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Freitag, 28. Juli 2017

Doppelgänger für Martin Schulz: Gipfel der Verzweiflung

Big in Moskau: Martin Schulz versucht alles, um im Wahlkampf vorzukommen.
 Der Wahlkampfchef krank, die Umfragewerte im Keller, die ganze Offensive mit Plänen und Strategien umsonst, selbst der Griff in die Trickkiste der Populisten und der direkte Verweis auf Mao, den anderen große Steuermann der Linken, ergebnislos. Martin Schulz, gerade unterwegs, um die alte Achse Berlin-Rom zu schmieren, schafft es nicht einmal mehr mit Forderungen nach einer neuen Flüchtlingskrise und Verschwörungstheorien gegen die Kanzlerin in die Schlagzeilen. Die Verzweiflung in der Kampa ist groß, was außer nicht praxistaugliche Vorschläge zu machen kann der gescheiterte Kandidat denn noch tun?

Zu Tricks greifen, ganz tief in die Tasche mit den viralen Strategien. Hubertus Heil, der den Pro-Forma-Wahlkampf der SPD derzeit kommissarisch führt, muss auf die Idee gekommen sein, ein Bild des markanten Schulz-Schädels in die Werbeanzeige einer russischen Baufirma einzuschleusen. Schulz taucht im Abendblatt „Wetschernjaja Moskwa“ als Tim Erikson auf, Experte für Fensterrahmen und ständig unterwegs zwischen Russland und Schweden.

Ein Brückenbauer wie der Würselener also - und dessen derzeit größter Wahlkampfhit. Während Schulzens Reise nach Italien, wo er "eine solidarische Flüchtlingspolitik für Europa" forderte und den Vorwurf, bei dem Besuch handele es sich um ein Wahlkampfmanöver, empört zurückwies, nur ein überschaubares Echo fand, ging die Doppelgängernummer für SPD-Verhältnisse durch die Decke: "Martin Schulz, alter Schwede", jubelte der "Spiegel", "Martin Schulz macht unfreiwillig Werbung für russische Firma", empörte sich die Rheinpfalz.

Alle griffen sie auf einen DPA-Text als Vorlage zurück. Alle beließen es bei der Beschreibung des Doppelgänger-Falles, ohne dessen Hintergründe zu enthüllen: Martin Schulz, auch sechs Monate nach seiner Ernennung durch den damaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel noch weiten Teilen der Bevölkerung unbekannt, will ran an die Nichtwähler, die Postillon-Leser und sozialistisch sozialisierte Zuwanderer, deren Votum allein das Blatt noch zugunsten der SPD wenden und der deutschen Sozialdemokratie eine weitere Saison als Junior-Partner einer Großen Koalition sichern kann.


Oststudie: Freispruch für Dunkeldeutschland

So rechtsextrem war Deutschlkand im Mai, als die Fake-Studie unwidersprochen durch alle Medien ging.

Voodoo-Wissenschaft, die Hörensagen erforscht, fingerfertig mit eigenen Ansichten und passend ausgedachten Märchen ergänzt und das Ganze schließlich als "Studie zu Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland" für fröhliche 129 391,86 Euro an die sogenannte Ostbeauftragte der Bundesregierung verkauft. Unvorstellbar? Aber nicht im Staate der Postdemokratie, der sein Glück darin findet, sich selbst von einem Juristen, der einst seine schützende Hand über Jaques Chirac hielt, bestätigen zu lassen, dass eine Regierung ihre Grenzen öffnen und Schließen darf. Wenn sie will.

Bloß keine Pauschalurteile, es sei denn, sie treffen Sachsen, das war das Motto des vom "Institut für Demokratieforschung" an der Universität Göttingen erstellten Rundblicks auf einen Osten, wie ihn sich der Westen mangels eigener Anschauung vorstellt. Nach rund drei Dutzend Gesprächen mit im Kampf gegen rechts engagierten Aktivisten stand fest, dass die Erziehung in der DDR bis heute als entscheidender Faktor zur Verbreitung von Rechtsextremismus beiträgt.

Die DDR ist schuld


Die Sozialisierung unter Honecker, der ewiggestrige Wunsch nach einer eigenen Identität sowie ein irrationales Gefühl der Benachteiligung etwa bei der Vermögensbildung, den Durchschnittslöhnen und der Vertretung in Regierungen, Aufsichtsräten und Konzernvorständen lassen Ostdeutsche immer öfter zu rechtsextremistischen Feinden der Demokratie werden.

Iris Gleicke, als "Ostbeauftragte" der Bundesregierung berufen, der "Weltkanzlerin" (DPA) den ganzen Ärger mit dem Osten vom Hals zu halten, fand die Studie gut. Je mehr Probleme im Beritt, desto höher der Förderbedarf. Dass die von den Göttinger Wissenschaftlern nicht nur entdeckte, sondern in der Auswertung auch selbst vertretene gruppenbezogener Menschfeindlichkeit mit der Wahrheit über die Ostdeutschen so viel zu tun hat wie die verhetzende Berichterstattung des "Spiegel" mit den Ursachen der Flüchtlingskrise, störte Iris Gleicke nicht. Der Posten, allein die an Helmut Kohls mittlere Phase gemahnende Körperlichkeit der Ostbeauftragten signalisiert es, tut der früheren Bereichsingenieurin in der Flurneuordnungsbehörde Südthüringen richtig gut.

Beauftragt sein heißt leben, beauftragt sein heißt mitmischen, ohne betroffen zu werden. Nach den ersten Hinweisen auf den denunziatorischen und inquisitorischen Charakter der grob zusammengehauenen "Studie" hat Gleicke die in Westmedien wie der Süddeutschen Zeitung dazu verbreiteten Fake News verteidigt. Rund 22.000 gleichlautende Berichte in deutschen Medien ließen keinen Zweifel daran, dass jeder Zweifel an der Seriosität der erschütternden Studienergebnisse einer Aufkündigung des gesellschaftlichen Konsenses gleichkomme: Misstrauen, Neid, Rassismus, rechtsextreme Übergriffe, staatliche Diskriminierung, das sind ostdeutsche Phänomene, die durch "neue Konzepte für eine politische Bildung" ausgezüchtet werden müssen.

Gleicke und die Voodoo-Wissenschaft


Das war im Mai und Iris Gleicke stand wie ein Fels zur Voodooo-Wissenschaft. Erst jetzt hat die 53-Jährige es sich anders überlegt: In einem Brief an das Institut für Demokratieforschung an der Universität Göttingen kündigt sie den Konsens der Demokraten, dass immer wahr sein muss, was von allen für wahr gehalten wird. Und wirft den Ost-Forschern einen "Mangel an Sorgfalt", ein "mit den Grundsätzen wissenschaftlichen Arbeitens nicht zu vereinbaredes" Vorgehen und "schlicht nicht hinnehmbare Schlampereien" vor, "die bei einem so sensiblen und wichtigen Thema auch dann unentschuldbar wäre, wenn der Fehler auf bloßes redaktionelles Ungeschick zurückzuführen sein sollte.“

Davon ist nicht auszugehen, viel eher spricht vieles dafür, dass die Studie genau beinhaltete, was ihre Verfasser für hilfreich hielten. Generalisieren und stigmatisieren, subsummieren und alles mit der Malerbürste zeichnen, das gelang den "Forschern" des Göttinger Instituts für Demokratieforschung dann auch hervorragend. Erwartungshaltungen von Medien werden bedient, die legendäre tote Taube des ehemaligen Nachrichtenmagazins Der Spiegel wird von der Ente zum fetten Braten, an dem sich alle laben.

Symbolisch droht Iris Gleicke nun damit, die 130.000 Euro, die auch ostdeutsche Steuerzahler für die Fake-Studie über sich bezahlt haben, zurückzufordern.

Doch es wird nie wieder davon zu hören sein.

Donnerstag, 27. Juli 2017

"Spiegel": Steht die Türkei vor einem Touristenansturm?

Acht Prozent der Deutschen planen, in die Türkei zu fahren - ein Anstieg um rund 30 Prozent.

Ferien in der Türkei? Für die meisten Deutschen ist das derzeit zwar undenkbar, zeigt der eine Spigel-Umfrage. Doch was die daten wirklich verraten: Erdogans Despotie steht offenbar vor einem unerwarteten Ansturm an Touristen. Schon bald könnten die Besucherzahlen explodieren.


Im ersten Moment hört sich das nicht gut an. "92 Prozent der Deutschen wollen Türkei im Urlaub meiden", hat der "Spiegel" das Meinungsforschungsinstitut Civey in einer Umfrage herausfinden lassen. Wegen der aktuellen politischen Situation können sich nicht 79,8 Prozent der Befragten derzeit "auf keinen Fall" vorstellen, in die Türkei zu reisen. 12,2 Prozent beantworteten die Frage mit "eher nein".

Bleiben allerdings noch acht Prozent, die sich augenscheinlich darauf vorbereiten, ihre Ferien in der Türkei zu verbringen. Ein Hoffnungszeichen für das Regime in Ankara, das zuletzt einen Rückgang der Zahl der Besucher aus Deutschland von 5,6 auf nur 4,2 Millionen verzeichnen musste. Danach erst hatte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) im Zuge einer Neuausrichtung der deutschen Türkei-Politik Reise- und Sicherheitshinweise für die Türkei verschärfen lassen. Experten erwarteten eigentlich, dass das weitere Reisende von Flügen an den Bosporus abhalten wird.

