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Montag, 2. Juni 2014

Ai Weiwei: Kunst kommt von Ausstellen

Verboten ist er, unterdrückt, auch schon mal im Gefängnis gewesen und einer der größten lebenden Künstler der Welt. Dann hat Ai Weiwei 18 Container mit Kunst nach Deutschland geschickt, hier wurde im Martin-Gropius-Bau eine Ausstellung daraus gemacht, die zum Publikumsmagneten geworden ist. Mehr als 100 000 Besucher haben sich die zu Kunst erklärten Alltagsgegenstände, die nach Andy Warholes Regieanweisungen gedrehten unendlichen Filme und die mit Schecks tapezierten Wände angeschaut - im Gesicht meist die unausgesprochene Frage aller Ausstellungsfragen: Was ist hier Kunst? Und was bloß die Tür zum Lastenfahrstuhl?

Vor allem natürlich die Inszenierung, weniger die der Ausstellungsstücke als die des herstellenden Chinesen. Ai Weiwei steht in der Nachfolge von Alexander Issajewitsch Solschenizyn, Wolf Biermann, Stephan Krawczyk und Pussy Riot: Der Installationskünstler bezieht seine Wichtigkeit und seine Bekanntheit weniger aus der offenkundige Relevanz seiner Kunst als vielmehr aus dem Umstand, dass ihn das chinesische Regime verfolgt, ihn an der Ausreise hindert, seine Kunst zerstört hat und ihn wegen eines Steuervergehens inhaftierte.

Das mag der alte Westen traditionell, denn die Geschichte zeigt, dass sich die Unmenschlichkeit eines Gegners am einfachsten zeigen lässt, wenn man seinem Volk das immergleiche Opfer so lange vorsetzt, dass das Publikum nach einiger Zeit meint, die umstrittene Figur persönlich zu kennen. In der Heimat des Betreffenden führt das häufig zu einem gegenläufigen Effekt, der dem Fortschritt der Mär vom großen verfolgten Kunstgiganten nur hilft: Verunsichert durch die begeisterte Rezeption im Ausland, beginnt die unter Druck geratene Führung des vom Künstler kritisierten Regimes oft damit, Repressionsmaßnahmen zu verschärfen. Woraus sich die Gelegenheit ergibt, die Verfolgung des unruhigen Geistes erneut anzuprangern, was im glücklichsten Fall dazu führt, dass die Verfolgung erneut verschärft wird.

Ai Weiwei hat wegen eines vermeintlichen oder tatsächlichen Steuervergehens 81 Tage im Gefängnis gesessen. das steht in der Ausstellung "Evidence" (Beweis) in Berlin auf gefühlt jedem zweiten Erklärschild denn es ist das Ereignis im Leben des Künstlers, das seine Relevanz belegt. Die ausgestellten Kunstwerke tun das weniger, sie wirken vom "Monumentalen Schrottplatz" aus dem Jahr 2007, der Erdbeben anprangert, bis zu den aus Marmor nachgemeißelten Wohnungstüren, die das Verschwinden der traditionellen historischen chinesischen Holztüren beklagen, mühsam aufgeladen mit Bedeutung. Die Moniereisen aus eingestürzten Schulen wurden gesammelt, geradegeklopft und wieder verbogen - was fehlt, ist die Erklärung, wie viele Arbeiter die Firma Ai Weiwei zu welchen Konditionen mit einer derart aufwendigen Umgestaltung von 200 Tonnen Stahl beschäftigt hat. Der Marmor der Türen, liest man, stamme aus demselben Steinbruch, der das Baumaterial für den Kaiserpalast und später für Maos Grabmal zu spenden hatte. Ach. Und?

Alles soll Assoziation sein, überall muss unter der Bedeutungsebene noch eine stecken. Der Stinkefinger für bekannte Plätze der Welt ist so kein pubertärer Scherz, sondern irgendwie auch genial. Die von Ai Weiwei bei armen Bauernfamilien in China eingesammelten Hocker aus der Ming- und Quing-Dynastie, die im Foyer herumstehen, regen zum Nachdenken an. Überwachungskameras aus Marmor. 150 Fahrräder an der Decke. Kleiderbügel aus dem Gefängnis unter Glas. Eine Gasmaske aus Marmor. Zwei zusammengeknöpfte Regenmäntel.

