Google+ PPQ: Juni 2014 "

Montag, 30. Juni 2014

Nach Kriegsaufruf von Gauck: Benimmregeln für Russen

Nach dem Aufruf von Bundespräsident Joachim Gauck zu mehr internationaler Verantwortung der Deutschen - notfalls auch mit militärischen Mitteln - beginnen erste Hoteliers, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Er wolle "Russen Benimmregeln beibringen", erklärte der Mann in der "Bild"-Zeitung. Vor allem gehe es dabei um Tischsitten, in der Endkonsequenz ziele sein Einsatz jedoch auf eine Umerziehung, die es dem kulturlosen Ostvolk künftig unmöglich machen solle, fremde Staatsgebiete zu annektieren.

Im Kampf für Menschenrechte sei es manchmal erforderlich "auch zu den Waffen zu greifen", hatte Gauck zu vor gefordert. Zu einer aktiven Politik Deutschlands zur Konfliktlösung gehöre auch, "den Einsatz militärischer Mittel als letztes Mittel nicht von vornherein zu verwerfen", sagte der Bundespräsident, dem die Linke daraufhin "widerliche Kriegshetze" vorgeworfen hatte.

Der Hotelier, der unbekannt bleiben wollte, plant allerdings zur Zeit noch nicht, sich und seine Angestellten zu bewaffnen. Er fordert von russischen Gästen künftig, dass sie mehr lächeln und freundlicher zum Personal sein sollen. Frauen sollten sich am Pool nicht zu extravagant kleiden und auf Highheels verzichten, Cappuccino trinke man ausschließlich am Morgen und zu Fisch werde üblicherweise Weißwein kredenzt. Russen müssten überdies lernen, dass Gerichte im Restaurant nacheinander und nicht alle aufeinmal serviert werden. „Wenn Ihnen ein Gericht geschmeckt hat, zeigen Sie Ihre Zufriedenheit und bedanken Sie sich ausdrücklich, auch wenn Sie am Ende der Mahlzeit Trinkgeld geben wollen.“

Joachim Gauck sieht sich von der Initiative bestätigt. Es gehe um ein "Ja zu einer aktiven Teilnahme an Konfliktlösungen im größeren Rahmen", auch am Büfett. Deshalb habe er "auf allen Ebenen ein 'Ja zu einem aktiven Deutschland' aufgerufen. Das heutige Deutschland stehe im Unterschied zum Sauerkraut- und Saumagen-Image früherer Jahrhunderte als verlässlicher Partner für gehobene Küche. Gauck verwies auf zahlreiche erfolgreiche Koch-Sendungen und bekannte Sterne-Köche, die große Fangemeinden haben. Nun gelte es, weniger zivilisierte Völker zu erziehen, auf dass sie irgendwann den kulturellen Stand der deutschen Küche erreichten.

Ukraine: Putin spendiert Millionen für Separatisten

Der russische Präsident Wladimir Putin hat bei der Duma 500 Millionen Dollar (367 Millionen Euro) militärische Hilfe für die ukrainischen Separatisten beantragt. Das Geld solle unter anderem in Ausbildung und Ausrüstung der Aufständischen fließen, erklärte der Kreml. Dadurch solle "die russische-Unterstützung für die moderate ukrainische Opposition ausgebaut" werden.

Allerdings sollten nur sicherheitsüberprüfte Gruppen Unterstützung bei der Ausbildung ihrer Kämpfer und auch Waffen erhalten. Russland hat offiziellen Zahlen zufolge bisher die Rebellen in der Ostukraine mit 287 Millionen Dollar für "nicht tödliche Ausrüstung" unterstützt. Die Maidan-Gegner fordern darüber hinaus seit langem von Moskau auch Waffenlieferungen. Russland zögert aber bisher aus Angst, dass Waffenlieferungen noch Europa und die USA zu noch härteren Sanktionen als bisher schon veranlassen könnten. Das westliche Bündnis hat bereits jetzt schon gegen 61 der 143,6 Millionen Russen Kontensperrungen und Einreiseverbote verhängt.

Es wird erwartet, dass die Duma vor ihrer im August beginnenden Sommerpause über die Bewilligung des Geldes entscheidet. Eine Sprecherin des Kreml sagte, die militärische Unterstützung sei ein weiterer Schritt, das ukrainische Volk bei der Verteidigung gegen Angriffe der Regierungstruppen zu unterstützen. Zugleich sei das eine Hilfe beim Zurückdrängen extremistischer Gruppen, die aus Tschetschenien einsickern könnten.

Sonntag, 29. Juni 2014

Rockpalast: Dave Hause in der Scheune


Google: Bundeslöschkommission hilft beim Vergessen

Als der damalige Kanzleramtschef und heutige Innenminister Thomas de Maizière sich im August 2009 in einem Zeitungsinterview für „Verkehrsregeln im Internet“ aussprach, wurde er öffentlich windelweich geprügelt. Von den Linken über die Grünen und den Sozialdemokraten bis hin zu den Liberalen hagelte es massive Kritik. Einige seiner Gegner sprachen sogar von Zensur und warfen den CDU-Politiker indirekt Verfassungsbruch vor. Dabei war es de Maizière nur darum gegangen, Menschen vor Entwürdigung und Denunziation im Netz zu schützen und von den Ausspähaktionen der NSA abzulenken, die damals schon mit großer Energie von den deutschen Geheimdiensten unterstützt wurden.

Heute, knapp fünf Jahre später, sind die damaligen Kritiker weitgehend zum Schweigen gebracht. Die Politik hat es geschafft, mit einer dauerhaften Krieg gegen Google davon abzulenken, dass die wirkliche Gefahr für die Demokratie vom alleswissenwollenden Staat ausgeht. Als Sieg feiert die politische Klasse deshalb triumphal auch die Einführung eines Rechtes auf Vergessenwerden im Internet, denn es gibt allen 28 Mitgliedsländern der Europäischen Union das Recht, selbst Kommissionen zu bilden, die darüber befinden, was künftig an Inhalten bei Google, Yahoo & Co. verbleiben darf und was gelöscht werden soll, damit ein beispielsweise entwürdigender oder denunziatorische Link aus der Ergebnisliste des Suchmaschinenbetreibers entfernt wird.

Auf Vorschlag von Bundesinnenminister de Maizière richtet nun auch die Bundesregierung eine unabhängige Schiedsstelle ein, die im Streitfall zwischen den individuellen Interessen des Betroffenen, Regierungsbelangen und denen des Internetkonzerns entscheiden soll. Der enge Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel ist der Ansicht, dass die Luxemburger Richter zwar entschieden hätten, dass sich Bürger direkt an Google, Yahoo & Co. wenden müssen. Doch die Lösung persönlicher Daten dürfe „nicht allein von den kommerziellen Interessen eines Anbieters“ überlassen werden, sondern müsse staatlich reguliert sein.

Bei der Berufung der Mitglieder Bundeslöschkommission, die unter Aufsicht des Bundesblogampelamtes im mecklenburgischen Warin tätig sein wird, setzt de Maiziere auf eine Mischung aus bewährten Kadern, erfahrenen Internetpolitikern und jungen Wilden aus dem Parteinachwuchs.

Gesetzt ist nach dem Willen der Koalition Dr. Dieter Wiefelspütz, ein anerkannter SPD-Experte für Trallafitti. Dem klapperdürren Mann mit der Helge-Schneider-Gedächtnisfrisur wird Sebastian Edathy assistieren, der sich als Chef des NSU-Untersuchungsausschusses monatelang unter dem Radar der deutschen Pädophilie-Fahnder bewegte. Edathy kennt alle Tricks, mit denen Suchmaschinenbetreiber sich persönliche Daten verschaffen, er gilt als das künftige Hirn des Bundeslöschausschusses, der beim Bundesblogampelamt im mecklenburgischen Warin angesiedelt werden soll.

Mit Bettina Wulff besetzt eine weitere Betroffene einen Sitz in der Zensurkommission. Wulff hatte bereits vor Gericht versucht, das Wort "Rotlicht" aus dem Internet löschen zu lassen, konnte aber damit bis heute nicht durchdringen. Berufen werden sollen weiterhin Ludwig Hillesheim, Konrad Richter und das Ehepaar Anne und Erich Jeschkowski, das in den Street-View-Kriegen des Jahres 2010 in vorderster Front erfolgreich für das Recht auf anonyme Hausfassaden gestritten hatte.

Samstag, 28. Juni 2014

Wer keine Ahnung hat, muss noch lange nicht die Fresse halten

Wer keine Ahnung hat, muss noch lange nicht die Fresse halten. Nach diesem Motto pflegt sich der gescheiterte Kanzlerkandidat der SPD, Walter Steinmeier, zur Ukraine und zum Nahen Osten, zur EU und zur deutschen Wirtschaft zu äußern. warum also nicht auch mal Internet? Zwischen seine letzten verbalen Lösungsversuche im Osten und Mahnungen Richtung Irak veröffentlichte Steinmeier jetzt seinen Vorschlag „neuer internationaler Spielregeln" für die Nutzung des Internets. Er wünsche, dass dabei Sicherheitsfragen und das Recht auf Privatsphäre irgendwie gegeneinander abgewogen werden, sagte Steinmeier zum Auftakt einer Gesprächsrunde namens "Cyber-Dialog" mit den USA. Wie das geschehen solle, sagte er nicht.

Wichtig sei aber, "dass wir glaubwürdig nach unseren eigenen Regeln leben". Diese Regeln müssten auf "gemeinsamen Wertvorstellungen diesseits und jenseits des Atlantiks" gründen. Da es diese bisher nicht gebe, weil die Vorstellungen der USA und der Europäer von Privatsphäre und Datenschutz weiter auseinanderliegen als die Erde und der Mond, sei es wichtig, dass wenigstens der Eindruck erweckt werde, die Wünsche deutscher Minister könnten irgendetwas mit einer Realität zu tun haben, in der der US-Geheimdienst ungestraft deutsche Bundeskanzler ausspioniert, während sich der Außenminister weigert, dem Enthüller dieser Praktiken im Land Asyl zu gewähren.

