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Mittwoch, 8. August 2018

Deutschland: Im Zeichen des Überirdischen

Mit der Aufklärung erwuchs dem Glauben an übersinnliche Kräfte, an Götter, Geister und übersinnliche Erscheinungen ein mächtiger Gegner. Was nicht war, das war nicht. Für Dinge, die unerklärlich schienen, fanden sich auf einmal naturwissenschaftliche Ursachen. Andere, die ohne Klärung blieben, so versprachen die Forscher, würden irgendwann später mit Sicherheit verstanden werden können.

Dieses Zeitalter der Rationalität aber endet allmählich. Zwar schwächeln die Glauebnsschulen des Abendlandes, wetterwendische Organisationen auf der Jagd nach Anschluss an den zeitgesit. Doch andere Glaubensschulen legen gleichzeitig zu wie seit der Erfindung des Marxismus als vermeintlich rationale Kirche der wissenschaftlichen Welterkenntnis nicht mehr.

Der Islam wird strenger und verzaubert damit immer mehr Menschen. Die Staatsgläubigkeit nimmt zu, die apostrophiert, dass nur ein allmächtiges Gemeinwesen in der Lage ist, Gerechtigkeit für jedermann zugleich zu schaffen. Und schließlich feiert der ganz besondere Aberglaube an die Ablehnung von Wissenschaft, Ökonomie und Rationalität fröhlich Urständ, für den Gengegner, esoterische Wissenschaftsfeinde und populistische Prediger einer Bußkultur für Klimasünder stehen.

Abbitte, wir müssen Abbitte leisten, flüstert Carolin Ehmke, die von einer "Mobilisierung der politischen Eliten" träumt, "um der ökologischen Katastrophe etwas entgegenzusetzen". Neue Regeln, Verbote, die Züchtigung von Sündern, vielleicht auch deren Bestrafung. Hauptsache, "dass die politische Zunft sich ihre Passivität nicht mehr leisten kann" (Ehmke). Nachdem die Schuldfrage für das aktuelle Wetter geklärt ist, muss nun eine Lösung gefunden werden. Wie kann, wie muss die Gesellschaft auf 60 heiße Tage reagieren? Kann sie als symbolisches Zeichen dafür, dass sie verstanden hat, Braunkohlekraftwerke abschalten? Den öffentlichen Nahverkehr kostenlos machen? Radfahrfernwege bauen? Grillpartys verbieten? Ventilatoren mit einem Bann belegen?

Ein neuer Glaube an eine moderne Form von Tieropfern, Fürbitten und Erlösungsfantasien rollt über Land, unwiderstehlich in seiner Absurdität. „Je radikaler die Krise wird, desto radikaler müssen die Antworten ausfallen“, fordert die Grünen-Politiker Katrin Göring-Eckardt, eine in Fake News erfahrene Theologin ohne Berufsabschluss. Wo Rationalität und Berechenbarkeit nicht zum ersehnten guten Gefühl verhelfen können, im Mittelpunkt zu stehen und die Macht zu haben, die Dinge zum Guten zu wenden, muss es die Gewissheit richten, dass Homöopathie nicht nur im menschlichen Körper wirkt, sondern auch in dem von Gaia, dem mythologischen Körper von Mutter Erde, den wir nur von unseren Enkeln geborgt haben. "Tatsächlich ist", heißt es in der Westdeutschen Zeitung, "jeder Einzelne mit seiner Lebensweise Schuld an der Situation - besonders die Menschen in den hoch industrialisierten Ländern."

Dass in Niedersachsen eine „Elfenbeauftragte“ im Auftrag der Straßenbaubehörde ausfuhr, eine Unfallserie auf der A2 mit Hilfe von Beschwörungen auf der feinstofflichen Ebene zu stoppen, ist ein bizarrer Ausreißer nach oben, bleibt jedoch völlig in der Logik einer Politik, die unter hprasselndem Applaus ihrer Fankurve selbstbewusst auf jeden Versuch verzichtet, wissenschaftlich zu argumentieren. Um stattdessen auf mittelalterliche Kategorien von Vergebung zu rekurrieren: Die Tilgung von Sünden ist möglich, der Mensch muss jedoch bereit sein, sich seine Schuld einzugestehen und Sühne zu leisten.

Ìst er das? Und wenn ja, warum nicht? Warum nutzt Katrin Göring-Eckhardt im Wahlkampf ein Öko-Auto, im normalen Leben aber diesel- und benzingetriebene Fahrzeuge der Fahrbereitschaft des Deutschen Bundestages? Ist denn alles immer noch nicht schlimm genug, reicht die Hand am Arm immer noch nicht bis an dei eigene Nase? Braucht es noch mehr böse Zeichen und fürchterliche Wunder, bis dass ein regressiver Ruck durch Deutschland geht?


Kommentare:

Elfen- und Trollbeauftragter hat gesagt…

Mit anderen einfachen Worten: der "schwarmintelligente" Massenmensch degeneriert trotz aller Aufklärung durch dämliche Proleten-Propaganda zum abergläubisch gehorsamen Herdenvieh, das dem jeweiligen Leittier ohne jede Eigendenkleistung nachrennt.

Geht es eigentlich noch primitiver?

Wie soll man sowas respektieren und warum? Etwa nur der humanen Gestalt wegen?

Die Anmerkung hat gesagt…

@Elfen- und Trollbeauftragter

Humanismus hat auch seine Grenzen. Z.B. die europäischen Außen-. Und wenn nciht die, dann andere.

Elfen- und Trollbeauftragter hat gesagt…

@ Die Anmerkung

Danke für die schnelle Belehrung, doch ich schrieb von der humanen Gestalt und nicht von der humanistischen Gesinnung.

Gerry hat gesagt…

Die Aufklärung schaffte auch nur den Menschen den Gottesbezug auszureden. Einen Ersatz für die das Bedürfnis nach Spiritualität konnte sie aber aus naheliegenden Gründen nicht liefern. Eingebettet in einer religiös geprägten Gesellschaft mit entsprechenden Werten und Gesinnungen wurde der Erfolg des westlichen Modells als Sieg der menschlichen Vernunft gedeutet. Jetzt aber mit der zunehmenden tatsächlichen Gottlosigkeit braucht man sich über die esoterischen Blüten und den zunehmenden Illusionswahn mit der damit verbundenen Faktenresistenz nicht wundern.

Anonym hat gesagt…

>> Einen Ersatz für die das Bedürfnis nach Spiritualität konnte sie aber aus naheliegenden Gründen nicht liefern ... <<

Ach ja? Kannst Du es? Wenn nicht, was anzunehmen ist - zurück zu den Wurzeln?

D.a.a.T.

Anonym hat gesagt…

@ Elfen- und Trollbeauftragter sowie Anmerkung: Mich dünkt, Ihr beide hättet des Feindes sowohl Intention, als auch Methode, noch nicht so ganz erfaßt.
D.a.a.T.