Die Ausstellung des China geächteten Künstlers und Regimekritikers im Berliner Gropius-Bau läuft noch bis zum 7. Juli.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Naja naja. Aber die Welt hat 1933 gesehen, zu was frustrierte Künstler fähig sind. Also lasst ihn mal lieber machen und sagt ihm, er ist ein toller Großkünstler.
So bleibt er bei Marmor- und Schrottklimbim statt von einer neuen Welthauptstadt zu träumen.

Teja hat gesagt…

@anonym
Ganz richtig. Im Ggs. zu den Unterdrückerstaaten wie Russland (Pussys) und China, die geschmacklose Künstler in den Knast stecken um sie vor der Gesellschaft zu schützen, haben wir eben aus der Geschichte gelernt. Und lassen die Diktatoren in spe sich an der langen Leine austoben.

Anonym hat gesagt…

Was ein Schit! ne ne ...

Anonym hat gesagt…

Kann man den "BER" nicht auch zum reschiemkritischen Gesamtkunstwerk erklären.

Ein Nicht-Flughafen als Zeichen gegen den klimaunterdrückenden ausbeuterischen und homofoben Flugverkehr.

Dürfte doch für eine Kapazität wie Au-Weia kein Problem darstellen.


Orwell hat gesagt…

"Viel Gunst für wenig Kunst"
"Der geseuerte Kunstverfall"
"Könner Künstler Scharlatane"

Jaja, Zeiten waren das, in denen Kunstprofessoren noch öffentlich Kritik üben durften, an der Wunst die sich heute Kunst nennen darf.

Aber wir wissen ja, alles was unter den pösen Nazis gut war, ist heute schlecht, und umgekehrt. Ergo kann schöne Kunst nur faschistisch sein, und Müll zur Kunst erklärt werden. Überhaupt, Jugendstil und Art Nouveau - hm. Kann man leider nicht in die Nazizeit verorten, - naja. Kaiserliche Firlefanzen, was sonst. 100 Jahre Weltkrieg vom Chaiser - dem Kriegstreiberissimus per se.

Dadaismus, Joseph Beuys, oder verdiente Künstler des Volkes wie Georg Baselitz, der seine miesen Bilder verkehrtherum aufhängt, damit sie "Kunst" sind.

Man besuche das neue Albertinum in Dresden, dort kann man wirklich sehen was Kunst ist, und was als solche neumodern hingehangen wird. Ich weiß nicht ob Kinder dort reindürfen, wegen der neuen Kleider...

Orwell hat gesagt…

Gesteuert - nicht gesäuert :D

Anonym hat gesagt…

nur Muschelkalk , Stahlbeton und Arno Breker .

der kulturbolschewistische kulturzeitMüll muss in die Schrottpresse .

unerträglich wie bei "arte" und Co den unbegabten jüdischen "Künstlern" in den Arsch gekrochen wird .

der Sepp

eulenfurz hat gesagt…

@Orwell
Etymologisch wäre, wenn Kunst von Können käme, Wulst für Wollen richtig, nicht Wunst. Der Begriff trifft auch inhaltlich besser.

Anonym hat gesagt…

@ der Sepp:
Arno Breker, und Jürgen von Woyski. Davor war Phidias, danach nichts.
(Nicht für ungut, ich bin arg trunken und zum Scherzen aufgelegt.)

karleduardskanal hat gesagt…

Die ollen Griechen und Römer hatten eben keine Ahnung, was Kunst ist. Oder der Schadow. Hätten die den Kunstbegriff gelebt, den "unsere Kunstvordenker" propagieren, stünde anstelle des Perganomaltars eine frühzeitliche Müllkippe.

Volker hat gesagt…

"Nirgends auf dieser Welt macht sich ein Tourist auf den Weg, um ein Bauwerk anzustaunen, das von
Sozialdemokraten, Grünen oder Linken errichtet wurde."


(Michael Klonovsky)