"Je größer das Netz wird, umso mehr braucht es Regeln", sagte der Minister zur Ablenkung von der laufenden NSA-Debatte, die offenbart hatte, dass Geheimdienste sich im allgemeinen an gar keine Regeln halten. Steinmeiers Hinweis ist denn auch nachdrücklich: "Wir müssen darüber nachdenken, wie wir dieses rasant wachsende Netz demokratisch legitimieren."

Nachdenken ändert nichts, sowenig wie Steinmeiers Mahnungen je etwas geändert haben. Beste Voraussetzungen für den "Cyber-Dialog", den US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Anfang Mai miteinander vereinbart hatten, um die aufgebrachte Volksseele zu beruhigen. Das deutsch-amerikanische Verhältnis solle durch die Bespitzelung von Millionen Bundesbürgern durch den US-Geheimdienst NSA nicht weiter belastet werden, versprach die Kanzlerin in Washington, wo sie sich für das bekanntwerden der Überwachung ihres Handys beim US-Präsidenten entschuldigte.

Linke Nationalisten im WM-Widerstand


Es ist ein Lied, das Unwohlsein auf den Punkt bringt. Das ganze Land schwelgt im Schland, fähnchenschwingend, torbejubelnd, enthemmt feiernd, zum Teil entmenscht in Büsche pinkelnd vor Glück. Aber eine wackere Rockformation aus den hohen Norden wagt sich nun, den anderen eine Stimme zu geben, den Schweigenden, Leidenden, denen, die den Zuschauern zuschauen. Es gehört viel dazu, die Wahrheit zu singen: Deutschland, wie es heute über den Rest Europas dominiert, hat kein Recht, auch noch sportlich herauszuragen.

The Flexfitz aus Rostock geben diesem dumpfen Gefühl der unterdrückten linken Seele eine Melodie. Wo beim letzten Turnier zum Fahnenklau aufgerufen wurde, singen die "Vorrundenaus Allstars" jetzt „Fußball ist besser als Deutschland, Fußball ist nicht für Deutschland, Fußball fühlt sich nicht deutsch an.“

Eine Kampfansage an die Milieus der neuen Fans aus den Eigentumswohnungen, die mit Rossmannschminke und Nanunana-Fähnchen auf den Fanmeilen überall im Land zum Rudeljubeln antreten. Aber natürlich gleich wieder übertrieben: Deutschland darf nicht Fußball, wegen Auschwitz, Deutschland darf nicht siegen, wegen des Holocaust, so soll die als „Persiflage auf all die anderen stussigen WM-Songs“ gemeinte Antihymne verstanden werden.

Die taz ist ein ehrlicher Makler dieser ganz auf den Makel fokussierten Deutschland-Sicht. Fußball funktioniere "immer über kollektive Identität, die stumpf ausgrenzend abgefeiert" würde, schreibt sie, wo es "werde" heißen müsste. Selbst eine Nationalmannschaft, in der die Herkünfte der Spieler hundert Jahre europäischer Geschichte nachzeichnen, genügt nach den Ansprüchen linker Nationalisten nicht als Symbol für gelungene Integration. Integration nach deutschem Muster bedeute schließlich, sagt Mika, der Sänger der Rostocker-Anti-WM-Rocker, "sich dem Leistungsprinzip anzupassen".

Freitag, 27. Juni 2014

Drogenkrieg mit Schülerwettbewerb

Schülerwettbewerb, Strafverfolgung, Plakat-Aktionen und jahrelange Aufklärungsarbeit engagierter Drogenpolitiker fruchten scheinbar langsam: Wie Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks jetzt bekanntgab, hat inzwischen fast jeder dritte Jugendliche in der Hansestadt schon einmal gekifft, sieben Prozent der 14- bis 17-Jährigen haben einen vermeintlich problematischen Cannabis-Konsum oder sind abhängig von einer Droge, die es nach den Vorstellungen der auf Bekämpfung ausgerichteten deutschen Drogenpolitik nicht einmal für medizinische Cannabis-Sorten geben dürfte.

Während die Hamburger SPD-Politikerin Prüfer-Storcks reflexhaft reagierte, indem sie eine neue 100.000 Euro teure Kampagne startete, die Jugendliche unter dem Motto "Bleib stark! Bleibt Du selbst!" über die „Gefahren und Risiken der Droge“ aufklären soll, halten Grüne und Linke das strikte Drogenverbot in Deutschland längst für falsch. 120 Strafrechtler versuchten schon im februar, mit einer Resolution im Bundestag eine Mehrheit für die Überprüfung des Betäubungsmittelgesetzes zu finden. Der Bremer Professor Lorenz Böllinger begründet das damit, dass es „nicht um die Verharmlosung von Drogen, sondern um die Entkriminalisierung der Konsumenten“ gehe. Ein Nebeneffekt sei, dass Polizei und Justiz entlastet würden.

In den USA waren zuletzt verschiedene Bundesstaaten vorgesprescht und hatten die Anwendung von Cannabis in der Medizin erlaubt oder den Konsum weicher Drogen ganz freigegeben. In Deutschland werden Besitz und Konsum geringer Mengen zwar immer noch verfolgt, weitgehend aber nicht mehr bestraft. Als Folge entwickelt sich eine zunehmend produktivere inländische Lieferindustrie: Allein im dünn besiedelten Mecklenburg-Vorpommern wurden letztes Jahr 21 Cannabisplantagen ausgehoben, der Schwarzmarkt blüht, weil sich bis zu 5000 Euro pro Kilo Cannabis verdienen lassen, wie die „Welt“ ausrechnete.

In Deutschland sind sich die Politiker der großen Koalition dennoch einig darüber, dass nur mehr vom Selben nutzen kann. "Wir brauchen eine Null-Toleranz-Strategie gegen jede Form von Kiffer-Romantik sagt die CDU-Gesundheitsexpertin Birgit Stöver, die Ansgt vor „Realitätsverlust, Entpersonalisierung und paranoiden Angststörungen“ hat. Der Erfolg der Kampagne sei diesmal von ihrer Umsetzung abhängig: Richtig gemacht, bringen Plakate und ein Schülerwettbewerb eines Tages sicher wirklich den Endsieg über THC und Co.

Public Viewing: In der Fußball-Hölle

Richtiger Fußball geht etwa so: Es ist kalt, möglichst noch regnerisch, die eigene Mannschaft müht sich, aber das Tor ist wie vernagelt. Der Schiedsrichter versagt, der eigene Trainer verzweifelt. Es ist ein Drama, das fortwährend am Rande der Tragödie balanciert. Für einen gewöhnlichen Zuschauer sterbenslangweilig. Für jeden Menschen aber, der erwählt worden ist, dieser oder jener Mannschaft auf ihren Irrwegen durch Pokalpleiten und Ligatriumphe, durch Aufstiege, Abstiege und Neuerfindungen zu folgen, ist es das Theater des Lebens, ein jede Woche live neugeschriebenes Kapitel einer unendlichen Geschichte, die mal zu Tränen rührt und mal zum Jubeln zwingt.

Ganz anders, wo die deutsche Nationalmannschaft aufläuft. Aller zwei Jahre sammeln sich rund um die Weltturniere, in die das Team von Jogi Löw stets als einer der Mitfavoriten geht, ein Fan-Volk ganz anderen Zuschnitts. Sie haben es gern sonnig, sie werden beim Zuschauen gern am Platz bedient. Sie sind gekommen, um zu siegen, Niederlagen verschlagen ihnen generell die Laune, denn sie verstehen nicht, dass alles zusammengehört: Das Leiden und das Versagen und das Gerettetwerden und das lässige Dominieren.

Die Gattung der Event-Fans, gern von Kopf bis Fuß von Lidl, Rossmann und Real ausgestattet mit Girlanden in Nationalfarben, Trikots und Autofähnchen, absolviert Länderspiele am liebsten in der Gruppe. Möglichst groß soll sie sein und möglichst stimmungsvoll, jedes Spiel ein Klassentreffen der mit Aldi-Stift nationalfarben geschminkten Gelegenheitsexperten für Jogi-Taktik und Özil-Dribbelei. Kommentiert wird das Ganze neuerdings von Sprecherdarstellern, die nicht mehr "deutsche Mannschaft" sagen, sondern sich mit "unsere Elf" offensiv auf die Seite der begeisterten Volksmassen stellen.

Im Säurebad des Volksfrohsinns ist nichts übriggeblieben von der kalten Pflicht, bei Länderspielen Heribert Faßbender oder Gerd Rubenbauer zuzuhören, die ohne Taktiktafel und Co-Moderator von den Mühen berichteten, die es bedeutet, eine häufig gleichstarke gegnerische Mannschaft in die Knie zu zwingen. Männer wie Jürgen Kohler, Matthias Sammer und Andy Brehme waren Titelhelden im Kickers, nicht in der "Bunte". Erich Ribbeck und Rudi Völler trugen schlechte Laune spazieren, wenn sie verloren hatten.

Fußball war noch ein Kampfsport, kein Kinderspiel, das zum Vergnügen auf Marktplätzen einem Publikum gezeigt wurde, das glaubt, ein Mensch könne durch eine Außenspiegelfahne zum Fußballfan werden. Wo früher Männer um Männer herumstanden, auf den Tribünen und vor dem Fernseher, sitzen heute Studentinnen, der Bionade-Adel findet sich mit Fahrrad und allen vier Kindern ein, der Herr Professor sitzt neben der Oberschülerin, der die Kunstturnerin anzusehen ist. Fort ist aller Achselschweiß, alles Proletenhafte. Wurst und Bier sind Volkskultur, Turnschuhe Pflichtbekleidung.

In der Fan-Hölle des Public Viewing darf man sich über die Schnitte der Trikots unterhalten. Lecker, diese Argentinier. Die Generation Schwarz-Rot-Geil, 2006 aus einem sorgfältig inszenierten Missverständnis entstanden, hat den Fußball annektiert. Sie stellen die Räume zu, in denen Kenner früher Nationalmannschaft guckten, sie fahren hupend um den Block, als hätten sie selbst gewonnen, sie rauben dem schönsten Sport der Welt mit ihren Deutschland-Hawaiiketten, den Irokesenperücken und der schwarz-rot-goldenen Kinderschminke die Seele, das Herz und die Würde.

