Google+ PPQ: September 2016 "

Freitag, 30. September 2016

Houellebecq im Arbeitswiderstand: Wider die reaktionären Raucher



Wo kommt nur dieser Hass her? Kaum hat Michel Houellebecq in seiner Dankesrede für den Schirrmacher-Preis ein aberwitzig reaktionäres Weltbild vor seinen empörten, geschockten und verunsicherten Zuhörern ausgebreitet, schlägt eine Woge der Wut und der Verachtung über dem französischen Dichter zusammen.

"Unwürdig" sei das gesagte der Kunst des reaktionären Rauchers, sein unverantwortliche Text könne Weltschmerz auslösen, seine "düsteren Anspielungen" seien gehalten, schwache Gemüter zu verunsichern, führerbunkermäßig habe der Autor des "Untergang" der "Unterwerfung" vom nahenden, unausweichlichen Tod gesprochen. Wo doch Europa mit Deutschland als hübschester Blühte gerade in diesem jungen Herbst so fröhlich in die Welt lache wie niemals sonst.

Die renommierte "Zeit" verwandelt in ihrer Besprechung der Rede des dürren Zuwanderes aus Algerien das Monströse in uns selbst, das abgrundtief Hässliche in schöne Raserei. Der Dichter, obschon preisgewürdigt, ergebe sich einem "nur noch schwer erträglichen, wirren, nekrophilen Muff vom Endzeit-Clash spiritueller Mächte" und empfehle "uns allen diesen Muff als Gesetz, als letzte Rettung: den Tod als Rettung vor dem Tod".

Altmännergeil ist das, die jungen Mädchen heute, verglichen mit seiner Jugend, "sehr viel weniger aufregend gekleidet", sind ihm Ursache für den schlaffen Penis, nicht das Alter, dieser Erfahrungsberg, der irgendwann körperlich zu drücken beginnt, was immer ein Deutschomane ist. Die "große reaktionäre Geisterbahn", die der Zeit-Autor entdeckt, fährt durch bis zum Friedhof, wo der Abdecker wartet, der den Großdenker aus der Grande Nation zusammen mit "Sarrazin, Safranski, Monika Maron, dem ganzen reaktionären Swingerclub" (Zeit), "zu dem man nur Zutritt hat, wenn man sich bis aufs Ressentiment nackt auszieht" in die Grube zu fahren. Wo Bautzen schon jubelt. Dresden zündelt. Und der ganze Osten bis runter nach Budapest Willkommen klatscht.

Robin Detje, der das argumentativ anführt, genießt den Schauder hochemotional. Er hält Houellebecq nichts entgegen, keinen Fakt, kein Gefühl, keinen eigenen Gedanken. Er verdammt. Er hasst. Er geht Gassi mit der ölden Vorstellung, wer anders denke als er selbst, denke nicht richtig. Kein Gespräch, nicht einmal mehr zwischen denen, die sich Intellektuelle nennen.

Ach wirklich, wie traurig das alles ist.

Zitat Ende.

EZB auf dem Zinsbremspedal: Draghis Globuli

Deutliche Wirkungen der EZB-Zinspolitik: Draghis Globuli haben die Inflationsrate auf den tiefsten Stand seit der Jahrtausendwende gesenkt.
Er war da, der Magier der Märkte. Er hat Stellung vor Bundestagsabgeordneten bezogen. Und ist anschließend unversehrt wieder abgereist. Mario Draghi kann sich in seinem Niedrigzinskurs bestätigt fühlen, nicht nur von deutschen Leitmedien. Auch wenn die ersten zwei Jahre des kostenlosen Geldes noch keinerlei Auswirkungen auf das reale Wirtschaftswachstum zeigen - bei der Inflationsrate immerhin hat sich etwas getan (Grafik oben).

Sie sank im Gleichschritt mit dem Zins auf ein Rekordtief.

Für Draghi ein deutlicher Fingerzeig, dass seine Medizin anschlägt. Es brauchte nur noch etwas mehr davon, etwas länger und vielleicht noch etwas niedriger, damit die Globuli des obersten europäischen Währungshüters ihre segensreiche Wirkung entfalten.

Im Moment ist die noch bescheiden. Sparer werden langsam enteignet, die Altersrücklagen von Millionen schmelzen bei einem realen Zinssatz von unter Null wie Butter in der Sonne. Während die Staaten sich auf der anderen Seite endlich das Sparen sparen können, weil ihnen Milliarden wie Billionen für umsonst hinterhergeworfen werden.

Eine Traumwelt für jeden Finanzminister, für jede Regierung aber auch, weil die Geldschwemme es überflüssig macht, die eigene Wirtschaft konkurrenzfähiger zu gestalten. Länder, die gerade noch aller zwei Wochen gerettet werden mussten, verschwinden nun einfach aus der Wahrnehmung. Keine Berichte mehr über Griechenland, kein Problem mehr in Italien, Portugal, Spanien. Im Jahre neun der Finanzkrise produziert die Hälfte aller Eurostaaten stabile Defizite, die über der Zielvorgabe der Gemeinschaft liegen. Aber es gibt keine "blauen Briefe", keine Strafverfahren, keine Klagen der Kommission gegen Mitgliedsstaaten.

Nur Schweigen und Vorträge von Mario Draghi, der versichert, es brauche nur mehr Geduld und noch mehr kräftigen Druck auf das Zinsbremspedal, um das Auto EU-Wirtschaft zu beschleunigen. Nehme die erst Geschwindigkeit auf,  erzeuge sie auch Wachstum. Das senke die Arbeitslosenraten. Dadurch stiegen die Löhne. Die zögen dann die Inflationsrate nach. Und am Ende würden so auch die Zinsen wieder steigen.

Donnerstag, 29. September 2016

Zitate zur Zeit: Helle Sekunden


Journalismus hatte ursprünglich Aufklärung zum Ziel. Er ging von der Annahme aus, dass jeder in der Lage ist, seinen Verstand zu benutzen.

Helle Sekunden in einem Rückblick der SZ

MH17: Animationsfilm verrät Putin

Mit großer Sorgfalt in zweijähriger Arbeit erstellt: Der Animationsfilm über die russischen "Waepons".
Aber doch! Es war eine russische, keine amerikanisch, keine französische, keine deutsche Rakete! Und genau. Sie wurde von prorussischem Gebiet abgeschossen, nicht aus der Ukraine. Nur zwei Jahre nach dem Abschuss der Boeing 777 MH17 mit 298 Menschen an Bord kommen niederländische Ermittler zu den lang erwarteten amtlichen Ergebnissen. Alles war, wie es der „Spiegel“ schon Stunden nach der Katastrophe wusste. Wäre ein Bekennerschreiben von Wladimir Putin am Tatort gefunden worden, es könnte nicht deutlicher auf die Verantwortung des Kreml für den tödlichen Angriff auf das Passagierflugzeug verweisen als es die jetzt vorliegenden Beweise tun.

Beweise, die vorerst allerdings ersetzt werden durch die klare Ansage, man habe „überzeugende Beweise“. Das internationale Ermittlerteam unter der Leitung des niederländischen Staatsanwalts Franz Westerbeke ist da kompromisslos. Die Erkenntnisse stützten sich auf die Auswertung von Satellitenbildern, Telekommunikationsdaten, Zeugenaussagen und Informationen der Geheimdienste, die nach dem Zusammentragen sorgfältig reiften, ehe sie schließlich in aufwendige Trickfilme umgesetzt wurden, die jetzt der Weltöffentlichkeit präsentiert werden konnten. Einer der Animationsstreifen heißt die „The waepon“ und er beschreibt in knapp drei Minuten unwiderlegbar, dass ein Buk-Träger neun Meter lang ist und Raketen verschießen kann.

Schon der Filmname "Waepon" spricht für die große Akribie, mit der hier gearbeitet wurde. Dagegen kann der Kreml mit all seiner kreuzgefährlichen Propagandamacht nicht an. Ziel der kriminaltechnischen Untersuchung sei es zudem gewesen, so die Süddeutsche Zeitung, „zu beweisen, dass die Teile, die am Absturzort geborgen wurden, nicht von Dritten dort platziert wurden“. Da das nie jemand behauptet hatte, fiel der Beweis leicht: Bei der Autopsie der Leichen der Cockpit-Crew wurden Fragmente gefunden, die zum Sprengkopf einer Buk-Rakete der Serie 9M38 gehören, das bis 1998 Standard bei den postsowjetischen Streitkräften war. Wenig später wurde Putin Präsident.

Putins Schuld ist damit einmal mehr manifest. Stellvertretend suchen die Ermittler nach zwei russischsprachigen Männern mit den Pseudonymen Orion und Delfin, die mit bürgerlichen Namen Andrej Iwanowitsch und Nikolaj Fjodorowitsch heißen sollen. Die beiden Männer, die offenbar keine Nachnamen haben, sollen sich über einen Konvoi unterhalten haben, wie zugleich veröffentlichte Telefonmitschnitte belegen. Es gebe bislang "keinen Beweis dafür, dass diese Anrufe im direkten Zusammenhang mit dem Abschuss von MH17 stehen", heißt es auf der Seite der niederländischen Polizei. Falls jemand Informationen über diese Männer oder andere oder deren Verbindungen zu Buk-Raketen oder ähnlichen "Waepons" habe, deren Stimmen erkenne oder wisse, wo sie oder vergleichbare Männer sich aufhielten, könne er sich melden.

Mittwoch, 28. September 2016

Wir Reaktionäre

Rauchender Reaktionär: Michel Houellebecq qualmt gegen die Verhältnisse.
Zum ersten Mal kann man Reaktionär sein, nicht weil man rechts ist, sondern weil man zu links ist. Ein Kommunist oder jeder, der sich den Gesetzen der Marktökonomie als letztem Ziel widersetzt, ist ein Reaktionär. Ein Anhänger staatlicher Souveränität oder jeder, der strikt gegen die Auflösung seines Landes in einem föderalen europäischen Raum ist, ist ein Reaktionär.

Jemand, der den Gebrauch der französischen Sprache in Frankreich verteidigt oder jenen jeder anderen Nationalsprache in ihrem jeweiligen Land und der sich der universellen Verwendung des Englischen entgegenstellt, ist ein Reaktionär.