Nun aber scheint alles anders zu kommen - dank der mutigen acht Prozent, die sich von Gabriels Warnungen nicht irritieren lassen. Treten sie alle ihre geplanten Türkei-Reisen an, stiege die Zahl der deutschen Türkei-Urlauber von 4,2 auf 6.5 Millionen. Glückliche Menschen, deren Mut belohnt wird. „Diejenigen, die dorthin gefahren sind, kommen braun gebrannt und mit einem Lächeln im Gesicht zurück“, beschreibt eine Reisebürochefin aus dem nordrhein-westfälischen Werl. "Bislang sind auch alle wohlbehalten wieder gekommen“, sekundiert einer ihrer Kollegen.



Leitmedien: Versagen nach Plan

Ein Volk, eine Medienlandschaft, eine Weltsicht: Deutschlands Zeitungen haben  zu einer großen Einheitlichkeit gefunden.

Das Krokodil beim Weinen, und es sind die Tränen der anderen, die da vergossen werden. Seit eine Studie des Leipziger Medienwissenschaftlers Michael Haller verdeulticht, wie sehr sich der Blick der Medien im Flüchtlingskrisenjahr 2015 an den Ansichten der politischen Eliten orientiert und den Blickwinkel der Bürger negiert hat, arbeitet Mediendeutschland sich auf seine ganz eigene Weise am Attest über das eigene Versagen ab.


Ver·sa̱·gen, Substantiv [das] Beispiel: "Der Unfall wird auf menschliches/technisches Versagen zurückgeführt."


Die "Zeit" etwa, seinerzeit ein Zentralorgan der Bundesregierung zur Verbreitung kanzlergenehmer Äußerungen, arbeitet sich am Umstand ab, dass Haller nur Tageszeitungen analysiert hat. Radiosender zeigen auf FAZ, SZ, Bild und taz, die "Tagesschau" grummelt ganz n eutral von "fehlender Neutralität in der Berichterstattung". Regionale Medien auf die überregionalen, die überregionalen dagegen attestieren sich selbst, einfach mal "kein Ruhmesblatt" verdient zu haben.

Kein Beinbruch


Kein Ruhmesblatt? Kein Beinbruch. Man war damals eben in Euphorie in den Redaktionsstuben, angesteckt vom "Wir schaffen das" der Kanzlerin und vollauf beschäftig, aller paar Tage ein "Zeichen" für die weltweit einmalige deutsche Willkommenskultur zu setzen. Zudem galt es den Kampf gegen "Hetzer, Hasser und Zweifler" (Claus Kleber) zu führen: Kritik musste ausgemerzt werden, indem sie totgeschwiegen oder zu ersten Blüten eines wiederaufsprießenden Faschismus erklärt wurde. Alle waren immer da, wo alle waren. Keiner widersprach. Selbst die zunehmende Geschwindigkeit bei der Erosion der eigenen Auflagen irritierte nicht: Die freiwillig übernommene staatspolitische Aufgabe, das widerborstige Volk zur unbedingten gefolgschaft zu erziehen, wo schwerer als das Eigeninteresse der ursprünglichen Mission von Medien, Macht zu kontrollieren und ihren Missbrauch aufzudecken.

Zwei Jahre danach nun wird diese Strategie zu einem Versehen, einem aus purer Begeisterung geborenen, verständlichen kleinen "Versagen" erklärt. "Überregionale wie auch regionale Zeitungen haben einer Studie der Hamburg Media School und der Universität Leipzig zufolge während der Flüchtlingskrise 2015 und 2016 zu unkritisch berichtet", seufzt ein Text der "Frankfurter Rundschau", die in den Tagen des akuten "Ansturms" (Seehofer) zu den eifrigsten Claqueuren einer schrankenlosen, kosmisch entgrenzten Politik des Merkelschen auf die Tür und hoch das Herz gehörte.

Nun heißt es sachlich bleiben und den kurzen Gewitterregen vorüberziehen zu lassen, der eine Botschaft bringt, die vielleicht für die Chefredaktionen, nicht aber für deren frühere Leser neu ist: Medien verstehen sich als Transmissionsriemen von der Regierung ins Volk, Korrespondenten, oft unheilvoll verkumpelt mit der Spitzenpolitik, schreiben „in einer Diktion, die persönliche Nähe, auch Vertrautheit zur politischen Elite suggeriert". Parteien und Redaktionen bilden ein Kartell, in dem Reporter als Stichwortgeber für die institutionelle Politik agieren, die dann wiederum auf sich selbst reagiert.

Wirklichkeit chancenlos


Ein geschlossener Kreislauf, in dem die wirkliche Wirklichkeit kaum eine Chance auf Darstellung hat. Die besseren Menschen an den Computertastaturen sehen sich nicht als Berichterstatter über, sondern als Mitgestalter von Ereignissen. Haller: „Bis zum Spätherbst 2015 greift kaum ein Kommentar die Sorgen, Ängste und auch Widerstände eines wachsenden Teils der Bevölkerung auf. Wenn doch, dann in belehrendem oder gegenüber ostdeutschen Regionen auch verächtlichem Ton." Wer nicht für uns war, war gegen uns - "Losungen der politischen Elite" wurden unkritisch übernommen und eine "euphemistisch-persuasive Diktion" des Begriffs Willkommenskultur verbreitet. "Wer dieser Regierungslinie skeptisch gegenübergestanden habe, habe sich in den Augen vieler Journalisten der Fremdenfeindlichkeit verdächtig gemacht", so Haller.

Herrscht nun aber Heulen und Zähneklappern? Reue gar und beginnt eine Suche nach den Ursachen für ein Systemversagen, das aus der ursprünglich liberalen deutschen Medienbranche einen einzigen Meinungspanzer machte, der eine einzige Sichtweise auf die Welt schoss? Die zufällig genau die Sichtweise ist, die sowohl die beiden Regeirungsparteien als auch die komplette Bundestagsopposition teilt?

Keineswegs. Da das Versagen kein Versagen war, sondern auf einem Plan beruhte, der der guten alten Propagandalosung folgte, dass jede Lüge nur ausreichend oft wiederholt werden muss, um zu einer Wahrheit zu werden, spielt die Bordkapelle nun eben ein anderes Lied mit derselben Begeisterung im selben Kollektivmodus.

Unser Kurs ist richtig, weil er richtig ist. Gute Nachrichten geben Rückhalt: Einer neuen Studie zufolge erreicht das Vertrauen der Mneschen in Medien gerade einen neuen Höchststand.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Finis Germania: Die angsteinflössende Zensurerklärung des "Spiegel"

Tass ist ermächtigt, zu erklären, dass Zensur mit guter Absicht gute Zensur ist.
Es war anders geplant. Die "Ausmerzung" (Franz Müntefering) von Rolf Peter Sieferles völkischem Bestseller "Finis Germania" von der "Spiegel"-Bestsellerliste sollte lautlos geschehen, unbemerkt und ohne öffentliches Aufsehen. Abgesprochen im deutschen Nachrichtenkartell war, dass niemand über die Lücke zwischen Platz 5 und 7 berichten wird.

Die „Aktion wider den deutschen Geist“, bei der erstmals seit Mai 1933 ein "antisemitisches, völkisch raunendes, verschwörungstheoretisches, rechtsextremes" Buch virtuell verbrannt hatte werden können, hätte zu einem schnellen Austrocknen der Nachbestellungen für das Machwerk geführt. Die Hände der Frauen und Männer am Trockner aber wären sauber geblieben.

Riss im Schweigekartell


Erst durch einen Riss im Schweigekartell wurde die aus staatspolitischer Verantwortung geborene Löschaktion öffentlich. Mit einer halben Woche Verspätung sprang die Meinungsmaschine an und listete Gründe auf, warum es richtig ist, ein "miserables" (Stern) Buch vor möglichen Lesern zu schützen.

Trotzdem: Die Chefredaktion des einstigen Nachrichtenmagazins wurde unruhig. Es ist kein Beinbruch, die eigene Arbeit im Nachrichtengeschäft überwiegend als Filteraufgabe zu sehen, bei der aus der Fülle vorhandener Informationen die jeweils den eigenen Vorstellungen dienenden ausgewählt und weitergegeben werden, während alles, was einem selbst nicht gefällt, kurzerhand dem grassierenden Platzmangel zum Opfer fällt.

Schlecht für den Ruf und die Reputation aber ist es, wenn der aus ideologischen Gründen um das Wissen um objektive Sachverhalten betrogene Konsument die Manipulation bemerkt. Dann schickt die "Spiegel"-Chefredaktion Susanne Beyer vor, die als einzige Frau in der Spitze des "Spiegel" immer ran muss, wenn es peinlich wird. Diesmal also soll die 48-Jährige begründen, warum es gut und richtig und für Deutschland absolut wichtig war, dass "Finis Germania" durch den einsamen Löschakt der Spiegel-Chefredaktion aus der Spiegel-Bestsellerliste genommen wurde.

Überschrieben ist der Text mit der schönen Zeile "Finis Germania und die Spiegel-Bestsellerliste", mit der Susanne Beyer augenzwinkernd an Zeiten erinnert, in denen es hieß: "Tass ist ermächtigt zu erklären". Damals war es die jeweilige Wahrheit, die das Politbüro beschlossen hatte. Heute muss ein Hetzer dran glauben, von dessen Werk Spiegel-Chef Brinkbäumer nach eigenem Bekunden immerhin die "wesentlichen Kapitel" (Brinkbäumer) gelesen hat.

Angsteinflößende Zensurerklärung


Danach war das Urteil klar. Und Beyer darf es nun erklären. PPQ dokumentiert die elegant formulierte wie angsteinflössende Zensurerklärung des "Spiegel, der sich auch bei historischen Themen als Medium der Aufklärung versteht" (Beyer), nachfolgend, weil sie deutlich macht, wohin Allmachtsfantasien bei Medien arbeitende Menschen führen können, die ihre Rolle missverstehen und vom Berichterstatter über Ereignisse zum kollektiven Organisator, Agitator und Propagandist im Leninschen Sinne zu werden versuchen.

