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Sonntag, 8. Januar 2017

Faken-Check: Experten-Netzwerk untersucht Spiegel-Beweisbericht

Behauptungen, basierend auf reiner Fantasie, aber meisterlich in Formulierungen verpackt, die gute Propaganda auszeichnen: Beim "Spiegel" verstehen sie ihr Handwerk
Neues vom Hexenhammer! Nachdem der "Spiegel" in seiner Jubiläumswoche exklusive Beweise für die Behauptung der US-Geheimdienste, sie hätten Beweise für ihre Behauptungen zu russischen Urhebern der E-Mail-Affäre der US-Demokraten vorgelegt hat, haben junge Fake-Forscher unter Leitung des Medienwissenschaftlers Hans Achtelbuscher eine forensische Untersuchung der vom "Spiegel" vorgelegten Thesen vorgenommen. Die Experten des An-Institutes für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung in Halle an der Saale bohrten dazu den gesamten Textkörper im Labor auf, extrahierten den Sinngehalt und legten die kondensierte Essenzanschließend auf die Bedeutungswaage.

"US-Geheimdienste Russland soll Mails über Umwege an WikiLeaks weitergegeben haben", überschreibt das frühere Nachrichtenmagazin seinen Text, dessen stärkste Behauptung der Satz ist "die US-Geheimdienste wissen nach eigenen Angaben, wer die E-Mails über die Demokraten an WikiLeaks weitergeleitet hat". Das gehe, so der "Spiegel", "aus einem von US-Präsident Obama angeordneten Geheimbericht hervor".

 Von Informationen freie Informationen

Die semantische Arabeske, die hier angedeutet wird - ein offensichtlich nicht geheimer Geheimbericht beinhaltet allein die von jeder Information freie Information, dass die Verfasser vorgeben zu wissen, was sie nicht belegen können - zieht sich in der Folge durch das gesamte Schriftwerk. Es ist ein einziges "wollen" und "sollen" und "wissen" und "Sichersein", dem im Inneren jede Substanz fehlt, wie Hans Achtelbuscher urteilt. "In den alten Zeiten des traditionellen Journalismus wäre jeder Schreiber, der mit so einem Häufchen unglücklicher Aneinanderreihungen von Annahmen ohne Quellen hochkantig aus dem Büro des Chefredakteur geflogen", glaubt der Medienanalytiker.

Heute reicht reine Fantasie, angereichert mit Verweisen auf Behauptungen. "Die US-Geheimdienste wollen die Akteure identifiziert haben, über die russische Hacker die erbeuteten E-Mails der Demokraten an WikiLeaks weitergegeben haben", lautet eine besonders prägnante Formulierung. Sie verwandelt das in dergleichen propagandistischen Textformaten gebräuchliche Absicherungs-Wording "sollen" (siehe auch "Solltologie") in ein "wollen", das im Deutschen auch als Synonym für beabsichtigen, anstreben, anzielen und wünschen genutzt wird. Hier wird also nicht von Fakten berichtet, sondern über Vorstellungen, Ziele und die Absicht, etwas so aussehen zu lassen, wie man es gern haben möchte.

Wunsch als Vater der harten Nachricht


Der Wunsch als Vater der harten Nachricht, nach der "sich die Geheimdienste sehr sicher sind, dass Russland hinter den Hackerangriffen steckt". Bei genauerer Betrachtung versteckt in diesem profund klingenden Satz eine weitere solltologische Klausel, die die absolute Könnerschaft der "Spiegel"-Mannschaft auf dem auf dem Gebiet der Fake News zeigt: Wie "jetzt" im journalistischen Gebrauch einen weiteren Zeitraum umfasst als etwa "heute" oder "diese Woche", bedeutet "sehr sicher" im Relativsprech der Klickkultur weniger sicher als ein einfaches "sicher".

Achtelbuscher erläutert das: "Sicher ist sicher, also einfach nur sicher, ohne Zweifel", sagt er, "sehr sicher dagegen ist weniger sicher, weil ,sehr" im Gegensatz zu seiner normalen Bedeutung hier  eine Steigerungsform zum Absoluten offenlässt."

 Der "Spiegel" untermauert dieses trickreiche Spiel mit semantischen Besonderheiten der deutschen Sprache auch im weiteren Verlauf. So heißt es etwa wörtlich: "Die erbeuteten Daten sollen vom militärischen Geheimdienst GRU über einen "verschlungenen Weg" zu WikiLeaks gelangt sein. So sollte die Quelle verschleiert werden."

Solltologie: Hörensagen verwandelt sich in Beweise


Offensichtlich sei, dass das hier inflationär verwendete "sollen" in der indirekten Rede dazu dient, die nicht belegbare Behauptung eines Dritten durch die Nichtaneignung als Hörensagen auszudrücken, dies aber auf eine Weise zu tun, die vollkommene Gewissheit ausdrückt.