Jemand, der der parlamentarischen Demokratie und dem Parteiensystem misstraut, jemand, der dieses System nicht als die Ultima Ratio politischer Organisation begreift, jemand, der es gerne sähe, dass der Bevölkerung öfter das Wort erteilt wird, ist ein Reaktionär.

Jemand, der dem Internet und den Smartphones wenig Sympathie entgegenbringt, ist ein Reaktionär. Jemand, der Massenvergnügungen so wenig mag wie organisierten Tourismus, ist ein Reaktionär.


Michel Houellebecq

Hassbilanz: Kein Fußbreit für Justin Bieber

Der am häufigtsen wegen Hasspostings im Internet angezeigte "Popstar" Justin Bieber kann mittlerweile oft nur noch verkleidet aus dem Haus gehen.
Im Herbst vor einem Jahr starteten Bundesblogampelamt, Bundesjustizminister und Bundeskahanestiftung die gemeinsame Hatespeech-Aktion "#Nichtegal, um Hetze, Hass und Zweifel endlich aus dem Internet zu verbannen. Mit ersten Anfangserfolgen, wie eine jetzt veröffentlichte Bilanz verrät: Danach reicht es inzwischen, wenn staatliche oder halbstaatliche Stellen bei YouTube und Facebook Beschwerden über mutmaßlich legale, aber Hass beinhaltende Inhalte geben, um 97 Prozent der angezeigten Inhalte innerhalb von 24 Stunden löschen zu lassen. Auch auf Anzeigen normaler User werden mit zwischen einem und 46 Prozent mit Entfernung des angezeigten Inhaltes reagiert.

Ein Anfang, der von Hetzern im Ausland als Rückfall in die Zeiten von Zensur und Denkverboten kritisiert wird. In Deutschland werde offenbar "mit staatlichem Geld und regierungsamtlicher Billigung gegen alles vorgegangen, was nicht auf Linie ist", nörgelte die NZZ. Im Inland aber wird die Löschoffensive vor allem als Start eines notwendigen Reinigungsprozesses gesehen. Justizminister Heiko Maas hat auf Twitter mehr als tausend Follower für einen NoHateSpeech-Account gewonnen, die Bundeshassbeauftragte Anetta Kahane hat mehrere Interviews gegeben und ehedem noch so selbstbewusst auftretende Internetseiten wie euhass.org werden kaum mehr öffentlich wahrgenommen.

Größter Erfolg im Kampf für ein sauberes Netz aber ist der Umstand, dass es sich bei den Inhalten, die am häufigsten als "Hass" gemeldet werden, um Videos des Sängers Justin Bieber handelt: Schon im Titel sexistisch wie "I'll Show You", Freiheitsberaubung verherrlichend wie "Never Let You Go" oder sich gegen den Islam positionierend wie das höhnische "Home This Christmas", waren diese tonalen Machwerke aus der Pappfabrik des Pop verantwortlich für rund 60 Prozent aller Pegida-Anhänger und AfD-Wähler. Bieber-Musik funktioniert hier als Einstiegsdrohe, der Star aus dem streng abgeschotteten Kanada wirbt mal für "Hass, der manche Schlacht gewinnt", mal für "no sympathy".

"Das klingt zunächst einmal nach einer guten Entwicklung", kommentiert die FAZ, werde aber natürlich "schwer der Menge an Hasskommentaren gerecht, die an dem Radar vorbei weiterhin stehenbleiben oder neu dazukommen". Überhaupt sei derzeit noch "schwer einzuschätzen, wie groß der Anteil nichtgemeldeter Hasskommentare in den sozialen Netzwerken ist". Was aber nicht gemeldet wird, kann vorerst noch nicht gelöscht werden.

Hier will Heiko Maas in den kommenden Monaten nachjustieren. Falls die Unternehmen bis Anfang kommenden Jahres keine Fortschritte dabei machen, gemeldete und nichtgemeldete Beiträge mit Hass, Hetze oder Zweifeln innerhalb von 24 Stunden rigoros zu löschen, „sollten wir darüber nachdenken, ob wir die rechtliche Verantwortung derjenigen stärken müssen, die die Verbreitung dieser Hass-Kommentare technisch ermöglichen und dulden“, kündigte der Sozialdemokrat an. Facebook und Youtube könnten dann dafür belangt werden, menschenverachtende und gewalttätige Inhalte zu zeigen.

Dienstag, 27. September 2016

Endsieg: Clinton entscheidet US-Wahl für sich

Zuweilen war er jenseits der Wahrheit, zuweilen unterbrach er seine Gegnerin unhöflich. Nach übereinstimmender Ansicht der deutschen Medien wirkte Donald Trump im erste TV-Duell überfordert vond er großen Bühne. Während seine Kontrahentin Hillary Clinton mit "klugen " (ZDF) Bemerkungen punktete und den "planlosen Schaumschläger" (FR) aus New York bei den "Clinton-Festspielen" (Stern) laut ersten "Blitzumfragen" (dpa) im Grunde bereits endgültig besiegt haben dürfte.

Deutschland steht geschlossen hinter der Kandidatin des aufgeklärten Amerika, einer Freundin von Globalisierung, Freihandel, Frieden, Flüchtlingshilfe, Frauenrechten und weltumspannender Gerechtigkeit. Von der CDU bis zur Linken, von der katholischen Kirche bis zu den Moslemverbänden gilt Clinton als der neue Obama, weiblicher nur, im Amte gestählt, pragmatischer noch und routinierter. Wo Trump unter der Fratze des hässlichen alten weißen Mannes eine survival of the fittest predigt, ist die frühere Außenministerin die Hoffnungsträgerin derer, die noch glauben wollen, dass der Wille eines Menschen ihn veranlassen kann, seine Macht zum Guten zu verwenden.

Clinton, die in den dunkelsten Stunden ihrer Karriere unter dem Motto "Gesunder Mund für Deutschland" für eine Zahnpasta warb, stellte schon in der Nacht des Rededuells konkrete Pläne vor. „Wir brauchen eine Wirtschaft, die für alle funktioniert“, sagte sie, zudem wolle sie dasVertrauen zwischen den Kommunen und der Polizei wiederherstellen und die Steuern für die Reichen erhöhen, um mit den Einnahmen Gutes zu tun. Ihr Mann Bill hatte einst vorgemacht, wie das geht: Er versetzte durch kluge neue Gesetze auch Leute ohne Job in die Lage, hohe Kredite aufzunehmen, um Häuser zu kaufen. Durch den von ihm gelockerten "Community Reinvestment Act" kamen "wenig oder nicht-kreditwürdige Personen" an geborgtes Geld. Und als es mit der Rückzahlung nicht mehr klappte, rutschte die Welt in die größte Finanzkrise aller Zeiten.

Was die Vater verbockt hat, will Mutter nun besser machen. Alle Gerüchte über ihren Gesundheitszustand hat Clinton Lügen gestraft, alle Versuche, sie für Skandale verantwortlich zu machen, ließ sie ins Leere laufen. Routiniert im roten , das in den kommenden vier Jahren zur Uniform der Weltretterinnen werden könnte, gab Hillary Clinton die sachliche, in Jahrzehnten zur Amtsfähigkeit gereifte Pragmatikerin, die der Ära der hochfliegenden Obama-Visionen ein Zeitalter des Schaunmermal folgen lassen wird.

Entschieden ist alles, für alle Zeit. Zumindest die deutschen Wähler wissen nun genau, wo sie ihr Kreuz werden machen sollen.


Die Welt der Wahlkämpfe am Badestrand der Vierbrüster

Zuflucht Deutschland: Es langt nicht zum Spitzenplatz

Kaum einer der weltweit 65 Millionen Flüchtlinge gelangte nach Deutschland.
Die Chance war da. Aber am Ende hat es doch nicht gereicht. Überraschend hat die Uno-Flüchtlingshilfe Deutschland im offiziellen Jahresabschlussbericht 2015 nicht in die Top-6 der größten Aufnahmeländer für Flüchtlinge weltweit gerankt. Obwohl deutsche Regierungsbehörden offiziell 1,1 Millionen angeben, die die Bundesrepublik vor allem über die Balkanroute erreicht haben, langte das nicht für eine Spitzenplatzierung unter den größten Aufnahmeländer von Flüchtlingen.

Hier führt die Türkei mit 2,5 Millionen unangefochten, dahinter liegen Pakistan mit 1,6 Millionen und der Libanon mit 1,1 Millionen. Statt Deutschland, das nach eigener Ansicht eine ähnliche Anzahl aufgenommen hat, folgt dann allerdings der Iran mit 979.400 Personen, die - offenbar ermutigt durch die Aufhebung der Sanktionen - in der islamischen Republik Zuflucht fanden. Mit Äthiopien (736.100) und Jordanien (664.100) liegen die nächsten beiden Länder mit ihren Zahlen hinter Deutschland. Aber in der Rangliste davor.

Da die Zahlen zuletzt deutlich zurückgegangen waren - im ersten Halbjahr kamen nur noch 225.000 Menschen - besteht auch kaum mehr eine Möglichkeit, bei der nächsten Zählung besser abzuschneiden.

Montag, 26. September 2016

Als die Grünen die Lügenpresse erfanden

Die zentrale Nachrichtenversorgung durch nur wenige Agenturen überall in der Welt hat zu einem ausgeprägten Informationsmonopol geführt.

Bundesprogramm, Die Grünen, 1980

Der neue Rassismus der Farbfetischisten

Klassischer Rassismus: Wütende weiße Redakteure nutzen verallgemeinernde und verabsolutierende Wertungen tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede, um Aggressionen zu rechtfertigen.
Sie haben es mit der Farbe. Der "Spiegel" möchte gern einen Schwarzen, die "Taz" schimpft über die Weißen, die "Zeit" sieht Geschwindigkeit als Frage von hell und dunkel. Fehlt nur noch die gelbe Gefahr und die Welt wäre wieder der Ort, der sie in den Zeiten der großen Kolonialreiche war – nur diesmal andersherum: Fetischistisch fixiert auf Hautfarben, aus denen Eigenschaften herausgelesen werden, nach denen die Menschheit in eine Anzahl von biologischen Rassen mit genetisch vererbbaren Eigenschaften eingeteilt und die so verstandenen Rassen hierarchisch eingestuft werden.

