Google+ PPQ: November 2017

Sonntag, 19. November 2017

Leute wie ich hassen keineswegs Eliten


Wenn Ihr meint, ihr habt es uns einfach nicht gut genug erklärt und dass ihr noch eine Schippe drauflegen müsst, bitteschön, dann glaubt das.

Ich möchte dazu nur kurz anmerken, dass Leute wie ich keineswegs Eliten hassen. Wir verstehen darunter nur etwas anderes als das momentane Spitzenpersonal in Medien, Kultur und Politik. Deren Mitglieder sollten vielleicht schon im Eigeninteresse erkennen, dass die Gelder, welche sie verteilen möchten, immer noch mit unseren rauchenden Industrie-Schloten verdient werden.

Und nicht, indem wir uns gegenseitig bezahlte Vorträge über Antifaschismus, Critical Whiteness und Gender Studies halten.

Wolfram Ackner erläutert das größte Missverständnis in der politischen Debatte

Hirnhornhaut und Ermüdung: AfD taumelt in die Bedeutungslosigkeit

Wie mit dem Messer abgeschnitten: Seit die AfD Bundestagsrealität ist,wird über die "Nazis im Parlament" (Gabriel) nicht mehr berichtet.
Vier Jahre Witz ohne Lachen. Bedauerndes Abwinken. Zwölf Monate Schreckgespenst, über das aber am besten nicht geredet werden sollte. Dann das drohende Desaster und schließlich dessen Ankunft am Abend der Bundestagswahl. Guten Abend Alptraum. Es folgte eine Nachbereitung, die eigene Gesetze gegen die AfD brachte, eigene Fernsehdiskussionsrunden über die AfD und lange Zeitungsartikel, ob man die Neuen im Parlament nun Nazis nennen dürfe und ob man trotzdem oder gerade deshalb mit ihnen reden können müsse.

Der Name ein Affront


Die Alternative für Deutschland, schon im Namen im Grunde ein unzulässiger Affront gegen die Kanzlerin, die den alternativlosen Charakter ihrer Politik stets betont hatte, schaffte binnen vierer Jahre, wozu die Grünen ein Jahrzehnt brauchten: Von einem Teil der Bevölkerung als Drohkeule und Hebel erkannt, mit dem sich erstmals nach Jahrzehnten wieder direkt auf die Ausrichtung der Politik im Lande Einfluss nehmen lässt, avancierte die blutjunge Kleinpartei zum mächtigsten Mittel, die etablierten Parteien zu erziehen.

Wie Rehe im Scheinwerferlicht standen sie am Wahlabend da, nicht so sehr erschrocken darüber, dass ihnen so viele Wähler von der Fahne gegangen waren. Sondern empört, weil die meisten davon genau die gewählt hatten, vor denen sie doch ausdrücklich und mit der ganzen Kraft ihrer schwindenden Autorität gewarnt hatten. Ursache und Folge, bekannt seit Adam und Eva im Paradies. Der Satz "Iss den Apfel nicht" macht ihn nur umso schmackhafter.

Der Kater danach ist allerdings gewichen. Das Abendland, das früheren Vorhersagen zufolge seit Trumps Inthronisation ohnehin hätte drei- oder viermal untergehen müssen, ist trotz AfD noch da. Nur die Partei ist es nicht. Die AfD verschwand aus den Schlagzeilen ebenso schnell wie sie vor der Wahl hineingestürmt war. War eben noch jeder Husten Gaulands, jede missverständlich zusammenkürzbare Weidel-Aussage, jeder Parteiaustritt und jeder Facebook-Chat einer Kleingruppe aus der Provinz ein guter Anlass, Masken vom Gesicht zu reißen, zu warnen und klarzumachen, welch böses Ende es nehmen wird, wenn "echte Nazis" (Sigmar Gabriel) erst wieder im Reichstag sitzen, ist jetzt nichts mehr von der Machtergreifung der braunen Horden zu hören.

Wo sind all die Nazis hin


Existiert die AfD überhaupt noch? Was macht Höcke? Wo rechnet Petry heute ab? Gehört Meuthen so den Reformern oder den Hardlinern? Und wo sind all die Gegendemonstranten hin, die Wirte, die keine AFDler bedienen, die Hoteliers, die sie nicht einlassen, die anständigen Parteien, die nicht neben ihnen sitzen wollen?

Wie mit der Schere abgeschnitten endet die Ära der Abwehrkämpfe gegen die im Sptember noch als Gottseibeiuns gepredigte Kleinpartei in Hirnhornhaut und Ermüdung. Nach der Überdosis der kalte Entzug. Schlechtes Omen für die Partei: Die AfD, die ihre Kraft nie aus hochfliegenden Plänen oder politischen Strategien bezog, sondern allein daraus, dass sie keine der anderen Parteien war, steht vor einem schweren Bedeutungsverlust.

Samstag, 18. November 2017

Doku Deutschland: Sexismus in der Diskothek?

Jessica Meier aus Greifswald deckt auf: Sexuelle Anmache gibt es auch in deutschen Diskotheken.

Bisher galten die deutsche Spitzenpolitik und die Nachtszene der Diskotheken und Bars als einzige saubere Bereiche in einer Gesellschaft, die mehr und mehr durchdrungen wird vom Verdacht, Missbrauch und sexuelle Nötigung, Übergriffe und Sex zwischen Erwachsenen könnten hinter den schönen Fassaden von Unternehmen, Fernsehanstalten und in der Unterhaltungsindustrie zum Alltag gehören.Seit #metoo geht nun aber auch im Bundestag, in Diskos und bei den großen Fernsehsendern die Angst um, wer der nächste sein könnte. Der Skandal breitet sich auf andere Branchen aus. So kursiert bereits eine Täter-Liste „Beschissener Medien-Männer“, eine mit "Anbagger-Typen" für Berliner Nachtschuppen und eine Bekleidungsvorschrift für verunsicherte Frauen. Das aber ist nur der Anfang, denn der Skandal geht viel weiter.

Reihenweise haben sich Diskotänzerinnen und Besucherinnen von Nachtklubs seit Beginn des bislang größten Sexskandals der Welt bei PPQ gemeldet und Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung nach einem Diskobesuch gemeldet. Fälle nicht aus dem fernen Hollywood, sondern auch Flensburg, Offenbach, Waren an der Müritz und Bautzen, die zeigen, dass es das Problem nicht nur in den USA gibt. Jetzt reden Mädchen und junge Frauen aus der Nachbarschaft, die der Sex-Skandal um den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein hoffen lässt, vielleicht auch gehört zu werden. Damit kommen immer mehr fragwürdige Vorfälle ans Licht: Versuche, sich unsittlich zu nähern, Anmachstrategien mit Gratisgetränken, plötzlicher Engtanz, Hände auf Hintern, ohne zu fragen, Küsse und angeblich harmlose Fragen wie "Darf ich noch auf einen Kaffee mit hochkommen". In der ganzen deutschen Nachtszene ist es allem Anschein nach Gang und Gäbe, dass Frauen auf ihren Körper reduziert und unwürdig behandelt werden.


Auch Jessica Meier blieb davon nicht verschont. Die Dauer-Diskogängerin aus Schwerin spricht inzwischen offen über ihre schockierenden Erfahrungen in Tanzschuppen, Cafés, Kneipen und Diskotheken. Nicht nur, dass Meier immer wieder von Männern angequatscht wird, teilweise solle sie dann mit ihnen tanzen, teilweise werde sie aufgefordert, etwas zu trinken. Manchmal habe sie sich, so die 23-Jährige, auch anhören müssen, sie sei zu dick: „Als ich noch viel jünger war und gerade anfing, auszugehen, sagten mir Kerle, dass ich rund sieben Kilo abnehmen sollte – in zwei Wochen“, erzählte Jessica Meier, die damals alles andere als übergewichtig war.


Mit 18 fühlte sie sich unter Druck gesetzt, zumal viele ihrer Freundinnen ebenso belästigt worden seien. "Wir glaubten, wenn wir nachgeben, lassen sie uns in Ruhe." Also habe sie oft mitgetanzt, Drinks entgegengenommen und Diät gehalten. Erst der Sexskandal um Hollywoodproduzent Harvey Weinstein habe ihr Mut gemacht, über ihre Erfahrungen mit Chauvinismus, Sexismus und Übergriffen gemacht haben.  "Ja, ich wurde angefasst", gesteht Meier, "und ja, ich dachte lange, das ist normal, dass man einen Typen nach der Disko mit nach Hause nimmt."

Erst jetzt merke sie, wie groß das Ausmaß an Missbrauch wirklich sei, das sie erlebt habe. "Oft glaubt man nach einigen Tänzen, ein paar Longdrinks und ein paar Muntermachern, dass man es dem Jungen schuldig sei, ihn mitzunehmen." Dass viele Männer sich in Diskotheken so benähmen, als sähen sie gut aus, seien beruflich erfolgreich, gut situiert und hätten einen Anspruch auf weibliche Aufmerksamkeit, habe sie immer wieder verwirrt. "Manchmal haben sie mich auf der Tanzfläche angefasst und einer hat mich vor dem Klo geküsst."

Was im Moment erträglich erschien, weil Jessica Meier glaubte, dieses Verhalten gehöre zur Normalität einer Disko. Heute erst begreift sie, welch schwerste Belästigungen und Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung sie den Männern vorzuwerfen hat, was er bestreitet. Der Fall wirft Fragen auf. Etwa Fragen dazu, wie es in der deutschen Filmbranche deren Namen sie meinst gar nicht mehr erinnert. "Als Partygirl bist du angesagt, wenn du mitmachst", sagt sie. Seit sie öffentlich abrechne, machten junge Männer jedoch einen Bogen um sie.

