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Freitag, 3. November 2017

Krischer & Kellner: The Sun of Jamaica



Der eine ist riesengroß, der andere trägt Heiner Geißlers alte Mönchsfrisur auf. Nachhaltig sind sie beide, die bisher recht unbekannten Figuren, die die Grünen anlässlich der Jamaika-Verhandlungen neben ihrer Parteiführung und dem unverhofft aus der Gruft gestiegenen Alt-Linken Jürgen Trittin in die Schlacht um die Macht geworfen haben.

Der große Mann, der eben neben der Zwergin von der FDP steht, heißt Michael Kellner, er ist Ostdeutscher, aber aus dem roten Thüringen, 40 Jahre alt und er dient seiner Partei schon vier Jahre lang unauffällig als Bundesgeschäftsführer. Mit dem anderen Mann, kleiner, dicker und mit einem Doppelkinn bis zum Bauchnabel ausgestattet, verbindet Kellner nicht nur die Präsenz am Rande der Koalitionsverhandlungen. Nein, auch Oliver Krischer zeichnet ein Lebensweg aus, der vollständig aus einer lupenreinen Parteikarriere besteht: Der Mann aus der Eifel, Ende 40, aber abgekämpfter aussehend, studierte mal Biologie, verließ die Uni aber ohne Abschluss.

Genug Qualifikation, um als Mitarbeiter einer grünen Bundestagsabgeordneten in die Politik einszusteigen und später als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Landtagsfraktion NRW der Grünen im Bereich Energie, Landwirtschaft und Landesplanung tätig zu werden. Ähnlich lief es bei seinem Kollegen Kellner: Der studierte Politikwissenschaften, sogar mit Abschluss. Und wurde dann Büroleiter der damaligen Parteivorsitzenden Claudia Roth. Später wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Stab des grünen Bundestagsabgeordneten Frithjof Schmidt und 2013 avancierte er schließlich zum Geschäftsführer der Grünen.

Zwei Männer, ein Lebensweg. Krischer etwa haben rund 12.000 Wähler ihre Stimme gegeben, das waren nochmal 1,4 Prozent weniger als bei der Bundestagswahl 2013, als er es mit 6,3 Prozent immerhin über Fünf-Prozent-Hürde geschafft hatte. Diesmal blieb er drunter, aber Listenplatz 2 der Landesliste reichte für den Wiedereinzug ins Parlament.

Dort agiert Krischer nun mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der um seine Chance weiß, Geschichte zu schreiben. Niemand müsse Angst haben, dass die Lichter in Deutschland ausgehen, nur weil Jamaika den Energieausstieg schnellstmöglich auf die Kohlekraftwerke ausdehnen wolle. "Es wird keine Lampe flackern, wenn 20 Blöcke abgeschaltet werden", verspricht der Experte, der noch keinen Tag außerhalb der grünen Versorgungsblase gearbeitet hat.

Er weiß auch so, wovon er spricht: Thematisch ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und "politische Koordinator des Arbeitskreises Umwelt" für die Themenfelder Umwelt, Naturschutz, Reaktorsicherheit, Tierschutz, Klima, Energie, Wirtschaft, Nachhaltigkeit, Bau, Wohnen und Stadtentwicklung, Verkehr, Landwirtschaft, Ernährung, digitale Infrastruktur, Autobahnmaut, sanierungsbedürftige Bahnbrücken und Tourismus zuständig. 18 Fachgebiete, die ein normaler Mensch wohl kaum überschauen, geschweige denn so tief durchdringen könnte, dass er sich zutraute, dort die Weichen für die nächsten hundert Jahre zu stellen.

Krischer und Kellner, letzterer ein selbstausgebildeter Spezialist in "Friedens- und Sicherheitspolitik", tragen die gewaltige Verantwortung lächelnd weg. Riesengroß steht der eine da, eher knubbelig wirkt der andere. Beide tragen sie dieselbe Brille, ein schmales, schwarzes Modell, bei dem das Durchschauen sichtlich Spaß macht. Abends kommen Krischer und Kellner nach Hause, müde, aber zufrieden. Wie war´s, rufen die beiden Frauen, die auf die jeweils zwei Kinder aufgepasst haben. Gut, rufen Krischer und Kellner zurück, wir schaffen das mit der Rettung der Welt.


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1 Kommentar:

Volker hat gesagt…

"Kellner: Der studierte Politikwissenschaften, sogar mit Abschluss."

Endlich mal einer mit einem ordentlichen Beruf.