Bei Amazon steht "Finis Germania" dank der hirn- wie hilflosen Bemühungen der "Spiegel"-Chefredaktion, das Buch totzuschweigen, den Autor zu desavouieren und Leser des Buches rundheraus zu Rechtsextremen zu erklären, inzwischen wieder auf Platz 1 der Verkaufscharts.

Der Originaltext, dessen Schlusspointe mit dem "von der Liste heruntergenommen" keineswegs zufällig an die Formulierung des DDR-Politbüro aus dem Jahre 1976 erinnert, die besagte, man habe dem Liedermacher Wolf Biermann „das Recht auf weiteren Aufenthalt in der Deutschen Demokratischen Republik entzogen." Es ist dieselbe Denkungsart, die in ähnliche Satzbausteine flüchten muss, um ihren totalitären Charakter zu verschleiern.

"Viele diskutieren..."
 
Viele diskutieren, warum die Chefredaktion des Spiegel den Titel "Finis Germania" aus der SPIEGEL-Bestsellerliste genommen hat - hier erklärt die stellvertretende Chefredakteurin Susanne Beyer den Vorgang.

Die Spiegel-Chefredaktion hat sich entschieden, das Buch "Finis Germania" des Autors Rolf Peter Sieferle von der Bestsellerliste zu nehmen. Die Spiegel-Bestsellerliste stützt sich auf Verkaufszahlen, wird aber vielerorts als Empfehlungsliste verstanden. Eingriffe in die Bestsellerliste sind den Regularien zufolge möglich, allerdings selten.

Uns erreichen dazu Anfragen. Darum möchten wir erklären, warum wir uns in diesem Fall zu diesem Schritt entschlossen haben.

Unser Kollege Johannes Saltzwedel hatte das Buch "Finis Germania" für die "Sachbücher des Monats" empfohlen, diese Empfehlung wurde Anfang Juni veröffentlicht. Die Liste der "Sachbücher des Monats" wurde über 20 Jahre lang von NDR Kultur gemeinsam mit der "Süddeutschen Zeitung" und mit Unterstützung des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels erstellt. Die Empfehlung des Kollegen hat innerhalb der Jury der Bestenliste erhebliche Verwerfungen ausgelöst.

Johannes Saltzwedel trat daraufhin aus der Jury aus. Spiegel online veröffentlichte am 12. Juni 2017 einen Text in eigener Sache mit einem Zitat des Spiegel-Chefredakteurs Klaus Brinkbäumer: "Ich habe nach der Lektüre der wesentlichen Kapitel kein Verständnis dafür, dass der Kollege Saltzwedel dieses Buch empfohlen hat, und wegen des entstandenen Schadens begrüße ich seinen Rücktritt aus der Jury."

In der Spiegel-Ausgabe 25 hat Sebastian Hammelehle, stellvertretender Ressortleiter Kultur, eine Rezension von "Finis Germania" geschrieben und das Buch als "völkische Angstfantasie" bezeichnet. Ich habe in einem zweiten Text, wiederum in eigener Sache, aus Sicht der Chefredaktion die Vorgänge geschildert und das Buch als "rechtsradikal, antisemitisch und geschichtsrevisionistisch" bewertet. Der Spiegel, der sich auch bei historischen Themen als Medium der Aufklärung versteht, will den Verkauf eines solchen Buches nicht befördern.

Das Buch "Finis Germania" hat in der Spiegel-Bestsellerliste von Heft 29 Platz 6 erreicht. Ohne die Empfehlung unseres Kollegen hätte das Werk des im vergangenen Jahr verstorbenen Autors es unserer Einschätzung nach nicht in die Liste geschafft; das Buch ist in einem kleinen und durch rechtsextreme Publikationen geprägten Verlag erschienen. Insofern haben wir in diesem Fall eine besondere Verantwortung. Deswegen haben wir das Buch in Heft 30 von der Liste heruntergenommen.



Alarmglocken bei Menschenrechtlern: Es wird eng im deutschen Internet

Auch die Tagesschau berichtet von den spektakulären Protesten.

Russische Abgeordnete kopieren ein deutsches Gesetz gegen Hasskommentare in sozialen Netzwerken – und auf einmal schrillen bei Human Watch Rights die Alarmglocken. Die internationale Menschenrechtsorganisation sieht in den neuen Netzregeln ein Instrument, dass sich “vor allem gegen Regierungskritiker“ richten könnte.


Nach Deutschland schränkt auch Russland schränkt die freie Rede im Internet massiv ein, überwacht Online-Aktivitäten in einer Weise, die in die Privatsphäre eingreift, und verfolgt Kritiker unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den Extremismus, soHuman Watch Rights in einem heute veröffentlichten Bericht.

Germany´s  Assault on Freedom of Expression


Der 83-seitige Bericht „Online and On All Fronts: Germany´s  Assault on Freedom of Expression“ dokumentiert, wie die Behörden hierzulande ihre Versuche intensiviert haben, das Internet unter größere staatliche Kontrolle zu bringen. Seit dem Jahr 2012 hätten die Polizei, Staatsanwaltschaft und regierungsinstitutionen oft ungerechtfertigterweise Dutzende Personen strafrechtlich verfolgt, wegen Posts in den sozialen Medien, Videos, Medienberichten und Interviews. Zudem schalteten sie Websites und Portale ab oder blockierten den Zugang zu ihnen.

Die Behörden hätten außerdem eine Reihe repressiver Gesetze im Parlament durchgesetzt, die Online-Inhalte und -Infrastrukturen regulierten. Diese Gesetze verschafften der Regierung vielfältige Möglichkeiten, den Zugang zu Informationen einzuschränken, ihn unbeaufsichtigt zu überwachen und Informationen zu zensieren, die die Regierung als „extremistisch“, „traditionellen Werten“ widersprechend oder anderweitig schädlich einstuft.

„Der Staat greifen die Meinungsfreiheit an“, so Kertsen Heiler, Deutschland-Expertin bei Human Watch Rights, nachdem der Bundestag die sogenannten Maas-Gesetze beschlossen hat, mit denen die Bundesregierung „Hetze, Hass und Zweifel" (Claus Kleber) an der Regierung in Deutschland zurückdrängen will. „Diese Gesetze führen nicht nur eine harte Politik ein, sondern stellen auch eklatante Menschenrechtsverletzungen dar.“

Human Watch Rights schaut genau hin


Deutschland, fordert Human Watch Rights, müsse die repressiven Gesetze, die in den vergangenen Jahren verabschiedet wurden, zurückziehen, Kritiker nicht länger unter dem Deckmantel der Extremismusbekämpfung verfolgen und seine internationale Verpflichtung einhalten, die Meinungsfreiheit zu schützen, so die Menschenrechtler.

Der Bericht beruht auf Interviews mit mehr als 14 Anwälten, Journalisten, Herausgebern, politischen und Menschenrechtsaktivisten, Experten, Bloggern und Familienangehörigen. Er analysiert Gesetze und von der Regierung erlassene Richtlinien mit Bezug auf Internet-Inhalte und die Meinungsfreiheit sowie Anklageschriften, Gerichtsurteile und andere für einzelne Fälle relevante Dokumente.

Einige Gesetze zielten offensichtlich darauf ab, den Raum für öffentliche Diskussionen zu begrenzen, auch im Internet, folgern die Menschenrechtsschützer. Das betreffe insbesondere Themen, die die Behörden als kontrovers oder sensibel betrachten, etwa der bewaffnete Konflikt in der Ukraine, Russlands Rolle im Syrien-Krieg, die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin sowie öffentliche Proteste gegen Waffenlieferungen an Saudi-Arabien und anderes politisches und zivilgesellschaftliches Engagement.

Doch Einschränkungen der Redefreiheit, warnt Human Watch Rights, verhinderten stets öffentliche Auseinandersetzungen und nähmen allen Personen ihre Stimme, die unzufrieden sind mit der anhaltenden Finanzkrise, den Mini-Zinsen oder der deutschen Unterstützung für absolutistische absolutistische Regimes.

„Es gibt Dutzende Fälle, bei denen die Betroffenen buchstäblich ins Gefängnis gesteckt wurden“, so Hans Weber, ein Enthüllungsjournalist und Experte für Internetfreiheit in Deutschland gegenüber Human Watch Rights. „Das wirkt sich natürlich darauf aus, auf welchem Niveau und wie frei in den sozialen Medien diskutiert wird.“

Privatsphäre unterminiert


Andere Gesetze unterminierten die Privatsphäre und Sicherheit von Internetnutzern, indem sie eine anlasslose und grenzenlose Datenspeicherung einführten, den Zugang zu Informationen ungerechtfertigt einschränkten und gewährleisteten, dass den Behörden zum Teil ohne richterliche Prüfung umfangreiche Daten zugänglich gemacht werden können, auch vertrauliche Nutzerinformationen.

Gerade erst hatte der deutsche Bundestag eine Reihe von Gesetzesänderungen im Zusammenhang mit der Terrorismusbekämpfung beschlossen, durch die Telekommunikations- und Internetunternehmen verpflichtet werden, Metadaten zu speichern. Dieses Gesetz erleichtert es den Behörden, ohne richterliche Prüfung Nutzer zu identifizieren und auf persönliche Informationen zuzugreifen, was nach Meinung von Kritikern einen ungerechtfertigten Eingriff in die Privatsphäre und die Meinungsfreiheit darstellt.