Hört man sich in der deutschen Diskoszene um, stößt man vielleicht deshalb vor allem auf Zurückhaltung. Die besonders einflussreichen und bekannten Frauen sagen auf Anfrage nichts. Ein Thema ist Weinstein aber auf jeden Fall. Eine Tänzerin im Szeneschuppen "Lulu" in Greifswald erzählt, dass sie sich schon mit einer Bekannten ausgetauscht hat: "Wir haben festgestellt, dass wir niemanden kennen, dem an der Bar oder auf der Tanzfläche noch nicht mindestens Anzüglichkeiten, Busen- oder Hinterngegrabsche passiert sind - inklusive mir."

Jessica Meier nennt die #metoo-Aktion "großartig" und lobt den Mut der Frauen, das anzügliche Verhalten von Männern öffentlich gemacht haben. Sie habe lange überlegt, ob sie sich äußern wolle, denn das Thema sei heikel. Aber Meier will anderen Mut machen. In ihrer Zeit als Diskobesucherin habe sie aber so viel Chauvinismus und Sexismus erlebt, dass sie nicht länger ruhig bleiben könne."Es herrscht in Diskos ein völlig falsches Frauenbild", sagt sie.

Meiers Rat an die Frauen: "Habt den Mut zu sagen, ich lasse es mir nicht gefallen." Besonders wichtig findet sie, dass sich auch Männer von sexistischen Übergriffen distanzieren. "Man muss als Mann nicht eine Tochter haben, um das zu verurteilen." Das Problem liegt demnach in der Struktur. Wo Männer im Halbdunkel, bei lauter Musik und oft flackerndem Scheinwerferlicht und zügellos genossenen alkoholischen Getränken auf Frauen träfen, entäußerten sich tierische Urinstinkte.  "Es ist ein System, in dem Männer vorwiegend allein entscheiden, ob sie auf eine Frau zugehen und wie sie das tun."

Es hapere demnach schon beim Bild, wie Frauen zu sein haben: "Die Medien fördern immer wieder das Bild der Frau, wie Männer es gern hätten: die 'Sexy Maus', die aufgedonnert tanzen geht und nicht Nein sagt." Dem müsse ein Ende gesetzt werden, glaubt sie, "sei es durch bessere Beleuchtung oder durch weniger Alkohol". Dann könne man auch wieder beruhigt tanzen gehen.

Freitag, 17. November 2017

HFC: Schüchtern geht der Blick nach oben

Klaus Gjasula ist wieder da - und der HFC gewinnt.

Glaube, Liebe und Hoffnung, und am Ende doch immer wieder das Gefühl, als nütze das alles nichts mehr. Seit der Hallesche FC seinen Anhängern vor ziemlich genau einem Jahr, die Aufstiegsränge im Blick, klargemacht hat, dass es einen HFC in der 2. Liga in diesem und vielleicht auch im nächsten Jahrzehnt nicht geben wird, die die Stimmung ungeschlagen in halle. Aus fehlender Euphorie wurde Missmut, aus dem Blick nach oben der nach unten, wo das Tabellenende auch nach einer leichten Ergebnisverbesserung in den letzten Wochen immer noch näher ist als der ersehnte Platz vor oder doch wenigstens kurz hinter dem ewigen Rivalen aus Magdeburg.

Wenn dann Preußen Münster kommt, in der Vergangenheit mal Aufbaugegner, mal Schreckgespenst, steht einmal mehr alles auf dem Prüfstand. Dritter Heimsieg in Folge oder eine schöne, aber kurze Serie mehr in der Saisonbilanz?

Immerhin arbeitet die Elf von Trainer Rico Schmitt, der die Partie als einziger Zuschauer mit hochgeschobenen Ärmeln verfolgt, von der ersten Minute an engagiert nach vorn. Münster, auswärts Fallobst, hält zwar dagegen so gut es geht. Aber bis auf einen Abschlussversuch nach acht Minuten gelingt den Gästen nichts, was das Tor des neuen HFC-Stammtorwartes Tom Müller ernsthaft in Gefahr bringt. Der HFC, vor dem Tor von Münster-Keeper Körber bis dahin auch nur mit einem der patentiert harmlosen Baumgärtel-Freistöße auffällig, macht es in der 10. Minute besser: Klaus Gjasula bedient eben jenen Baumgärtel auf Linksaußen. Der nimmt mit der Brust an, vernascht seinen Gegenspieler und zieht unhaltbar ins lange Eck ab.

Wieder ein frühes Tor und wieder die alte Angst auf den mit 6000 Fans besetzten Tribünen, dass nun alles kippen könnte. Auch 2015 hatte Halle gegen die Preußen geführt, war dann aber mit 1:3 abgefertigt worden.

Damals war strahlender Sonnenschein, heute sind bitterkalte sechs Grad. Damals waren Furuholm, Osawe und Bertram noch da, heute spielen dort El Helwe, Ajani und Röser. Und sie spielen gut. Obwohl Münster, angefeuert von rund hundert schmerzfreien Fans, sich nun mehr um die Offensive bemüht, verbringt Müller im HFC-Kasten einen ruhigen Abend. Namensvetter Tobias Müller versucht es mal wieder mit einem zu kurzen Rückpass. Aber er ist weniger kurz als zuletzt in Würzburg, so dass es beim knappen Vorsprung der Rot-Weißen bleibt - auch weil Müller einen eigentlich unhaltbaren Schuss von Rizzi in der Manier eines Manuel Neuer pariert.

Es ist dann Abwehrmann Stefan Kleineheismann, der nach dem nächsten auf der Tribüne eigentlich bereits abhakten Baumgärtel-Freistoß hoch steigt und per Kopfball zum 2:0 trifft. Das wenigstens gefühlt erste Tor nach einem Standard seit der Ära Gogia, zumindest ohne dass tom Müller den Vollstrecker mimt. Der HFC ist damit - über die letzten fünf Spieltage gesehen - die Mannschaft der Stunde in der 3. Liga. Wären da nicht die sieglosen Spieltage 1 bis 6 gewesen, fast glömme wieder ein Fünkchen Hoffnung auf bessere Zeiten.

Und vielleicht gibt es ja Grund dazu. Seit der Heimniederlage gegen Chemnitz Ende September hat der HFC zu Hause kein Gegentor mehr kassiert und abgesehen vom Würzburg-Spiel immer mindestens ein Tor geschossen.

Heute legen sie dann sogar noch eins nach. Sparsame zweimal schießt Münster nach Wiederanpfiff auf hallesche Tor, dann schnappt sich Eric Zenga den Ball, geht im Mittelfeld ein paar Meter wie einst Kleineheismann im Spiel gegen Fortuna Köln. Sein genau getimter Pass findet Martin Röser, der den Ball elegant über den herausgeeilten Körber ins Tor hebt.

3:0, gegessen. Die Münster-Fans singen unverdrossen weiter, die HFC-Kurve liegt sich glücklich in den Armen. Abpfiff und ein bisschen sogar Vorfreude auf den Klassiker nächste Woche gegen die "Besten der Welt" aus der Landeshauptstadt. Die haben seit drei Spielen nicht mehr gewonnen und in den letzten vier Partien bei vier Gegentreffern nur zwei Tore geschossen. Der HFC kommt auf neun eigene Tore und nur zwei Gegentreffer.


Deutschland: Im Schulterschluss mit Antisemiten

Man muss das praktisch sehen. Man sieht es praktisch. Wenn Kuwait ein Gesetz erlässt, das es verbietet, mit Israelis Geschäfte zu machen, dann ist das auch für Firmen bindend, die diese Geschäfte in Deutschland machen würden, täten sie es. Sie müssen aber nicht.

Wie auch Deutschland nicht die Konsequenz ziehen muss, und der Firma deshalb die Geschäfte in Deutschland zu untersagen. Wir sind das moralische System. Aber auch unsere Moral hat Grenzen, wo der Eigennutz mehr wiegt als der Moment, in dem sich die Kanzelreden vom Kampf gegen den Antisemitismus als leeres Gewäsch herausstellen.

Es ist ein Schwebezustand, den alle akzeptieren. Wenn Israel sich für eine Fußballweltmeisterschaft qualifizieren will, dann muss es gegen europäische Wettbewerber antreten, nicht gegen seine arabischen Nachbarn. Die würden, wäre die Fifa der Ansicht, dass wie sonst überall auch hier das Regionalprinzip gilt, nicht mitspielen: Der im Nahen Osten grassierende Judenhass, zwischen Saudi-Arabien und dem Iran in Gesetze gegossen, würde sie eher aus dem Weltfußball aussteigen lassen als sie gegen die verabscheuten Juden anzutreten.

Der Westen in seiner unendlichen Toleranz zumindest für die Intoleranten, wenn sie einen Staat ihr eigen nennen, akzeptiert das. Man findet eine Möglichkeit, die Araber von den Juden zu separieren, indem man die Juden selbst übernimmt. Die Alternative, auf dem Grundsatz zu bestehen, dass, wer Sport auf der Weltbühne treiben will, den Gegner akzeptieren muss, den ihm der welthistorische Zufall vor die Füße gelegt hat, scheint zu bedrohlich: Der Westen braucht das Öl der Araber, der Westen braucht den guten Willen der Araber im Kampf gegen noch islamistischere Extremisten und der Westen braucht die Ölmilliarden aus Oman, Kuwait, Saudi-Arabien und den VAE, um seine Waffenindustrie am Laufen zu halten.

Als Angela Merkel 2008 vor der Knesset betonte, dass Israels Sicherheit Teil deutscher Staatsräson sei, war das eine symbolische Geste, deren Enrsthaftigkeit mit ein paar U-Boot-Lieferungen beschworen wurde. Dazu baut man ein schönes Denkmal für die toten Juden, beklagt den Rassismus der Antisemiten, beschwört alljährlich im November den "Kampf gegen Antisemitismus als Teil zu unserer Staatsräson" und kanzelt die ab, der greise Modeschöpfer Karl Lagerfeld ein Eckchen von der Decke des verschwiegenen Teils des Problems zupfen.