Es gibt dabei wieder gute und schlechte Farben, nur bewerten die Rassisten 2.0 in ihren Redaktionsstuben sie heute genau gegenteilig. War der schwarze Mann früher faul und dumm, der weiße hingegen naturgegeben Herr und Meister, wird heute umgekehrt argumentiert: Schwarz ist schnell und aufgeklärt, weiß dagegen lahm, ewiggestrig und ungebildet. Die Methode ist die des klassischen Hate-Speech: Bestimmte Eigenschaften werden bestimmten Gruppen pauschal zugeschrieben. Diese pseudo-biologische Ideologie diente früher der Rechtfertigung des Kolonialismus, der Sklaverei, der Verbrechen der Nazis oder von Apartheidregimes. Heute wird sie benutzt, um vermeintlich "progressive" Inhalte zu verbreiten.

Doch wie Johannes Zerger (Was ist Rassismus?, Göttingen 1997, S.81) definiert hat, umfasst "Rassismus Ideologien und Praxisformen auf der Basis der Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- und Herkunftsgemeinschaften, denen kollektive Merkmale zugeschrieben werden, die implizit oder explizit bewertet und als nicht oder nur schwer veränderbar interpretiert werden" - völlig unabhängig von der als Ziel ausgemachten Hautfarbe. Niemand in einer deutschen Zeitungsredaktion käme etwa auf die Idee, zu behaupten, Manuel Neuer sei der bessere Nationalmannschaftskapitän, weil er weiße Haut hat. Andersherum hat der Gedanke aber für verdrehte Hirne offenbar schon Charme: der „Spiegel“ plädierte dafür, Jerome Boateng zum Käpt´n zu machen. Weil er schwarz ist.

Auch würde niemand jemals behaupten, Barack Obama mache Politik für geringverdienende schwarze Männer. Das wäre ja Blödsinn. Donald Trump dagegen, das weiß die nahezu vollkommen weißbesetzte Taz, macht „Politik für wütende weiße Männer“. Nach Albert Memmi (Rassismus, Frankfurt a.M. 1987, S.164) ein klarer Fall: "Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen."

Dass natürlich nicht knapp die Hälfte der US-Wähler wütender weißer Mann sein kann, weil es so viele weiße Männer in den ganzen USA nicht gibt, stört bei der Analyse gar nicht. Das "Morgenmagazin" der ARD hat dem republikanischen Präsidentschaftsbewerber jetzt stattdessen nachgewiesen, er ziele mit seinen Parolen neuerdings auch auf "moderate Wählerschichten" (MoMa). Die knapp 50 Prozent der Amerikaner, die bislang zugaben, ihn wählen zu wollen, waren nach dieser Interpretation durchweg Extremisten.

Sonntag, 25. September 2016

Innovative Geschäftsideen: Die Rückkehr des Zigarettenbilderalbums


Sie waren der große Trend des ersten Weltkrieges und erlebten eine Renaissance im Zweiten: Zigarettenbilderalben schilderten einer begeisterten Bevölkerung die heorischen Taten der Frontkämpfe, deutsche Superwaffen wie die dicke Berta wurde farbenfroh ins Bild gerückt und zackige Offiziere zeigte sich in ihren schenidigen Uniformen. Es wurde fleißig geraucht und gesammelt, in jeder Packung klebte ein Bild, das sich auf der richtigen Seite des Sammelalbums einkleben ließ, bis die eigene Kolektion endlich komplett war.

 Anknüpfen an eine große Geschichte

Eine Idee, die Roger Knabendorf immer geliebte hat. "Seit ich bei meinem Großvater all die wunderbaren alten Alben durchschmökern durfte, war ich fasziniert von der Idee des Zigarettenbilderalbums", erzählt der 26-jährige Chef des Suhler Startup-Unternehmens smoknread.org. Eine platonische Liebe, denn durch den Rufschaden, den das Rauchen in den vergangenen Jahren erlitten hat, schien es Knabendorf lange "völlig unmöglich, an diese große Geschichte anzuknüpfen".

Das änderte sich erst, als die Bundesregierung eine Notverordnung des EU-Parlaments umsetzte, nach der Zigaretten in Deutschland - im Unterschied etwa zu Polen, Tschechien oder Spanien - nur noch verkauft werden dürfen, wenn sie wieder Sammelbilder enthalten. "Das war für uns das Signal, smoknread.org zu gründen", beschreibt Roger Knabendorf. Die Idee dahinter: Rauchern und deren Kindern die Gelegenheit geben, die kostenlosen Sammelbilder archivieren zu können. Das typische smoknread-Album hat deshalb Platz für etwa 250 sogenannte Schockbilder, die thematsich geordnet an die jeweils vorgesehene Stelle im Buch geklebt werden können.

Von der dicken Berta zum Bluthusten

Eingeteilt ist das liebevoll gemachte und mit vielen Hintergrundinformationen versehene Buch in Kapitel wie "äußere Schäden", "innere Schäden" und "Blut husten", wobei Knabendorf selbst empfiehlt, sich von der oft vergeblichen Jagd auf fehlende Motive nicht verrückt machen zu lassen. "Wir sind dabei, im Internet eine Tauschbörse einzurichten", sagt der junge Gründer, "dort werden Samnmlerinnen und Sammler schon in Kürze überzählige Bilder gegen andere tauschen können, die ihnen noch fehlen".

Die Sammelalben sind wie ihre historischen Vorbilder überall dort kostenlos zu haben, wo es Zigaretten gibt. Finanziert wird das Unternehmen über Werbung des Gesundheitsministeriums. "Bei denen sind wir offene Tpüren eingerannt", erklärt Roger Knabendorf, der es heute für einen "echten Segen" hält, dass die EU "uns diese Geschäftsgrundlage geliefert hat".

Mehr heiße Gründer-Stories von jungen Deutschen, die es geschafft haben, in der großen PPQ-Serie "Geschäftsideen, die wir auch gern gehabt hätten":

Erfolg aus dem Ziegendarm
Street View kehrt zurück
Schottereis gegen Schlaglöcher
Kampfkolonne Bengalo
Hightech für alle
Smells like Himalaya
Mietmob 24
Traumstart in die Zukunft

HFC: Spitzenreiter Ost

video
Manchmal braucht es den Blick von außen, um die einfachen Fragen zu stellen. Letzte Woche war es ein PPQ-Gastautor, der die danach stellte, warum die HFC-Fangerade eigentlich "Kurve" heißt. Obwohl sie doch strichgerade ist. Manchmal braucht es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der fleißig PPQ liest, um die einfachen Fragen zu beantworten: Im Spiel gegen Tabellenführer Lotte genau die nämliche nach der geraden Kurve. Es ist, weil es früher so war - wie im Video oben zu hören.

Im Wabbelstadion war alles rund, nun ist es eckig. Damals ging das Runde selten ins Eckige. Heute ist es ebenso. Acht Tore nach acht Spieltagen, der HFC, zuletzt zumindest ungeschlagen, ackert sich ein mal mehr durch die 3. Liga. Spieler neu, Trainer neu, Probleme alt. Und auch gegen die womöglich nach Walter Ulbrichts Witwe benannten Sportfreunde aus NRW ändert sich das erstmal nicht.

Überhaupt ist fast alles wie früher, wie immer. Der HFC geht stürmisch ins Spiel, gewillt, den erneut schlechten Saisonstart mit Platz 12 und fast durchweg bescheidenen Ergebnissen vergessen zu machen. Diesmal mit Schilk in der Verteidigung und den beiden Hoffnungs- wie Verantwortungsträgern Gjasula und Fennell im zentralen Mittelfeld, erarbeitet sich die Mannschaft des bisher ebenso oft glücklosen wie glücklichen Trainers Rico Schmitt ein Chancenübergewicht. Pfeffer allein könnte zweimal treffen, tut es aber nicht.

Die enttäuschende Kulisse von nicht einmal 6000 Fans quittiert es allerdings mit Langmut und Begeisterung. Die jetzt noch hier sind, wo der HFC wieder in Richtung Abstiegsränge zu trudeln droht, wissen, was die Mannschaft braucht. Zuspruch. Treue. Geduld. Lotte, als Tormaschine angereist, zeigt nicht viel vom Zauberfußball, der die Westfalen an die Tabellenspitze gebracht hat. Hinten leidlich, vorn harmlos, so sieht das Spiel der Gäste aus.

Halle hat dann das Glück des Tüchtigen, wie schon in Aalen, als Fernell den verdienten Ausgleich herbeikämpfte. Nach eienm Foul am fleißigen Pfeffer zeigt der Schiri auf den Punkt. Elfmeter. Klaus Gjasula tritt an, ganz Kapitän eines Schiffes in Seenot. Er trifft. 1:0.

Ein Zwischenstand, der nicht beruhigen kann. Zwar bleibt Lotte dabei, nur sehr dosiert nach vorn zu spielen, aber auch die Angriffsbemühungen der Hausherren sind eher schaumgebremst. Pintol ackert für sich allein, von den Flügeln kommt zu wenig. Fast klappt es aber trotzdem, als der inzwischen einzige HFC-Stürmer - Sliskovic und Furuholm sind verletzt, Müller zählt derzeit als Mittelfeldmann - kurz vor der Halbzeit fast das 2:0 macht.

Aber nur fast. Es will nicht, auch wenn Lotte standhaft bettelt und die eigenen seltenene Gelegenheiten entweder schmählich liegen lässt oder Bredlow in die Hände spielt. Es muss wieder ein Elfmeter her, diesmal an Gjasula selbst verwirkt, um die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Erneut tritt der Mann mit dem Helm an. Vergiss die Regel, dass der Gefoulte das nicht soll.

Aber sie stimmt. Schwacher Schuss, in die Arme des Lotte-Keepers. Gjasula untröstlich. Ein Ahhh von den Rängen. Zittern bis zum Schlusspfiff? Nein. Lotte macht zwar mehr, aber nicht genug. Und fünf Minuten vor Schluss erlöst der eingewechselte Martin Röser die Rotweißen: Aus der eigenen Hälfte fährt er ganz allein einen Konter bis hin zum gelungenen Abschluss. Fünf Minuten später ist der gerade noch fast in Abstiegsnöten steckende HFC einem schlechteren Saisonstart als im katastrophalen Vorjahr entgangen. Und Spitzenreiter unter den Ostmannschaften in der 3. Liga.