Ein anderes Gesetz, parallel beschlossen, verlangt, dass Nutzer von Internet-Messaging-Diensten wie WhatsApp oder Telegram jederzeit ausspioniert werden dürfen - und das auch schon beim Verdacht auf Bagatelldelikte.

„Die Bundesregierung kontrolliert damit de facto die traditionellen Medien, aber unabhängige Internetnutzer konnten Regierungsmaßnahmen noch offen kritisieren“, so Weber. „Diese Tür wird nun auch noch geschlossen.“

Die Behörden nutzten dabei zunehmend vage und übermäßig breite Anti-Extremismus-Gesetze gegen Personen, die kritische Ansichten über die Regierung äußerten, und hätten in manchen Fällen sogar Kritik an der Regierung mit Extremismus gleichgesetzt. Die Gesetze zur Extremismusbekämpfung, die in diesem Jahr in Kraft getreten sind, dienten nun dazu, die Zahl der Verfahren wegen extremistischer Straftaten, insbesondere im Internet, weiter zu erhöhen.

Aus 0,0046 Prozent werden 176 Prozent


Aus Daten des Bundesblogampelamtes (BBAA) im mecklenburgischen Warin geht hervor, dass im Jahr 2015 3.084 sogenannte "Hass-Straftaten" angezeigt wurden. Die Quote der Hasskriminalität im Netz liegt damit bei verschwindenden 0,0046 Prozent. Die Regierung habe deshalb argumentiert, es liege ein Anstieg "um 176 Prozent" vor.

Human Watch Rights will das nicht dulden. Deutschlands internationale Partner sollten vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und dem Europarat ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck bringen, dass Berlin die Redefreiheit einschränkt, und dieses Thema auch bei bilateralen Gesprächen mit der Bundesregierung ansprechen.

Große Internetunternehmen, die in Deutschland aktiv sind, etwa Twitter, Facebook, Microsoft und Google, sollten die Anforderungen der Bundesregierung, Inhalte zu zensieren und Nutzerdaten herauszugeben, nicht Folge leisten, wenn das zugrundeliegende Gesetz oder eine spezifische Anfrage internationalen Menschenrechtsstandards widerspricht. „Die deutsche Regierung stellt Kritiker als Extremisten dar. So schafft sie ein Klima der Angst und befördert Selbstzensur“, so Ralf Weber. „Die Menschen in Deutschland sind heute unsicherer denn je, was die Grenzen akzeptabler Rede sind.“


Dienstag, 25. Juli 2017

Judenfeindlichkeit: Kakophonie des Antisemitismus

Deutsche Medien 2017: Israel ist an allem schuld, die palästinensische Seite taucht als handelnder Akteur gar nicht auf.
Wenn eines Tages das Ende der Zeiten gekommen ist, wenn Gott es genug wird sein lassen mit Martin Schulz und Merkel, Trump, Putin, Erdogan und all den anderen Unterhaltungsangeboten für die weltweite Info-Elite: Dann wird er die Seinen zu sich holen und tun wird er das im Heiligen Land aller wichtigen Medien-Religionen: Das Christentum liefert die Missbrauchsskandale, die Islam den Terror, die Juden aber, die sind verantwortlich für die seit Millionen Jahren anhaltende „Eskalation zwischen Israelis und Palästinensern“ (Spiegel), die ihre Akteure ernährt, Heere von Helfern und ganze Armeen von Berichterstattern, die ihre Grundausbildung in Lagern erfahren, in denen nur eine Lektion gelehrt wird: Nenne Israel immer zuerst!

So geschieht es dann auch in der packenden Schreibtischreportage „Ein Berg voll Hass“, in der es einem Dominik Peters mit dem Fingerspitzengefühl eines Meisters modernster Demagogie gelingt, Sätze aneinanderzureihen, die vermeintlich nicht unwahr sind, in Wirklichkeit aber gegen jede logische Regel alle Ereignisse von hinten nach vorn erzählen. "Kakophonie des Antisemitismus", würde die führende deutsche Netzaufseherin Anetta Kahane es vielleicht nennen, wäre es nicht der "Spiegel".

„Nach dem tödlichen Angriff auf zwei israelische Polizisten in Jerusalem errichteten die Behörden Metalldetektoren an den Eingängen zum Tempelberg und änderten damit den Status quo der heiligen Stätte“, heißt es da um gar keinen Zweifel aufkommen zu lassen, dass Israel einen tödlichen Angriff auf zwei Polizisten natürlich hinzunehmen hat. Die Palästinenser aber verständlicherweise durchdrehen, wenn Israel Metalldetektoren aufbaut. Denn „das ist nicht hinzunehmen“, folgert Peters.

Auslöser für den „Konflikt“, der selbstverständlich einer „zwischen Israelis und Palästinensern“, nicht zwischen „Palästinensern und Israelis“ ist, war nach dieser Art Erzählung eben gerade nicht die Ermordung der Polizisten. Sondern ein „Ausbruch der Gewalt“, ausgelöst - selbstverständlich - von den Juden: „Israelische Sicherheitskräfte erschossen zunächst vier Palästinenser bei Demonstrationen rund um die Altstadt von Jerusalem“, formuliert Peters. Dann erst „erstach ein junger palästinensischer Attentäter drei Israelis in der Siedlung Halamisch im Westjordanland“.

Notwehr sozusagen. Der Jude hat es wieder übertrieben. Traurig, aber wahr. Und das überall. „Israel und Palästina nehmen die Eskalation in Kauf“, schimpft die SZ, ein wenig mehr auf die, die im Satz vorn stehen. „Israel nimmt 25 Palästinenser fest“, legt die "Zeit" nahe, wer hier wie eskaliert. Die Taz ist sicher: „Israel verschärft die Situation“. Auch bei Euronews muss die Geschichte nach der Drehrumbum-Regel erzählt werden: Israel first!.

Israel steht vorn - und jeder weiß sofort: Israel ist der, der handelt. Die Palästinenser stehen hinten. Die werden behandelt, die können gar nichts machen, denn die können gar nichts dafür.

PPQ-Archiv:
Israel in deutschen Medien: Die Drehrumbum-Regel - leicht erklärt
Schieß du - ich bins gewesen

"Spiegel"-Enthüllung: Das Nachrichtenkartell

Könnte Leser irritieren: Der aktuelle Titel des "Spiegel" enthüllt, woher all die gleichlautenden Nachrichten kommen.

Harter Tobak, den das renommierte Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" da in dieser Woche auf seinem Titel präsentiert: "Das Kartell" heißt es da, Unterzeile "Enthüllt: Die geheimen Absprachen der Medienkonzerne".


Das Hamburger Blatt, geplagt von Auflagenrückgang und Glaubwürdigkeitsverlust, rührt damit an eines der letzten Tabus der deutschen Medienlandschaft. Bisher galt es als ausgemacht, dass das Schweigen der überregionalen Blätter zu den Gewaltexzessen bei der WM 2006 ebenso auf einem reinen Zufall beruhte wie die 2011 von allen deutschen Zeitungen und Nachrichtenportalen verbreitete Meldung, dass "viele EHEC-Tote nicht mehr ganz gesund" werden würden.

Überall dieselben Fake News 


Auch das anfänglich kollektive Schweigen der Medien nach den Silvesterereignissen von Köln, die Erfindung einer angebliche mazedonischen Fake-News-Fabrik, die Trump zum US-Präsidenten gemacht habe, die Anfang des Jahres urplötzlich in allen Redaktionsstuben ausgebrochene Schulz-Euphorie oder die überall gleichzeitig vorgenommene Ernennung von Angela Merkel zur "Weltkanzlerin" (oben) galten als Resultat angestrengter investigativer Recherchen. Sie seien, glaubten Medienwissenschaftler, aus Gründen der Aktualität in allen führenden Verlagshäusern gleichzeitig in Angriff genommen und beendet worden.

Der "Spiegel" legt nun nahe, dass die Wahrheit ganz anders aussieht. Angeblich stehen Zeit, FAZ, Welt, taz, FAZ, Focus, Spiegel, ARD, ZDF und hunderte weitere Nachrichtenhersteller im Verdacht, tagtäglich tausende Meldungen der sogenannten Nachrichtenagentur DPA ungeprüft und ohne Gegenrecherche zu übernehmen. Weit in der Vergangenheit habe es dazu - öffentlich bis heute kaum bekannte - Absprachen  zwischen den Pressehäusern gegeben, nach denen gegenseitig akzeptiert wird, dass DPA-Meldungen ungeprüft  und wie selbstrecherchiertes Material verwendet werden.

Obwohl die Deutsche Presse-Agentur GmbH, zu deren 185 Gesellschaftern ausschließlich die abnehmenden privaten und öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen gehören, erst im Februar eine antisemitische Verschwörungstheorie verbreitet hatte, nach der US-Präsident "Trump von einflussreichen jüdischen Parteispendern auf den Thron gehoben" worden sei, funktioniere das geheimgehaltene Kartell großer und kleiner Zeitungen, Webseiten, Fernseh- und Rundfunksender bis heute ungestört weiter.

Nachrichtenaustausch seit fast 70 Jahren


Nach "Spiegel"-Erkenntnissen soll es um Nachrichtenaustausch in allen Bereichen gehen, um Politik, Sport, Wissenschaft und mehr: Die deutschen Nachrichtenhersteller haben danach bei einer erstaunlich langen Reihe von Themen jeweils gleichlautend berichtet. Der Ablauf ist immer derselbe. Nachrichtenagentur DPA fungiert als Teilchenbeschleuniger zwischen den Stichwortgebern: Das exklusive Opfer-Interview bei „Kerner“ geht vorab als Pressemitteilung raus, die „Bild“ macht mit einem Kommentar der weinenden Mutter ein Drama draus, das geht über DPA an alle angeschlossenen Funkhäuser und spätestens am nächsten Tag im selben Wortlaut in alle angeschlossenen Wohnzimmer.

