundespräsident durch keine Reise schnellstmöglich ändern.

Gaga-Propaganda gegen Pleite-Banken

Es ist schon rein rechnerisch ist ein revolutionärer Durchbruch für die Mathematik, den die Euro-Finanzminister da bei den Plänen zur künftigen Rettung von Pleitebanken erzielt haben: 55 Milliarden Euro sollen die Geldhäuser künftig selbst zurücklegen, um in der nächsten Finanzkrise gegen Erschütterungen gewappnet zu sein. Mit dem Geld werden sie nach Ansicht der Finanzminister in die Lage versetzt, sich selbst retten zu können. Zuletzt hatten das die Staaten tun müssen - 1,6 Billionen Euro hatte sie das gekostet.

Beim nächsten Mal wird es billiger, weil sich die Vertreter der Mitgliedsstaaten entschlossen haben, den von den Staaten gesicherten Höchstsparbetrag auf 100.000 Euro festzulegen. Alle Beträge, die Bürger darüberhinaus auf Bankkonten horten, können künftig zur Bankenrettung beigezogen werden. Zuletzt hatte es bei der Rettung Zyperns noch große Empörung darüber gegeben, dass die EU Sparer, die mehr als 100.000 Euro auf dem Konto hatten, per einmaliger Zwangsabgabe an den Rettungskosten beteiligte. Pro forma hatte bis dahin in Gesamteuropa eine Garantie für Sichtguthaben gegolten, die Kontoinhabern im Falle der Pleite seiner Bank Guthaben bis zu 1,5 Millionen Euro sicherzustellen vorgab. In Deutschland war dieses Versprechen allerdings bereits weitgehend unbemerkt im Januar 2012 über mehrere Stufen auf nur noch 437.000 Euro gesenkt worden.

Auch dieser Betrag gilt nun nicht mehr, nun gilt die sogenannte Taschengeld-Sicherung, die die EU gemeinschaftlich garantiert. Eine mehr als großzügige Regelung, wie die Leitmedien inzwischen kollektiv analysiert haben. Euphorisiert zitiert die von der Rettungsmagie völlig verzauberte FAZ Binnenmarktkommissar Michel Barnier, der von einer „revolutionären Entscheidung für den Finanzsektor in Europa“ gesprochen habe, erfreut konstatiert die SZ angesichts der Absicht, alles Geld, das Sparer über 100.000 Euro angespart haben, zum Zweck der Bankenrettung zu enteignen, "Sparer und Steuerzahler sind künftig besser geschützt sein".

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Gute Gesellschaft gegen Leistungswahn

Sie gilt als Erfinderin der „Guten Gesellschaft“ und Vordenkerin des nach ihr benannten Nahlismus, wurde aber bisher eher als Theoretikerin belächelt.Kaum im Amt der Arbeitsminsiterin, zeigt die SPD-Führungsfrau Andrea Nahles nun jedoch, dass sie gewillt ist, ihre theoretischen Konzepte über eine Wirtschaft, die sich nach den Interessen der Arbeitnehmer zu richten hat, umzusetzen gewillt ist. Die neue Arbeitsministerin beginnt ihre Amtszeit mit zwei großen Versprechen. Zum einen gelobt Andrea Nahles, den Mindestlohn spätestens 2017 bundesweit einzuführen. Als erstes will die SPD-Frau für familienfreundlichere Arbeitszeiten kämpfen, die sie über eine neue Arbeitskultur in den Unternehmen herzustellen gedenkt. "Wir müssen Vollzeit neu definieren. Mit dem Anwesenheitswahn muss Schluss sein, denn Familien brauchen auch Zeit", sagte sie der "Bild"-Zeitung.

Wenn in Betrieben stärker teamorientiert gearbeitet werde, könnten Mitarbeiter sich gegenseitig vertreten. "Es reicht dann völlig, wenn immer einer da ist.“ Den Rest der Zeit können Papa oder Mama auch mal nachmittags nach Hause gehen, wer keine Kinder habe, finde sicher einen anderen Grund, Arbeit Arbeit sein zu lassen, sagte die Sozialdemokratin. Nahles selbst laboriert noch an einer Traumatisierung aus ihrer Zeit als SPD-Generalsekretärin. Damals hatte sie im Januar 2011 ihre Tochter zur Welt gebracht und dennoch bereits acht Wochen später wieder angefangen zu arbeiten, weil sie fürchtete, ein anderer könne sich während ihrer Abwesenheit auf ihren Stuhl drängen. In der Guten Gesellschaft, die Nahles nun errichtet, gäbe es dafür keinen Grund: Bei vollem Lohnausgleich arbeitet jeder in der Guten Gesellschaft ohnehin nur, solange er nichts anderes vorhat.

Europa-Wahl: Skeptiker chancenlos

Ja, Europa hat noch Freunde, viel mehr sogar als es selber dachte. Eine Online-Umfrage der EU brachte es jetzt an den Tag: Wenn die Europäer im kommenden an die urnen treten, um ihre neuen Europa-Parlamentarier zu bestimmen, dann werden euroskeptische Parteien nicht etwa weit über zehn Prozent der Stimmen auf sich vereinen, sondern nicht einmal drei Prozent. Damit wären deutsche Euro-Kritiker, finstere französische Nationalisten und spanische Unabhängigkeitsfanatiker gleichermaßen außen vor beim Kampf um die Zukunft des Weltfriedenskontinents.

