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Dienstag, 31. Juli 2018

100 Tage Andrea Nahles: Unternehmen Untergang

Eigentlich ist sie natürlich schon viel länger im Amt als diese 100 Tage, die jetzt gefeiert werden können. Als Andrea Nahles im April zur SPD-Parteivorsitzenden gewählt wurde, besetzte die frühere Stellvertreterin den Posten bereits einige Zeit - im Grunde genommen hatte sie ihn inne, seit es ihr gelungen war, ihren Vorgänger Martin Schulz mit einem geschickten Ränkespiel über Bande aus dem Amt zu kegeln. 

 Doch in der AG Sozialdemokraten in der SPD kam der machiavellische Akt nicht gut an, Nahles musste einen Kotau vor der Gruppenmeinung machen und ihrem Mitverschwörer  Olaf Schulz für eine Weile symbolisch den Spitzenposten übertragen.

Dann aber kam es doch, wie es kommen sollte. Nahles, im aktuellen Chefkader der SPD zweifellos die skrupelloseste Figur, versprach Erneuerung. Und bekam ihren Traumjob: Erste Frau ganz oben in der SPD, Augenhöhe mit Merkel, ihrem großen Vorbild. Und Oppositionsführerin im Kabinett. Sie werde die Partei in der Regierung erneuern, "diesen Beweis will ich ab morgen antreten", versprach sie ihren Genossen. Bätschie! In die Fresse!

Insoweit dazu gehört, die Umfrageergebnisse der Partei von den desaströsen 20,5 Prozent der Bundestagswahl unter Gottkanzler Schulz zu unterbieten, ist das gelungen. Die SPD steht inzwischen bei 18 oder auch 17 Prozent, vielleicht sogar hinter der AfD. Schlimmer war es nimmer.

Denn wo soll nun noch Hoffnung wachsen? Der Regierungspartner ist derzeit so schwach und in seiner Außendarstellung so angreifbar wie nie. Die Opposition existiert nicht, abgesehen von den Grünen, die ihre Oppositionsrolle allerdings vor allem dahingehend interpretieren, dass sie Angela Merkel keinesfalls kritisieren oder gar angreifen werden. Zudem hat die SPD in ihrem früheren Parteichef Sigmar Gabriel recht schnell einen Alleinverantwortlichen für die fatale Entwicklung der letzten Jahre seit Schröders Abschied gefunden.

Aber es funktioniert nicht. Kein Funken einer neuen sozialdemokratischen Euphorie schwappt über das Land, keine kesse junge Garde wischt den Mehltau der Schulz-Monate mit kaltem Wasser durch und schmeißt den alten Lappen weg. Kein "in die Fresse", kein "bätschie". Vielmehr hat sich die SPD entschlossen, die Farbe der Tapete ihrer Ministerbüros anzunehmen. Ein alter Hund hinter der Tür, der hofft, dass ihm der Wähler beim nächsten Treffen aus Mitleid ein paar Knochen zuwirft, weil er ja immerhin die Klappe hält.

Um das zu erreichen, ist die Nahles-SPD bereit, alles über Bord zu werfen, wofür sie noch im Herbst 2017 in den Wahlkampf gezogen ist. Die baut inzwischen an der Festung Europa mit, sie spricht nicht mehr von Europa und erwähnt schon gar nicht den kühnen Schulz-Plan vom Aufbau der Vereinigten Staaten von Europa bis 2025. Stattdessen spaltet die Partei und sie grenzt in einem Maße aus, das früher nie vorstellbar gewesen wäre. Aber auch das Früher schafft die Partei in aller Stille ab.

Hauptsache, mitregieren, Hauptsache, so lange oben bleiben, bis die Ankündigung, sich regenerieren zu wollen, in Vergessenheit geraten ist. "Die SPD muss wieder mehr wollen", empfiehlt ihr die parteinahe SZ, sie verschweigt jedoch, dass diese Partei gar nicht mehr weiß, was sie wollen sollte. Nahles immerhin hat alles, was sie sich erträumte. Viel kommt da nicht mehr.

Kommentare:

Sauer hat gesagt…

Auf einem Wahlplakat der SPD zu einer Bundestagswahl vor ca. 20 Jahren las ich: „Deutschland hat viele schöne Plätze. Der schönste Platz ist der Arbeitsplatz.“ Ich dachte, ich spinne. Ist es das, was die SPD uns verspricht? Arbeitsplätze? Mehr haben sie nicht anzubieten? Einen Arbeitsplatz kann ich mir selbst verschaffen, dazu brauche ich keinen Politiker. Ich erwarte schon etwas mehr, wenn ich die starken Worte der SPDler höre und ihr Versprechen eines besseren Lebens, denn das ist es ja, warum sie gewählt werden wollen. Wenn ich weiterhin arbeiten soll, dann kann mir die SPD den Buckel herunterrutschen. Was ich will und von der SPD verlange, ist ein gutes Einkommen ohne Arbeit! Sie sind erst dann wählbar, wenn ihr Slogan lautet: Wohlstand ohne Arbeit! Alles darunter können sie sich in die Haare schmieren, dann kann ich mein Kreuz gleich bei einer anderen Partei machen. Weiß die Nahles um diese Erwartungen und strengt sie sich an, sie zu erfüllen?

Anonym hat gesagt…

In "Bauern, Bonzen und Bomben" von Fallada bekommt ein Vater einer Zwölfjährigen einen Arbeitsplatz von den Spezialdemokraten, damit er die Klappe hält, nachdem ein Unterbonze dieser das Mädel der Jungfernschaft quitt gemacht hat.
Ist aber n u r Literatür.

ppq hat gesagt…

@sauer: solche wunderbaren geschichten bitte immer einschicken. das wäre eine schöne rubrik, fragen schreibender arbeiter an ihre partei. herrlich, so viel weisheit

Wolfgang Fubel hat gesagt…


Was für ein Gefühl muß es sein für Nichts, Sich Seinen Lebensabend von Anderen Finanzieren zu lassen. Diese Tante ist der Brandbeschleuniger für den Untergang einer "Partei" die die Bezeichnung SPD schon Lange nicht mehr verdient!
Wohlstand ohne Arbeit, ist nur bei diesen Politischen Witzfiguren möglich. Der
Wohlstand für Sie im Alter, gehöhrt zum Programm, egal welchen Schaden Die angerichtet haben!
Viel zu Erzählen und Nichts zu Sagen, ist das Erste was Die gelernt haben und Einige
Schlafschafe höhren immer gebannt zu.

Anonym hat gesagt…

gehöhrt zum Programm ... höhren ...

Oh, oh. Wer nämlich mit "h" schreibt, dem mangelt der Witz. Sonst ja einverstanden.

Gernot hat gesagt…

Soll er halt in der nächsten Odyssee-Verfilmung den Polyphem spielen.

Gernot hat gesagt…

Oh je, falscher Artikel kommentiert, Entschuldigung. Meinte natürlich Rumpelstilzchen.