Das Magazin nennt Beispiele - etwa das der DPA-Bundeswehrreportage, die frei erfunden war, aber bundesweit sehr gut lief. Oder das der "Ehec-Toten", die Schlagzeilen machten, als DPA allen angeschlossenen Abspielstationen kabelte, viele von ihnen würden wohl "nie wieder gesund".

Dem Nachrichtenmagazin zufolge verlassen sich deutsche Medienhäuser schon seit 1949 in weiten Teilen auf Hörensagen. Um das intern Wahrheitskartell genannte System zu decken, habe man eigens ein sogenanntes "Agenturprivileg" erfunden, das die jeweilige Zeitung, den Sender oder die Internetseite von jeder Verantwortung für verbreitete Falschmeldungen freispricht. Nachrichten, Filme und Fotos, die von DPA kommen, können danach ungeprüft an Endverbraucher übermittelt werden, sie müssen vor der Weiterverbreitung nicht auf Richtigkeit noch auf Schlüssigkeit geprüft werden, weil das Kartell sich darauf geeinigt hat, dass alles, was von DPA kommt, alternativlos wahr sein muss, schon allein, weil es alle gleichlautend so melden.

Was über den sogenannten Ticker kommt, ist damit unabhängig von Relevanz, Wahrscheinlichkeit oder unklarer Quellenlage amtliche, in Bild und Text geronnene Wahrheit, die niemand auf Tragfähigkeit prüfen muss.

Laut "Spiegel" gängige Praxis, keine absurde Gleichschaltung, wie sie verschwörungstheoretische Blogs bisher vermuteten. 



Montag, 24. Juli 2017

Finis Germania: Erst verschwinden Bücher, dann verschwinden Menschen

Nach Platz 5 folgt Platz 7. Platz sechs wurde diesmal wegen Volksgefährdung nicht vergeben.
Ein Fest für Feinde der Demokratie und Gegner der Meinungsfreiheit! Eben noch schaffte Rolf Peter Sieferles "antisemitisches, völkisch raunendes, verschwörungstheoretisches" (Tagesspiegel) Buch „Finis Germania“ den Sprung auf die "Spiegel"-Bestsellerliste. Und kaum stand es da, dorthin geschoben von Rekordverkäufen nach einer deutschlandweiten Werbekampagne in sämtlichen Leitmedien, war es auch schon wieder nicht mehr da.

Auf Platz 6, der Sieferle zustände, klafft nicht nur eine brüllende Lücke, nein, es gibt diesen Monat gar keinen Platz 6. Der "Spiegel" hat, um Schaden vom deutschen Volk abzuhalten, seine Bücherhitparade gereinigt, geputzt und sandgestrahlt. Auf Platz 5 ist eine Andrea Wulf, auf Platz 6 ein Buch über einen Pinguin, danach folgt schon Platz 7 mit "Wer wir waren" überschriebene Rede des verstorbenen Linksintellektuellen Roger Willemsen. Sieferle? Fehlanzeige. Obgleich sich Spuren seiner Platzierung in der unredigierten Fassung der Bestenliste finden.

Ein einmaliger Fall, denn selbst im vergangenen Jahr, als Adolf Hitler mit seinem Buch "Mein Kampf" noch einmal einen späten Bestseller landete, sah die Spiegel-Redaktion keinen Grund, ihn nicht in der "Spiegel"-Liste zu erwähnen.

Hitler geht, Sieferle nicht. Eine freiheitliche Demokratie entschließt sich damit kollektiv, "bedenkliche Positionen" eines "bei der Neuen Rechten gelandeten" (Blick nach rechts) Denkers mit dem ultimativen Bann zu belegen: Der Radiergummi merzt das Werk aus, auf dass der gesunde Volkskörper nicht mit ihm in Berührung komme und daran verderbe.

Erst verschwinden Bücher, dann verschwinden Menschen, doch nicht einmal das Verschwinden des Buches hinterlässt eine Fährte. Als wäre es Alltag in einem freien Land, dass das führende Nachrichtenmagazin eine nach objektiven Kriterien zusammengestellte Bücherhitliste nach subjektivem Befinden nachschwärzt, Bücher aussiebt und - vielleicht demnächst - Favoriten eigener eigener Wahl hinzufügt, geht der unerhörte Vorgang ebenso lautlos durch wie jüngst das regierungsamtliche Eingeständnis, dass Journalisten in Deutschland über zehn Jahre hinweg ohne ihr Wissen und ohne jede Rechtsgrundlage von BKA-Beamten observiert, ausspioniert und bei der Ausübung ihres Berufes kontrolliert worden sind..

In postdemokratischen Zeiten, in denen selbst führende linke Politiker glauben, wieder in die dumpfe nationale Trompete blasen zu müssen, wird der demonstrative Kampf gegen rechte Symbole zum Ausweis eigener "anständiger Gesinnung" (Die Zeit). Weil München eine "bunte" Stadt sein will, muss ein italienischer Wirt sein Restaurant dichtmachen. Weil Juden sich nicht noch einmal ohne Gegenwehr abschlachten lassen, darf niemand mehr ein Radiohead-Konzert besuchen. Und weil es schwer ist, mit einem Toten wie Rolf Peter Sieferle zu rechten, muss sein Buch links liegenbleiben.

Abgesehen von der "Welt", in der Henryk M. Broder den PPQ-Text über das verschwundene Buch vorstellt, gibt es auch vier Tage nach dem Bekanntwerden der Löschaktion keinen einzigen Medienbericht in ganz Deutschland, der das Geschehen schildert.

Dafür ist "Finis Germania" mittlerweile wieder auf Platz 4 der Amazon-Verkaufshitparade vorgerückt.

Martin Schulz: Macht gegen Moral - Jetzt fällt das letzte Tabu

Ironiker in der SPD-Wahlkampfzentrale vermarkten Martin Schulz inzwischen verzweifelt als "großen Steuermann".

Vor Monaten schon hatten sich die Koalitionsparteien CDU, CSU und SPD über den Ablauf des anstehenden wahlkampfes geeinigt. Man würde über allerlei reden, Investitionen, Bildung, Renten, vielleicht sogar Steuern. Aber grundsätzlich müsse, so der sogenannte kleine Wahlkampfgipfel im Arbeitszimmer der Kanzlerin, das in diesen Tagen einzig wirklich schwerwiegende Thema außen vor bleiben. Kein Wort zur Flüchtlingskrise, zur Politik der offenen Grenzen, zur grundstürzend veränderten Sicherheitslage im Land und zu deren Ursachen.


Vereinbar war, dass Angela Merkel den Wahlkampf von der Spitze bestreitet, indem sie auf die vielen Vorteile verweist, die ein konsequenten Festhalten am "Hades-Plan" der Gründerväter des vereinigten Europa für Deutschland habe. Martin Schulz hingegen würde die Rolle des vergebens um Aufmerksamkeit kläffenden Herausforderers spielen und sich auf der Zielgeraden eines bis dahin kaum wahrnehmbaren wettbewerbs um Wählerstimmen weinerlich darüber beklagen, dass Angela Merkel eine Taktik der asymentrischen Demobilisierung betreibe. Sie fordere immer dasselbe wie er, selbst radikal rechtspopulistische SPD-Parolen zur inneren Sicherheit würde die CDU wie selbstverständlich kopieren.

Populist ohne Fortune


Schulz ratlos, ein Populist ohne Fortune, unfähig, ein Thema zu finden, mit dem er die in der Bevölkerung durchaus vorhandene Unzufriedenheit mit der ewigen Kanzlerin Angela Merkel in eigene Wählerstimmen umsetzen kann. Hoffnungslos dümpelte der Hoffnungsträger bei Umfragewerten, die seinerzeit selbst einen Peer Steinbrück den Kopf gekostet hätten. Als alter Politbürokrat weiß Schulz natürlich: Der Wahltag wird auch der Tag der Abrechnung meiner Partei mit mir. Statt eine Ära im Zeichen des "Gottkanzlers" (Spiegel) aller Deutschen zu eröffnen, droht eine schnelle Abschiebung auf einen unbedeutenden Posten bei den Freidrich-Ebert-Stiftung, dem sozialdemokratischen Medienimperium DDVG, Gazprom oder einem anderen mit der Partei verbundenen Unternehmen.

Eine Situation, die der Kämpfer Martin Schulz offenbar nicht zu akzeptieren bereit ist. Offenbar sieht der Zählkandidat der deutschen Sozialdemokratie für die anstehende Wahlsimulation sich selbst wikrlich als den "großen Steuermann" (oben), als den ihn einige Ironiker in seinem Wahlkampfteam derzeit in offenkundig bereits finaler Verzweiflung anpreisen.

Und so hat Schulz jetzt gezielt das letzte Tabu gebrochen, das zwischen ihm und einem Wahlkampf mit der Kanzlerin stand: Schulz, augenscheinlich außer Rand und Band, kündigt das Stillhalteabkommen mit dem regierungspartner. Und "greift Angela Merkel in der Flüchtlingsfrage an!" (Spiegel)

 Schulz' zynische Angstkampagne


Es ist das Ende der Zivilisation, das Ende des symbolischen Wettstreits um das "Wie" des im Konsens verteidigten "Wir schaffen das" zugunsten einer zynischen Angstkampagne, die den Menschen im Land unverhohlen mit einer "Wiederholung" des staatlichen Kontrollverlustes von 2015 droht.