Aus Fußball ist Karneval geworden, aus bitterem Ernst ein unendlicher Spaß. Deutsche Fußballer sind nicht mehr deutsche Fußballer, sondern "unsere" Fußballer. Reporter tragen statt Hemd und Hose Nationalmannschaftstrikot. Trainer heißen Jogi, als könnten sie zaubern, Frauen schreien bei erzielten Treffern lauter als ihre Männer. Und die Kanzlerin, die Klima eigentlich großschreibt, jettet ohne Rücksicht auf die "ökologischen Kosten für kommende Generationen" (Angela Merkel) zu wichtigen Spielen, als wären es wichtige Gipfel. Vor Ort stellt sie sich in die Kabine und erzählt jungen Männern etwas von der nationalen Aufgabe, endlich wieder einen Titel zu holen.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Orakelforschung nach kruden Gen-Thesen

Fußball-Wahnsinn immer schlimmer! Erst drehten in Dresden am Max-Planck-Institut Forscher durch, die sich seit dem 2:2 der deutschen Mannschaft gegen Ghana einbilden, sie könnten herausfinden, welche Tierart die Zukunft am besten vorhersagen kann. Nun greift das rätselhafte WM-Fieber auch noch auf Hamburg über, wo das ehemalige Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im Stil vonThilo Sarrazin einen Beitrag über angebliche „gute Orakel-Gene“ aus der Vorlage aus Sachsen drechselt.

Obwohl bekannt ist, dass die noch geschehene Zukunft sich allenfalls in Wahrscheinlichkeiten vorausberechnen, durch Vogelflug, Knochenwurf und Gürteltiergegrunze aber nicht vorhersagen lässt, hatten die staatlich ausgehaltenen Forscher vor dem ersten WM-Spiel der deutschen Mannschaft ein sogenanntes „Frosch-Orakel“ befragt, das ihnen einen 4:0-Sieg gegen Portugal voraussagte.

Es kam so – und seitdem scheint Naturwissenschaft in Dresden eine reine Glaubensfrage zu sein. Der „Spiegel“, zuletzt schon als Verbreiter von bizarren Thesen zu einem vermeintlichen "Juden-Gen" aufgefallen, berichtet begeistert von den “südafrikanischen Krallenfrösche“, die sich Fahnen am Boden verteilen und so angeblich bekanntgeben, welche Mannschaft welches Spiel gewinnt. Streng wissenschaftlich, wie es heißt. „Wie viele Frösche zum Orakeln im Einsatz sind, folgt einem ausgeklügelten System: Die Wissenschaftler berechnen, wie viele Länderspiele und Tore es zwischen den jeweiligen Konkurrenten bisher gab, bilden einen Durchschnittswert und multiplizieren diesen mit dem Faktor 1,5.“

Aha. Hier werden dann auch noch „bunt bemalte Tischtennisbälle“ bemüht, die „in Schälchen mit der jeweiligen Landesfahne“ rollen. Daneben schwirren Hunderte Fruchtfliegen, die mit einer „eigenen Software gezählt“ werden, nachdem sie sich auf einem "Spielfeld aus Zuckerlösung" (Spiegel) auf die Kontrahenten Deutschland und USA verteilt haben.

Offensiv dockt das Magazin hier an die letzten Ergebnisse der Dummheitsforschung an und bedient Kinoklischees von Zukunftsvorhersage und Präkognition. Kruder geht es nicht. Allein die Vorstellung von Dresdner Wissenschaftlern und Spiegel-Redakteuren, es könnte „bestimmte Gene“ geben, die einer „Spezies die besten Orakelfähigkeiten“ verleihe, ist von einer dermaßen bizarren Absurdität, dass selbst die Möglichkeit, all das könne ironisch gemeint sein, angesichts der Umstände ausscheidet.

Krude Gen-Thesen: Wille und Vorstellung
"Spiegel" wirbt für Juden-Gen

EEG-Planer war wohl ein Hochstapler

Der Skandal um die Änderung des Erneuerbare Energiengesetz (EEG) wird immer skurriler. Der zentrale EEG-Planer hatte offenbar keine Fachexpertise – sondern lediglich ein Diplom als Sekundarschullehrer.

Die Bundesregierung ist bei der Planung der Änderungen am Erneuerbare Energiengesettz möglicherweise einem Hochstapler aufgesessen. Wie das Magazin "Stern" berichtet, ist der im letzten Herbst öffentlichkeitswirksam in das Amt als Wirtschaftsminister eingeführte Sigmar Gabriel kein Fachmann für Wirtschaft, Energie oder UmweltIngenieur, wie bisher in Berlin allgemein angenommen. Vielmehr bestätigten Recherchen des Magazins, dass Gabriel lediglich über ein Diplom als Sekundarschullehrer und Berufserfahrung als als Soldat auf Zeit, Nachtportier und Volkshochschullehrer verfüge.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte dem 55-Jährigen dennoch die komplette Planung und Durchführung der Energiewende übertragen. Der "Stern" wollte von der Bundesregierung wissen, ob sich Gabriel dort als Experte für Wirtschaft und Energie vorgestellt und wie er dies gegebenenfalls belegt habe. Die Fragen blieben bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. Gegen Sigmar Gabriel, der durch das Verschenken von Energiesparlampen bekannt geworden war, waren bereits im Jahr 2002 in seiner Heimatstadt Goslar Vorwürfe öffentlich geworden. Damals hatte der gebürtige Niedersachse zusammen mit einem befreundeten Rechtsanwalt eine Briefkastenfirma im mitteldeutschen Halle gegründet, um Beratungsaufträge vom VW-Konzern aquirieren zu können, bei dem er noch Wochen zuvor ein Aufsichtsamt ausgeübt hatte.

Als vermeintlich hochrangiger Berater handelte mit der VW-Chefetage einen Vertrag aus, nach dem er für ein Honorar von 130.000 Euro Beratungsleistungen zum Thema „Europäische Industriepolitik“ liefern werde. Jeden Monat überwies der Konzern dafür 10.000 Euro an die Cones GbR nach Halle. Sigmar Gabriel verdoppelte damit sein Einkommen als Oppositionschef im niedersächsischen Landtag auf einen Schlag. Die eigentlich vorgeschriebene Transparenz über seine Einkommensverhältnisse konnte er trotzdem leicht liefern: Die 10.000 Euro monatlich, die er als Zuverdienst angab, stammten ja aus einer völlig unverdächtigen Nebentätigkeit bei der Firmas Cones in Halle. Der Name Volkswagen fiel nicht.

"Er hat sich bei uns als Kenner europäischer Verhältnisse vorgestellt", hieß es später bei VW. Gabriel bestritt den Vorwurf der Bereicherung. Er habe alle Regeln formal eingehalten. Der Vorwurf der Hochstapelei sei "völlig absurd". Sigmar Gabriel hat in den vergangenen Jahren eine atemberaubende Karriere gemacht. Vom gescheiterten Ministerpräsidenten, der nur noch das Amt des Pop-Beauftragten bekleidete, wurde er zum Hoffnungsträger der deutschen Sozialdemokratie und mächtigem Superminister in der Regierung Merkel III. Das Erneuerbare Energiengesetz sollte ursprünglich dazu dienen, den Ausbau von Wind-, Sonnen- und Wasserkraft zu fördern, indem die Sonne ihre Rechnung nicht an die Nutzer von Energie schickt. Probleme bei der Effizienz der daraufhin entstandenen Fördermittel-Absaugindustrie führten allerdings zu einer Goldgräberstimmung bei den Produzenten und hohen Zuzahlungen bei Bevölkerung und Industrie. Eine Änderung der Praxis wurde von der EU verboten. Gabriel behauptete, er könne dennoch eine Änderung durchführen, bei der alle entlastet würden. Keinem werde es schlechter gehen, hieß es dazu, vielen aber besser.

Mittwoch, 25. Juni 2014

Energieausstieg erobert die offene See

Im Zuge des nach der Katastrophe von Fukushima eingeleiteten deutschlandweiten Energieausstieges ist jetzt auch der erst im vergangenen August eröffnete Hochsee-Offshore-Park Bard 1 dauerhaft vom Netz gegangen. Ein Sprecher des Netzbetreibers Tennet bestätigt, dass der Windpark vorerst keinen Strom mehr liefern werde. Wann die Anlage wieder Strom liefern kann, konnte auch der Windpark-Betreiber Ocean Breeze Energy (OBE) nicht beantworten. Mann hoffe im Sinne der Regierungsbeschlüsse von 2012 auf eine nachhaltige Lösung. "Eine Arbeitsgruppe aus Ingenieuren von Ocean Breeze und Tennet arbeitet fieberhaft an einer Lösung", sagte ein OBE-Sprecher, der darauf verwies, dass die Anlage bereits sei einem Brand im März nicht mehr arbeite. Dass die für Anfang Juni geplante Wiederinbetriebnahme nun ausfalle, erhöhe durch das niedrigere Angebot die Sicherheit der Energieversorgung in Deutschland.

Die soll nach neuen EU-Plänen bald nicht nur ohne Strom, sondern womöglich auch ohne Gas auskommen. Vor dem Hintergrund des Ukraine-Konflikts und der hohen Abhängigkeit von russischem Erdgas sortiert sich die europäische Gaswirtschaft grundlegend neu. Wie die "Welt" schreibt, planen mehrere europäische Pipeline-Betreiber ein zentrales europäisches Gas-Marktgebiet, so dass die bisher vorhandene Gasmenge mehrfach durch alle Länder geleitet werden kann, ehe sie am Ende verbraucht wird. "Das wäre ein Riesenschritt hin zu mehr Versorgungssicherheit", sagte ein Insider der Zeitung. Zudem sparten Selbsterzeuger durch die vor der Einführende stehende Selbsterzeugungsabgabe über Jahre hinweg Milliarden Euro.

Ob die Abschaltung von Bard 1, mit 80 Windrädern größter deutsche Meereswindpark und für eine Leistung von bis zu 400 Megawatt ausgelegt, mit der Attacke der Europäer auf die Preissetzungmacht des Schalke-04-Sponsors Gazprom im Zusammenhang steht, ist noch unklar. Wegen technischer Schwierigkeiten beim Bau und schlechten Wetters war seine Eröffnung um mehrere Jahre verschoben worden. Zudem war er mit über zwei Milliarden Euro Investitionskosten deutlich teurer als geplant.