Hinter dieser Deckung kann der Judenhass dann vortrefflich gedeihen: Abgewiesen hat das deutsche Gericht, das darüber befinden musste, ob eine in Deutschland startende kuwaitische Fluglinie einen Israeli transportieren muss, auch den Antrag, den trotz Tickets nicht beförderten Fluggast aus Israel  zu entschädigen. Das Antidiskriminierungsgesetz gelte schließlich nur bei einer Benachteiligung aus Gründen der Rasse, der ethnischen Herkunft oder der Religion, nicht aber wegen einer bestimmten Staatsangehörigkeit.

Wortwolke: Jamaika muss wollen verbessern Ausbau Umwelt Bildung

Verhandlungen Themen Berlin meistgebrauchte Worte
Die Prioritäten von Jamaika in einer Grafik:Wollen, stärken, fördern und schaffen.
Sie "wollen" 175 mal, "setzen" 19 mal, haben 18 "Ziele" und sind 14 mal "dafür". Nachdem die Initiative Demokratie lebt gemeinsam mit dem Internet-Portal achgut.com Protokolle, Gesprächsunterlagen und Mitschriften aus den Berliner Verhandlungen zur Jamaika-Koalition öffentlich gemacht hat, lässt sich absehen, wo dieses Jamaika liegen wird: Eine von PPQ erstellte grafische Auswertung als Wortwolke (oben) zeigt die Prioritäten. Ganz groß, weil besonders häufig im Gespräch, findet sich das Wort "Grüne" (44 Erwähnungen), knapp dahinter die FDP (33), während die Union, deren Stimmenanteil den von Grünen und FDP um mehr als ein Drittel übertrifft, in allen Kombinationen nur auf 46 Verwendungen kommt.

Die kleinste Partei am künftigen Kabinettstisch  macht, angetrieben von ihren Fans in den Redaktionsstuben, den größten Lärm. "Klima"(27) und "Umwelt" (18) sind denn auch Begriffe, über die rund zehnmal so häufig gesprochen wird wie über "Steuern" und "entlasten". Gar nicht zu reden vom Thema, das Deutschland in den letzten beiden Jahren geprägt hat wie kein anderes: "Asyl" kommt überhaupt nicht vor, der Begriff "Flüchtlinge" ein einziges Mal. "Wir verfolgen vom Beginn der Legislaturperiode an das Ziel, die ODA-Quote bis 2020 bei 0.7% dauerhaft ohne Einrechnung der inländischen Ausgaben für Flüchtlinge zu erreichen", heißt es da. Die "Oda-Quote" ist der Anteil der öffentlichen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit am Bruttonationaleinkommen.

"Muss", "erreichen", "einsetzen" und "gestalten" und "unterstützen", "dazu "besseren", "mehr" und "ausbauen" - Jamaika verspricht zu werden, was die DDR in ihren letzten Jahren war. Alles wurde dort immer "noch besser". Aber nichts wurde gut.

PPQ publiziert diese Papiere, weil Wähler und Bürger wissen sollen, welche Prioritäten gesetzt werden, wenn sich die Balkontür hinter den Verhandlungspartnern schließt und das Pokern darum beginnt, wie "alles weitergehen wie bisher" (achgut) kann. Sich die "größte Ansammlung von Formelkompromissen seit Gründung der Bundesrepublik" (achgut) aber gleichzeitig so als historischer Neuanfang verkaufen lassen kann, dass es die Rechtspopulisten aus dem Sattel hebt.

Die Hitparade der liebsten Jamaika-Begriffe, die sich in der aufgeführten Reihung leicht auch als Poem lesen lassen:

175 wollen
44 Grüne
33 FDP
30 stärken
25 insbesondere
21 schaffen
19 Digitalisierung
19 setzen
18 Ziel
17 CSU
16 Deutschland
16 dabei
16 CDU
15 fördern
14 dafür
13 Union
13 Bund
13 Euro
12 erhalten
12 Ausbau

Donnerstag, 16. November 2017

Doku Deutschland: Weihnachten mit Wassercontainer

Pfiffige Idee: In Hamm werden Wassertanks gegen den IS eingesetzt.
ISIS ist geschlagen und die Terrormilizionäre scheinen für den Moment geschwächt. Schon seit mehr als einem Monat ist es den Terroristen nicht mehr gelungen, ihren Terror nach Europa zu tragen. Damit das auch in der stillen Jahreszeit so bleibt, rüsten deutsche Städte auf: Betonbarrieren sichern die beliebten Weihnachtsmärkte, bewaffnete Polizei sorgt für mehr Sicherheit und Spezialkräfte nehmen Gefährder schon fest, wenn die gerade erst begonnen haben, wenn die gerade erst begonnen haben, nach Amazon-Empfehlungen Material zum Bombenbau einzukaufen. Auch die Stadt Hamm in Westfalen zeigt dem internationalen Terror jetzt, dass er im Ruhrgebiet keine Chance hat: Hamm sichert seinen traditionellen Weihnachtsmarkt allerdings nicht mit hässlichen Betonklötzen. Sondern einfallsreich und pfiffig mit preisgünstigen Wassercontainern.

Die nach Füllung "tonnenschweren" (WDR) Behälter werden zusammengebunden und zur Freude der Weihnachtsmarkt-Besucher als Block auf allen Wege zum Weihnachtsmarkt so aufgestellt, dass für Fahrzeuge kein Durchkommen mehr ist. Im Gegensatz zu Betonabsperrungen, wie sie deutschlandweit eingesetzt werden, sind die Tanks leicht zu tranportieren, dazu aber trotzdem frostsicher und stichfest. Deutsche Ingenieurkunst schafft so eine kostengünstige Lösung für ein Problem, das seit dem von Anis Amri verübten Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin virulent ist.

Typisch deutsch auch: Die Container sind wiederverwendbar, so dass die Investitionskosten von 180 Euro pro Tank nach nur zehn Jahren auf eine zweistellige Summe zusammenschrumpeln. Das ist nach Überzeugung der Stadtväter von Hamm sogar noch günstiger als eine Variante, bei der Lastwagen als Sperren eingesetzt werden. Noch ist nicht klar, wie viele der hochmodernen Container-Sperren aufgestellt werden, um den IS und andere Radikalinskis draußen zu halten. Damit die Weihnachtsstimmung der Besucherinnen und Besucher nicht gestört wird, erhalten die Sperren aber auf jeden Fall festliche Dekorationen. So wird etwa ein fröhliches Santa-Claus-Gesicht auf die Wassersperren gemalt, andere erhalten einen winterlichen Anstrich oder werden mit Tanne geschmückt.

Mittwoch, 15. November 2017

Polen: Der Oberlehrer ist zurück

Die Deutschordensritter brachten Backsteinbau und Zivilisation ins wilde Polen.
Nur Deutschland vermag den Maßstäben zu genügen, die Deutschland für die Welt aufgestellt hat. Das Volk, das zweimal loszog, seine Nachbarn durch Unterwerfung zu erlösen, schwebt 72 Jahre nach dem letzten gescheiterten Versuch einsam in moralischen Höhen, in die neben ihm niemand reicht. Der Ami ist dem Trump auf den Leim gegangen und nun dabei, das Weltklima zu zerstören, der Chinese missachtet die Menschenrechte, die Türkei ist eine Diktatur, Großbritannien abtrünnig, die Niederlande sind voller EU-Feinde, Italien ist pleite und Russland sowieso das Reich des Bösen, übertroffen nur von Syrien und allerlei anderen Staaten, die aufzuzählen der Platz nicht reichen würde.

Der neue deutsche Polen-Hass


Dagegen stehen nur noch wir, schreibt Marco Gallina in einem Beitrag, der sich mit dem neuen Polen-Hass in deutschen Medien und in der deutschen Politik beschäftigt, der als vermeintlich freundlicher Betreuungsanspruch ausgelebt wird.

Deutschland, in der Geschichte mal Schutzmacht, mal Feind der Polen, immer aber vom Anspruch getrieben, besser zu wissen, was für den östlichen Nachbarn gut ist, schlüpft wieder in die Rolle des Lehrmeisters: Elmar Brok, letzter noch aktiver Zeitgenosse Breschnews, vergleicht polnische Abgeordnete mit "alten kommunistischen Herrschern. Die Bundesregierung, die europäisches recht seit zehn Jahren systematisch bricht, fordert, die Auszahlung von EU-Mitteln an Polens Rechtsstaatstreue zu binden, wie sie Deutschland versteht. Und deutsche Leitmedien werfen den Polen das Gefühl vor, "bis heute historisch ungerecht behandelt worden zu sein" (Die Zeit).

"Bengalische Feuer und ein Rechten-Aufmarsch: Am Nationalfeiertag demonstrierten in zehntausende Europa- und Einwanderungsskeptiker", kreidet das ZDF den Polen an, wenn sie ihren Nationalstolz Gassi führen. "Die Deutschen, die jahrhundertelang die Polen immer wieder belehrten oder gar besetzten, maßen sich erneut an, dass nur sie die Wahrheit gefressen hätten", formuliert Marco Gallina. Ein antipolnischer Reflex, verpackt im Gutmenschentum.

Ein antipolnischer Reflex


Nicht um das NetzDG, das in Deutschland Grundrechte schleift, nicht um die deutsche Vorratsdatenspeicherung, die gerichtlich verboten wurde, aber immer noch eingeführt werden soll, und nicht um den systematischen Bruch der europäischen Verträge durch Regelungen etwa im deutschen Steuer- und Wettbewerbsrecht kümmern sich die Gazetten. Sondern die rechtsstaatlichkeit jenseits der Grenzen.