Martin Schulz ist es dabei auch recht, Deutschland gezielt gegen andere EU-Länder auszuspielen. Gegen "finanzielle Unterstützung von der EU-Kommission" (Schulz), die die nötigen Mittel zuvor bei den Mitgliedsstaaten einsammeln würde, sollen andere EU-Länder Italien Flüchtlinge abnehmen. Deutschland bleibt nach Schulzens Plänen außen vor. Mit der Zielvorgabe "jetzt sind die anderen EU-Mitgliedsstaaten dran" versucht der 62-Jährige, am rechten Rand zu punkten und ehemalige SPD-Wähler von der AfD zurückzugewinnen.

Durchsetzen will der Merkel mit Bart seine Idee mit harter Hand. Schulz weiß, viel Deutsche sind des gegenwärtigen Europas müde, sie fühlen sich als Zahlmeister und Auffangbecken für all die, die andere Länder nicht aufnehmen wollen. Wenn er erst Kanzlerin sei, so droht der frühere EU-Parlamentspräsident, gebe es kein Geld mehr für EU-Länder, die sich weigern, Migranten aufzunehmen. Verträge, die entsprechende Maßnahmen verhindern, will Martin Schulz brechen, den europäischen Konsens von Einstimmingkeit oder wenigstens qualifizierter Mehrheitsnetscheidung einseitig aufkündigen und durchregieren.

Ein zynischer Plan, mit dem Schulz zeigt, dass er auf dem Weg zur Macht bereit ist, auch das Leiden von Millionen Migranten kalt zu instrumentalisieren. Der Versuch des früheren Bürgermeisters von Würselen, das auf seiner Internetseite aktuelle Flüchtlingsinfos aus dem Sommer 2016 bereithält, Flüchtende und Geflüchtete, Menschen, die länger hier leben und die, die länger hier leben wollen, gegeneinander auszuspielen, zeigt, dass Schulz keine Skrupel und kein Mitgefühl kennt, wenn es um seine eigenen Interessen geht.

Der rechte Führer zur rechten Zeit


Bei allem, was dagegen spricht: Vielleicht ist der egozentrische, machtversessene und von grenzenlosem Opportunismus beseelte Parteisoldat der rechte Führer zur rechten Zeit.

Sonntag, 23. Juli 2017

Wirtschaftspolitik 6.0

Die Regierung hat beschlossen, die Inflation durch Preiserhöhungen zu bekämpfen, damit die Nachfrage sinkt, und zugleich auch die Preise zu senken, um die Nachfrage zu steigern und die inflationäre Preisentwicklung zu fördern, die wir bekämpfen wollen, indem wir die Nachfrage dämpfen, um die Nachfrage zu erhöhen, wodurch die Preise wieder steigen. Darin besteht doch wohl bei Licht besehen die derzeitige Wirtschaftspolitik?

Ich weiß nicht.

Wissen Sie es wirklich nicht, oder vermuten Sie nur etwas?

Ich weiß ganz genau, dass ich es nicht weiß.

Wie werden sich Ihrer Ansicht nach die Arbeitslosigkeit und der Markt in nächster Zeit entwickeln?

Ich weiß es nicht.

Sie haben da keine Ansicht?

Das stimmt.

Gibt es jemand in der Regierung, der darüber was weiß?

Über meine Ansicht?

Ich ziehe die Frage zurück.

Wie steht es um unsere Bündnisse? Falls sie wirklich alle durch Bestechung, Zwang, Aufwiegelung und Korruption jeder Art zustande gebracht wurden, werden sie dann in einer Krise oder bei einem Wechsel der beteiligten Regierungen bestehen?

Lieber Himmel, das weiß ich doch nicht.

Weiß es vielleicht sonst jemand in der Regierung?

Was?

Irgendwas.

Wiederholen Sie Ihre Frage bitte.

Irgendwas?

Soll das die Frage sein?

Ist das die Antwort?

Ich weiß nicht.

Meine Frage habe ich vergessen.

Dann ziehe ich meine Antwort zurück.

Vielleicht hat der Präsident begründete Ansichten über das, was hierzulande und in der übrigen Welt vorgeht?

Ich weiß nicht.




Joseph Heller, Gut wie Gold, 1976



Insektenmord: Instrumentalisierung zu Wahlkampfzwecken

Eine Motorhaube nach 200 Kilometern Autobahnfahrt: Ein Insekten-Holocaust durch sogenannten Windshield-Mord

Die toten Leiber von Fliegen, Mücken und anderen Insekten verschmieren die Frontscheiben, behinderten gefährlich die Sicht. Der Einsatz der Scheibenwaschanlage macht alles nur noch schlimmer. Die Leichen werden breitgewischt und bilden einen schmierigen Film aus toten Körpern. Ärger, aber auch Trauer herrschen, weil Lebewesen zum Billionen sterben, wo Menschen glauben, ihre oft völlig sinnlosen Transportwünsche befriedigen zu müssen.


Vor drei Jahren schon hatten die engagierten Mitglieder der Insektenschutzorganisation MAPS (Micro Animal Preservation Society) das große Morden aufgedeckt, das jeden Tag stattfindet, auf jeder Straße, überall auf der Erde, unter aller Augen, geduldet von der Regierung, ignoriert von angeblichen Naturschützern, Grünen und Tierrechtlern: Riesige Metallberge, bis zu zwei Metern breit, jagen mit Geschwindigkeiten weit jenseits der 150 km/h durch eine Landschaft, die ursprünglich nicht dazu gedacht waren.

 Das große Morden am Kleinstgetier


Und hier töten sie sie alle: Kleine Bienchen und süße Mücken, Obstfliegen und herzallerliebste Schmetterlinge. Arglos flattern die durch die Luft, auch über Autobahnen und Schnellstraßen, nicht gewarnt und nicht geschützt. Und sie werden breitgeklatscht an den Frontscheiben von hunderttausenden von Privat- und Lastkraftwagen, die rücksichtslos und ungebremst Millionen der Kleinlebewesen töten, für die hierzulande kein Tierschutzgesetz gilt.

Der Tod lässt sich hier nicht mehr in Individuen messen. Sicher gilt, dass jährlich ein Leichenberg von 180.000 Tonnen Gewicht aus totem Tiermaterial allein in Deutschland anfällt – diese Menge fällt an Nahrung für Vögel, andere Insekten und Kleintiere aus. Für ganz Europa ergibt sich ein Leichenhaufen von mehr als 360.000 Tonnen totem Kleinstgetier.

Eine Tragödie, die nun offenbar nicht mehr länger verschwiegen werden kann. "Bis zu 80 Prozent weniger Insekten in Deutschland", beklagt die FAZ, die auch an die Ursachen herangeht: "In der deutschen Natur findet ein großes Insektensterben statt." Auch Umweltministerin Barbara Hendricks, die sich ihr Lebtag nicht um die Interessen von Deutschlands Kleinstgetier gekümmert hat, warnt nun plötzlich demonstrativ vor einem "verheerendem Insektensterben in Deutschland", das bereits seit Jahrzehnten läuft.

Insekten-Holocaust durch Windshield-Mord


Ein Insekten-Holocaust durch sogenannten Windshield-Mord, der sich offenbar nicht mehr länger verleugnen lässt. Auf einmal haben alle ein Herz für die ungeliebten Scheißhausfliegen, Mücken, Wespen und Fruchtfliegen, die zu ermorden bisher als durchaus zulässige, ja, moralisch jederzeit gerechtfertigt galt. "Fatale Entwicklung: Warum Sie auf Ihrer Windschutzscheibe keine Insekten mehr finden", staunt der "Focus", "Die unheimliche Stille" bestaunt der Merkur, "Erst stirbt die Biene - am Ende der Mensch", prangert der SRW an.

Die entomologische Bürgerinitiantive MAPS (Micro Animal Preservation Society) kritisiert in einer Pressemitteilung die Instrumentalisierung des Insektenmordes zu Wahlkampfzwecken. "Der Krieg des Menschen gegen Microanimals lässt sich nicht mit billiger Propaganda beenden", heißt es da. Gebraucht würden "Maßnahmen, die wirklich wirken". Wie etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen, Schutznetze vor Frontscheiben und das Verbot unnötiger Ortswechsel.




Samstag, 22. Juli 2017

HFC: Das Wunder vom 22. Juli

fetsch slicovic
Geht auch wieder nicht rein.
Eine Woche nach der grausamen Klatsche im Testspiel gegen Union Berlin gilt es. Der Hallesche FC, um Altlasten leichter, die gerade noch die Zukunft waren, startet in seine sechste Saison in der 3. Liga. Gegen Paderborn, die hier gar nicht mehr sein dürften. Wäre nicht der TSV 1860 München nicht mehr da. Verwirrend.

Verwirrend wie die neuen Namen der Spieler auf dem Platz, die so neu nicht sind. Gerademal zwei Neuzugänge hat Trainer Rico Schmidt in die Startaufstellung berufen: Den "Königstransfer" Mathias Fetsch und Abwehrmann Hendrik Starostzik. Der Rest der Verstärkungen, die aus dem Tabellen-13. der letzten Saison einen 5. machen sollen, sitzt auf der Bank.

"Jeden Monat neue Überraschungen" verspricht eine Bandenwerbung, aber Überraschungen gibt es zum Anpfiff nicht. Die Fankurve zündet einen Böller, bengalische Feuer und roten Rauch, dazu spielt die Stadionregie wie immer das Lied, mit der Heavy-Metal-Fan in der Fischkneipe bestellt: "Zander!" Schiri Felix Zweyer pfeift an, der HFC führt den Anstoß aus, der Ball geht lang auf Petr Slicovic, der in den Strafwird, er wird umgerissen. Elfmeter. Benjamin Pintol läuft an und trifft. 15 Sekunden vorbei und schon führen die Gastgeber und das Stadion schwelgt in Fantasien von einem erfolgreichen Saisonstart.