Perfider Putin: Der Teufel trägt Ölzweig

Entsetzen in Berlin, Washington und Paris! „Putin bläst den Einmarsch ab“ schreibt Hubertus Volmer auf dem Danachrichtenportal n-tv, das bisher in der Offensive der deutschen Aufklärungsorgane zu den Teufeleien des russischen Präsidenten nicht die allerschlechteste Rolle gespielt hatte. Und nun? War alles vergebens? „Kann die Ukraine aufatmen?“ (n-tv).

Aber nein, niemals. Denn auch die vom Präsidenten selbst verlange Aufhebung der Vollmacht, die es ihm gestattet hätte, Soldaten in die Ukraine zu schicken, ist natürlich nur ein „neuer, geschickter Schachzug des russischen Präsidenten im Ukraine-Konflikt“. Putin sage zwar, es gehe um eine "Normalisierung" der Lage. Tatsächlich aber, weiß Volmer, gehe es ihm nur darum, drohende knallharte Sanktionen der Europäer abzuwehren, die zwar gerade vollauf mit dem Isis-Konflikt im Irak beschäftigt sind, gleich danach aber sicher irgendwann auch mal wieder in die Ukraine schauen und feststellen werden, dass die Krim noch immer nicht EU-Mitglied ist.

Zeit für Putins nächste Teufelei, nachdem sich gerade erst herausgestellt hatte, dass der frühere Geheimdienstler nicht nur Greenpeace, Campact und zehntausende von Facebook-Mitgliedern auf seiner Payroll hat, sondern auch ganze deutsche Landesregierungen auf Weisungen aus Moskau hören.

Deutschland, unterwandert vom russischen Ungeist der Unfreiheit und Kriegstreiberei. Gut, dass es misstrauische Berichterstatter gibt. Es seien, hat Hubertus Volmer recherchiert, seinerzeit ja tatsächlich „russische Truppen ohne Hoheitsabzeichen in die Ukraine einmarschiert“. Sie hätten dann „die Halbinsel Krim in Beschlag“ genommen. Putin habe die Existenz russischer Soldaten auf der Krim damals dennoch zunächst frech geleugnet, behauptet der n-tv-Mann. Als hätte der Potentat nicht gewusst, dass auf der Krim ohnehin seit Jahren ganz offiziell russische Truppen stationiert waren.

Aber so ist er, der Teufel im Kreml, wedelt vorn mit dem Ölzweig und hinterrum belügt er die besten deutschen Journalisten. Mit Fakten.

Dienstag, 24. Juni 2014

Amerikaner dürfen deutsches Gold behalten

Auf dem Höhepunkt der Krise schien es ein probates Mittel, die Ängste der Bevölkerung zu beschwichtigen und neugewonnene Souveränität zu beweisen. Mit großer Geste verkündete die Bundesbank vor anderthalb Jahren, sie werde einen großen Teil ihrer Goldvorräte aus dem amerikanischen Exil in New York heim ins Reich holen, damit dass das Edelmetall hier beim Euro-Rettungseinsatz helfen könne. Zuvor waren Zweifel laut geworden, ob das in den USA eingelagerte Bundesbank-Gold überhaupt noch existiere oder nicht längst verliehen oder durch Bleibarren ersetzt worden sei. Der Bundesrechnungshof kritisierte seinerzeit, dass es seit Jahrzehnten keine Kontrolle der Vorräte gegeben habe. Allein aufgrund des hohen Wertes der Goldreserven - im Gesamtwert von derzeit rund 100 Mrd. Euro - sollten regelmäßige Stichproben stattfinden.

Die Politik reagierte mit einem Programm zur Beruhigung der Volksseele. „700 Tonnen Gold müssen über den Atlantik“ (FR), sorgten sich führende Presseorgane seinerzeit - muss bei diesem Gewicht nicht jedes Schiff sinken? Stürzen Flugzeuge überschwer nicht vom Himmel? Wird nicht jeder Kapitän, der den Schatz an Bord nimmt, sofort Zielscheibe somalischer Piraten? Und ist das alles nicht total schrecklich teuer?

Ängste, denen die Bundesregierung jetzt entschlossen entgegengetreten ist. Sollten nach den ursprünglichen Plänen bis 2020 insgesamt fast 700 Tonnen aus dem Ausland zurückgeholt werden, hat sich das Kabinett nach ganzen 37 von 1800 Tonnen die derzeit in den USA lagern, umentschieden. "Ich denke die Goldreserven sollten da sein, wo sie auch notfalls gebraucht werden", erklärte der Beauftragte der Bundesregierung für deutsch-amerikanische Beziehungen Jürgen Hardt (CDU). Da die versprochene umfassende Bestandsaufnahme der Außenbestände bislang nicht stattgefunden hat, wisse man ohnehin nicht, wieviel Gold eigentlich noch vorhanden sei.

Die Absage an die Heimholungsaktion durch einen subalternen Hinterbänkler ist für Zerohedge der Versuch der deutschen Regierung, das Gesicht zu wahren. "Es ist klar, dass die Federal Reserve nein gesagt hat, als sie gefragt haben, ob sie ihr Gold zurückbekommen dürfen", heißt es. Zuvor waren Rückholforderer wie der auf der Atlantik-Brücke ausgebildete CDU-Politiker Philipp Mißfelder, der zuvor als "Amerika-Beauftragter" amtierte, nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen Rücktritt erklärt.

"Die Amerikaner passen gut auf unser Gold auf", sagte Norbert Barthle, ein Sportlehrer aus Schwäbisch-Gmünd, der im Gegensatz zum Bundesrechnungshof "keinen Grund zu Mißtrauen" sieht, dass der in den USA lagernde Großteil des deutschen Goldschatzes von insgesamt 3387 Tonnen im Falle einer Währungskrise nicht augenblicklich in die US-Leitwährung umgetauscht werden könnte, die nie in eine Währungskrise gerät. Auch die andere Hälfte der Nationalen Front ist zufrieden damit, die große Rückholaktion im Schatten der Fußball-WM abzusagen: "Die SPD hat volles Vertrauen in die Kontrolle der Bundesbank über die Goldreserven", heißt es bei der deutschen Sozialdemokratie.

Fußball-WM: Rassismusvorwürfe gegen Ghana-Fans

Der Weltfußballverband FIFA wird sich möglicherweise mit einem Rassismusvorfall während der Partie der deutschen Nationalmannschaft gegen Ghana beschäftigen müssen, berichtet die staatliche deutsche Danachrichtenagentur dpa. Das Anti-Diskriminierungs-Netzwerk Fare hat Rassismus-Vorwürfe gegen die Fans mehrerer WM-Teams erhoben, darunter auch gegen Anhänger aus Ghana. Die Gruppe forderte die Fifa auf, Untersuchungen wegen diskriminierenden Verhaltens bei der Fußballweltmeisterschaft einzuleiten.

Einem aufmerksamen Fan waren während der Partie acht Männer aufgefallen, die ihre Gesichter weiß angemalt hatten (Foto oben). Außerdem hatten sie "Deutschland" auf ihre T-Shirts geschrieben. Er geht davon aus, dass es sich dabei um ghanaische Schlachtenbummler handelte. Der Mann reagierte sofort und fotografierte die Täter. Die Bilder veröffentlichte er beim Portal "Instagram", wo er auch berichtete, dass andere Stadionbesucher Schlange gestanden hätten, um sich mit den Männern fotografieren zu lassen. Nach Angaben von Fare-Chef Piara Powar nimmt Fare Ansto an dieser Praxis, weil sie an das sogenannte Blackfacing erinnert: Die Aufmachung der Fotos legt es nach Expertenansicht nahe, den Bogen zur berüchtigten Whiteface-Tradition zu ziehen.

Bei Twitter wurde sofort Kritik laut: „So far I've counted 8 Ghanas in whiteface. Worst, people are lining up to take pictures with them. Poor form, #Ghana. #racism #racists #worldcup“, hieß es. Der britische "Guardian" griff die Vorwürfe auf, deutsche Zeitungen und Magazine schrieben dann dort ab. Die Fifa müsse handeln hieß es.

Der Weltverband versprach, den Vorfall zu untersuchen. Man werde keine Diskriminierung oder keinen Rassismus dulden.

Kritisches Weißsein: Schminke ist Faschismus

Montag, 23. Juni 2014

Schulz ist niemals schuld

Wegen dringender Wahlkampfverpflichtungen soll der aus Würselen stammende Europa-Führer der Sozialdemokratie, Martin Schulz, seine Pflichten als Präsident des EU-Parlaments zeitweise ruhen lassen haben. Wie die FAZ berichtet, konnte die Strafverfolgung eines EU-Parlamentariers nicht eingeleitet werden, weil der seinerzeit noch amtierende Parlamentspräsident Schulz den Antrag auf Aufhebung der Immunität des rumänischen Abgeordneten Ovidiu Silaghi nicht weiterleitete.

Silaghi soll 2012 als rumänischer Verkehrsminister im ersten Kabinett des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Victor Ponta 200.000 Euro von einem Unternehmer angenommen haben und als Gegenleistung bei einem öffentlichen Auftrag zu dessen Gunsten interveniert zu haben. Martin Schulz den Antrag auf Aufhebung der Immunität an den zuständigen Ausschuss Rechtsausschuss weiterleiten müssen, der den Weg zur Strafverfolgung dann hätte freimachen können. Nach Angaben der FAZ geschah jedoch bis vier Monate nach dem Eingang des Antrags der rumänischen Anti-Korruptionsbehörde nichts, weil der offenbar bereits im Wahlkampfmodus arbeitende Schulz seiner Verpflichtung nicht nachkam.

Die Verantwortlichen schieben sich jetzt gegenseitig die Schulz zu. Schulz' Pressebüro behauptet, der gescheiterte Spitzenkandidat habe den Rechtsausschuss um eine Stellungnahme ersucht, aber keine Antwort erhalten, weil der Ausschuss gegen Ende der Legislaturperiode sehr beschäftigt gewesen sei. Vom Ausschuss hieß es offiziell, dass der Parlamentspräsident keinen Antrag weitergeleitet habe. Die konservative EU-Abgeordnete und ehemalige rumänische Justizministerin Monica Macovei behauptete, Schulz habe das Vertrauen der europäischen Bürger in das Europäische Parlament unterminiert und müsse daher zurücktreten.