Für eine Nacht.

Samstag, 24. September 2016

Zitate zur Zeit: Schlüssel rum und aus

Wenn sich im Internet eine Meinung verbreitet, die den Regierenden nicht genehm ist, wird der große Schlüssel umgedreht, und dann ist es vorbei mit der Freiheit. So sieht die Zukunft des Internets aus. Wenn Clinton einen Krieg führen will, die Menschen in den sozialen Netzwerken aber Frieden fordern, wird sie da tatenlos zusehen? Sie wird sagen: Diese Proteste gefährden unsere Demokratie, unsere Sicherheit. Das ist der nächste Schritt.


Oliver Stone

Doku Deutschland: Dunkeldeutschland will nach Russland

Die Sehnsucht ist groß, auch 25 Jahre nach dem Abzug der sowjetischen Truppen aus Ostdeutschland. Aufgewachsen unter dem Stiefel der sowjetischen Besatzer, will Dunkeldeutschland jetzt heim ins russische Reich: Über die notorisch erfolglose Petitionsplattform change.org, deren Petitionen noch niemals irgendwo irgendeine Veränderung bewirkt haben, verlangt jetzt eine - nicht einmal satirisch gemeinte - "Pro Putin Partei" die Ausgliederung Sachsens aus deutschland. Und den Wechsel des hierzulande so verhassten bisherigen Bundeslandes ins den Machtbereich Wladimir Putins.

PPQ dokumentiert die bizarren Bemühungen der Initiatoren im Originalton.

Wir, die Bürger des Freistaates Sachsen, fordern eine Eingliederung Sachsens in dieRussische Föderation.

Im ersten Schritt bündeln wir hiermit die Stimmen für ein künftiges Referendum zur Abstimmung für eine Eingliederung des Freistaates Sachsen in die RF. Die UN-Charta gibt uns das Recht dazu! Nutzen wir es jetzt!

Ein weiteres Petitionsanliegen ist die öffentliche Thematisierung der Gründe für den Wunsch der sächsischen Bevölkerung, sich samt Sachsen in die Russische Föderation eingliedern zu wollen. Auch zeigt es der Öffentlichkeit ganz klar auf, dass das Referendum zum Beitritt der Krim in die Russische Föderation, ebenso auf dem Völkerrecht fußt.

Die Petition hat außerdem das Ziel, öffentliche Diskussionen über das "von oben" angeordnete schlechte Verhältnis Deutschlands zu Russland anzuregen: Außerdem gehört langsam eine heftige öffentliche Debatte über das Bestreben der Deutschen nach Souveränität, bzw. Beendigung der US.-Besatzung auf die Tagesordnung!

Wir haben bereits zu genüge eingesteckt und verteilt im 1. und im 2. Weltkrieg.

Wollen "wir" wieder die Schuldigen nach einem 3. Weltkrieg sein?
Wollen wir uns wirklich von ein paar irren Bankstern und von unseren gekauften Politikern weiterhin zur "Speerspitze gegen Russland" mobilisieren lassen? Möchten wir weiterhin die Demütigungen Russlands sowie völkerrechtswidrige Sanktionen (Kriegshandlungen) gegen Russland im Namen unserer Regierung dulden?

Wollen wir uns weiter an einem Nato-Angriffsbündnis beteiligen und weiterhin an den Folgen erliegen. Wollen wir weiterhin warten bis "sich" etwas verändert?

Die Schlinge von Polizeistaat und EU-Diktatur zieht sich langsam aber sicher zu.

Wie wir wiederholt und ständig erleben, gibt es nichts wovor das EU-Diktatur-Komitee zurückschrecken würde! Das baldige Verbot der Meinungsfreiheit und das Verbot von Demonstrationen lässt uns KEINE Zeit mehr! Morgen schon leben wir in einer Diktatur!

Genauso wie die Sowjetunion uns einst die Wiedervereinigung gönnte, begegnete uns auch die Russische Föderation stets gesonnen und auf partner- und freundschaftlicher Ebene.

Die Zukunft Deutschlands ist durch unsere jetzige Regierung und wegen der EU-Angehörigkeit in Gefahr! Die BRICS sind die Zukunft! TIPP, NSA, Ceta, ESM, Target2... sind die Vergewaltiger der deutschen Bevölkerung und seiner Wirtschaft!

Machen wir jetzt den ersten Schritt für einen befreienden Neustart in eine souveräne Zukunft.

Gestalten wir unsere Zukunft jetzt im Einklang der vernünftigen deutsch-russischen Interessen.

Hier im Text geht um es nur um Worte, lassen wir diese Worte doch nun endlich völlig legitim und demokratisch zu Taten werden! Es ist wirklich ganz einfach, -denn den Anfang haben wir bereits gemacht!

Habt Ihr den Mut? Den Willen?
Auf was wartet Ihr noch? Seid dabei! Unterstütz die Zukunft Deutschlands besonders im Sinne unser Kinder und unserer Kindeskinder!

Anmerkung:
Wie von vielen oft in sozialen Netzwerken gefordert, wird die Russische Föderation Deutschland bei seinen "Problemen" nicht salopp auf Zuruf "befreien“ oder "helfen" können. Dafür hat Russland bisher keine Legitimation und bestimmt auch keine Motivation (Nato).

Europa, insbesondere Deutschland, steht mttlerweile aufgrund seiner verfehlten aggressiven Außenpolitik gegenüber der Russischen Föderation auf Russlands Prioritätenliste sehr weit unten! Wir möchten das zusammen mit euch ändern und zugleich der russischen Bevölkerung ein deutliches Zeichen geben, dass unsere Regierung nicht in unserem Namen handelt!

Wir freuen uns über euer charakterstarkes und herzliches Engagement der Aggressivität unserer Regierung gegen Russland, -gemeinsam mit euch etwas entgegensetzen zu können.

Danke für euer Engagement! Es grüßt euch freundlich mit einem Augenzwinkern,

Euer Pro Putin Partei - Gründungsprojekt!


Freitag, 23. September 2016

Raum ohne Volk: So geht Deutschland

Wildschwein-Gangs durchpflügen Vorgärten, Wölfe erkunden Wohngebiete, Hirsche verirren sich in U-Bahn-Schächten, Füchse klettern auf Baugerüste, Waschbären ziehen in unsere Häuser ein. Deutschland im Jahr 2050. Der Versuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die biologische Vielfalt im Land über verstärkte Zuwanderung zu retten, ist misslungen. Aus dem Volk ohne Raum ist ein gähnend leerer Raum ohne Volk geworden, in dem die letzte verbliebenen Pflegedürftigen aus ihren Gitterbetten vergebens nach ausländischen Pflegekräften rufen.

Claudia Roth ist sicher, dass es so kommen wird, wenn wir nicht sofort umsteuern, daran lässt die beliebte Grünen-Politikerin in ihrem neuen Buch "So geht Deutschland" keinen Zweifel. Deutschland schafft sich nicht ab, das verrät schon der Titel. Nein, es "geht".

In der "Anleitung zum Mitmachen und Einmischen" schildert Roth, wie schlaue Zuwanderer in deutsche Städte ziehen, weil das inzwischen der bessere Ort für sie ist. Und wie die einstmaligen Gastgeber von dieser Migrationsbewegung profitieren.

Was aber wollen die neuen Menschen, die wir bisher nur aus Zoo und Lexikon kannten, überhaupt in unseren Wohn- und Geschäftsvierteln? Wie sollen wir mit ihnen umgehen und wie und wieso passen sie sich so faszinierend gut an uns an? Wie funktioniert der gesamte Staatsapparat und wo sollten, oder können oder müssen wir uns wie einbringen?

Originell, humorvoll und frech öffnet Claudia Roth das reiche Schätzkästchlein ihrer politischen Erfahrung, sie öffnet ihren LeserInninnen und Leserern die Augen für unsere neuen Nachbarn und geht der Frage nach, worauf wir uns wohl zukünftig einstellen müssen: Ein bunteres, ein entspannteres Deutschland




Maas-Regeln: Hausrecht gegen Hate Speech

Langen Atem braucht, wer der vielköpfigen Krake des Rechtsextremismus im Internet Herr werden will. Das bekommt auch der organisierte und unorganisierte Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus zu spüren, seit die Bundespolitik ihm über die Sozialen Netzwerke zu Leibe rückt. Hatte die frühere Internet-Ministerin Ilse Aigner auf Veranlassung der seinerzeit noch relativ unbekannten Amadeu-Antonio-Stiftung Betreiber von Netzwerken noch ermutigt, ihr «Hausrecht» zu nutzen und Nazis einfach mal auszusperren, setzen ihre Nachfolger scharfe Internetreiniger und Online-Sturmtruppen ein, die als "Hate Speech" definierte Meinungsäußerungen über eine Staatsschnittstelle direkt in den Profilen und Gruppen von Abweichlern löschen können.

«Unser Mittel ist das Hausrecht, das uns die Portale einräumen müssen, weil sie in Deutschland Hausrecht genießen», beschreibt ein Mitarbeiter des Bundesblogampelamtes im mecklenburgischen Warin, das im Zuge der Durchsetzung der sogenannten Maas-Regeln zum erweiterten Meinungsfreiheitsschutz mit der Kontrolle und Aufsicht über deutsche und ausländische Internetinhalte betraut wurde.

Ziel ist es, das gesamte Netz zu einem «Netz gegen Nazis» zu machen, in dem Rechte, Rechtsradikale, Rechtsextreme und Rechtsextremisten ebenso wie Rechtspopulisten keine Chance haben, ihre menschenverachtenden Ansichten zu äußern.

Anetta Kahane, Vorsitzende der im Kampf gegen rechts äußerst erfahrenen Amadeu-Antonio-Stiftung, verweist auf derzeit noch vorhandene zahlreiche Beispiele von rechtsextremen Aktivitäten im Netz. So betreibe die NPD trotz des laufenden Verbotsverfahrens unter dem Titel «Die soziale Heimatpartei» eine nach der Rechtslage in der früheren DDR wahrscheinlich verbotene Seite bei Facebook. Andere seien auch bei Netzwerken wie StudiVZ oder kwick.de unterwegs oder veröffentlichen rechtsradikale Videos auf Plattformen wie YouTube.

