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Montag, 27. Juni 2016

Brexit: Ausbruch aus der Planwirtschaft

Der Abriss Europas, von Brüssel vorangetrieben.
Am Beispiel Griechenlands beschreiben Medienwissenschaftler ihren Studenten bereits seit Jahren das Phänomen des öffentlichen Themensterbens, das durch fortlaufende Informationsverdünnung dazu führt, dass eben noch weltbewegende Nachrichten binnen weniger Wochen, Tagen oder Stunden völlig aus der Berichterstattung verschwinden.

Dieses Phänomen zeigt sich auch beim Brexit, einem in deutschen Redaktionsstuben bis zum Abend der Abstimmung für erledigt gehaltenem folkoristischen Ereignis. Überall hatten Reporter und Redakteure großes Vertrauen in die Fähigkeit Europas gesetzt, eine Mehrheit für einen von niemandem erwünschten Austritt schon irgendwie zu verhindern.

Dann die Überraschung, der Ausbruch aus der Planwirtschaft einer ausschließlich von oben organisierten fortschreitenden Integration abseits demokratischer Entscheidungsprozesse. Und seitdem der Versuch, den Eindruck zu erwecken, als seien alle schuld. Nur nicht die Armee der Medienameisen, die zuvor selbst nicht davor zurückgeschreckt war, den Mord an einer Abgeordneten zu instrumentalisieren, um Stimmung für ein genehmes Ergebnis zu machen.

Für den Abriss Europas, so wie wir es kennen, werden nun Veranwortliche gesucht. Schulz, Merkel, Brok, Hollande, Juncker und der Rest des Keulungskommandos, seit sieben Jahren damit beschäftig, die europäischen Verträge zu dehnen, zu strecken und im Stil von Hofzauberern je nach Bedarf zu interpretieren, kann es nicht gewesen sein. So müssen nun die Alten ran, die falsch gewählt haben. Die Ungebildeten, die die Tragweite ihrer Entscheidung nicht zu übersehen vermochten. Und die Armen, die von Neid und Hass getrieben waren und nun schon gern zurückrudern würden. Von "Spiegel" bis "Welt" sind alle stolz auf die, die ihrer Meinung sind: Der Schotte, ehedem ein mieser Separatist, ist nun die Fackel der Freiheit. Die jungen Leute, klug und gut gebildet, sind Opfer der alten, hässlichen Europa-Hasser.

Ein Sturm aus Hetze fegt durch die Medienlandschaft, kein Sturm aus Selbstkritik. Kein Wort dazu, dass alle Umfragen falsch waren, kein Augenblick des Innehaltens und Nachdenkens darüber, wie es schon wieder passieren konnte, dass veröffentlichte Meinung und das Abstimmungsverhalten der Öffentlichkeit völlig entgegengesetzte Stimmungsbilder zeigen.

Darüber zu schreiben, wäre fast, als würde man zum Thema Griechenland zurückkehren.




Kommentare:

Die Anmerkung hat gesagt…

Themensterben. Erstaunlich, daß die Hooligans nach energischen Protesten aus ARD und ZDF auch schon wieder tot sind. Wir erleben doch noch eine zuckersüße Kuschel-EM.

ppq hat gesagt…

sie tanzten nur eine halbe vorrunde lang. die war ja auch langweilig.

derherold hat gesagt…

Genau, @ppq, die EM beginnt eigentlich erst jetzt.

Volker hat gesagt…

"wie es schon wieder passieren konnte, dass veröffentlichte Meinung und das Abstimmungsverhalten der Öffentlichkeit völlig entgegengesetzte Stimmungsbilder zeigen."

Wenn die öffentliche Meinung nicht zur veröffentlichten passt, da hat sich die öffentliche Meinung wieder mal total blamiert.

derherold hat gesagt…

Was habe ich gesagt, Herr @ppq ? Jetzt fängt die EM erst wirklich an !

Wer Sinn für (englischen) Humnor hat, kann sich die twitter-Einträge von "sunday league chants" betrachten. Die sind immer gut aber hier vor allem die Einträge zu "Joe Hart": Bloody hell !!!

ppq hat gesagt…

ich boykottiere britain schon mal vorab, dann bin ich der erste und kann in ein paar wochen sagen, die EU macht mir alles nach