Ein wahrhaft glücklicher Moment für die Völkerfamilie, die bisher hatte fürchten müssen, dass bizarre Splittergruppen wie die Wahren Finnen, Tschechiens Konservative oder die rechte Graswurzelbewegung AfD alles zunichte machen, was Helmut Kohl auf der Basis des Hades-Planes aufgebaut hat. „Debating Europe Vote 2014”, die Premiere eines gesamteuropäischen „e-Votes“ (EU), bei dem jeder mitmachen kann, sogar sofort, sofern er einen amerikanischen Facebook-Account besitzt, zeigt ein klares Meinungsbild: 20 Prozent der Europäer wählen klassische Sozialdemokratie, weitere 13 Prozent linke Sozialdemokratie und etwas mehr als 16 Prozent Grün. Nur knapp verpasst der vereinigte Fortschritt damit die Mehrheit der Stimmen.

Die Mehrheit der Sitze im Parlament aber ist den linken Parteien nicht zu nehmen, denn rechts von Grün erzielen nur die Liberalen (24%) und die CDU-ähnlichen Konservativen (18%) Stimmanteile von über drei Prozent, die erst zum Einzug ins Europäische Parlament berechtigen. Insgesamt erreichen die Parteien des demokratischen Blocks damit rund 92 Prozent aller Stimmen.

Ein Ergebnis, auf das die Menschen stolz sein können, ist es doch eine klare Absage der Wähler für alle Meckerer und ein sauberer Vertrauensbeweis für unser gemeinsames Haus Europa, das nun noch besser gemacht werden kann.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Steuerzahler sollen Restvermögen der Sparer retten

Acht Monate den Protesten während der Enteignung der zypriotischen Sparer zur Rettung der zypriotischen Banken zeigen die Finanzminister der Union, dass sie ihre Lektion gelernt haben. Im Streit um die Bankenunion haben sich die Finanzminister der Basis für einen Kompromiss genähert, der darauf hinausläuft, dass Pleitebanken künftig von den Steuerzahlern aller EU-Länder gerettet werden.

Wolfgang Schäuble und seine Kollegen garantieren in dem Beschluss jedem EU-Bürger 100.000 Euro für den Fall, dass seine Bank pleite geht. Hinter der Garantie steht nicht mehr nur das Eigenkapital der Bank oder die Kreditwürdigkeit der nationale Regierung wie bisher, sondern die ganze große Gemeinschaft der europäischen Steuerzahler. "Bei Bankenrettungen sind Einlagen unter 100.000 Euro ohne Wenn und Aber tabu", sagte Parlamentsunterhändler Peter Simon von der SPD. Nur wer mehr als hunderttausend Euro besitze, sei zu einer Kapitalabgabe in jeweils noch festzulegender Höhe verpflichtet. So viel Geld benötige ohnehin niemand, da sei es nur logisch und nachvollziehbar, dass hier ein Solidarbeitrag der Reichen gefordert werde, verlautete in Brüssel.

Der Vorteil: Sparer würden bei einer Bankpleite innerhalb von sieben Werktagen ihr Restgeld erhalten, soweit es nicht mehr sei als dieser neue europäische Höchstsparbetrag, der schon im Falle Zypern als Maßstab dafür gegolten hatte, wer ein Anrecht darauf hat, über sein eigenes Geld weiter verfügen zu dürfen und wer sich an der Rettung des gemeinschaftlichen Bankensystems direkt beteiligen darf.

Wer mehr Geld gespart habe, sei selbst schuld, hieß es aus der Verhandlungsrunde, die es erstmals wagt, die in Zypern durchgeführte Rettungsstrategie in klare Regeln zu gießen: Eine "Notauszahlung" zur Deckung der unmittelbaren Lebenshaltungskosten steht Bankkunden jetzt bereits nach fünf Tagen zu, wer sein Geld jeweils bis zum Höchstsparbetrag klug auf mehrere Bankkonten verteilt, bleibt beider Rettungsbeteiligung außen vor. Einspringen wird wie bisher der europäische und damit wohl vor allem der deutsche Steuerzahler.

An die Leitmedien, so entschieden die Finanzminister, soll die neue, alte Lösung als Anwendungsbeispiel für Hyperphysik und Voodoozauber verkauft werden. Damit solle der Eindruck erweckt werden, so die Marketing-Strategie, dass die Banken mit ihrer Eigenkapitalquote acht bis 15 Prozent mit Hilfe eines Beschlusses der Finanzminister künftig hundert Prozent ihrer Verbindlichkeiten decken können. In der laufenden Finanzkrise hatten die EU-Steuerzahler insgesamt etwa 1,6 Billionen Euro in marode Geldhäuser gesteckt. Beim nächsten Mal sollen die maroden Geldhäuser dieses Geld selbst aufbringen.