"Die Phrasen sind austauschbar, die Botschaft aber immer noch dieselbe", folgert Gallina. Deutschlands Elite befinde sich in einem Wahn, denn "im Grunde will man den Polen immer noch vorschreiben, wie sie zu leben haben." Schuld daran ist nicht der unausrottbare deutsche Glaube an die eigene Unfehlbarkeit, sondern schuld sind die Spalter in Warschau, die nicht als gewählte Vertreter ihrer Bürger umsetzen, was sie für richtig halten - und, sollte das einer Mehrheit der Wähler nicht gefallen, bei der nächsten Wahl abgewählt werden - sondern rechtsextreme, einwanderungskritische Verfechter einer "reaktionären Agenda" (Verhofstadt), denen das polnische Volk willenlos zum Opfer fällt.

"Da sind sie wieder, die alten, tölpelhaften, bäurischen, abergläubigen Polen – unbelehrbar" schreibt Marco Gallina. Muss der deutsche Oberlehrer hart durchgreifen, um für Ruhe auf dem Pausenhof zu sorgen.

Hijab-Barbie beweist: Toleranz trägt Kopftuch

Barbie, das war bisher immer ein Symbol für die Unterdrückung der Frau, für Sexismus, Rollenklischess und die Pflege gefährlicher Schönheitsideale. Barbie verdarb ganze Generationen von Mädchen, die nach ausgiebigem Spielen mit dem Plastikteil meinten, später auch mal schlank, groß und schön sein zu müssen. Die Auswirkungen des "geschlechtsspezifischen Spielzeugs", wie es führende Genderforscher nannten, führten zuletzt zu zahlreichen Missbrauchsvorwürfen. Denn Barbie fungierte nicht nur für Mädchen als Leitbild zu ständiger Sexualbereitschaft, sondern signalisierte mit knappen Röcken und vollem Busen auch Männern im wahren Leben ständige Verfügbarkeit.

Die Herstellerfirma Mattel hielt trotz der Überfälligkeit von Änderungen lange an der Ur-Barbie aus dem Jahr 1959 fest. Bis jetzt, wo endlich auch beim US-Unternehmen die Zukunft einzieht: Mit einer Barbie-Puppe, die die islamistische Kopfverhüllung Hijab trägt, startet Mattel neu durch und beginnt, die bisher vernachlässigten Kinderzimmer der Familien von 1,5 Milliarden Moslems weltweit zu erobern.

Ein Meilenstein nicht nur für den Spielzeugkonzern, sondern auch für die gesamte Gesellschaft. Mussten Kinder von Islamisten ihre Puppen bisher selbst mühevoll von Hand verhüllen, ehe sie Zwangsheirat, Opferfest oder Morgengebet spielen konnten, liefert Mattel mit dem muslimischen Modell eine Alternative von der Stange. "Die Spielzeugpuppe trug lange fast ausschließlich: Minirock, Bikini, Hotpants oder Feenkleid", lobt die "Zeit", "jetzt emanzipiert #Barbie sich vom angestaubten Klischee."

Vorerst ist Hijab-Barbie noch züchtig in ein Fechterkostüm gekleidet - die Puppe wurde nach dem Vorbild der amerikanischen Fechterin Ibtihaj Muhammad gestaltet, die von ihren Eltern einst beim Fechten angemeldet wurde, weil diese Sportart nach ihren Vorstellungen in der angemessenen Bekleidung einer muslimischen Frau" betrieben werden kann. Mit dieser Einstellung und diesem Kopftuch holte Muhammad Olympia-Bronze und wurde zum Role Model, das heute Mode vertreibt, die dem Propheten gefällt: Gottesfürchtige Kleider und Tribal Cradigans, goldig bestickte Jackets und knöchellange Westen.

Bringt Muhammads Modefirma "Louella" "neue, vibrierende Mode" (Louella) für gottesfürchtige Frauen, so öffnet die Hijab-Barbie die Tür zu den Kinderzimmern. Barbie beweist: Toleranz ist möglich, die Befreiung der Frau vom Klischeebild des leicht bekleideten, leicht verfügbaren Mädchens hat gerade begonnen. Die deutschen Medien jedenfalls sind begeistert, alle jahrelang gegen Barbie vorgebrachte Kritik ist mit einem Male verstummt. 

Ibtihaj Muhammad freut sich über die erste Kopftuch-Barbie. "Ich bin so stolz, dass kleine Mädchen nun überall mit einer Barbie spielen können, die sich entschlossen hat, einen Hidschab zu tragen", schrieb die Athletin auf Twitter.

Gubener Hausfrau fordert Verdopplung ihres Haushaltsgeldes


Die in Guben lebende Hausfrau Angelika Heinze fordert eine kräftige Ausweitung des ihres Haushaltsbudget. Nötig sei doppelt so viel Geld wie bislang, sagte sie laut einem Bericht. Das Budget müsse aus Steuern finanziert werden.


Das vergrößerte Budget für die Lebenshaltung ihrer Familie solle demnach nicht durch zusätzliche Überweisungen von Arbeitgebern oder aus staatlichen Unterstützungskassen, sondern durch die Einführung von Steuern finanziert werden. "Hierfür braucht es neue Familien-Eigenmittel, wie etwa eine Finanztransaktionsteuer auf Börsengeschäfte", sagte Heinze.

Derzeit überweist der Staat der Familie aus Brandenburg zwar Kindergeld, das Einkommen von Heinzes Mann Jens aber wird zu etwa der Hälfte vom Staat vereinnahmt. "Wir bekommen weniger zurück als wir einzahlen", klagt Heinze. Bislang liegt die Kompetenz in Steuerfragen aber bei den Staaten und Ländern, auch die Gemeinden dürfen Abgaben erheben. Die Bürger dagegen können keine eigenen Steuern festsetzen oder Steuersätze für selbst erbrachte Leistungen wie die Sicherung von Nachwuchs für den Staat festlegen.

Heinze begründete ihren Vorstoß mit den Kosten für die Aufzucht der beiden Kinder, den Unterhalt von Haus und Kraftfahrzeug, gestiegenen Preisen bei Butter, aber auch bei Obst und Bier. "Auch müssen wir künftig verstärkt in Energie sowie die Digitalisierung der Wirtschaft investieren." Nur so könne ihre kleine Familie im weltweiten Wettbewerb mit den USA, China, Indien oder Russland mithalten.

Ob das Ausmaß der Belastungen zusätzliche Steuern auf Familien-Ebene zulässt, ist unklar. Zuletzt hatte der Chef des Europa-Parlaments Antonio Tajani mit ähnlichen Argumenten Steuererhöhungen zugunsten der EU gefordert. Als bedeutendste Ausgabenposten im nächsten EU-Haushalt ab 2021 nannte Tajani die Kontrolle der Einwanderung, den Kampf gegen den Terror und Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums in Europa. Auch die Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich müsse dringend vorangetrieben werden.

Angelika Heinze sieht das ähnlich. Durch die Zunahme der Zahl der Einbrüche im Grenzgebiet habe ihre Familie zuletzt große Mehrausgaben für Schlösser, Sicherungsriegel und Rollläden gehabt. "Wir brauchen höhere Einnahmen, um das schultern zu können", beharrt sie.

Dienstag, 14. November 2017

Mädchen in roter Jacke: Ein Nachruf

Fast schien sie auch diesen Kampf verloren zu haben. Das Mädchen mit der roten Jacke, das in deutschen Medien seit 2012 benutzt wird, um das schlimme Thema der seit Jahrhunderten beständig steigenden Armut zu illustrieren, schleppte die ganze Last der Krise. Malerisch saß die süße Kleine von der Kamera abgewandt auf ihrem kalten, verrosteten Eisengeländer im "sächsischen Halle". Jahrelang hatte sie Hochkonjunktur, das Gesicht des Untergangs des Abendlandes, des Hungers, des Fachkräftemangels und des Pflegenotstands.

Ihre rote Jacke sah immer noch freundlich aus, und sie verstärkte so den Eindruck der grässlichen Tristesse in ganz Dunkeldeutschland nur noch. Hier ist das Leben zu Ende, keine Perspektive, keine Hilfe, keine Hoffnung. Nur diese rote Jacke, ein Notsignal.


Die rote Jacke, ein Notsignal


Und nun, wo neue ernst und akute Fallzahlen zeigen, wie schlimm die Lage geworden ist, lassen die deutschen Medienhäuser das arme Mädchen einfach fallen. Statt wie immer bisher ihr verheertes Leben zu zeigen, mit der kaputten Puppe und in ganz großer Einheitlichkeit, tauchen zur Illustration plötzlich überall arme Männer auf, Bettler, nachgemachte Mädchen in anderen roten Jacken und symbolische Teller mit todesdünner, sicherlich längst erkalteter Suppe.

Ein Boykott, den das echte Mädchen mit der roten Jacke nicht verdient hat. So sah das auch die führende Armenzeitung Bild - und griff beherzt ins Archiv, um die zum Zeitpunkt der Aufnahmen Neujährige nocheinmal als das Gesicht deutscher Armutszustände zu inszenieren. Fotograf Patrick P. hatte das Foto einst für die halbstaatliche deutsche Nachrichtenagentur dpa angefertigt, der spätere Welterfolg des Bildes aber ging sowohl an dem Fotokünstler als auch an der zum Zeitpunkt der Aufnahme gerade achtjährigen Anna-Lara Sauerfred vorbei. Immer wieder wird die kleine Anna-Lara benutzt. Immer wieder muss sie herhalten. Und nie gibt es Nachhonorar.