Sie forderte am Sonntag in Bukarest die Sozialdemokraten im EU-Parlament auf, Martin Schulz den Fraktionsvorsitz zu entziehen und ihn aus ihrer Fraktion auszuschließen. Aus Schulz' Büro hieß es hingegen, ein Fehlverhalten des ehemaligen EU-Parlamentspräsidenten liege mit Sicherheit nicht vor.

Verbot der Woche: Rot ist keine Farbe

Im jahrelangen Streit um die Farbe Rot als Marke sehen sich die deutschen Sparkassen nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) gestärkt. Das Gericht bestätigte am Donnerstag in Luxemburg, dass ein Unternehmen sich auch eine konturlose Farbe ohne Aufschrift grundsätzlich als Marke schützen lassen kann. Wenn eine große Mehrheit der Verbraucher den verwendeten Farbton «Verkehrsrot» als Kennzeichen der Sparkassen verstehe, auch wenn er ohne das klassische Sparkassen-S erscheine, müssten Konkurrenten um die Verwendung der Farbe zurückstehen.

Das Nachsehen haben nun die beiden großen Volksparteien SPD und Linke: Die Sparkassen verwenden Signalrot mit der Bezeichnung HKS 13 bereits 1972 als einheitliche Geschäftsfarbe, 2007 hatten sich die Sparkassen die Farbe dann auch markenrechtlich schützen lassen. Dagegen wandte sich die beiden politischen Gruppierungen, die ein fast identisches Rot (HKS 14 und HK 12) nutzen. Doch die im Rahmen der Aktion "verbot der Woche" beantragte Löschung der Marke wurde abgelehnt, was die beiden deutschen Parteien jetzt in ihrer Existenz bedroht.

Sowohl SPD als auch Die Linke beziehen einen großen Teil ihres Selbst- und Fremdbildes aus der Verwendung der Farbe Rot, die nach Ansicht ihrer Anhänger für soziale Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit, Gleich und Glück steht. Die Parteien zweifeln das Urteil denn auch an: Der Sparkassenverband müsse nun erst einmal belegen, dass die Farbmarke unterscheidungskräftig sei. Das hatte das Gericht zur Voraussetzung dafür gemacht, dass die Sparkassen Rot künftig exklusiv verwenden können. (Rechtssachen C-217/13 und C-218/13).

Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) ist sicher, den Nachweis führen zu können. Rot sei schon immer Sparkassenfarbe gewesen. Der EuGH habe die Position der Sparkassen damit deutlich gestärkt. «Er hat entschieden, dass national keine zu hohen Hürden für die Zuordnung einer Farbmarke gestellt werden dürfen.» Markenrechtsexperten sind nicht so sicher. «Das Spiel bleibt offen», sagt der Jens Matthes von der Kanzlei Allen & Overy LLP in Frankfurt. «Der DSGV hat einen Etappensieg errungen in der Bestrebung, seine rote Marke aufrecht zu erhalten. Das heutige Urteil lässt aber offen, ob sich der DSGV im Löschungsverfahren durchsetzen wird.»

Die Luxemburger Richter gaben in ihrem Urteil zum Sparkassen-Rot die generellen Linien vor. So gelten als Kriterien für den Schutz einer Marke etwa Umfragen unter Verbrauchern zum Wiedererkennungswert, aber auch der Marktanteil, die Dauer der Nutzung, die geografische Verbreitung und der Werbeaufwand des Unternehmens. Das Argument der SPD, als allererste Partei bereits weit vor der vorletzten Jahrhundertwende mit der farbe Rot gearbeitet zu haben, spielte im Verfahren keine Rolle. Der EU-Gerichtshof entschied, dass das Argument der Sparkassen, wonach 67,9 Prozent der deutschen Verbraucher das Rot eindeutig den Sparkassen zuweisen, ausreichend sei.

Unternehmen lassen sich häufig ihre Farben schützen, um Nachahmung von Konkurrenten zu verhindern. So hat sich auch der Verlag Langenscheidt 2010 die Farbmarke «Gelb» eintragen lassen. Zwar gibt es auch hier Streit, aber Experten gehen davon aus, dass die ehemalige Regierungspartei FDP einen längeren Rechtsstreit um die Markenrechte des Verlages nicht durchstehen kann. Langenscheidt hatte bereits 2012 vor dem Oberlandesgericht Köln recht bekommen: Aus Verbrauchersicht seien sich die Produkte und Farbtöne von Partei und Verlag sehr ähnlich, weil beide einen gelben Farbton verwendeten, hieß es. Potenzielle Käufer könnten daher der irrigen Ansicht sein, die Partei stamme von Langenscheidt. Der Ausgang des Verfahrens ist offen.


Sonntag, 22. Juni 2014

Ist das jetzt schon der Weltmeister-Sommer?

Im April war alles klar. Dominik Jung, Deutschlands führender Wettervorhersager, legte sich fest: "Ja, es wird ein Weltmeister-Sommer!" Nach dem "Sonnen-Sommer" von 2012, der dann ins Wasser fiel, und dem "Plitsch-Platsch-Sommer" von 2013, der am Ende viel zu warm war, wagt sich der Erfinder von ""Zick-Zack-Winter" und Hochwasser als "reichlich Sonnenschein" damit einmal mehr auf ein Gebiet vor, von dem er ausweislich seiner historischen Trefferquote nichts versteht: Wettervorhersage.

Jung aber hat sich noch nie daran gestört, dass seine Prognosen meist nicht einmal als Gegenteil richtig sind. Der Mann von "Wetter.net" sagt vorher, als gebe es kein Morgen. Diesmal also einen "Weltmeister-Sommer", den "aktuelle Langfristtrends" seiner Kenntnis nach schon im April versprachen: Ein "sehr warmer und trockener Juni" könne auf den "zeitweise zu kühlen Mai" folgen. Könne, soweit ist er immer vorsichtig, der Diplom-Meterologe, mit dessen Fachverstand jeder Herzchirurg nach seiner ersten Woche im OP im Gefängnis säße. Er "erwarte sommerliche Temperaturen über 25 Grad und kaum Regen" war Jungs WM-Tipp. Ideale Voraussetzungen fürs Public Viewing. „Petrus scheint ein Fußballfan zu sein“, sagte Jung. Was man halt so redet, wenn man nicht mal weiß, dass man nichts weiß.

EU: Demokraten im Hinterzimmer

Europas Hinterzimmer-Elite kommt ohne Kommata aus.
Nach einem entschiedenen Gespräch im Hinterzimmer erhebt die SPD keinen Anspruch mehr auf einen Kommissarsposten, den sie als Verlierer der Europawahl vom Mai ohnehin nicht gehabt hätte. Parteichef Sigmar Gabriel erklärt den Verzicht auf ein Spitzenposten in der Kommission für seinen gescheiterten Spitzenkandidaten Martin Schulz. Als Abfindung für den Mann aus Würselen müsse aber die Rückkehr in den Job des EU-Parlamentspräsidentes drinsein, sagte Gabriel.

"Die SPD wird einen Kommissar der Union akzeptieren - sofern Martin Schulz zum Präsidenten des Europaparlaments gewählt wird", verlangte Parteichef Sigmar Gabriel laut Spiegel Online ultimativ. Schulz hatte noch am Mittwoch versucht, mit Hinweisen auf sein miserables Wahlresultat Druck auf die laufenden Hinterzimmergespräche zu machen, um doch noch zum Führer Europas erklärt zu werden. Das dürfte jetzt vom Tisch sein, Gabriel hat sich mit Kanzlerin Angela Merkel in einem Hinterzimmergespräch darauf geeinigt, einen CDU-Kommissar zu unterstützen, wenn die CDU dafür hilft, einen ruhigen Posten für Schulz zu finden.

Gabriel, der vor der Wahl davor gewarnt hatte, dass Hinterzimmergespräche über die künftige Besetzung der besten Posten in Europa entscheiden, will die neue Linie auch bei den Hinterzimmergesprächen mehrerer sozialdemokratischer Regierungschefs in Paris vertreten. Das Einverständnis von Kanzlerin Angela Merkel liegt vor, wichtig sei aber jetzt, dass das Junktim von beiden Seiten eingehalten werde: Die SPD bekommt den Parlamentsvorsitz, die CDU behält ihren deutschen Kommissar, die SPD unterstützt dafür Juncker im Kampf gegen die britischen, ungarischen und schwedischen Skeptiker. "Die Wahl Junckers zum Kommissionspräsidenten und die Wahl von Schulz sollten verknüpft werden", sagte Gabriel. Das sei wichtig, damit niemand aus den im getroffenen Abmachungen ausscheren könne.

Auf dem Hinterzimmertreffen in Paris, das auf eine Initiative von Gabriel und dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann zurückgeht, soll die Gesamtstrategie der europäischen Sozialdemokraten für die entscheidenden Kaupeleien in Brüssel und Berlin vorbereitet werden. Neben Gabriel, Faymann und dem französischen Präsidenten François Hollande nehmen der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi, der belgische Premierminister Elio Di Rupo sowie der gescheiterte Spitzenkandidat Schulz im Hinterzimmer sitzen und um Posten schachern. Es wird erwartet, dass die Sozialdemokraten Angebote für Großbritannien im Gepäck haben. So könnten die Briten als Gegenleistung für eine Zustimmung zu den gefundenen Posten für die ehemals als „Spitzenkandidaten“ aufgetretenen Schulz und Juncker Zugeständnisse anderer Art bekommen, Frankreich würde mit einer Lockerung des Sparkurses, der "mehr Zeit" genannt werden soll, abgefunden.