Der "Spiegel", der seine angefügten "Indizien" ausnahmslos US-Zeitungen entnimmt, die offen zugeben, keine weiteren Fakten zu haben als quellenlose Angaben von ungenannten Geheimdiensten, zitiert in der Folge, indem er von einem "weiteren Indiz" spricht. Nur der aufmerksame Leser wird bemerken, das zuvor nicht einmal ansatzweise von einem Indiz oder gar mehreren Indizien die Rede war. Bleiben wird ihm jedoch der Eindruck, er habe, da ja jetzt von einem "weiteren Indiz" gesprochen wird, zuvor irgendwo sicher schon eines zur Kenntnis genommen.

Ein Meisterwerk eleganter Manipulation


Es ist schlicht ein Meisterwerk eleganter Manipulation, ein Nichts, das breitbeinig daherkommt und sich nicht einmal zu schade ist, eine abstruse Kette zu konstruieren, nach der die Freude russischer Regierungsmitglieder nach dem Sieg Donald Trumps, entdeckt in der "abgefangenen Kommunikation zwischen hohen russischen Beamten", nicht nur zeigt, dass russische Hacker die Podesta-E-Mails gehackt haben. Sondern auch, dass Wladimir Putin selbst den Befehl dazu gab. Hier assistiert der staatliche Fernsehsender ZDF, der in seinem Videotext zweifelsfrei von einem "Befehl" Putins zur Wahlbeeinflussung berichtet. Selbstverständlich, ohne irgendeinen beweis dafür vorzulegen.

Dass es "in dem Bericht nicht den einen eindeutigen Beweis geben, der den Vorwurf belegt, dass Russland Trump zum Wahlsieg verhelfen wollte" (Spiegel), findet sich in konsequenter Umsetzung des Auftragswerkes auch beim "Spiegel" versteckt am Ende des Beitrages. Wieder wird bewusst so formuliert, dass der Leser zur Auffassung kommen muss, die eben noch als "Indiz" bezeichneten Behauptungen hätten sich nun sogar noch in Beweise verwandelt, nur eben noch nicht "den einen eindeutigen".

Medienforscher Hans Achtelbuscher ist des Lobes voll über handwerklich "überaus hochwertige" Arbeit, die in Hamburg geleistet wird. "Es ist beeindruckend, wie es dort Mal um Mal gelingt, aus fehlenden Indizien, abwesenden Beweisen und widersprechenden Fakten ein Wunschbild zu zeichnen, auf das sich der unvorbereitete Leser zweifellos einlassen wird", sagt der Experte. Es sei kaum vorstellbar, dass ein unausgebildeter Konsument eines manipulativen "Spiegel"-Textes wie dem von ihm und seinen Forscherkollegen analysierten, "nicht rausgeht und sagt, ja, der Putin war das". Dies zeuge aus seiner Sicht von einer hohen kriminellen Energie, "von der man nur hoffen kann, dass sie sich auch finanziell auszahlt."




Kommentare:

Carl Gustaf hat gesagt…

"Im Auslegen seid frisch und munter/legt ihr's nicht aus, so legt was unter!" Goethe

Anonym hat gesagt…

Mann kann die ganze Angelegenheit drehen und wenden wie man will;
letztendlich sollte ein Geheimdienst in der Lage sein
Wahlbeeinflussung und Cyberangriffe etc. anderer Staaten
zu unterbinden und zu verhindern!
Wenn nun das ganze Beiwerk der Gleichung aufgelöst wird;
bleibt als Endresultat lediglich die Tatsache:
Falls den die Anschuldigungen gegenüber Russland der Wirklichkeit entspreche würde;
dass die Urherber dieses Kampagne sich damit gleich selbst als unfähig deklarieren !

Beim Schachspiel heisst diese Situation Schachmatt.

Anonym hat gesagt…

>ein Geheimdienst in der Lage sein
>Wahlbeeinflussung und Cyberangriffe etc. anderer Staaten
>zu unterbinden und zu verhindern!

Podesta und sein Team sind auf eine Phishing-Mail (Von Putin?) hereingefallen. Da nützt kein Geheimdienst, manche Leuten darf man einfach nicht in die Nähe eines Computers lassen.

ppq hat gesagt…

es ist noch einfacher. wäre es so leicht, mit ein paar hackern den ausgang einer wahl in den usa zu beeinflussen - wer würde diese möglichkeit wohl als erster nutzen? putin?

wäre es möglich, mit ein paar notdürftig zusammengenagelten fake-news-seiten nicht nur eine wahl zu entscheiden, sondern nebenbei auch noch millionär zu werden - wer täte das zuerst? ein teenager aus mazedonien?

aufgewachter hat gesagt…

Hacker stoppen Diätenzahlungen aller Bundestagsabgeordneten
https://aufgewachter.wordpress.com/2016/02/10/anonyme-hacker-stoppen-diaetenzahlungen-aller-bundestagsabgeordneten/