Für die Armut halbierte Kinder


Obschon inzwischen fast 16 Jahre alt, gibt Anna-Lara nun noch einmal alles. Für die Bild-Zeitung, die zuletzt in höchster Not Kinder halbiert hatte, um die galoppierende Armut in Deutschland angemessen zu bebildern, ohne deshalb gleich Ursachen der schlimmen Lage nennen zu müssen. Waren es im April noch nicht so lange hier lebende Menschen, die die Kinderarmut hatten steigen lassen, sind nun vor allem Alleinerziehende "besonders stark betroffen".Gut für das Mädchen in der roten Jacke, dem über kurz oder lang ein großes Comeback bevorsteht.

Unterwegs nach Jamaika: FDP bleibt sich treu

Sechs oder acht Wochen Vorsondierung, die sich anfühlen wie zwei Jahre. Und doch haben sich auf dem Weg in die Koalitionsverhandlungen schon alle Parteien der künftigen Regierungskoalition mit eigener Hand Essentials aus ihren Eingeweiden geschnitten. Die Grünen verzichten auf einen Ausstiegstermin für Autos. Die CSU stimmt zu, dass die Obergrenze künftig gilt, aber keine bindende Zahl angeklebt bekommt. Die CDU stimmt zu, dass Angela Merkel im Amt bleibt. Und die SPD ist bereit, bei Neuwahlen noch einmal für Gerechtigkeit und einen Kanzler Schulz in die Schlacht zu ziehen.

Nur eine Partei steht unversehrt im Shitstorm des organisierten Wählerjammers: Die #FDP, der bei den Sondierungsgesprächen zwischen Häppchen und Weißwein zwar ein paar Wahlversprechen vom Balkon fielen. Die aber mit der Opferung der Forderungen nach einer Abschaffung des NetzDG, nach einer großen Steuerreform und nach einem Ende des Flüchtlingszustroms immerhin bewiesen hat, dass sie ihrem Markenkern auch unter den Bedingungen komplizierter Vierer-Verhandlungen treu bleiben wird.

Die bekanntest deutsche "Umfaller-Partei", wie die Frankfurter Rundschau einst populistisch hetzte, zieht ihr Ding durch. Hauptsache mitregieren und nie das Risiko eingehen, den Ruf mangelnder Prinzipientreue aufs Spiel zu setzen, den sich der damalige Parteichef Erich Mende erkämpfte, indem er in den 60ern eine weitere Kanzlerschaft Konrad Adenauers nicht wie vor der Wahl versprochen verhinderte. Sondern mit ihm ins Regierungsbett schlüpfte.

Adenauer musste damals nur versprechen, die Amtszeit nicht voll zu machen. Ein Kompromiss nach Christian Lindners Gusto. Nach siebzehn Wochen Vorsondierung besteht die FDP nicht mehr auf einer Abschaffung des Maasschen Generalangriff auf das Grundgesetz namens NetzDG, sondern lediglich auf einer angemessenen Abfindung für eine Zustimmung zu einer "grundlegenden Änderung" im "Charakter", in deren Folge die Sache bleiben kann, wie sie ist. Der Staat, dem die Wahlkampf-FDP noch skeptisch gegenüberstand, müsse, so die neuere Überzeugung der ehemaligen Liberalen, "ein deutliches Zeichen gegen Hass und Hetze im Netz setzen" und das gelte "auch für die sozialen Netzwerke."

Besser hätte das auch der Minister mit dem Möbelhaus als Sponsor nicht sagen können. Und Lindner sieht dabei sogar noch besser aus als der kleingewachsene Saarländer.

Montag, 13. November 2017

Zustrom und #metoo zeugen ein Nachrichtenkind

Verführerischer Scheitel, glattes, dunkles Fell. Mancher kann da nicht wiederstehen.
Faszinierende Entdeckung von Medienwissenschaftlern" Erstmals haben Forscher um den Nachrichtenspezialisten Herbert Achtelbuscher in freier Wildbahn eine Paarung von Zustrom und #metoo beobachten können. Dabei gelang es den Spezialisten vom An-Institut für Angewandte Entropie der Bundeskulturstiftung Echtzeit-Aufzeichnungen darüber anzufertigen, wie "Flüchtlingszustrom" (Merkel) und die aktuelle sexuelle Belästigungswelle ein Nachrichtenkind zeugten.

Achtelbuscher, der den Themenschwund in der deutschen Medienlandschaft seit Jahrzehnten analysiert, ist noch Tage später begeistert. "Mit dieser Geschichte werden zwei Krisen eins", lobt er die wüste und fremdenfeindliche Vorurteile bedienende Story vom jungen Syrer, der in Berlin ein Pony missbraucht und dabei von einem sensationsgierigen Kindermädchen fotografiert wird.

Nicht das Pony war es dann allerdings, das ein Kind gebar, und das Kind ist auch kein zeugungsunfähiges Maultier. Stattdessen entsprang der kurzzeitigen, aber leidenschaftlichen Liebesbeziehung ein Starkregen an Schlagzeilen, in denen der aktive Teil des sodomitischen Geschlechtsaktes wahlweise mit einem "Mann", "jungen Mann" oder "23-Jährigen" besetzt wurde.

Für den normalverständigen Leser, so Achtelbuscher, sei in diesem Code aber natürlich sofort herauslesbar, "dass hier ein traumatisierter Mensch, der noch nicht lange bei uns lebt, seine Tierliebe unzulässig öffentlich gezeigt hat". Entsprechend erfreut verbreiteten die führenden deutschen Qualitätsblätter die exotische Story bis tief in den Westen der Republik, wo seit der fortschreitenden Urbanisierung im Zuge der Industrialisierung kaum noch freilaufende Ponys zu finden sind.

Anders ist das im Görlitzer Park in Berlin, der laut Berliner Zeitung als "sozialer Brennpunkt" bekannt ist. Rund um den Kinderbauernhof der Parkanlage lagern Drogenhändler, aber seit einigen Tagen darf hier zumindest endlich wieder  öffentlich gekifft werden.



Ukraine: Auf einmal rechtsextrem

Eben noch Helden im ZDF, nun plötzlich "rechtsextrem": Die Kämpfer des Asow-Bataillons.
Es ist die Geschichte einer Verwandlung, aber auch die Geschichte einer Verscheibung. Der "Spiegel" erzählt sie, wie nebenher, ohne Erklärung, in einem Nebensatz, der genaugenommen aus einem einsamen Adjektiv besteht. "Rechtsextrem" lautet es, eine durchaus übliche Vokabel für Hamburger Medienmacher, die immer dann, wenn sie denken, es könnte passen, zu diesem Begriff greifen.

Im Zusammenhang mit dem ukrainischen Freiwilligenbataillon Asow schien es allerdings bisher nie angebracht zu sein. Zwar schmücken sich die Kämpfer der Truppe selbst mit allerlei Insignien, die jedem deutschen Motorradklub umgehend ein Vereinsverbot eintragen würde. Doch weil das bunte Bataillon auf der Seite der Guten kämpft, quasi ein Arm der Nato, von Hamburg aus gesehen, lobte nicht nur das staatliche ZDF die Träger von Hakenkreuz und SS-Rune als Freunde und Verbündete gegen Russland. Auch der "Spiegel" ging stets vorsichtig mit dem Verdacht um, es könne sich bei Asow um Typen handeln, die, nun ja, vielleicht nicht ganz auf dem Boden des Grundgesetzes stehen.

Zwar attestierte das Magazin hin und wieder, Angehörige der Truppe seien Rechstextreme. Aber der ganze Verein? Nein.

Soweit kam es erst, als jetzt eine drei Jahre alte Geschichte um die Anwerbung ausländischer Freiwilliger durch Asow aufgewärmt und - viel ist ja aktuell nicht los auf der Welt - als frische Ware verkauft werden musste. Und oh Wunder: Da auch Deutsche sich Asow angeschlossen haben, verwandelt sich die Speerspitze des Freiheitskampfes der europafreundlichen Ukraine in einer entspannten Volte nun  doch mit einem Schlag in ein "rechtsextremes ukrainisches Bataillon".

Plötzlich ist die Empörung, die eben noch der Empörung von Zuschauern über die Kumpanei von deutschem Staatsfernsehen und Hitler-Bewunderern galt, zu einer Empörung geworden, die sich gegen die Strategie von Asow richtet, "auf Neonazi-Veranstaltungen um neue Mitglieder" zu werben.

Da wächst zusammen, was zusammengehört. Der "Spiegel" macht klar, dass nur ein deutscher Nazi ein richtiger Nazi ist. "Jan K. aus dem Osten Deutschlands zum Beispiel: Mit ausgestrecktem Daumen posiert er auf einem Facebook-Foto, er trägt ein T-Shirt in Tarnfarben, eine Schutzweste, darauf ein Emblem mit dem Schriftzug "Asow"" (Spiegel). Klarer Fall: Ostdeutschland, Tarnfarben, "Europa vor dem Aussterben" bewahren - das ist ein Rechtsextremer in einem rechtsextremen Bataillon. Dmytro Korchynsky dagegen, einer der Einpeitscher der blutigen Maidan-Revolution und der Gründer des Asow-Bataillons, ist nur ein „Kämpfer mit zweifelhaftem politischen Hintergrund“.


Sonntag, 12. November 2017

Zitate zur Zeit: Religion einer Minderheit

"Der Kommunismus war nichts anderes als eine weitere Religion einer Minderheit, aber wir waren uns dessen nicht bewußt gewesen."

John le Carre

Parodie Papers: Die deutschen Zeitungen und das Online-Glücksspiel

Im Hintergrund auffällig: Illegale Wettwerbung, präsentiert von der Süddeutschen Zeitung, die mit den "Paradise Papers" eben erst die Verstrickungen deutscher Banken ins Glücksspielgeschäft öffentlich machte.
Die Recherchen zu den "Parodie Papers" belegen, wie deutsche Zeitungshäuser an illegalem Glücksspiel mitverdienen. Das ist den Aufsichtsbehörden bekannt - wird aber weitgehend ignoriert.