Samstag, 21. Juni 2014

Im Elfenbeinturm von Leonard Cohen

It was exponential Memphis from a thousand feet
But when we landed we were black and blue
Running through the city with apocalypse eyes
Just miles of streets with nothing to do

Your warm heart had been frozen by some cold ideas
You tried to tell me but it came out wrong
I changed my strings, shaved my face and
Locked myself into the tower of song
It gets lonely in the tower of song

But I don't stutter when I sing
My melodies grow little wings
Huddled here grinding tears into red wine
Meet the darkness with the shine

We've got all our sons and daughters virgin blood on our hands
They'll be the offspring of these ugly wars
But if we kill off all our devils, will our angels die?
I found love living life like a whore

So here's some trusty chords and a melody
A pound of flesh for the brutal throng
For the heretics and walking dead and red headed girls
From the fool up in the tower of song
I'm a fool in a tower of song
Make the lonely fool smile, sing along

Cause we don't stutter when we sing
Our melodies grow little wings
Huddled here grinding tears into red wine
Meet the darkness with the shine

If you've got the shine, shine on

Live in Berlin: Mit Dave auf dem Sonnendeck

Fracking-Gegner unter Verschwörungsverdacht

Eine neue riesige Verschwörung von Putinverstehern, Russenknechten und Skeptikern hat Nato-Generalsekretär Rasmussen Andres Fogh schonungslos aufgedeckt. Nach Erkenntnissen des führenden Vorwärtsstrategen des westlichen Bündnisses haben die Schergen des Diktatoren Wladimir Putin mit einer gezielten Kampagne Umweltverbände wie Greenpeace unterwandert. Ziel sei es, das Image der in den USA bereits segensreich angewendeten modernen Fracking-Technologie zu beschädigen, damit Europa sie nicht anwenden könne. Damit wolle der Kreml die Abhängigkeit Europas von russischem Gas sichern.

Für den führenden Zivil-General sind die Beweise unbestechlich. Zusammen mit Umweltschützern arbeiteten Kreml-Getreue heimlich daran, die Einführung der Gasfördertechnik "Fracking" zu verhindern. Durch eine ausgeklügelte Desinformations-Kampagne, zu der Berichte über Umweltschäden und gesundheitliche Gefahren gehören, sollten so Versuche zur umstrittenen Förderung von Schiefergas gezielt unterbunden werden, sagte Anders Fogh Rassmussen bei einem Besuch des Think-Tanks Chatham House in London.

"Ich habe Verbündete getroffen, die bestätigen können, dass Russland als Teil seiner durchgeplanten Informations- und Desinformationstätigkeiten aktiv mit sogenannten Nicht-Regierungsorganisation – also Umweltschutzorganisationen, die gegen Schiefergasförderung vorgehen – zusammenarbeitet, um die europäische Abhängigkeit von russischen Gasimporten aufrechtzuerhalten", zitiert die britische Zeitung "The Telegraph" den ehemaligen dänischen Ministerpräsidenten. Es handele sich um eine Verschwörung, bei der offen sei, ob sich möglicherweise Betroffene bewusst über ihre vermeintliche Kooperation mit dem Kreml sind.

Fakt ist, dass nach Rasmussens Enthüllung jeder Fracking-Gegner unter Kreml-Verdacht steht. Es gelte immer noch der alte Satz, dass man nicht fragen dürfe, was dein Land für dich tun kann, sondern fragen müsse, was man für sein Land tun könne, hieß es in Brüssel. Dazu gehöre, sinnlosen Widerstand gegen eine zukunftsträchtige Idee aufzugeben, wenn sie nur dem Gegner diene.

Freitag, 20. Juni 2014

Gauck ehrt verdienten Massenmörder

Bundespräsident Joachim Gauck hat die entschlossenen Eroberungstaten und erfolgreichen Kriegszüge Karls des Großen gewürdigt. Aus der Anstrengung Karls bei der Unterjochung fremder Reiche und der Unterwerfung fremder Völker unter seinen eigenen christlichen Glauben könne eine Lehre gezogen werden: "Fremde Länder muss man wollen", sagte Gauck bei der Eröffnung der großen Karlsausstellung zum 1200. Todesjahr des Frankenherrschers in Aachen.

Wenn eine so große Kriegsanstrengung wie bei der karolingischen Reform möglich gewesen sei, dann gebe es heute keine Ausreden für mangelnde Anstrengungen bei der Eroberung neuer Mitgliedsgebiete für die EU, sagte Gauck. Die Erinnerung an Karl (747/748-814), der als einer der großen Massenmörder gilt, könne Mut für die Gegenwart machen.

Der Karolingerkönig hatte mit wenigen Unterbrechungen über seine gesamte Lebenszeit Krieg geführt. Von 772 bis 804 beschäftigten ihn die Sachsenkriege, dabei eroberte er Sachsen und zwang die dort lebende Bevölkerung mit Feuer und Schwert dazu, sich zum Christentum zu bekennen. Zwischendurch griff Karl das unter seinem Nachfolger Adolf Hitler verbündete Italien an und eroberte 774 das Langobardenreich.

Ein erster deutscher Out-of-Area-Einsatz gegen die Mauren in Nordspanien im Jahr 778 scheiterte dagegen. Dafür tat sich Karl im Osten gütlich: Er zerschlug mit eiserner Faust das Stammesherzogtum Bayern und eroberte in den 790er Jahren das Restreich der Awaren. Bei dem blutigen Feldzug starben zehntausende Menschen, Dörfer und Siedlungen wurden vernichtet und die Eliten der eroberten Landstriche ausgelöscht, wenn sie sich ihm nicht unterwarfen.

Joachim Gauck bewundert dieses harte, kompromisslose Vorgehen. Karl habe in einem "erstaunlichen politischen und militärischen Kraftakt" die Einigung der europäischen Regionen und Länder erzwungen, die ihm zu Amtsantritt noch nicht gehörten. Damit habe er "die Wiege der Europäischen Union" gebaut. Blut fließe in solchen Situationen immer. Dem Kaiser sei klar gewesen, dass man zur dauerhaften Sicherung eines solchen Reiches Zwang, Gewalt und auch mal eine harte Hand notwendig waren. "Dass er Vater Europas genannt wurde, ist auch aus heutiger Sicht noch legitim", sagte Gauck.

Die dreiteilige Ausstellung "Karl der Große. Macht Kunst Schätze" (20.6.-21.9.) beleuchtet Karls Machtsystem, zeigt den Herrscher als Mörder von Tausenden und präsentiert die von ihm geraubten und erpressten Schätze. Karl der Große hatte in Aachen mit seiner Pfalz auf Kosten des Wohlstands seiner Bürger das größte Bauwerk nördlich der Alpen seiner Zeit errichtet. Die Palastanlage war Zentrum der Macht, Kunst, Kultur und Wissenschaft und gilt als Vorbild für den Bau des Europaparlaments in Brüssel.

Entschädigungsstreit: Slawische Ur-Bevölkerung fordert Trilliarden

Holocaust-Denkmal: Bröckelnde Erinnerungskultur

Den Papierkorb durchkramen. Nach Pfandflaschen suchen, wo die Nation sich an ihre größte Schande erinnert. Einen Wurstzipfel aufheben und schnell verschlingen. Sich eine Spritze setzen. Eine für Schülern auf einem Lehrausflug nur halb ausgetrunkene Cola schnappen. Genießen, wo der Opfer des größten Menschheitsverbrechens gedacht wird.

Eine Schande. Direkt am Holocaust-Mahnmal in Berlin-Mitte - 2005 errichtet im Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Juden Europas – geht es zu wie auf einem beliebigen Bahnhof: Es sammeln sich Geschäftemacher, es sammeln sich Touristen, es sammeln sich die Dropouts und Verarmten des reichsten Landes Europas, während die Stelen, die die deutsche Erinnerung an den Holocaust mit aller Macht zusammenhalten sollen, allmählich auseinanderbröseln.

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin, nach Jahrzehntelangen Diskussionen wie ein riesiger Lagerplatz für Betonfertigelemente in die deutsche Hauptstadt gesetzt, bröckelt und zerfällt. Schon nach neun Jahren weist das weltweit allergrößte Flächendenkmal für die Verbrechen der Deutschen etliche Schäden auf: Viele der Stelen haben Risse, die ehemals feste Erinnerungssubstanz zerkrümelt, viele der aus Spezialbeton erigierten Mahnungsblöcke müssen bereits mit Stahlbändern gesichert werden.

Schuld daran ist niemand, das Mahnmal ist - im Gegensatz zu allem, was geschrieben wird, auch kein Sanierungsfall, denn nach Ansicht des zuständigen Gerichtsgutachters  Wolfgang Brameshuber ist eine Sanierung gar nicht möglich. "Etwa zwei Drittel der unbewehrten Stelen haben Risse. Diese Stelen sind nicht zu sanieren", sagt der  Baustofftechnologe. Deutschland sei wohl einstmals in der Lage gewesen, mit Beton in kürzester Zeit monumentale Bauwerke zu errichten. Diese Kulturtechnik sei jedoch mit dem Aufklaffen der Schere zwischen Dumm und Ungebildet abhanden gekommen.

Der alte Erinnerungsort an das große Verbrechen, von den Berlinern und ihren Gästen als Picknick-Platz und Treffpunkt bisher so gut angenommen, braucht neue Stelen. 27 Millionen Euro würde der Ersatz der bislang beschädigten Teile kosten, pro Stele rund 10.000 Euro. Eine Ausgabe, die die Gesellschaft sich wird leisten müssen, weil sie sich nicht international den Vorwurf einhandeln, mit ihren Schulderbe nachlässig umzugehen.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Nazi-Schläger wirken Zahlenwunder

Welch Wunder vermögen doch Zahlen zu wirken, wenn sie von kundiger Hand aus dem Zusammenhang gerissen und von eifrigen Medienarbeitern eilig verbreitet werden! nach Angaben der SZ ist es Innenminister Thomas de Maizière gerade gelungen, der Öffentlichkeit „beunruhigende Zahlen“ zu „rechtsmotivierten Gewalttaten“ zu präsentieren: Rechtsextremisten hätten in Deutschland im vergangenen Jahr „deutlich mehr fremdenfeindliche Gewalttaten“ verübt, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2013. Gegenüber 2012 haben demnach fremdenfeindliche Übergriffe um 20,4 Prozent zugenommen - von 393 auf 473.

Bei der Frankfurter Rundschau wird daraus nun allerdings flugs „Rechte Gewalt nimmt zu“ – was erstaunlich ist, nimmt man die Zahlen aus dem Verfassungsschutzbericht zur Hand. 801 rechtsextreme Gewalttaten führt der an – ein Rückgang um genau eine Tat, denn 2012 gab es 802 rechte Gewalttaten. 2011 waren es noch 828 Fälle gewesen, 2010 806 und 2009 959.