War es bisher schwierig, Grenzen zu ziehen, um Inhalte, die klar gegen Gesetze verstoßen, von denen zu unterscheiden, die rein rechtlich gesehen zulässig seien, aber im Zuge des erweiterten Meinungsfreiheitsschutzes keine Berechtigung haben, geben die neuen Maas-Regeln fliegenden Standgerichten die Möglichkeit, bei den sozialen Netzwerken radikal aufzuräumen. Was geschmacklich zweifelhaft ist, weil es sich nicht am SPD-Programm orientiert oder gegen die "Erfurter Erklärung" der CDU verstößt, muss weg.

Zusammen könne es so gelingen, glaubt Bundesblogampelamtschef Herrnfried Hegenzecht, auf dem Boden des Hausrechtes ein neues Deutschland zu errichten, das Rechte, Rechtsradikale, Rechtsextreme und Rechtsextremisten ebenso wie Rechtspopulisten nur noch im wirklichen Leben, nicht mehr aber in den virtuellen Weiten kennt.

Donnerstag, 22. September 2016

Stalins Traum, Europas Alptraum

Väterchen Stalin beim Ausradieren von Kampfgenossen.
Immer, wenn Väterchen Stalin eine Runde durchgewischt hatte im Revier, verschwanden seine Opfer nicht nur im wirklichen Leben, sondern auch in dem, was an Erinnerung an das bereits gelebte geblieben war. Josef Stalin, der bei der Oktoberrevolution nur eine winzige Nebenrolle gespielt hatte und von Lenin später als reines Organisationstalent missbraucht worden war, arbeitete sich so über Jahre immer weiter empor in die Sphäre des wahren und eigentlich auch einzigen richtigen Revolutionärs.

Genossen verschwanden erst zaghaft auf Bildern, später radierten ganze Retuschkommandos sie aus allem, was an Aufzeichnungen von der geschehenen Geschichte geblieben war. In seiner kleinen Geschichte der Kommunistischen Partei inszenierte sich Stalin allein als Welterklärer der Lehren Lenins. Wenig später dann rückte er sich als deren Miterfinder direkt an die Seite des Spitzbarts, der schon tot war und sich nicht mehr wehren konnte.

Das Volk konnte es ebenso, denn die, die es besser wussten, waren tot. Und die, die es besser wissen wollten, fanden kaum noch Unterlagen, in denen sie etwas anderes als das hätten nachlesen können, was ihnen Väterchen Stalin weismachen wollte.

Geschichte war nicht mehr, was geschehen war. Sondern allein das, was hätte geschehen sein sollen, wenn es nach Stalin gegangen wäre.

Die EU holt in dieser Beziehung eilig auf. Nach einem schon länger zurückliegenden Urteil aus Spanien existiert europaweit bereits ein "Recht auf Vergessenwerden". Ereignisse, die länger zurückliegen, müssen auf Wunsch Betroffener bereits seit geraumer Zeit von Suchmaschinen links liegengelassen werden.

Nur weit weit diese Ereignisse zurückliegen müssen, um durch Unerreichbarkeit ungeschehen werden zu müssen, war nicht festgelegt worden. Das hat aber nun ein italienisches Gericht nachgeholt: Nach dessen Festlegung, getroffen im Fall eines Restaurantbetreiber, der einen einige Jahre zurückliegenden Artikel über ein Gerichtsverfahren gegen sich nicht mehr im Internet hatte finden wollen und eine Website deshalb auf Löschung eines Artikels verklagt hatte, liegt das Ablaufdatum für Artikel bei zwei Jahren.

Was länger her ist, müsste auf Wunsch künftig - im Zuge einheitlicher europäischer Lösungen europaweit - von Nachrichtenseiten, aus Blogs und öffentlich zugänglichen Zeitungsarchiven verschwinden, wenn ehemals Verfahrensbeteiligte das wünschen.

Eine neue Welt entsteht vor aller Augen, eine Welt ohne Erinnerung, makellos rein, porentief sauber und gekämmt. Stalins Traum von einer Gegenwart ohne Vergangenheit, er wird wahr.

Kahane wehrt sich: Ich habe doch gar nichts gemacht

Stefan Klinkigt -  Medusa, gezeichnet mit Stifttablett
Kinder benutzen dieses Argumentationsmuster regelmäßig. Der Ball ist ganz von allein ins Fenster geflogen. Der Teller ganz von selbst vom Tisch gefallen. Ich habe gar nichts gemacht, Mutti!, rufen die Kleinen dann. So süß, Mutti kann ihnen nichts mehr übelnehmen.

Anetta Kahane hat die Nummer immer noch drauf. Die "vielgehasste Frau", von der  "Menschen glauben, sie habe die Aufgabe, in sozialen Netzwerken zu zensieren", hat den Blogger und Juristen Heinrich Schmitz empfangen, um der Welle an Verbalgewalt, die gerade über der angeblich „obersten Facebookzensorin“ zusammenschlägt, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit entgegenzusetzen.

Und die ist ganz einfach: Nichts hat sie gemacht, gar nichts. Nicht gelöscht, nicht zensiert, nicht bei Facebook und nicht in irgendeinem anderen Medium. Anetta Kahane steht da wie ein unschuldiges Kind neben der kaputten Fensterscheibe, hinter der der Ball liegt, den es zum Geburtstag bekommen hat. Das ist alles von alleine. Ich habe nüscht gemacht. Ehrlich, Mutti. Tränewegwisch.

Für all das Geld, das mehrere Ministerien an die Antonio-Amadeu-Stiftung vergeben, die dafür versprochen hat, "Extremismus und Hassrede im Internet zu bekämpfen" (Antonio-Amadeu-Stiftung), bekommt der Auftraggeber Kahane zufolge genau: Nichts.

"Es gibt keine technischen Vorgänge, keine Kriterien, jedenfalls nicht bei uns", beteuert Anetta Kahane, dass ihre Stiftung nichts dazu beiträgt, die "riesige Herausforderung, dem Hass auch im Netz entgegenzutreten" zu bewältigen. Nichts tue ihr Haus dagegen: "Es gibt auch keine andere Form von Löschen, zensieren und ähnlichem mehr, mit dem ich persönlich oder die Stiftung etwas zu tun hätten." Die Amadeu-Antonio-Stiftung stelle nicht einmal "Listen mit Seiten oder Personen zusammen, deren Facebook- oder Twitter-Accounts oder Webseiten gelöscht werden sollen", versichert Kahane. "Das ist alles nur ein Mythos."

Arme Anetta Kahane, engagiert, aber missverstanden, inaktiv, aber angegriffen.Mit 130.000 Euro gefördert, ohne dafür auch nur einen Finger zu regen. Nicht ganz acht Monate gibt es die „Initiative für Zivilcourage Online“ und schon weiß die Chefin, dass sich ihre "Stiftung sich in der Regel einmal im Jahr mit Facebook trifft, um über die Entwicklung von Hassrede zu diskutieren". jedes Mal, also das eine Mal, als man sich bisher getroffen hat, "machen gerade wir aber immer deutlich, dass Löschen und Verbote das eigentliche Problem nicht lösen".

Da geht mehr, da geht es metaphysisch: "Wieso #NoHateSpeech keine Einschränkung der Meinungsfreiheit bedeutet", obwohl die nicht vorhandene Definition des englischen Begriffes bewusst nicht zwischen strafbaren und nicht strafbaren Inhalten unterscheidet.

"Damit habe aber weder ich persönlich noch die Amadeu Antonio Stiftung irgend etwas zu tun", versichert Anetta Kahane, die in der Kritik an ihrer Person nur eine "heftige Gegenreaktion" darauf sieht, dass "die Amadeu-Antonio-Stiftung auch das Thema soziale Netzwerke sowohl für pädagogische Aufgaben als auch für das Thema zivile Gesellschaft thematisiert".

Davor haben sie natürlich Angst, die Hetzer, Hasser und Zweifler, die sich keineswegs zufällig auf die an der Gesamtsituation nahezu komplett total und völlig unbeteiligte Kahane eingeschossen haben. "Ich bin eine Frau, bin aus dem Osten, habe eine Stasivergangenheit, bin ein kritischer Geist, sage immer meine Meinung", begründet sie, warum der Hass sich so auf sie konzentriert, die doch immer nur das Beste will, für alle Menschen, weil sie alle liebt, alle Menschen und überhaupt. "Ich habe nie darauf gezielt oder geschielt, beliebt zu sein, nicht in der Zeit, wo ich bei der Stasi war", sagt sie, und nicht in der Zeit, in der ich jetzt der neuen Regierung diene."

Sie sei "nicht für’s Beliebtsein geboren", gesteht Kahane. Das provoziere die Leute sehr, obwohl sie an manchen Tagen, Scherze machen oder ihren Leuten sagen könne, kommt mal, lasst euch da nicht von runterziehen. "Es stimmt ja eh alles nicht", behaupte sie dann, "also macht euch keine Sorgen". Im Grunde sei nur der Name "Task Force" für die schnelle Löschtruppe des Justizministeriums "saublöd". Und das "verstärkt den falschen Eindruck", sie tue etwas gegen Hate Speech, Hassrede, Hetzer, Zweifler und Rechte. Tut sie gar nicht.

Mittwoch, 21. September 2016

Zitate zur Zeit: Vergessene Erkenntnisse

Die EU, die dazu sehr wohl in der Lage sein könnte, steht sich mit den Massen an Vorschriften, die sie produziert, selbst im Wege.

Denn ein Staat, der solche Paragrafenmassen erzeugt, ist ein bürokratischer Staat,
ein bürokratischer Staat aber ist ein schwacher Staat, und das gilt nicht Staaten, sondern auch für Gemeinschaften nach Art der EU.

Roman Herzogs "Konvent für Deutschland" im letzten Jahr, als die Krise noch eine der Institutionen war

Sie essen gegen den Hunger der Welt



Eine Welt ohne Hunger, sie ist und bleibt möglich! Unter dem Motto „Unsere Welt bis 2030 - satt und gesund" hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BfwZuE) in Berlin beim Tag der offenen Tür einen Wettbewerb im Wettessen veranstaltet. Ein halbes Dutzend Starter stellten sich dabei der Herausforderung, eine möglichst große Zahl von identischen koreanischen Tacos herunterzuschlingen. Nachgeholfen werden durfte nur mit kleinen Schlucken Wasser und direktem Druck mit Hand oder Fingern.