Von Jens August, Sven-Age Schenkelfrei, Janos Afanasjowa Undelewa Müller-Full und Klaus-Bernd "Missi" Seifert-Strontz, PPQ

Zahlreiche deutsche Zeitungen und Magazine, aber auch Fernsehhäuser, verstoßen offenbar systematisch und in großem Stil gegen deutsche Gesetze, indem sie Werbeschaltungen für illegale Internet-Casinos und Sportwett-Anbieter ohne deutsche Lizenz verbreiten. Das ist das Ergebnis einer Recherche von PPQ im Zusammenhang mit den "Parodie Papers".

Im Bund mit dem Bösen


Demnach nehmen unter anderem die Süddeutsche Zeitung (Foto oben), die ARD, Sky, die FAZ, der Spiegel, Stern, Focus, Frankfurter Rundschau, die Stimme und Sat 1 und andere Gelder für illegale Glücksspielangebote entgegen. Andere Anbieter wie Sport 1 und das ZDF halten sich Offshore-Glücksspielanbieter als Werbepartner, denen sie helfen, über Werbeschaltungen neue Glücksspielsüchtige schwerstabhängig zu machen, so dass diese Haus und Hof verspielen. Nach Auffassung von Strafrechtsexperten verstoßen sie damit ebenso gegen den Glücksspielstaatsvertrag wie Sportverbände und -vereine, die direkt für Glücksspielkonzerne werben. Zudem könnten sie sich der Beihilfe zum illegalen Glücksspiel und der Geldwäsche strafbar machen.


Der Glücksspielmarkt ist in Deutschland streng reguliert. Glücksspiele darf in Deutschland nur anbieten, wer über eine Lizenz verfügt wie das staatliche Lotto als einziger Anbieter. Private Anbieter dagegen verfügen nicht über eine solche Lizenz, weil sie ihnen nicht erteilt werden kann. Darunter litte das staatliche Glücksspielmonopol, aus dem Landespolitiker über eigens gebildete Beiräte Geldmittel abschöpfen, um Landschaftspflege zu betreiben. Das gilt auch für die Branchengrößen Tipico und Bwin. Sie verfügen lediglich über eine Erlaubnis, die nur in Schleswig-Holstein gültig ist. Im Internet bieten sie aber dennoch Online-Casino-Spiele wie Roulette oder Spielautomaten für alle deutschen Spieler an.

Glücksspieler beim "Spiegel"


Damit verstoßen auch die Medienhäuser, die etwa bei Bundesliga- oder Handball-Übetragungen Werbung für illegale Anbieter zeigen, gegen das Gesetz. Viele deutsche Zeitungshäuser sind in dem Bereich dennoch tätig. Recherchen von PPQ zeigen nun erstmals und exklusiv, dass Bundesligavereine Werbepartner haben, die von Fernsehsendern und Zeitungshäusern immer wieder gern ins rechte Licht gerückt werden. Der "Spiegel" zeigt so großformatige Werbebanden, die Frankfurter Rundschau zeigt schamlos Wettwerbung und auch die "Welt" kennt angesichts der Klickmaschine Bundesliga keine Skrupel.

Sie behaupten, der deutsche Glücksspielstaatsvertrag sei europarechtswidrig. Tatsächlich stört sich die EU-Kommission schon lange an der deutschen Regulierung, unter anderem, weil das Online-Verbot kaum durchgesetzt wird. Für die Glücksspielgesetze sind weitgehend die Bundesländer zuständig, die sich scheuen, deutsches Recht durchzusetzen.  "Es gibt natürlich Personen, die die Gültigkeit des Glücksspielverbots anzweifeln aus europarechtlichen Gründen, aber bislang ist mir keine Entscheidung des EuGH bekannt, die gerade das Internetglücksspielverbot für europarechtswidrig erklärt", sagte Jan-Philipp Rock, Richter am Landgericht Hamburg, der Süddeutschen Zeitung, die im Mittelpunkt des Skandals steht. Erst vorvergangene Woche hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig das Internet-Verbot für Glücksspiele bestätigt, das auch ein verbot der Werbung dafür beinhaltet. Aber in diesem Markt fällt es Medienkonzernen eben leicht, höchstrichterliche Entscheidungen zu ignorieren.

Samstag, 11. November 2017

Fränzchen Müller: Nach der Trennung trifft sie auf Ex - In DIESEM Outfit!

Franziska "Fränzchen" Müllerzeigte sich ihrem Ex wie gewohnt offenherzig.
Bei Franziska Müller und ihrem Freund Ronny Svenberg ist der Ofen aus, seit September geht das Paar getrennte Wege. Doch jetzt trafen die Ex-Turteltauben wieder aufeinander - wie das Wiedersehen verlief und weshalb sich Franziska Müller als Braut in Szene setzte, lesen Sie hier.

Das Traumpaar Franziska „Fränzchen“ Müller und Ronny „The Body“ Svenberg geht inzwischen getrennte Wege. Aber Stendal, wo die beiden ehedem so heiß ineinanderverliebten wohnen, ist eine kleine Stadt. Man trifft sich immer zweimal hier an der Straße der Gewalt, die weiter nördlich durch die Gebiete führt, in denen nur noch Füchse und wilde Wolfsrudel leben.

Als Fränzchen und Ronny während der heißen Fussball-WM-Wochen 2014 zueinanderfanden, war ein neues Traumpaar geboren: Franziska Müller, von Beruf Fleischfachverkäuferin, blond, wohlproportioniert, lag Ronny Svenberg zu Füßen, einem Mann wie aus Hollywood, mit großen, starken Händen, struppigem Blondhaar und strahlend blauen Augen.In den darauffolgenden Wochen zeigten sich die Turteltäubchen frisch verliebt und knutschend bei jeder sich bietenden Gelegenheit - doch Ende September war bereits alles vorbei. Die Stadt sprach teilweise von nichts anderem, die beiden sprachen nicht einmal mehr miteinander.

Als Neu-Singles verkrochen sie sich jedoch auch nicht im stillen Kämmerlein, wie das manche Beobachter vor allem bei überregionalen Medien erwartet hatten. Fränzchen lenkte sich mit öffentlichen Solo-Auftritten etwa beim Stendaler Stadtfest vom Liebeskummer ab. Ronny fand Beschäftigung bei seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Freiwilliger Feuerwehrmann. Doch bekanntlich ist die Welt ein Dorf - und so trafen die gerade noch Liebenden nur wenige Wochen nach der Trennung unfreiwillig aufeinander.

Schauplatz des Geschehens war der Spielplatz am Tiergarten, wo Fränzchen Müller auf ihren kleinen Neffen aufpassen musste, während Ronny Svenberg mit zwei Kumpels auf einer Bank Bier trank. Anfangs irritiert, ließen es sich beide nicht nehmen, sich mit Blicken abzutasten und einander zuzulächeln. Vor allem die 27-jährige Verkäuferin setzte sich gekonnt in Szene, trug Fränzchen doch ein Kleid, das den Anwesenden den Atem verschlug.

Die Ex von Ronny Svenberg ließ tief blicken, tief hinein in ein weißes Minikleid aus Spitze, das mit einer fließenden Schleppe verziert war und durch die raffinierten Schnürungen jede Menge Haut freilegt. Die sexy Kreation hatte die multitalentierte Hauptschülerin selbst entworfen, wie sie mit einem Schnappschuss des Kleides auf Facebook mitteilte. Dass der weiße Fummel unweigerlich an ein Brautkleid erinnert, scheint auch ihr bewusst zu sein, denn ihren Facebook-Post leitete die 27-Jährige mit den Worten "I said yes" ein.

Aber zu wem? Von Ronny Svenberg war bisher keine Antwort zu bekommen.



Rechte Hetze: Fundis bei "Spiegel Daily"

Fundamentalistische Verächtlichmachung einer Kleinpartei: Die Grünen bei "Spiegel Daily".

Es gibt ihn doch noch, den Newsletter der Spiegel-Redaktion, die im Mai darangegangen war, mit "Spiegel Daily" in den täglichen täglichen Kampf gegen Donald Trump zu ziehen. Mit dem Glauben, den "Irren" (Frankfurter Rundschau) aus dem Amt schreiben zu können, erlahmte auch die Kraft, sich immer neue Fake News über "russische Spuren", ein nahes Amtsenthebungsverfahren und Rechtschreibfehler in Trumps Twitternachrichten auszudenken.

Weitergemacht hat Spiegel Daily wohl dennoch, ob lückenlos, ist nicht nachzuvollziehen, weil niemand die elektronische Propagandapeitsche aus Hamburg liest. Jetzt zumindest, das ist amtlich, steigt die Redaktion wieder in den Ring, diesmal jedoch als rechtspopulitisch gewendete Kampftruppe gegen Grün. "Wir machen den Weg frei", überschreibt "Spiegel" Daily" eine Geschichte, die mit rechtspopulistischen Schwarz-Weiß-Argumenten versucht, grundsätzliche Zweifel an der Art der Aushandlung von Kompromissen in demokratischen Gesellschaften zu wecken. Grundvorwurf von Autor Dietmar Pieper: Die Grünen, Hauspartei des "Spiegel", laufe in den Sondierungen zu Jamaika "Gefahr, zentrale Ziele zu verraten". So stünden der "knallharte Klimaschutz" und die "schnelle Verkehrswende" auf dem Spiel, weil die "Ökopartei" (Spiegel) nicht unerbittlich genug mit Union und FDP verhandele.