Wie von Zauberhand 


Was für eine Herrlichkeit! Die jedoch sofort endet. Der HFC findet ab Minute zwei nicht mehr statt. Oliver Schnitzlers Abstöße landen wie von Zauberhand bei einem der schwarzgekleideten Paderborder, vielversprechende Pässe in die Spitze laufen immer genau in die Richtung, in die Sliscovic, Fetsch und Pintol nicht laufen. Ajani verliert den Ball im Vorwärtsspurt, Röser bekommt erst gar keine Bälle, um mal einen Flankenlauf anzuziehen.

Dafür ist Paderborn präsent. Während der HFC in seinem neuen 4-1-4-1-System lange wartet, ehe er die Gäste anläuft, greifen die schon weit in der HFC-Hälfte an. Mit Erfolg. Der HFC wird nervös und in der vierten Minute verliert Ajani im Versuch, vorm Paderborner Tor in Schussposition zu kommen, den Ball. Zwei, drei Stationen und die Schwarzen sind vor Schnitzlers Tor. Pass nach innen, Abschluss, Schnitzler fliegt vergeblich hinterher. 1:1.

Sind das nun schon hängende Köpfe beim Gastgeber? Ein paar hängende Schultern auf jeden Fall. Was folgt, ist die fürchterlichste, grausamste und empörendste Vorstellung einer HFC-Mannschaft seit Jahren. Nichts geht mehr. Alles in Rot und Weiß steht sich auf den Füßen, stolpert über den Ball, kommt nicht zum Schießen, weil vorher noch die Füße sortiert werden sollen. Ein Debakel auch schon, ehe Marc Vucinovic in der 18. Minute einen von Schnitzler verursachten Strafstoß zum 1:2 in die Maschen setzt.

Der in der Vorbereitung kritisierte Torwart aber ist jetzt der Beste in Schmidts Elf: Dreimal wehrt er hundertprozentige Torchancen ab, er allein ist es, der einen HFC noch im Spiel hält, der wirkt wie ein Sechstligist. Immer wieder gehen Bälle im Vorwärtsgang verloren. Immer wieder fackelt Paderborn nicht lange, spielt schnell und direkt, passt genau und findet einen freien Mann, der den Abschluss sucht. Und findet: In der 45. Minute kann auch der hervorragende Schnitzler nichts mehr machen, als der aus der Regionalligaelf des BFC nach Paderborn gewechselte Dennis Srbeny in im 1:1 verlädt und rechts unten trifft. 1:3.

Es sieht jetzt alles danach aus, als könnten die 6500 Zuschauer Zeugen des schlechtesten Saisonauftakts einer HFC-Elf in der 3. Liga werden. Denn nach der Pause geht es weiter wie gehabt. Eine anämische HFC-Elf, in der Königstransfer Fetsch seine beste Aktion hat, als er einen scharf getretenen Freistoß vor der eigenen Abwehr wegköpft, scheint sich einer mittelmäßigen Paderborner Elf kampflos zu ergeben.

Nichts deutet auf das hin, was gleich folgen wird. Ganz im Gegenteil: Schmidt nimmt der schwachen Fetsch und den unsichtbaren Röser raus und bringt mit Hilal El-Helwe dem aus Braunschweig an die Saale gewechselten Braydon Manu zwei neue Leute bringt. Die beiden sind kaum auf dem Platz, als es bei Schnitzler wieder klingelt: Srbeny, in der Sommerpause angeblich auch Thema beim HFC, bedient Michel. Der hat nicht die geringste Mühe, zum 1:4 einzunetzen.

 "Aufhören" wird gerufen


Es sind 60. Minuten vorbei und es droht jetzt mindestens die Einstellung des Heimniederlagenrekords vom 1:4 gegen Stuttgart II und Aaalen. Niemand gibt jetzt noch einen Pfifferling auf diese HFC-Mannschaft, die zweifellos gute Chancen hat, als Tabellenletzter in die Saison zu starten. Die ersten Zuschauer gehen, die anderen pfeifen. "Aufhören", wird gerufen. Die Fankurve schweigt.

Es dauert bis zur 73., ehe ein Fünkchen Hoffnung aufflackert. Braydon Manu setzt sich auf links gegen jede Wahrscheinlichkeit durch und spielt aus reiner Verzweiflung nach innen. Marvin Ajana, die bis dahin trocken stotternde "Maschine" (Schmidt), flankt nach innen. Und der eigentlich abgeschriebene El-Helwe trifft per Kopf zum 2:4.

Auf einmal wittern sie unten Morgenluft und oben passiert, was nur im Fußball geschieht: Die verbliebenen Fans riechen eine Sensation, warum und weswegen auch immer. Es ist Braydon Manu, ein Zwerg von angeblich 1,70 Meter Höhe, der aussieht, als wäre er höchstens 1,50 groß, der jetzt das ganze, längst gelaufene Spiel dreht. Der Mann mit der Tretschok-23 ist überall, er bringt ins Spiel, was vorher fehlte: Leidenschaft, Kampfgeist, den Willen, es zwingen zu wollen. Nur eine Minute nach dem 2:4 bedient er Pintol, der spielt Sliscovic an. Der verkürzt auf 3:4.

Jetzt haben sie eilig da unten, jetzt steht das Stadion Kopf. In der Luft liegt ein Geruch vom Rostock-Spiel im April 2014, als Toni Lindenhahn den Sieg in der 93. Minute herausschoss. Nur noch zwei Tore! Rico Schmidt nimmt sich Braydon Manu an die Seite. Er tätschelt ihm die Schulter. Er weiß, wenn heute irgendeiner, dann nur er. Direkt von der Trainerbank läuft Manu in den nächsten Angriff. Es ist die 84. Minute. Gewühl im Strafraum. Der kurze Manu am langen Pfosten. Kein Schuss, aber ein Tor. 4:4

Paderborn ist konsterniert, der HFC euphorisiert. Zwar verraten auch die verbliebene Minuten, dass die Säge bei den Rot-Weißen noch an allen Ecken klemmt. Aber wenn der eingewechselte Daniel Bohl seinen Schuss in der 90. Minute etwas tiefer ansetzt, dann wäre das sogar noch der Sieg gewesen.

So bleibt es beim 4:4, einem Remis, das Züge eines Debakels hat und sich am Ende doch wie ein Sieg anfühlt.

In der HFC-Geschichte ab jetzt als "das Wunder vom 22. Juli" geführt.


Urlaubszeit: Wie sicher ist Ägypten wirklich?


Sechs Jahre nach dem Sturz Mubaraks und drei nach Rückkehr zu einer kommoden Militärdiktatur durch Befreiung vom Joch der demokratisch gewählten Moslembruderschaft galt Ägypten als saniert und zurückgekehrt in die Familie der Staaten mit westlichen oder anderen werten. Reiseveranstalter freuten sich, denn nach dem Ausfall vieler anderer Urlaubsländer durch moralischen Verfall bot das moderate Islamistenregime von Kairo eine Alternative etwa zur nicht mehr rechtsstaatlichen Türkei oder zu den diktatorischen Regimes in Polen und Ungarn.

Zwar mit Todesstrafe, aber die hat Japan auch und da redet man dann einfach nicht so viel davon. Reiseveranstalter bezeichneten Ägypten schon als das Trendziel, die Deutschen folgten den günstigen Preisen und reisten wieder verstärkt nach Ägypten. Doch die Messerattacke im Badeort Hurghada, der Schock und die Frage: Wie sicher ist es überhaupt, in dem Folterstaat ohne Meinungsfreiheit Urlaub zu machen?

Es ist absolut sicher. Hält man sich an eine Reihe von Regeln, die das Auswärtige Amt aufgestellt hat, dann gibt es keinen Grund, nicht in Ägypten Urlaub zu machen. Davon hat sich erst im März auch Kanzlerin Auch Angela Merkel bei einem Besuch beim früheren Putschisten und jetzigen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi überzeugt. Wie in der Türkei oder Frankreich herrscht in dem Land am Nil seit Jahren ein Ausnahmezustand, dadurch ist es meist sicher, sich in den Hotelanlagen und am Strand aufzuhalten.

Auch die meisten Ägypter sind zwar verunsichert, aber friedlich. Die beiden Toten vom Strand in Hurghada sind seit langer Zeit die ersten Opfer islamischer Gewalt gewesen. Die ganz überwiegend große Mehrheit der Einheimischen gilt als friedlich. Junge Männer sitzen meist nur vor Cafés herum, spielen Brettspiele und warten, dass das Essen fertig wird.

Der Reisekonzern Tui rechnet deshalb auch nicht mit größeren Auswirkungen des Terroranschlages auf die Reisebuchungen. „Die Nachfrage nach Reisen nach Ägypten hatte deutlich angezogen. Derzeit deutet nichts darauf hin, dass sich hieran grundsätzlich etwas ändern wird”, sagte eine Sprecherin nach der Attacke. Nach dem Anschlag seien bislang keine Rückreisewünsche bekannt geworden, die Deutschen ließen sich vom Terror nicht einschüchtern, sondern demonstrierten den Terroristen ein entschlossenes Trotzalledemundalledem. ""Wir werden unsere westliche Lebensweise wegen eines Messerstechers nicht ändern", sagen viele, so die Sprecherin.

