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Donnerstag, 19. März 2015

Gesänge fremder Völkerschaften: Grübeln im Diskant

Der große Grübler, ein Genie mit einmaliger Stimme, das nie die ihm gebührende Anerkennung gefunden hat - das ist Jeremy Enigk, ehemals Sänger der stilprägenden, aber zeitlebens erfolglosen Band Sunny Day Real Estate. Vier Alben und mindestens dreimal so viele Dramen produzierte die Gruppe zwischen 1994 und 2000, danach folgte ein langer Abspann aus Neugründungen wie The Fire Theft und Solounternehmungen von Enigk, der das musikalische Erbe der Band weitertrug, in die er als Letzter eingestiegen war.

Während Dan Hoerner lieber Songs für Dashboard Confessional schrieb und Nate Mendel und William Goldsmith mit Dave Grohl zusammen die Fighters gründeten, blieb Enigk für sich allein, ein verrätselter, bühnenscheuer Grübler, dem Fans das Cover-Album "Enigkmatic" widmeten. Enigk geht kaum auf Tour, seine Veröffentlichungen sind an einer Hand abzuzählen, er kommuniziert freundlich, aber unterschwellig immer im Bemühen, nicht angesprochen zu werden.

Wenn Enigk behauptet, er habe "Fun", dann handelt es sich um eine Coverversion von Stings "King of Pain", zerfasert und zerschossen, eine Messe in Moll, nur noch übertroffen vom lebensfrohen Video zu seinem vielleicht größten Solo-Song "Mind idea", der den Tod der Nation beschwört, die Ruinen, die bleiben, und die unauslöschliche Sehnsucht, die immer bleibt, so viele Wünsche man sich auch erfüllt. Jeremy Enigk ist der unbekannte Sänger des Leidens der Moderne, ein Beschreiber der Krankheiten der Gegenwart. Er hat keine Heilung, er hat nur Lieder.

Zur völkerkundlichen Serie Gesänge fremder Völkerschaften

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