Es ist die Methode AfD, die hier angewendet wird. Obwohl die Grünen bei der Bundestagswahl gerademal 8,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnten und damit in einer künftigen Jamaika-Koalition nur rund 20 Prozent der Stimmen repräsentieren, die insgesamt auf die künftigen Regierungsparteien entfallen sind, meldet der "Spiegel" Ansprüche auf hundert Prozent Wunscherfüllung für die Grünen-Wähler an.

Wird die nicht erreicht, was naheliegend ist, weil die drei anderen Koalitionsparteien ebenfalls Wünsche haben und allesamt mehr Wähler, von denen sie beauftragt wurden, sie durchzusetzen, gilt das dem kleinen Hamburger Elektro-Magazin als Verrat. Komme es so, dass Kompromisse erreicht würden, wüssten alle: "Mitregieren geht den Grünen über fast alles", wettert "Spiegel Daily". Sie seien dann eine "Umfaller-Partei", die mit der Preisgabe ihrer Positionen bei den Themen Klimaschutz und Verkehrswende für ein paar Ministerposten zahle.

Es ist eine üble Verächtlichmachung demokratischer Prozesse, das einen imaginären grünen "Zehn-Punkte-Plan für grünes Regieren", der im Wahlkampf als "verbindliches Angebot" angekündigt worden war, zum Maßstab einer grünen Regierungsbeteiligung macht. Wir sind das Volk und wer uns nicht folgt, den bekämpfen wir als Feind. Als hätte Jutta Ditfurth dem Autoren die Feder geführt, ficht der Spiegel-Ableger für ein All-in, ein Alles-oder-nichts, ein Friss-oder-Stirb. Wer Realitäten anerkennt, ist ein "Umfaller", wer Kompromisse schließt, ist nicht das Volk, für das der Literaturwissenschaftler Dietmar Pieper spricht. Er gefährdet die Reinheit der Lehre, er muss geächtet, verbannt, zur Umkehr gezwungen werden.

Freitag, 10. November 2017

Kevin Spacey: Saubermachen wie in der Sowjetunion

Auch auf Bildern von Stalin ist Kevin Spacey nicht zu sehen.
Wenn Menschen bei Joseph Stalin in Ungnade fielen, dann merkten sie selbst das häufig zuerst daran, dass Bilder gereinigt wurden, auf denen sie mit dem großen Väterchen der russischen Revolution zu sehen waren. Leo Trotzki und Lev Kamenew standen auf Fotos plötzlich nicht mehr da, wo sie im Moment der Aufnahme gewesen waren. An ihrer Stelle war Hintergrund, Wand, Menschenmenge oder Himmel. Wenn erst alle Begleiter des einzig wahren Führers der Sowjetunion wegen Spionage, Fraktionsbildung oder Verrat ausgelöscht waren, stand Stalin allein im Bild, das nun mehr Gemälde war als Fotografie.

Knapp hundert Jahre später ist nun Hollywood dabei, Aufzeichnungen zu redigieren, die böse Menschen zeigen, die gerade noch im verdacht standen, gute Kunst zu produzieren. Angefeuert von einem wie besinnungslos über Menschen trampelnden Mob aus Sensationsmedien, hat erst Netflix seine Erfolgsserie "House of Cards" gemeuchelt, weil Hauptdarsteller Kevin Spacey im Verdacht steht, auch minderjährige Jungen belästigt zu haben. Und nun hat sich auch Regielegende Ridley Scott der unbarmherzigen Logik der galoppierenden Bestrafung ohne Anklage, Prozess und Urteil gebeugt, und Stacey aus seinem bereits abgedrehten Thriller "Alles Geld der Welt" entfernt.

Das ist nun also die Moderne. Mussten es frühere Generationen von Zensoren noch dabei belassen, mit Rasierklinge und Bleistift an Fotos herumzuradieren, hat der "neue Puritanismus" (Basler Zeitung) die unendlichen Möglichkeiten des Digitalen zur Verfügung. Niemand muss mehr Filme verbieten. Denn sie lassen sich an die jeweils geltende Morallage anpassen. Peinliche Panne wie die um ein Foto des tschechischen Reformers Alexander Dubcek, dessen Schuhe nach seiner Entfernung in einem Foto verblieben, sind ausgeschlossen.

Nicht mehr die Partei, sondern die Masse hat immer recht, sei sie auch eingebildet und nur in den asozialen Netzwerken und ihrer medialen Spiegelung präsent. Kevin Spacey, neben Harvey Weinstein als Hauptschurke im aktuellen Sexskandal besetzte, wird sexuelle Belästigung und Vergewaltigung in mehreren Fällen vorgeworfen. "Zwar sind die Anschuldigungen noch nicht juristisch aufgearbeitet worden", schreibt die Süddeutsche Zeitung, die sich die sich mit juristisch nach aufgearbeiteten Vorwürfen gut auskennt. Aber immerhin ermittele "in England Scotland Yard gegen den Schauspieler". Wozu da noch eine Unschuldsvermutung?

Kachelmann lässt grüßen. Wie der Wettermann von der ARD aussortiert wurde, als sei er durch das, was einschlägige Blätter "Sexvorwürfe" nennen, zum Paria geworden, löscht Ridley Scott den Menschen Spacey aus einem Film, in dem der Schauspieler mitspielte. Keine Spurt soll bleiben vom moralisch zwiefelhaften Mimen.

Damit werde "die Schuld" Spaceys nicht gesühnt, mahnt die Süddeutsche. Es ist offenbar schon verhandelt und geurteilt worden, doch nun gerät die Redaktion in Sorge, dass die Geister, die sie mitbeschworen hat, mehr verschlingen könnten als geplant.

Endlich! Verfassungsgericht schafft Geschlecht ab: Ab jetzt heißt es Gegut

Mann und Frau sind künftig keine Geschlechter mehr, sondern Geguter.

300 Millionen Jahre Unterdrückung durch angebliche Chromosomen, die niemand sehen konnte. Schwänze vorn, Busen oben. Vermeintliche Wissenschaftler glaubten, beweisen zu können, dass zweimal das gleiche X-Chromosom ein Weibchen macht, Männchen dagegen an kombiniertem X- und Y-Chromosom zu erkennen seien. Diesen Zustand nannten Forscher "Geschlecht".

Ein Wort, das nicht von ungefähr negativ konnotiert ist. In Geschlecht steckt "schlecht". Lexika definierten dieses Adjektiv als Ausdrück für "geringe Qualität, viele Mängel aufweisend, minderwertig, schwach, unzulänglich, nicht ausreichend, ungünstig, nachteilig für etwas, nicht glücklich, schlimm, unangenehm, moralisch nicht einwandfrei, böse, übel" oder - veraltet - als "schlicht" oder "einfach".




Dennoch schaffte es der Begriff bis in die Schulen und Universitäten und sogar bis ins Grundgesetz. Menschen wurden anhand ihrer Chromosomenzahl einer angeblichen Geschlechtsausprägung zugeordnet. Wer kein Y-Chromosom hatte, dem wurde ein männlicher Genitaltrakt verweigert, auch wenn er gern einen zur Verfügung gehabt hätte zu. Egal, wie er sich fühlte, er musste es nehmen wie ein Mann. Und der Mann, der gern getauscht hätte, blieb ebenso unerhört. Beide waren von verschiedenem "Geschlecht". Wurden aber gleichermaßen diskriminiert.


Erst jetzt griff das Bundesverfassungsgericht ein und schaffte die "binäre Gechlechtlichkeit" ab, wie es der Genderforscher Heribert Prantl nennt. Nicht mehr "Geschlecht" soll heißen, was Menschen trennt und voneinander entfremdet. Sondern Gegut, ein Wort, in dem hörbar die Absicht mitschwingt, den anderen als gleichwertig anzuerkennen. Es gelte, das Bezeichnungswort für den Chromosomenunterschied positivneutral zu gestalten, um die Forderung des Grundgesetzes, niemand dürfe wegen seines Geschlechts diskriminiert werden, nicht schon durch die Bezeichnung ins Leere laufen zu lassen.

Ein harter, aber notwendiger Schlag gegen das deutsche Personenstandsrechts, das in Kürze drei "Geschlechtswahlmöglichkeiten" anbieten wird, außer den beiden Varianten „weiblich“ oder „männlich“ aber auch die neue, dritte Variante "intersexuell" wiederum abwertend "Geschlecht" nennt.


Der Vierte Senat des Bundesverfassungsgerichts hat millionenfacher Diskriminierung damit einen Riegel vorgeschoben. Bisherige Urteile hätten sich zwar bemüht, loben die Richter, „auch die Identität derjenigen zu schützen, die sich dauerhaft weder als männlich noch als weiblichen zuordnen wollen und lassen“. Doch dazu habe bei bisherigen Beschlüssen des Verfassungsgerichts die Projektion von "Geschlechtern" gedient, die ihrerseits dem Diskriminierungsverbot widerspreche.

Der Gesetzgeber hat nun bis zum 31. Dezember 2018 eine Neuregelung zu schaffen, in der der Begriff Gegut das bisherige "Geschlecht" ersetzt. Bis dahin dürfen Gerichte und Verwaltungsbehörden die bisher geltenden Normen nicht mehr anwenden, soweit sie auf das Wort "Geschlecht" Bezug nehmen. Zudem ergibt sich für den Bundestag eine Pflicht zu einer Revision des Grundgesetzes in den Passagen, in denen das nunmehr für rechtswidrig erklärte Wort "Geschlecht" eine Rolle spielt.

Sie können den Text im Internet über folgende URL erreichen.



Donnerstag, 9. November 2017

"Die Zeit": Virtuelle Drückerkolonne

Grund zum Feiern bei der renommierten Hamburger Wochenschrift "Die Zeit"! 250.000 sogenannte Follower zählt das von Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt verlassene Blatt beim Kurznachrichtenportal Twitter. Zu so einem Anlass tut die Holzpresse dann auch mal richtig einen raus. "Als Dankeschön vergeben wir vier Wochen die Zeit gratis zur Probe", dichtet Zeit-Redakteur Anant Agarwala zu einem Bild mit lustig aufsteigenden Luftballons.