Erfolgreiche Strategie

Mit der ungewöhnlichen Aktion "Essen gegen den Hunger" will das BfwZuE die umfangreiche Arbeit des Ministeriums gegen den Welthunger weiter ausweiten und auch privatwirtschaftlichem Engagement die Türen öffnen. Die unter Minister Dr. Gerd Müller (CSU) weiterentwickelte Strategie, Essen gegen den Hunger einzusetzen, vertraut auf nachhaltige Programme, Projekte und Investitionen in den am schlimmsten betroffenen Regionen der Erde. Dazu bringt das BfwZuE für die Partnerländer vorbildliche Programme auf den Weg, die heute schon bis ins Jahr 2030 blicken lassen.

Nicht nur für Deutschland, wo der erfolgreiche Kampf gegen Hunger und Armut ins siebte Jahrzehnt geht, sondern auch für Afrika und Asien hat die Bundesregierung Strategien und Taktiken bereit, die weit über das Jahr 2025 hinausweisen, das bisher von den politischen Programmen der deutschen Parteien als Jahr des Endsieges über den Hunger ins Visier genommen wird.

Taco-Meister nimmt Zukunfsvertrag entgegen

Mit Musik, Tanz, Lebensfreude und dem kulinarischen Wetteifern um den größten Taco-Hunger demonstriert das Ministerium kreative Spannung und jugendlichen Erfindergeist, der alle 17 globalen Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) zentral in den Fokus stellt. Als Höhepunkt des Festes durfte der Sieger des Wettfutterns gegen den Hunger, der eigens aus Karlsruhe angereiste Jens-Ralf Sommer, gemeinsam mit Bundesentwicklungsministeriumstaatsekretär Thomas Silberhorn einen von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des diesjährigen Kindergipfels unterzeichneten "Zukunftsvertrag" entgegennehmen, der unter dem Motto "Komm, wir malen eine Solarzelle" steht.

Dienstag, 20. September 2016

Hassmalbuch lädt zum kritischen Kritzeln

Ausmalbücher für Erwachsene sind seit Monaten total angesagt. Erwachsene Menschen malen plötzlich mit viel Liebe zum Detail Mosaike, Ornamente oder florale Muster aus. Warum? Warum denn nicht?

Malen entspannt, baut Stress ab und natürlich spielt die Möglichkeit, sich eine Welt nach eigenen Vorstellungen zusammenzubauen bei diesem ganzen positiven Gefühlsdusel auch eine wichtige Rolle… Soweit, so gut.

Was ist aber mit Tagen, an denen man einfach gar nicht fröhlich sein will? An denen psychotische Einzeltäter einem auf die Nerven gehen, Lastwagenfahrer für tödliche Verwirrung sorgen und Innenminister verzweifelt Sicherheit behaupten? An denen man hassen, zuschlagen, jemandem richtig wehtun will? Das hilft ja manchmal auch!

Die Schottin Johanna Basford hat Erwachsenen-Malbuch mit anfangs harmlosen Motiven wie "Mein verzauberter Garten" auf die Amazon-Bestsellerlisten gebracht. Dahinter scharen sich inzwischen Heerscharen von Nachahmern. Das Prinzip ist beide Male das gleiche: Hübsches, Schönes, schöne Menschen, viele Blätter, Bäume, ein paar Tiere, dazwischen seitenfüllende Mandalas und das ein oder andere Märchenschloss. 1,4 Millionen Exemplare ihres Malbuch-Debüts hat Basford einem Bericht des britischen Guardian zufolge weltweit verkauft.

Das erste Hassmalbuch, das jetzt auf den Markt kommt, dürfte das noch übertreffen.

Endlich gibt es jetzt für diese Tage auch ein Ausmalbuch: Kritzelhass. Statt blumigen Gute-Laune-Motiven findet sich hier die Ziegelsteinwand, an der verschiedene Feinde in den verschiedenen Grau-Schattierungen ausgemalt werden können. Pattern aus Fischgräten oder Stacheldraht, düstere Gesichter, monotone Wellen, Blut, Binden, Fetzen und Fesseln – lauter Bilder, die den Tag - und vor allem die Stimmung - noch grauer machen. Die passenden Stifte gibt es natürlich auch gleich dazu: 12 Grautöne in Premium-Qualität von blass bis dunkelschwarz.



Islamistengipfel gegen Pauschalurteile

In speziellen Gebetskabinen kann beim Islamistengipfel für das Seelenheil der Ungläubigen gebetet werden.
Nur wenige Wochen nachdem die islamophobe Slowakei, deren Regierung angekündigt hat, muslimischen Flüchtlingen die Einreise zu verweigern, die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat, werden auf dem ersten Europäischen Islamisten-Gipfel europäische und US-amerikanische Entscheidungsträger aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammenkommen, um neue Wege für für die Herausforderung der islamophoben Intoleranz und antimuslimischen Gewalt in Europa zu finden.

Neben bekannten Islamisten aus aller Welt kommen in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo Repräsentanten von Untergrundgruppen aus 17 europäischen Ländern und Anhänger verschiedener Religionsschulen zusammen. Bei den Beratungen des hochangebundenen Gipfels geht es vor allem um Methoden, mit denen sich der Islamismus als konsequenteste Anwendung des Islam von seinem schlechten Ruf befreien lässt. "Nicht alle Islamisten sind gewalttätig, längst nicht morden oder selbstmorden", sagt Hasan El-Karambachan vom Org-Büro.

Die friedliche Seite des Islamismus

Mit Hilfe von führenden internationalen Islamismus-Wissenschaftlern soll der Gipfel den Beweis dafür erbringen, dass Islamismus eine friedliche Seite hat, die bisher fahrlässig negiert wird. Große Hoffnung, sagt El-Karambachan, setze man auf eine Präsentation von länderspezifischen Fallbeispielen zum Ausmaß von Islamismusfeindlichkeit und empfohlene Strategien dagegen.

Daran anschließen wird sich eine Podiumsdiskussion zu dem Thema, wie islamistische Gemeinden gemeinsam gegen verschiedene Formen von Vorurteilen und religiöser Intoleranz wehren vorgehen. Sobald Einhelligkeit hergestellt ist, soll die Unterzeichnung einer gemeinsamen Islamismus-Erklärung aller Teilnehmer den friedlichen Charakter der meisten Islamisten manifestieren. Erwartet wird auch eine Absage der Teilnehmer an die zunehmende Islamismusfeindlichkeit in der Politik. „Diese oft pauschal geäußerte Islamismusophobie stellt eine große Herausforderung für die europäische Demokratie und Freiheit dar, sowie für ihre Werte Toleranz und Pluralismus“, heißt es in einem Entwurf der Erklärung "An die Völker der Welt".

 Gewalt schadet Islamisten am meisten

Als Antwort auf die jüngsten Terroranschläge im Nahen Osten warnte Muddassar Al-Ali, Mitglied des Beratungsgremiums des Gipfels und Schirmherr des Mullah-Faith-Forum in Brest: "Unser Islamisten-Gipfel verurteilt die entsetzlichen Angriffe und sieht sie als Form der religiösen Intoleranz". Vorverurteilungen seien abscheulich und deshalb abzulehnen.

Es gelte, die Anstrengungen gegen die pauschale Ablehnung des Islamismus zu verdoppeln. "Die Angriffe des IS haben nicht nur die westliche Gesellschaft getroffen, sondern auch unseren Glauben an eine konsequente Auslegung des Koran im Sinne seines Stifters in Mitleidenschaft gezogen." Eine islamismusfeindliche Reaktion aber sei genau das, worauf IS-Terroristen und islamophobe Aktivisten aus dem rechten politischen Spektrum hoffen, "um ihre These vom Kampf der Kulturen in die Tat umzusetzen.“

Montag, 19. September 2016

Zitate zur Zeit: Generation krank

Was soll man machen, das ist der Schützengraben, das ist unsere Zeit, das ist der real existierende Sozialismus, der meine ganze Generation krank und unglücklich macht.

Und sie lassen sich nichts einfallen. Bis zum heutigen Tage haben sie nicht erreicht, dass meine Frau und ich morgen nach Prag oder Ulan Bator oder Samarkand fahren können, weil es nicht möglich ist, wenigstens so viel Geld einzutauschen, dass man übernachten und sich ernähren kann.

Ich will nicht zum Fürsten gehen und jeden Blick hinter die Mauer, selbst in östliche Richtung, zum Privileg machen.

Manfred Krug

Lesetipp: Merkel, die Weltkanzlerin

Wie stark Angela Merkels Kanzlerschaft (2005–2017) nicht nur die Bundesrepublik, sondern auch die Weltgemeinschaft prägte, arbeitet der Historiker Horst Hallig in seinem faszinierenden Buch „Angela Merkel - Weltkanzlerin“ umfassend und dicht heraus. Und Hallig hebt dabei hervor, dass Merkel stets gestaltend regierte - und nie, wie ihre Kritiker über Jahrzehnte hofften, den letzten falschen Schritt Richtung Abgrund ging.

Nachrufe, wie sie zuletzt vermehrt erschienen, sind verfrüht, sagt der Autor, der über Monate Gelegenheit hatte, Merkels große Reden zu lesen und ihre Auftritte in den Medien zu studieren. Wo der junge und überaus kritische Autor Wenzel Heisebrink zuletzt noch eine "Inszenierung der Macht" (Buchtitel) entdeckte, beschreibt Hallig nun eine jetzt schon historische Figur der Weltgeschichte: Denn Angela Merkel fühlte sich auf der weltpolitischen Bühne nicht nur wohl und wurde international hochgeschätzt, sie prägte sie entscheidend mit.

