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Dienstag, 19. Dezember 2017

Anis Amri: Der dritte, vierte und der fünfte Mann

Wie konnte Anis Amri den gestohlenen Scania-Truck gleichzeitig lenken und dabei auf sein erstes Opfer einstechen und schießen?

Nach den ersten Berichten vom Tatort hatte es so ausgesehen, als hätte der islamistische Terrorist Anis Amri nicht allein gehandelt. Wie hätte er auch können, wenn er im Führerhaus des gestohlenen Lkw von dessen Fahrer angegriffen wurde und sein Opfer daraufhin erst erstochen und dann  erschossen hätte. Während er parallel weiter stur Kurs hielt auf den Berliner Breitscheidplatz. Das Problem: Amri hat nur zwei Hände, muss aber zwischen Lenkrad, Messer und Pistole wechseln. Wie macht er das?

Es sah für den durchschnittlich verständigen Betrachter sofort so aus, als hätte Amri zwingend Hilfe haben müssen, um das Kunststück zu vollbringen, einen Mann mit Messer und Pistole zu ermorden, derweil er einen großen Truck, mit dem er nicht im geringsten vertraut war, durch den Berliner Feierabendverkehr steuerte.

Aber Entwarnung. kaum war die kollektiv von allen Medien erzählte bizarre Führerhausgeschichte widerlegt, verschwand sie auch auf Nimmerwiedersehen aus den Tatdarstellungen. Irgendwann ist eine Art Rohzustand der Faktenlage erreicht: Amri "schießt er auf den polnischen Fahrer, das hat die Analyse der Schmauchspuren ergeben", bündelt die Berliner Zeitung das Gesamtgeschehen. "Dann fährt er in Richtung Weihnachtsmarkt", heißt es weiter und schließlich "rast der 24-jährige Anis Amri mit einem Lastwagen in eine Budengasse des Weihnachtsmarkts an der Berliner Gedächtniskirche".

So leicht geht das. Sobald alle störenden Details weggelassen werden, braucht es keinen dritten Mann mehr, um das Geschehen zu erklären: Warum Amri Ausweis und Bargeld im Lkw zurücklässt, wie es ihm gelingt, ohne all das bis nach Italien zu fliehen, was ihn veranlasste, sich unterwegs mehrfach filmen zu lassen und wieso nach Januar nie wieder die Rede von seiner rätselhaften Fluchtroute war.

Aus der Frage nach Wie und Warum wurde die Frage nach "wer ist verantwortlich". Amri, Produkt einer staatlichen Haltung des "wir schaffen das" auch ohne uns die Finger schmutzigzumachen, wird wie von Zauberhand zu einem Ausrutscher, der nicht mehr tragisch, sondern eher peinlich ist.

Ein Jahr lang lässt sich die Kanzlerin nicht in der Nähe der Hinterbliebenen sehen. Ein Jahr lang graben Sonderermittler und Untersuchungsausschüsse vergebens im Modder von Geheimdienstaktionen. Im Ergebnis steht dann doch nur fest, dass Fotos mit Waffen auf Amris Handy waren, die irgendwie übersehen wurden. Dass ein Oberislamist namens Abu Walaa seinen Anschlagsplan genehmigt habe. Und dass eine "ordnende Hand" das Handeln der Sicherheitsdienste bestimmte, wie der frühere Grünen-Politiker Christian Ströbele verschwörungstheoretisch raunt. Obwohl es eindeutige Hinweise auf die Pläne Amris gab, habe über Monate niemand eingegriffen.

Das sicherste Indiz für eine zutreffende Verschwörungstheorie ist seit geraumer Zeit schon das ausbleibende Dementi. Wie beim abgehörten Kanzlerhandy, bei der massenhaften Ausspähung deutscher Staatsbürger durch ausländische Geheimdienste, der nirgendwo protokollierten Grenzöffnung vom September 2015 und bei der Beförderung eines mutmaßlich eidbrüchigen Ministers ins höchste Staatsamt bleibt auch im Fall Amri vor lauter ellenlangen Listen läppischer Fehler nichts übrig als der Eindruck einer großen Sehnsucht nach einem gnädigen Vergessen.

In Berlin haben sie jetzt ein Denkmal für die Opfer gebaut. Damit ist der Fall in der Regel abschließend erledigt.


Don Alphonso über die NSU-artigen Rätsel der Causa Amri




Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lebkuchenmessernaziterrorist ... wer glaubt den Mist!? Erst bei erneuter Filzung den Ausweis in der Fahrerkabine gefunden, da soll er schon Genitalien (alter Chirurgen-Kalauer, wenn der Blindwurm nach McBurney entfernt wurde - nun gucken wir nochmal gen Italien) entwichen und dort praktischerweise den Ehrentod durch Pulver und Blei gefunden haben. Wer's glaubt, verpflichtet sich zu einem Förderabonnement der David-Frankfurter-Rundschau.

Halbgott in Weiß

Anonym hat gesagt…

@ Sepp: Du bestätigst, wohl ungewollt, mein berechtigtes Vorurteil gegen Knabenführer, auf gelehrt paidagogoi. Aber fürchte Dich nicht: Vor Dir sind noch die Politschaben, dann die Dreckschleudern (Journalisten), dann die Histrionen (überbezahlte Grimassenschneider)dran. Aber dann ohne Gnade Ihr Lehrerlein!

derherold hat gesagt…

Sepp is nich Halbgott !

Volker hat gesagt…

Bemerkenswert ist schon die Ansage von @Diego2 im gelben Forum am 21.12.2016:

"Da jetzt der Ausweis gefunden worden ist, kann man davon ausgehen, dass der Besitzer des Ausweises jetzt bei einer entsprechenden Aktion der Sicherheitskräfte (analog zu Charlie Hebdo oder Tim K.) erschossen wird."

Zwei Tage danach ist es passiert.

Anonym hat gesagt…

Wie konnte Anis Amri den gestohlenen Scania-Truck gleichzeitig lenken und dabei auf sein erstes Opfer einstechen und schießen?

So wie bei 9/11, würde ich sagen. Wie konnten Schlump-Piloten, die mit ach und krach und angeblich gerade eine Einmotorige < 2 Tonnen mühselig bewegen konnten, derartig meisterliche Manöver fliegen?