Bei den Call-Centern hätten sich überhaupt nur wenige Urlauber über die Situation vor Ort informiert, viele hätten aufgrund vorsichtiger Formulierungen in den Medien wohl gar nicht mitbekommen, was geschehen sei. „Aller Erfahrung nach wird es dabei auch bleiben", beschreibt Herbert Achtelbuscher, der am Entropie-Institut der Bundeskulturstiftung zum Themensterben in der deutschen Medienlandschaft forscht. Im Regelfall verschwänden kleinere Terroranschläge direkt nach den ersten Schlagzeilen für immer im Niemandsland der medialen Demenz. "Von den Ermittlungen, der Anklage oder einem Prozess wird nie die Rede sein."

Auch der Staatliche Informationsdienst Ägyptens - eine Art DPA des islamischen Staates - hebt hervor, dass die Gewalt gegen Touristen in Ägypten in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sei und inzwischen keine Rolle mehr spiele. Die beiden toten Touristinnen seien bedauerliche Einzelfälle, verglichen mit den vielen Toten nach dem heute als "Flugzeugabsturz" bezeichneten Terroranschlag auf einen Airbus 321, bei dem 224 Menschen starben.

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Gott will es: Kirche beharrt auf Glutenpflicht für Gläubige

Irgendwo hat Modernisierung ihre Grenzen: Gott besteht weiter auf glutenhaltiger Ernährung, auch für Kranke.

Es ist die Geißel der Moderne, ein Klebereiweiß aus Proteinen, das im Samen einiger Arten von Getreide lauert und gemeinsam mit Lipiden und Kohlenhydraten die modische Zöliakie auslöst, eine entzündliche Erkrankung der Darmschleimhaut mit weitreichenden gesundheitlichen Folgen. Betroffene müssen bei Starbucks nach glutenfreier Milch fragen, sie sind gezwungen, glutenfreies Bier zu trinken, und selbst wenn nur eine nicht-zöliakische Glutensensitivität vorliegt, gelten die sonst unauffälligen Mitbürger schnell als besonders anspruchsvolle, verwöhnte oder überempfindliche Partygäste.



Die Katholische Kirche hat dem Trend zur vegetarischen Extrawurst für angebliche Glutenreaktoren jetzt allerdings ein unmissverständliches Stoppzeichen gesetzt. Papst Franziskus machte in einer Botschaft an alle Gläubigen klar, dass Gott darauf bestehe, glutenhaltiges Brot beim Abendmahl zu reichen. "Glutenfreies Brot ist beim Abendmahl in der katholischen Kirche nicht zugelassen", erinnerte der Vatikan in einem Rundbrief an die Bischöfe.

Gott kennt die Seinen


Das gelte auch für Zöliakie-Erkrankte, bei denen bereits kleinste Mengen des Klebereiweißes schwerwiegende Reaktionen des Immunsystems auslösen. Laut Vatikan könne darauf keine Rücksicht genommen werden, da Gott selbst sowohl Brot als auch Gluten als auch die Zöliakie erdacht und erfunden habe. Der Rundbrief aus dem Vatikan erinnert in diesem Zusammenhang an den Albigenserkreuzzug (1209 bis 1229), in dem Papst Innozenz III. die katharische Gegenkirche niedergeschlagen hatte. Als nach der Eroberung von Béziers die Frage stand, wer zu erschlagen sei, weil nicht zu erkennen war, wer genau zu den verketzerten Gegnern der einzigen wahren Kirche gehörte, entschied der päpstliche Gesandte Arnaud Amaury ohne viel Federlesen: Tötet sie alle! Gott kennt die Seinen.

Wenn gottesfürchtige Hostien mit Gluten schwerwiegende Gesundheitsprobleme auslösen, dann ist auch das zweifellos Gottes Wunsch und Wille. Wichtig sei, dass die Zubereitung der Hostie "ohne fremdartige Zusätze" und ohne „Rückgriff auf Vorgangsweisen, die dem Brot seinen natürlichen Charakter nehmen“ erfolge, so der Vatikan, dessen Forcher herausgefunden haben, dass "fremdartige Zusätze" zum Ersatz der Klebereinweiße im Brot nicht Gottes Werk sind. „Hostien, die überhaupt kein Gluten enthalten, sind für die Eucharistie ungültige Materie“, heißt es deshalb dem Ukas der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung. Das Brot müsse ungesäuert sein und aus reinem Weizenmehl bestehen.

Glaubensechtes Brot hat Gluten


Die Entscheidung der obersten Glaubenswächter gilt als ähnlich weitreichend wie die vor zhen Jahren verfügte Abschaffung der Vorhölle durch Papst Benedikt. Die Katholische Kirche definiert hier für alle Rechtgläubigen ihren Anspruch an korrektes Brot: "Wenn Wasser zu Getreidemehl gegeben wird, dann bildet das Gluten beim Anteigen aus dem Mehl eine gummiartige und elastische Masse, der darin enthaltene Kleber entsteht beim Anteigen durch die irreversible Ausbildung einer dreidimensionalen Struktur der Proteine.

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Freitag, 21. Juli 2017

Das verschwundene Buch: "Finis Germania" auf der Spiegel-Bestenliste

Zwischen Platz 5 und Platz 7 klafft aus politikhygienischen Gründen eine Lücke.
Ein richtig schöner, ein geradezu herrlicher Skandal war das letzten Monat, als der meinungsfreie „Spiegel“-Redakteur Johannes Saltzwedel das "antisemitische, völkisch raunende, verschwörungstheoretische" (Tagesspiegel) Buch „Finis Germania“ auf der Sachbuchbestenliste von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ unterbrachte. Der Autor Rolf Peter Sieferle hatte sich ein halbes Jahr zuvor  umgebracht, verzweifelt an einer Welt, die er nicht mehr für seine hielt. Hinterlassen hatte er hundert Seiten Abrechnung mit dem Hier und Jetzt, bgestimmt zur posthumen Veröffentlichung.

Götz Kubitschek, leitmedialen Beschreibungen nach einer Art Oberhitler der Rechtsintellektuellen, hatte das schmale Bändchen in seinem auf Systemzerstörung zielenden "Antaios"-Verlag herausgebracht.

Oberhitlers Bücherhit


Ein Buch wie letztes Ausatmen, das auf dem Buchmarkt unter normalen Umständen  wie ein Stein versunken wäre. Hätten nicht die Hüter der Meinungsfreiheit mit einer Empörungskanonade von sarrazinschen Dimensionen eingegriffen. "Finis Germania", schwergängig, teils unverständlich, teils aber auch erhellend, wurde zum Hit für Oberhitler. Das Buch schoss - als erstes überhaupt aus einem Verlag auf dem Gebiet der ehemaligen DDR - auf Platz eins der Amazon-Verkaufscharts. Es war streckenweise ausverkauft und mit jedem empörten Artikel verlängerte sich die Liste der Vorbesteller für die "völkische Angstfantasie" (Tagesspiegel).

Das Ende aber war das noch nicht. Denn wo die Platzierung auf der NDR/SZ-Liste reiner Willkür der Juroren folgte, war es die schiere Zahl der Verkäufe, die Sieferles Buch an die Spitze der Amazon-Charts katapultierte. Die werden öffentlich allerdings kaum wahrgenommen, ganz im Gegensatz zu „Spiegel“-Bestseller-Liste, die mit ein wenig Verzögerung und Glättung auch eine reine Widerspiegelung von Verkaufszahlen ist.

So müsste auf dieser Liste nun eigentlich auch Sieferle auftauchen, irgendwo zwischen "Das geheime Leben der Bäume", "Wunder wirken Wunder" und "Das Zeitalter des Zorns". Aber wo ist er? In der offiziellen Auflistung findet er sich jedenfalls nicht.  Denn der "Spiegel" hat die Liste augenscheinlich nachredigiert und der Wirklichkeit ein Lätzchen umgehängt. Platz 5 ist eine Andrea Wulf, Platz 6 ein Buch über einen Pinguin, Platz 7 eine mit "Wer wir waren" überschriebene Rede des verstorbenen Linksintellektuellen Roger Willemsen. Sieferle? Fehlanzeige.

Zwischen 5 und 7 ein Nichts



Auch bei Lehmanns Buchhandlung, einem renommierten Fachhaus mit einer Geschichte bis zurück ins Jahr 1872, das heute im Besitz der deutschen Ärzteschaft ist. Hier strahlt auf der angeblichen "Spiegel"-Bestenliste zwischen Platz 5 und 7 eine demonstrative Leerstelle. Nichts liegt auf Platz 6, gar nichts. Eine Suche nach "Finis Germania" führt zu Georg Fülberth. Das wars.

Verglichen mit den hierzulande früher üblichen Bücherverbrennungen ist ein Bücherverschwindenlassen aus politikhygienischen Gründen zweifellos ein wirklicher zivilisatorischer Fortschritt. Wo das Wissen um die Existenz eines Buches nicht verbreitet wird, verbreitet sich auch das Buch nicht weiter, diese Lektion haben die Leitmedien aus ihrem engagierten Kampf gegen "Germany’s Newest Intellectual Antihero" (NYT)im letzten Monat mitgenommen.

Wenn sich unsere Menschen auch von "aussagekräftigen Rezensionen zum Beispiel im „Spiegel“, in dem Sieferles Buch als „völkische Angstfantasie“ bezeichnet wurde, nicht davon abhalten lassen, das Buch zu kaufen" (Tagesspiegel), dann würde die Meinungsfreiheit das sicher aushalten.

Aber besser ist eben doch, man sorgt dafür, dass sie es nicht muss.

Sieferle, so lernen wir, ist nämlich sogar schlimmer als der Führer selbst. Als Adolf Hitler selbst im vergangenen Jahr mit seinem Buch "Mein Kampf" noch einmal einen Bestseller landete, sah niemand einen Grund, ihn nicht in der "Spiegel"-Liste zu erwähnen.