In den krisengeschüttelten 2000ern gelang es ihr z.B., die immer vor dem Untergang stehende Euro-Zone durch geschicktes Lavieren zu retten. Die immer noch semisouveräne Bundesrepublik wurde unter ihrer Führung als global agierende Wirtschaftsmacht und als Motor in einer weit vernetzten Weltpolitik etabliert, genau wie es der Hades-Plan vorgesehen hatte. Horst Hallig stellt diese bis dato in der Forschung vernachlässigte internationale Bedeutung der Christdemokratin aus Hamburg in den Mittelpunkt seines Werkes.

Das wirft ein neues Licht auf eine alte Bekannte. Während sich Analysten, Historiker und Politikwissenschaftler bisher vor allem mit den Spannungen in der christsozialen Koalition, der Auslöschung des Liberalismus durch Merkel, der Sozialdemokratisierung der Union und den Verwerfungen durch Terror, Bespitzelung sowie der Schwäche der deutschen Nachbarstaaten befassen, geht der in Görlitz lehrende Historiker einen anderen Weg. Er zeigt, wie Merkel es verstanden hat, die Bundesrepublik langfristig im Spiel der Weltpolitik zu vernetzen und als Global Player bei der Neuordnung und Umgestaltung der Weltgemeinschaft zu verankern, während sie gleichzeitig Europa zu einer festen deutschen Burg ausbaute.

Kritik wird natürlich auch genannt, aber sie verschwindet vor der großen historischen Leistung. In die Zeit ihrer Kanzlerschaft fallen die Aufgabe der Rechtsbindung aller europäischen Verträge, das Vorrücken deutscher Truppen bis zur russischen Grenze und die Vernichtung Nordafrikas als Urlaubsalternative zur Ostsee. Dort befindet sich Angela Merkels Wahlkreis, dort wird am meisten von der Misere am Mittelmeer profitiert, schreibt Hallig.

Angela Merkel selbst hat zu dieser Analyse nie Stellung genommen, aber auch sie wird dieses Buch gern lesen. Hallig plädiert mit seinem hervorragend erzählten Buch dafür, Merkel jetzt schon in die Liste der großen, weil wegweisenden deutschen Kanzler und weltpolitischen Denker aufzunehmen. „Merkel hat doch, auch wenn sie selbst es nie so sagen würde, Weltpolitik betrieben“, erklärt der Autor. „Mit einem tiefen Verständnis für die Interdependenz von allen Staaten in der Weltwirtschaft und für Geopolitik – mitsamt des Vorhersehens, schon seit den 1960er Jahren, von Chinas zukünftigem Aufstieg und der Multipolarität der Welt." Merkel habe viel operiert und sei wenig verstanden worden, auch auf der globalen Ebene. "Doch man kann sagen, dass Deutschland erst durch sie als politische Weltmacht wahrgenommen worden ist.“


Sonntag, 18. September 2016

Drei Jahrzehnte, ein Problem

Meine sehr verehrten Damen und Herren, die Kernenergiepolitik der SPD — Walter Wallmann und Heinz Riesenhuber haben in der Bundestagsdebatte am letzten Freitag im Parlament unsere Position in hervorragender Weise dargestellt — gehört zu den schlimmsten Beispielen einer Politik, die sich nicht an Verantwortung, sondern an tagespolitischem Opportunismus orientiert.

Aus dem Protokoll des 34. Bundesparteitages der CDU vom 2. bis 8. Oktober 1986 in Mainz

Doku Deutschland: Meine Fragen haben einen ernsten Hintergrund.

Seit 25 Jahren erleben die Menschen in Deutschland im Minutentakt spannende, aufregende, lustige, aber auch sehr dramatische, traurige und bestürzende Geschichten.

PPQ sammelt die skurrilsten Märchen und Annahmen über das Land in der Mitte der zerfallenden Kontinents im großen Deutschland24-Ticker. Heute: Mad234 hat ein großes Problem. Und daraus entsteht ein großer Dialog.

MAD234: Hallo an alle Experten hier im Thread. Ich habe da mal eine Frage. In der Unfallversicherung gibt es doch die Ausschließlichkeitsklausel "Bewußtseinsstörung durch Trunkenheit". Wie ist diese Trunkenheit definiert? Muß eine gewisse Promillezahl erreicht sein, oder genügt es schon wenn man 2-3 Bier getrunken hat? Was ist, wenn der Arzt ins Unfallprotokoll schreibt "alkoholisiert"? Wie reagiert die Versicherung in solchen Fällen? Wer kann mir hierzu nähere Auskünfte geben? Meine Fragen haben einen ernsten Hintergrund.

Angelam antwortet: Kannst du uns kurz sagen, ob der - bzw. diejenige mit dem Auto, Fahrrad oder als Fußgänger unterwegs war?

MAD234: Im eigenen Haus nachts die Treppe heruntergefallen und sich dabei böse am Kopf verletzt. Er hatte abends nach dem Fußball ein paar Bier getrunken.

Bullshitinvestor fragt: Welches Spiel?

Mehr Doku, mehr Deutschland in der zeitkritischen Serie

Samstag, 17. September 2016

HFC: Unterzahl, scheißegal

Die Spieler wechseln seit Jahrzehnten, das Ergebnis bleibt irgendwie gleich: Zufrieden geht anders.

PPQ-Leser und HFC-Fans mögen mir verzeihen, dass ich nicht in der gewohnten Qualität übers Spiel berichten kann. Ich bin hier Gastautor, der die Ehre hat, diesen Bericht zu schreiben. Hintergrund ist eine langjährige Freundschaft mit den PPQ-Autoren sowie meine Rückkehr nach 30 Jahren. Denn so sieht`s aus: Ich war vor etwa 30 Jahren das letzte Mal im Stadion. Damals noch namens Kurt Wabbel und mit Aschenbahn.

Das erste, was auffällt: Die HFC-Fankurve ist eine Gerade. Es steht zwar groß Fankurve angeschrieben, es bleibt aber eine Gerade. Aus dem Oval ist ein Viereck geworden. Das zweite Auffällige: Die Aschenbahn fehlt, man sitzt also trotz Reihe 13 (Block 14) recht nah am Geschehen. Das ist von Vorteil, sieht man doch alles besser.

 Heute war´s jedoch teilweise zum Nachteil. Je näher man den Fehlern der eigenen Mannschaft ist, desto mehr regt´s einen auf. Also mich jedenfalls. Dann gibt es jetzt da richtig viel Werbung: ein Geldinstitut bietet Fan-Kreditkarten an und eine Wohnungsgesellschaft "organisiert Leben". Da bleiben Fragen offen, aber das wäre an dieser Stelle unangebracht.

Kurz vor Anpfiff wird es volkstümlich. Das ist das Fanlied, erfahre ich, gespielt von den Original Saaletalern.

 Nun, dazu kann man stehen wie man will - ich persönlich stehe nicht so auf die Mucke und auch die Textzeile "...egal wer unser Gegner ist, das Spiel verliern wir nie!" hebt nicht unbedingt meine Einstimmung aufs Spiel. Wenn ich mir selbstverständlich genau das wünsche.

Angetreten ist der FSV Frankfurt - zum  Zeitpunkt des Anpfiffs Tabellenletzter der 3. Liga. Es spielt also Platz zehn gegen Platz 20 - das sollte doch zu machen sein. Andererseits haben die Hessen außer der Schlussleuchte nichts zu verlieren. Manchmal kämpft es sich von unten besser als von oben.

Anpfiff. Nach 30 Jahren steht da natürlich auch eine komplett andere Mannschaft auf dem Rasen, als bei meinem letzten Besuch. Mir sagen die Namen nicht viel, der Vollständigkeit halber sei die Aufstellung von Coach Rico Schmitt genannt: Bredlow, Schilk, Kleineheismann, Ajani, Baumgärtel, Fennell, Barnovsky, Röser, Pfeffer, Lindenhahn, Pintol. Den Kader der Frankfurter hab ich nicht mitgeschrieben, es sei mir verziehen.

 
Beide Mannschaften beginnen zügig und kämpferisch, die Hausherren sind jedoch aktiver, Frankfurt spielt zunächst defensiv. Die ersten Chancen von Halle verpuffen leider in der Frankfurter Abwehr. Aber ich merke: Der HFC macht Druck. Das gefällt mir. Ein Eckball von Röser in der 17. Minute landet auf dem Kopf von Kapitän Kleineheismann, der lenkt das Leder jedoch am Kasten der Hessen vorbei.

Die Spannung steigt, wie auch die Stimmung im Oval. Ähm, ich meinte natürlich, im Viereck. Es folgen Ecken auf beiden Seiten - alle ohne Ergebnis. Dann die wirklich große Chance zur Führung: Nach erneutem Eckball kann Pintol das Leder fast eingeköpfen, der Frankfurter Torwart aber pariert. Den darauffolgenden Eckball setzt Fennell an die Latte, langsam aber sicher muss die Führung her. Doch es sollte nicht sein. Der Herr hinter mir in Reihe 14 bringt es auf den Punkt: Ja. So jehts. Aber im Moment isses eher nüschd.

Es geht wohl ohne Tore in die Halbzeitpause. Ich schmecke schon das Halbzeit-Bier auf der Zunge, als mir der Schreck in die Glieder fährt: Kleineheismann sieht nach einer Notbremse die Gelb-Rote Karte (nach Gelb wenige Minuten zuvor). Nun also zehn gegen elf. Kann das gut gehen?

 Es geht nicht gut. In der 45. trifft der Frankfurter Ornatelli zum Führungstor. Der HFC wirkt nun sichtlich angeschlagen, das Spiel hat aus meiner Sicht keine Ordnung mehr. Der Halbzeitpfiff ertönt und der Herr in Reihe 14 kommentiert das mit: Guggse diche doch an, die Klons. Ich denke mir, er meint Clowns, bin mir aber unsicher, welche Spaßvögel er damit meint. Der Appetit aufs Pausenbier ist mir jedenfalls vergangen.

Die zweite Hälfte beginnt der Stadionsprecher mit: Wie heißt es doch beim Eishockey?

Unterzahl - Scheiß egal. Ich denke mir, hoffentlich behält er Recht. Zunächst sieht es jedoch eher finster aus, wie auch der Himmel, weswegen unterdessen das Flutlicht an ist. Statt Halle stürmt nun Frankfurt und ich rechne fest mit dem nächsten Gegentor, wenn ich mir natürlich das Gegenteil wünsche. Was mir auffällt: Zu viele Pässe der Hallenser gehen in die falsche Richtung, in den leeren Raum oder zu den falschen Spielern. Da läuft etwas schief, oder, wie der Herr hinter mir es nennt: Hört doch off mit dem Schais.