2013 hatte also die wenigsten rechtsextremen Gewalttaten der letzten fünf Jahre. Was  die „Zeit“ zu einer alle Demokraten aufrüttelnden Zeile inspiriert: „Rechtsextreme Gewalttaten um 20 Prozent gestiegen“. Auch RTL souffliert fantasiereich „Verfassungsschutzbericht 2013: Rechte Gewalt steigt“. Und im WAZ-Portal DerWesten heißt es zum fünften Rückgang der Fälle von rechtsextremer Gewalt hintereinander schlicht: „Behörden beobachten rasanten Anstieg rechtsextremer Gewalt“.

Anstieg? Abstieg? Rechtsextrem? Oder fremdenfeindlich? Hoch? Oder niedrig? Gesunken oder gestiegen? Im Grunde ist es egal. Man muss sich offenbar nicht an der Realität stören, wenn man sich bequem in seinem Gedankengebäude einrichten kann.

Hauptsache höher, irgendwas und irgendwann, man ist Leitmedium und die anderen werden es schon abschreiben.

Im Archiv: Rechter Zahlensalat auf dem Medienteller 

Mononational: Benachteiligt bis in alle Ewigkeit

Eine ganz üble Zweiklassen-Gesellschaft, diese Fußballwelt. Einerseits sind da diese durchglobalisierten Kicker, Kerle mit Wurzeln in Ghana, Polen oder der Türkei, die es durch Heirat der Mutter oder Umzug des Vaters in ein Land verschlagen hat, das im Weltfußball immer vorn mitspielt. Flankiert werden sie von denen, die in schwächeren Mansnchaften kicken, allerdings in denen von Ländern, deren Sprache sie selbst nicht sprechen. Solche Fußballer haben Großväter oder Großmütter, die vor hundert Jahren von Polen nach Kanada gegangen sind oder von Portgual nach Brasilien. Sie haben damit eine Rückfahrkarte – für Brasilien zu schlecht, für Portugal reicht es oder aber auf jeden Fall für Polen.

Zweite Klasse dagegen sind die armen Tröpfe, die das Schicksal mangels umtriebiger Vorfahren verurteilt, wie Sisyphos geschmiedet an eine Fußballnation zu verharren. In Österreich geboren und aufgewachsen, Sohn österreichischer Eltern, die Kinder österreichischer Eltern waren. Niemals winkt hier ein Weltmeistertitel, kaum einmal eine WM-Teilnahme. Nicht einmal der Umstand hilft, dass spätestens die Großmutter jedes österreichischen Spielers irgendwann einmal einen deutschen Pass gehabt hat.

Benachteiligung, die von hier aus bis in alle Ewigkeit reicht. Könnte ein Sohn von Mezut Özil sich trotz dessen langjähriger Laufbahn in der deutschen Nationalmannschaft selbst eines Tages auf seine türkischen Wurzeln berufen und für die Türkei spielen und sei es nur, weil es für die deutsche Elf nicht reicht, so bleibt diese Türen allen versperrt, die mononational geboren sind.

Im Unterschied zu seinem Kollegen Özil hat Thomas Müller, ein Bayer mit oberbayrischen Wurzeln, nur eine Chance in einer Mannschaft eines Landes, er kann mit Deutschland gewinnen oder gar nicht, wie auch seine Nachkommen bei Welt- und Europameisterschaften für die DFB-Elf werden spielen können - oder gar nicht. Die multinationale Wahl, die Jerome Boateng ins deutsche Team und seinen Halbbruder Kevin Prince in das von Ghana verschlug, bleibt ihm verwehrt bis ins fünfte Glied.

Diskriminierung, die im Unterschied zu Doppel- und Dreifachpass kein Thema ist. Obwohl in Deutschland aussortierte Nationalspieler wie Metzelder, Schmelzer oder Volland bei den Nationalmannschaften von schwächeren Fußballnationen wie Spanien, Kamerun und Japan mit Sicherheit eine hervorragende Rolle spielen könnten, verhindern ein veraltetes, auf Abstammung und Herkunft ausgerichtetes Staatsbürgerschaftsrecht und auf Benachteiligung ausgerichtete Fifa-Regelungen einen Einsatz der Mononationalen für Staaten ihrer Wahl. Alle Türen zu Integration und Inklusion bleiben den Betroffenen verschlossen, ja, schlimmer noch: Ihr bedauernswertes Schicksal kümmern niemanden in Parteien oder Gleichstellungsindustrie.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Zynische Musikbranche: Rock, runderneuert

Ein Klassiker, der alle Geheimnisse verrät, die hinter großen Rockalben stehen: Längst sind es nicht simple Rockmusiker, sondern clevere Produzententeams, die unter Zuhilfenahme von teurer Studiotechnik und ausgefeilter Teambuildingmaßnahmen entscheiden, wie Acts wie Lady Gaga, Rihanna oder Heaven Shall Burn klingen müssen.

Erstaunlich, wie offen in dieser Dokumentation über die fast schon menschenverachtenden Methoden gesprochen wird, mit denen junge Künstler von zynischen Produzenten gebrochen und anschließend neu zusammengesetzt werden. Hie rzählt kein Einzelner mehr, hier zählt keine künstlerische Vision, kein natürlich gewachsener Personalstil, wie ihn manche Stras früher noch entwicklen konnten. Es geht nur noch um Effizienz, um die Entwicklung einer Hitmaschine, um den kleinsten gemeinsamen Nenner auf dem Weg zum größten denkbaren Erfolg.

Von den einstigen Träumen, mit der eigenen Musik zu den eigenen Konditionen berühmt zu werden, bleibt am Ende oft genug wenig übrig. Aber es klingt gigantisch.

Heftig: Bei diesem Werbespot mussten Millionen Idioten weinen

847.182 Personen gefällt das derzeit. Ist ja auch eine schöne Geschichte: "Dieser Mann half einem obdachlosen Mädchen. Was er dafür bekam, ist das schönste Geschenk der Welt", heißt es. Nur dass der Mann nicht existiert, ebensowenig wie das Mädchen oder das „schönste Geschenk“. Alles ist nur Teil der Besetzung des dreiminütigen Werbefilm "Unsung Hero", mit dem die thailändische Lebensversicherung TVC Thai Life Insurance Imagewerbung macht.

Mit gigantischem Erfolg, denn offenbar stört es kaum jemanden in seinen tiefempfundenen Emotionen, dass hier ein fiktive Geschichte behandelt wird als sei sie echt. Bewegt klicken und teilen die Menschen den Film voller schicksalhafter Begegnungen, 14 Millionen haben ihn bislang gesehen, mehr als 100.000 haben bei Youtube auf „toll“ geklickt, 847.000 zeigten sich bei Facebook begeistert.

Die Seite heftig.co, der immer vorgeworfen wird, sie stehle redaktionelle Inhalte, tut hier, was sie am besten kann: Sie stiehlt Werbecontent, denkt sich eine hollywoodartige Geschichte dazu aus und erreicht die Herzen aller Menschen, die kein Hirn mehr haben: „Er ist ein Mensch wie jeder andere, und doch ist er einzigartig", heißt es schwülstig, "es sind seine Taten, die ihn zu etwas Besonderem machen. Er weiß, ein strahlendes Lächeln im Gesicht eines kleines Kindes ist etwas, dass man mit keinem Geld der Welt kaufen kann. Deshalb ist er ein reicher Mann. Reich im Herzen.”

Dass. Tränen. Teile diese Geschichte einer erfolgreichen Viral-Kampagne mit anderen.

Dienstag, 17. Juni 2014

Wieder zu Hause

Als einziges offizielles deutsches Begleitboard der Europa-Abenteuer des US-Liedermachers Dave Hause dokumentiert PPQ seit Jahr und Tag die Auftritte des Mannes aus Philadelphia auf dem alten Kontinent. Hause, ein kleiner Mann mit großer Stimme, taucht hier häufig auf, seit er im Zuge von Chuck Ragans Revival-Tour bemerkte, dass gerade Deutschland mit großer Begeisterung auf seine düsteren Geschichten über Autounfälle, falsche Versprechungen und Frühlingsgefühle reagiert.

Wie euphorisch aber, dass überrascht auf der derzeit laufenden Tour auch den früheren Sänger der nie so recht erfolgreichen Punkband The Loved Ones. Jeder Song wird frenetisch mitgesungen, zu Dutzenden reisen ihm Fans hinterher wie früher der New Model Army.

Hause, einer vom alten Schlag, der auf der Bühne nicht Mineralwasser, sondern Wein trinkt, bedankt sich auf seine Weise: Beim Konzert auf dem Sonnendeck der Berliner Escobar rief er den Barkeeper Felix, Hauptdarsteller eines wüsten Konzertes vor zwei Jahren auf dem nahegelegenen Schiff "Hoppetosse", nach vorn und hieß ihn, das für ihn und seinen Gitarre und Keyboard spielenden Bruder Tim bereitgestellte Bier samt einer ebenfalls zum Catering gehörenden Flasche Jameson an die euphorisierte Crowd auszuschenken.

Denkwürdig, immer wieder.

Doku Deutschland: Wex bin ich?

Die Genderisierung der Gegenwart auf dem Weg zu einer endgerechten Gesellschaft steckt noch in den Kinderschuhen, doch die "Genderation X" lässt nicht locker beim träumen von einer Gesellschaftsordnung, die jeden derdieoderdas sein lässt, was er gern sein will. Der Zwerg zwei Meter groß, die Frau ein deutscher Nationalspieler in Jogis Elf, der holde Knaben mit Blumen im Haar eine Wissenschaftlerin, die aus Großbuchstaben Ungeheuerliches dichtet wie das Lann Hornscheidt (Foto oben) tut, eines der deutschlandweit ersten Wesen, die als Professorx arbeiten und dabei so konsequent feministisch sprachhandeln, dass kaum noch im Ansatz zu verstehen ist, wovon in aller Unschuld hier die Rede ist.

PPQ dokumentiert die Dichtung des "Genda-Expertix" im Rahmen der zeithistorischen Serie Doku Deutschland. Der besseren Lesbarkeit wurde der ursprünglich durchweg in Versalien konzipierte aufrüttelnde Tex gegen die vorherrschende Zweigenderung der Welt in eine handelsübliche Form aus erigierten und nicht-erigierten Schriftzeichen übersetzt.