Mensch, Die Zeit! In einer Zeit, in der es außer Wasser an der Tankstelle und Papiertüten im "Backhaus" nichts umsonst gibt, lässt sich ein Blatt aus der kriselnden Medienbranche nicht lumpen und tut mal richtig einen raus. Klar, die Freude über die vielen Follower in der Redaktion ist unendlich groß. Offiziell nutzen überhaupt nur eine Million DeutscheTwitter aktiv. Und jeder vierte davon liest die Zeit-Tweets! Vielleicht tut sich hier ja die Chance auf, noch langsamer zu sterben als bisher?

So zumindest klingt es, wenn man glaubt, was die "Zeit" ihren Redakteur Anant Agarwala als "gesponsorten Post" über Twitter (oben) verbreiten lässt. Die beiden Sätze lassen keinen Zweifel am Anlass der Gratis-Party: 250.000 Follower. Deshalb das einmalige Angebot.

Das allerdings so einmalig ist wie ein Trump-kritischer Text in der "Zeit", der mit richtig deftigen Verbalinjurien abgeschmeckt ist. Die Lockvogel-Nummer mit dem Vier-Wochen-Gratis-Abo zelebriert das Wochenblatt vom Speersort seit Jahren quasi fortlaufend. Egal, wie viele Follower der Twitteraccount gerade hat, es sind immer "Testwochen". Und meist gibt es als Belohnung für Menschen, die sich das umweltschädliche Zwei-Kilo-Einmalprodukt ins Haus kommen lassen, noch ein Uhr aus Dosenblech oder einen Tankgutschein dazu.

Die Darstellung der seit Jahren hausüblichen Werbeaktion als unwiederbringliche Gelegenheit, mit der freudetrunkenen Redaktion mitzufeiern, passt in die Strategie nicht nur der "Zeit", beharrlich am Verlust auch des letzten Quäntchens Glaubwürdigkeit zu arbeiten. Eine virtuelle Drückerkolonne, die als Verkaufsargument bedenkenlos auch Fake News nutzt als würde sie Time-sharing-Appartments auf Malle verscherbeln.

In eigener Sache sucht sich die vierte Gewalt einen fadenscheinigen Vorwand, um den alten Wein der "vier Wochen kostenlos zur Probe" (Die Zeit) in neue Schläuche abzufüllen. Beim Pferdefuss bleibt es: Wer auf den Fake hereinfällt, genießt das Blatt "vier Wochen lang gratis" und zahlt ab Woche fünf 4,80 Euro pro Ausgabe, wenn er nicht spätestens nach der dritten zugeschickten Nummer schriftlich gekündigt hat.



Vom Mauerfall zum kulturellen Kolonialismus

Addieren Sie das Alter der Mauer zum Tag ihrer Öffnung! Sie kommen auf heute! Genau heute! Jetzt! Das geschieht nur einmal aller dreiundfünfzig Millionen Jahre!


Selbst die sozialen Netzwerke vibrieren angesichts solcher viraler Nachrichten noch einmal, wenn es um das Thema Eiserner Vorhang geht. 28 Jahre da, 28 Jahre weg, die Freiheit feiert Geburtstag, wenn auch in deprimierter Stimmung. Die Menschen, die sich in der Nacht zum 9. November um den Hals fielen, haben wieder Angst vor Fremden. Der Russe, der einst hilfreich die Hand reichte, ist wieder ein Feind. Das Land hat keine Regierung, Europa krankt an akutem Separatismus. Der Westen, angetreten, nach dem Ende der Geschichte die ganz Welt nach seinem Bild zu formen, ist schon zerstritten über der Frage, ob eher die Landesgrenzen kontrolliert oder jeder einzelne Marktplatz mit
liebevoll gestalteten Pollern gesichert werden sollte.

Paragraph 23, die Basis des Glücks der Ostdeutschen, ist in der ursprünglichen Form aus dem Grundgesetz verschwunden, aber der Wandel hat an dieser Stelle nicht Halt gemacht. Mit der Weiterentwicklung der Demokratie entwickelte sich auch ein Bedürfnis, die Verfassung an die "Verfassungswirklichkeit" (Merkel) anzupassen. 57 Mal wurde das Grundgesetz zu diesem Zweck geändert, bei diesen 57 Änderungen, die im Detail mehrere hundert Ergänzungen, Streichungen und Verschiebungen beinhalteten, blieb kaum ein Artikel, wie er war.


Hatte das Original des Grundgesetzes noch überschaubare 146 Artikel auf 47 Seiten, die aus 12.216 Wörtern bestanden, die wiederum aus 73.368 Zeichen zusammengesetzt waren, ist die Version von heute um fast die Hälfte dicker. 86 Seiten zählt das GG heute, aus knapp über 12.000 Wörtern mit 73.000 Zeichen sind 23.231 mit satten 153.092 Zeichen geworden.

Im Bundesanzeiger, dem amtlichen Mitteilungsblatt der Bundesregierung, ist die Mitteilung über die Aufhebung des alten Paragraph 23 mit seiner offenen Tür für den Beitritt fremder Länder nicht mehr zu finden. Allerdings ist jeder Euro in der Brieftasche ein Beleg dafür, dass es die Einheit gibt: Helmut Kohl gab Francois Mitterand das Versprechen, Deutschland in einem vereinigten Europa aufgehen zu lassen, wenn sich das Land zuvor wieder vereinigen dürfe.

Staatsrechtlich gesehen passierten schwerwiegende Fehler auf dem Weg dorthin. So kann der "Vertrag über die Schaffung der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik" völkerrechtlich niemals wirksam geworden sein, weil er nicht wie erforderlich von einem unterschriftsberechtigten Minister der DDR, sondern von einem - offensichtlich eilig herbeigeschafften - Ersatzmann abgezeichnet wurde.

Das amtliche Bulletin der Bundesregierung Nr. 63 vom 18. Mai 1990 belegt auf Seite 525 bis heute: Unterschrieben hat das Gründungsdokument des vereinigten Deutschland ein gewisser "Dr. Walter Rombach" als vermeintlicher "Minister" für Finanzen der DDR. Amtsinhaber zur Zeit des vermeintlichen Vertragsschlusses war allerdings Dr. Walter Romberg, ein Mathematiker, Sozialdemokrat und späterer Gegner des Einigungsvertrages.

Eine peinliche Panne, die, seit sie geschah, mit großem Aufwand vertuscht wird. Sowohl Helmut Kohl als auch große Qualitätsmedien als auch linksradikale Kampfblätter sprechen inzwischen durchweg von "Walter Rombach" als unterschriftsberechtigtem Vertreter der DDR, um die völkerrechtlich nie legitim vollzogene Wirtschafts- und Währungsunion im Nachhinein zu retten.

Dass dabei manches auf der Strecke bleiben muss, liegt  in der Natur der Sache. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen, denn es sind allemal noch genügend Mauern da. Aus der Einheitseuphorie ist ein kultureller Kolonialismus geworden, der nach Ausradierung der Geschichte verlangt. Das Glück ist ein Wessi, er glaubt, was er sagt, und ist auf dem rechten Weg. Immer schon gewesen. Und wird immer sein.

Mittwoch, 8. November 2017

Trumps Bilanz: Der Wirtschaftskiller

Zum Alltime-Rekord des Barack Obama, der den "Märkten Fesseln anlegen" wollte, fehlt noch ein Stück. Um 260 Prozent stiegen Dow Jones und der deutsche Dax in der Amtszeit des Mannes, der vor dem Einzug ins Weiße Haus angekündigt hatte, er werde eine knallharte Regulierung der Finanzmärkte einleiten. Aber für sein erstes Jahr hat Donald Trump geliefert: Um knapp 30 Prozent stieg der Dow Jones, um 32 der Nasdaq und auch der Dax schaffte 32 Prozent. Nur der Eurostox blieb ein wenig zurück und blieb bei plus 22 Prozent hängen.


Würde Trump so weitermachen, käme er nahe an Obamas Rekord heran. Zumal auch die kleineren Börsen mitziehen: Singapur stieg seit seiner Wahl um 21 Prozent, Indien um 26, das separatistengeplagte Spanien um 13, Australien ebenso wie das seit der Krim-Krise hart sanktionierte Russland um 17, Japan um 35 und China um 33.

Gerade recht kommt da eine profunde Einschätzung aus Expertensicht. Eine "Ifo-Expertenumfrage zu USA" nämlich ergibt logischerweise: "Trump belastet die Weltwirtschaft".

Da herrscht Einigkeit weitweit. Für die Mehrheit der internationalen Experten hat US-Präsident Donald Trump hat sich in seinem ersten Amtsjahr als "Bürde für die Weltwirtschaft" erwiesen. Fast drei Viertel der "929 Fachleute aus 120 Ländern" (Reuters) vertraten die Meinung, Trump habe die Weltwirtschaft negativ beeinflusst.

Ein bisschen weniger negativ habe Trumps Regentschaft sich auf die USA ausgewirkt. Hier, wo die Arbeitslosenzahl nach einem "besonders schnellen" (Die Zeit) Rückgang in diesem Jahr bei nur noch 4,3 Prozent nun mehr als ein Prozent niedriger als in Deutschland liegt - und damit so tief wie seit 16 Jahren nicht mehr - , sprechen 57,6 Prozent der Experten dem "Irren" (FR) eine belastende Wirkung auf die Wirtschaft zu.

Wessen Ruf diese Einschätzung mehr schadet, Trump oder den Medien, die die Meldung ungeprüft verbreiten, hat das ehemalige Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" konsequent und schonungslos aufgeschrieben.