Das haben sie wahrschenlich gehört, denke ich mir, denn ab Minutre 65 kommt wieder Ordnung ins Spiel und Halle kann den FSV wiederholt in deren Strafraum drängen. Es fehlt aber immer wieder der Abschluss, dazu kommt noch Pech und fehlendes Glück. Die Fan-Gerade peitscht nun mit Gesang und Applaus ihre Mannschaft nach vorn. Das steckt an und bei mehreren Aktionen der Gastgeber steht auch Block 14. Das muss doch mal Früchte tragen, denke ich mir gerade, als uns Fenell erlöst:

TOOOOOOOOOOOOOOOOOR!!! Ausgleich. Ich warte auf einen Spruch aus der Reihe hinter mir, aber postive Aktionen werden wohl nicht weiter kommentiert. Halle stürmt daraufhin noch mehrfach gegen die Frankfurter. Zwei wirklich gute Hammer-Schüsse von Lindenhahn und El-Helwe (ab 59. für Röser) kann Frankfurts Torwart abwehren, wenn auch  nur mit Not.

Es bleibt beim 1:1 und nun kommt doch noch ein Kommentar aus Reihe 14, nachdem ich ein "wirklich Schade, so ein Pech aber auch" in die Runde werfe: Eigentlich wie immer. Sagt der Herr und die Dame daneben: Immerhin nicht verloren. So kann man das natürlich auch sehen. Ich war heute einer von 5798 Zuschauern und vielleicht werde ich mal wieder ins Eckige kommen.   

Hallescher FC gegen FSV Frankfurt 1: 1 - eine Spielbetrachtung (Gastautor)

Grillen ächten: Wie engagierte junge Leute Fleischesser outen

Die Rache der Tiere: Stellvertretend für die wehrlosen Opfer menschlicher Fabrikernährung rächen Mitglieder der "Clean out, come veggie"-Bewegung sich an sogenannten Carnivoren.
Tiere leiden, Tiere sterben. Und Menschen sind immer wieder schuld daran. Damit sie essen können, züchten Großfarmen bedenkenlos Rinder, Schweine und Hühner, für ein Goulasch oder ein Linsengericht mit Schinken sind viele Leute immer noch bereit, auf Vegetarismus und das traditionsreiche Veganertum zu verzichten.

Ein Umstand, den eine Gruppe junger Männer aus dem ostdeutschen Mühlhausen nicht länger hinnehmen will. Sie nutzen die Möglichkeiten von Internet und sozialen Netzwerken, um Mitschuldige am Mord an Kaninchen, Hähnen, Kälbern und Puten zu benennen - mit vollem Namen, Anschrift und Telefonnummer.

PPQ hat mit Jakob gesprochen, einer der Initiatoren der "Clean out, come veggie"-Bewegung, die sich auch "Animal revenge" nennt.

PPQ: Jakob, Sie Fan des mittelalterlichen Prangers?

Jakob: Uns geht es weniger um das Anprangern von Nicht-Vegetariern als um den Schutz der Tiere vor ihnen und die Rache für ihr Opfer. Wenn eine Firma jemanden einstellt oder eine Wohnung vermietet werden soll, dann werden die Daten der Bewerberinnen und Bewerber von der Personalabteilung in der Regel gegoogelt. Und wenn jemand dann in einem unserer Kommuniqués fündig wird, dann ist klar: Vorsicht, diese Person ist kein Vegetarier, sie isst Fleisch, sie tötet Tiere, auch Tierbabies, die ganz süß sind.

PPQ: Des einen Schutz ist des anderen Schaden. Und das ist ja wohl kein Zufall?

Jakob: Nein. Wir wollen Fleischessern natürlich schaden, so gut es geht. Sie sollen Ärger mit ihrer Nachbarschaft bekommen und am Arbeitsplatz. Wir wollen ein Klima schaffen, in dem es sich nicht mehr lohnt, Fleisch zu essen, in dem Grillen geächtet ist und in dem sich Fleischesser - wir nennen sie Carnivoren - sich nicht mehr wohlfühlen.

PPQ: Wer ist für Sie ein Fleischesser?

Jakob: Das fängt bei Leuten an, die zum Beispiel Gummibären essen. Die sind aus Rinderblut! Andere lieben Steaks, Teile toter Kühe. Und das nur, weil das in ihr faschistisches Weltbild passt. Das geht bis hin zu Leuten, die Naziideologie verbreiten, es sei den Menschen auferlegt, Tiere zu essen. Das sei "natürlich". Nein, eindeutig, Fleischessen ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.

PPQ: Ist das heute immer so eindeutig, was Nazi-Ideologie ist?

Jakob: Wir benutzen den Begriff inflationär. Er soll an den Tätern hängenbleiben. Fleischessen ist Faschismus, Fleisch zu essen, bedeutet, Schwächere zu töten, zum eigenen Vergnügen. Ein Outing muss wehtun. Aber wir prüfen jeden Fall genau. Bisher haben wir noch niemand zu Unrecht beschuldigt.

PPQ: Sie machen keine Fehler?

Jakob: Wir bemühen uns sehr, keine Fehler zu machen. Ein Grundsatz unserer Anprangerungsarbeit ist: Wir bleiben anonym, unsere Zielpersonen nicht. Wenn etwas in unseren Kommuniqués steht, dann kann man sicher sein, dass wir das für richtig halten. Es muss nicht richtig sein, wo Menschen engagiert arbeiten, passieren Fehler. Aber wir sind auch sehr vorsichtig. Bevor wir etwas veröffentlichen, checken wir alles sehr gründlich im Internet, bis wir wirklich sicher sind.

PPQ: Stellt das Outing von Fleischessern nicht einen indirekten Aufruf zur Ausgrenzung oder sogar zur Gewalt dar?

Jakob: Die Veggie-Szene ist sehr verantwortungsvoll und überlegt sich genau, was sinnvoll ist und was nicht. Totschlagen? Niemals. Das stellte uns ja auf eine Stufe mit den Kannibalen. Wir liefern Menschen nur differenzierte Informationen darüber, wer immer noch Fleisch essen zu müssen glaubt, wer grillt, wer sich Bratwurst reinschiebt oder eben verschämt Gummibären. Wir werfen nicht alle Fleischesser in einen Topf. Wenn jemand kein Gehacktes ist, sondern nur Gebratenes, schreiben wir das auch.

PPQ: Einen Gehacktesessen kann man härter angehen als einen Bulettenfreund?

Jakob: Das habe ich nicht gesagt. Bisher hat es jedenfalls keinen Fall gegeben, in dem einem geouteten Carnivoristen etwas passiert ist, was wir für unangemessen hielten. Wenn am Wohnort der Person warnende Flugblätter an die Nachbarn verteilt werden, finden wir das ausdrücklich gut. Und wenn Zeitungen doer Magazine beim Arbeitgeber eines Geouteten anruft und der dann den Job verliert, freuen wir uns.

PPQ: Sie legen auch peinliche Vorlieben offen. Finden Sie Persönlichkeitsrechte vernachlässigbar?

Jakob: Die Persönlichkeitsrechte von Carnivoristen interessieren uns tatsächlich nur wenig. Andererseits wollen wir aber auch nicht ablenken: Wir outen jemand, weil er ein gefährlicher Tieresser ist, und nicht, weil er Eigenheiten hat, die ihm peinlich sind, also schiefe Zähne oder einen Sprachfehler oder eine Rechtschreibschwäche. das wird genannt, um denjenigen zu treffen. Aber es steht nicht im Mittelpunkt.

PPQ: Aber Sie machen peinliche Details bekannt, weil Sie wissen, dass der Betroffene nun in Freundekreis und von seinen Kollegen verspottet wird …

Jakob: Etwas Zersetzung ist natürlich mit dabei. Aber wir erfinden nichts, sondern teilen nur Dinge mit, die wir belegen können.

PPQ: Geht es Ihnen auch um Einschüchterung?

Jakob: Ja. Wir zeigen mit den Kommuniqués, welchen Einblick wir in die Fleischesser-Szene haben. Und dass wir vielleicht noch viel mehr wissen.

PPQ: Sie schaffen ein Klima der Bedrohung, eine Stimmung, in der jeder damit rechnen muss, dass es auch ihn treffen kann.

Jakob: Das ist der Sinn der Sache. Das Tierwohl verlangt, dass wir mit harten Bandagen zurückfighten. Diese Leute töten, wir verletzen nur.

PPQ: Wie kommen Sie an Informationen?

Jakob: Wir googeln. Oder wir lassen und zu Grillparties einladen und machen dort Fotos. das ist nicht einfach für uns, der Geruch nach totem Tier allein macht depressiv. Oft laden die Leute gerade zu soclhen Parties persönlich ein. Und später fragen sie sich, woher wir das wohl wissen.

PPQ: Macht Ihnen das Sammeln solcher belastender Informationen Spaß?

Jakob: Natürlich. es ist, als würde man in die Haut seines Feindes schlüpfen. Wie die Stasi versuchen wir aber, effizient zu arbeiten. Und uns beim Sammeln von Informationen nicht zu verzetteln. Das Ausspionieren ist kein Selbstzweck. Es geht uns nicht um irgendwelche Trophäen.

PPQ: Arbeiten Sie mit Spitzeln aus der Carnivoren-Szene zusammen?

Jakob: Wir unterstützen keine Fleischesser, indem wir ihnen Geld geben.

PPQ: Sind Sie so etwas wie der Verfassungsschutz?

Jakob: Der Vergleich ist abwegig. Unsere Methoden ähneln sich, aber wir kämpfen für eine gute Sache. Der Verfassungsschutz dagegen verteidigt ein System, das Fleischessen bis heute nicht unter Strafe gestellt hat. Es kassiert sogar Steuern aus der Tötung von Tieren und dem Handel mit sterblichen Überresten.

Anmerkung: Jakob (Name geändert) ist Mitglied der Aktivgruppe "Clean out, come veggie", die von wechselnden Orten aus Fleischesser outet. Ungefähres Alter und etwaiges Geschlecht sind der Redaktion bekannt.