Lann

i

Lann
nein – ein Name
nein – kommt aus mir
kommt von mir
kommt nicht von irgendeinem Ort
der deine Irritation wegerklären könnte
(ah – nicht von hier – deshalb kann ich den Namen nicht zu- und einordnen: von wo denn? was bedeutet er denn? ist es ein Frauenname dort? ein Männername; dort?) wo?
nein – kommt aus mir
kommt von mir
die Genderverunsicherung lässt sich nicht weg regionalisieren
lässt sich nicht weg lokalisieren
die Genderveruneindeutigung
ist hier
ist jetzt

Lann
mein Name ist kein Wechsel
kein Transfer von einem Gender zu einem anderen
kein Gendermainstreaming-Trans-fair-Siegel

Lann
nein; nicht Lahn
kein W-lan
nicht Lamm – ein kleines Schaf
nicht lahm statt schnell
Lann
L a n n

warum kann ich soviel wählen fÜr mich
Kleidung
Beruf
Sprachstil
Wohnort
Kontakte
Frisur
Tanzstil
so viel bestimmen
Lebensform
vegan oder nicht
Öko oder nicht
Rad oder nicht

nicht aber meinen Namen
das was mich so
individuell wahrnehmbar
aufruf-machbar machen soll
und gleichzeitig doch auch
kollektiv in deutsch statisierte 2-Genderungsregime
pseudoindividualisiert einpassbar machen soll

ein – pass – bar
was in meinem Pass steht?
warum ist das wichtig für dich? um welche Instanz geht es hier?
was mein Name ‚vorher‘ war?
warum ist das wichtig für dich? um welche Instanz geht es hier?
was mein Name ‚wirklich‘ war?
wahr war?
wahr ist?

wex hat die macht über mich?
was irritiert dich?
und was hat das mit mir zu tun
und was
mit dir??

respektlos und undankbar gegenüber Eltern die mich benannt haben
respektlos mich zuzurichten von Geburt an
einzu – pass en
(was in meinem Pass steht?)
wex bestimmt Über das was ich bin; was mich anruft?
was mich ausmacht?

wiedererkennbar
nachvollziehbar
eine Geschichte
eine Kontinuität
die doch der Name schafft

fÜr wex?
und welche Kontinuität? womit?

welche Brüche werden so
entwahrgenommen
welche werden überrufen

welcher deutsch-statisierte Psychiater hat über die privilegierte zweigendersitische Gewalt den eigenen Namen noch nie infragestellt zu haben nachgedacht?
und hat sich mir gegenÜber – einer ihm fremdenPperson;
aber Genda-Expertix (!!)
dazu erklären mÜssen
zu dieser verselbstständigten Normalsetzung des eigenen individuellen Erlebens
und nur dann
nur dann
wenn die Erklärung fÜr mich irgendwie Sinn macht
denke ich darüber nach wie die Person sich nennen darf und kann
wie absurd ist das?
und wie absurd ist das Rechts- und Medizinsystem also?

die Instanzen sind das Problem
die manifeste Diskriminierung
und können nicht die Lösung sein

Lann
kurze Selbstanrufung
mich aussetzen diesen
dauerfragen
als kleineres Übel
gegenüber einem
zweigenderistischen Selbsttöten
kontinuierlich
internalisiert
immer wieder

Lann
ein Eingeständnis von nicht Konformität
Pronomenlosigkeit
Pronomenneuigkeit
x
Transx

ein Trans_xen von Welt
von mir
ein Atmen
in Atemlosigkeit
eine unmögliche Möglichkeit
in der Undenkbarkeit
jenseits
von Zweigenderung

Lann
L a n n

und wie heisst du?

Mehr dazu bei Eulenfurz

Montag, 16. Juni 2014

Müller bombt Portugal weg

Bis nach Portugal waren deutsche Bomber bis zu diesem kühlen Juni-Tag nicht gekommen - dann aber dieser Müller, ein Kerl wie ein Baum, drei Treffer, das Südland k.o. Die Frankfurter Rundschau, in Sachen Kriegsberichterstattung kein unbeschriebenes Blatt, feierte den deutschen Auswärtssieg gegen die Elf um Superstar Christiano Ronaldo in ihrer Online-Ausgabe mit einer Bomber-harris-mäßigen Aufwallung: "Müller bombt Portugal weg" titelte das Zentralorgan für hessischen Frohsinn.


Allerdings nicht allzu lange. "Harte Überschrift", meckerte ein feingeistig-ewiggestriger Leser. Und obschon ein anderer lobt: "Es geht um Fußball. da darf man selbst hier mal deutschtümelnd-national daherkommen. Das entsprechende Vokabular gehört dann auch dazu", entschied sich die Nachtredaktion für eine Rückabwicklung der Zeile, die nun fast schon friedlich "Müller schießt Portugal ab" lautet. 

Sicherheitshalber wurde auch gleich der komplette Beitrag neu aufgesetzt - auch die eigentlich verräterische Spur in der Url, die eben noch www.fr-online.de/wm-2014-in-brasilien/deutschland-gegen-portugal-mueller-bombt-portugal-weg lautete, heißt nun fast schon samtweich www.fr-online.de/wm-2014-in-brasilien/deutschland-gegen-portugal-mueller-schiesst-portugal-ab.

Weniger peinlich als die Änderung damals bei den Ehec-Toten, die drohten "nie mehr gesund" zu werden. Aber eine Erklärung für den Stimmungsumschwung vom Wegbomben zum Abschießen liefert die Redaktion nicht. Wer zuerst das eine las und dann nur noch das andere fand, muss sich verguckt haben. Oder er verwechselt etwas mit sportnet.at. Dort bombt der Deutsche immer noch.


Die Anmerkung hat die Genese der Überschrift dokumentiert

Zitate zur Zeit: Hausausbau mit dem Rasenmäher

Ein gutgemähter Vorgarten lässt das Haus größer erscheinen.

DFB: Machtkampf zwischen falschen Fuffzigern

Ein verrottetes System, aufgepumpt mit Milliarden, angeführt von einer Funktionärskaste, die sich gegenseitig Posten und Pfründe zuschiebt - nein, nicht die EU ist gemeint, sondern der Deutsche Fußballverband, ein Männerbund, in dem eifersüchtig darüber gewacht wird, dass die Öffentlichkeit nur erfährt, was sie erfahren soll. Unangenehme Wahrheiten werden hier normalerweise erst Jahre später bekannt, wenn sie niemandem mehr schaden können.

Diesmal aber hat das Schweigegelübte nicht gehalten, diesmal gehen sich die Mächtigen der unter ständigem Korruptionsverdacht stehenden Fußball-Branche vor aller Augen an die Kehle. Auf einer Seite steht der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger, ein Demagoge reinsten Wassers, der vor Jahren eine weltweit agierende Kanzlei in Marsch gesetzt hatte, um es PPQ verbieten zu lassen, von Zwanziger autorisierte Zitate öffentlich zu machen. Auf der anderen Seite steht der DFB, ein Finanzverband, in dem es etwa so demokratisch zugeht wie in Erich Honeckers Politbüro: Posten werden auf unter vier Augen vergeben, man steht über dem Gesetz und pflegt im Reich des hochglanzpolierten Operettenfußballs eine Schnittchenkultur, bei der die Wirklichkeit vor der Tür bleiben muss.

Nun aber das, ein Krieg auf offener Bühne, eine Feldschlacht vor aller Augen: Im größten Fußballverband der Welt beschäftigen sich die führenden Funktionäre mit Hauen und Stechen, während der Heilsbringer der Vergangenheit von einer "Ethik-Kommission" des korrupten Weltverbandes mit einer WM-Sperre belegt wird.

Ja, auf Ironie verstehen sie sich, die Anzugträger, die das Fußballspiel monopolisiert haben wie keine andere Firma kein anderes Produkt weltweit und dafür von der Politik gefeiert werden. Zwanziger, der seine Amtszeit rumbrachte, indem er alleweil mit Rücktritt drohte, hat seinem Nachfolger Wolfgang Niersbach die Vorbildfunktion abgesprochen und Heuchelei vorgeworfen. Niersbach habe aus dem Ehrenamt des DFB-Chefs einen Selbstbedienungsladen gemacht, er fülle sich die Taschen auf einem Posten, den er, Zwanziger, noch kostenlos bekleidet habe. Mit einem sechsstelligen Betrag verdiene Niersbach zu viel, und das vielleicht sogar ohne gültige Rechtsgrundlage.

Das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes hat Zwanziger im Gegenzug aufgefordert, das Amt des FIFA-Exekutivmitglieds, mit dem Zwanziger einst für seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur als DFB-Präsident abgefunden worden war, aufzugeben. Zwanziger, mit knapp 70 im besten Funktionärsalter, hat abgelehnt. Der DFB könne sich bei Sepp Blatter über ihn beschweren, ließ er wissen. Bei Sepp Blatter.

Dem Sepp Blatter.

Sonntag, 15. Juni 2014

Neues Gutachten: Splitterpartei SPD

Nach einem neuen Gutachten, das die Randgruppen-Expertin Daniela Vates in der Frankfurter Rundschau veröffentlicht hat, handelt es sich bei den meisten parteien, die derzeit im Bundestag und zum Teil in der deutschen Regierung sitzen, um sogenannte "Splitterparteien". Vates zieht diesen Schluss nach einer Analyse der derzeitigen Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR) im Europaparlament. "Zwei Handvoll Splitterparteien" seien hier neben der deutschen AfD "noch dabei, die rechtspopulistischen „Wahren Finnen“ etwa und die Dänische Volkspartei".

Erstere holten bei der EU-Wahl mit 12,7 Prozent mehr Stimmen als CSU (7,4 Prozent), Linke (8,6 Prozent) und Grüne (8,4 Prozent) bei der letzten Bundestagswahl. Auch die SPD liegt nach dem Vates-Quotienten im Größenbereich einer Splitterpartei: Die Dänische Volkspartei holte bei der EU-Wahl 23,1 Prozent der Stimmen, die deutsche Sozialdemokratie steigerte sich bei der Bundestagswahl von 23 Prozent 2009 auf nunmehr 25,7 Prozent und liegt damit knapp oberhalb der Prozentmarke, die Daniela Vates als Anteil einer Splitterpartei definiert.

Besorgniserregend: Abgesehen von der CDU existiert in Deutschland derzeit überhaupt keine politische Kraft mehr, die nicht ganz oder teilweise Merkmale einer Splitterpartei nach der Vates-Lehre aufweist.