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Sonntag, 7. Oktober 2018

Im Glaubenskrieg: Maaßen, Hambach, Kavanaugh

Wenn das nicht Deutschland ist. Seit 1983 dauert die Auseinandersetzung um den Hambacher Forst inzwischen an, damals schon, als Helmut Kohl Kanzler wurde und die Grünen erstmals in Parlament einzogen, nannte das Nachrichtenmagazin Spiegel den Wald eine „schützenswerte Region“ und das „letzte große zusammenhängende naturnahe Waldgebiet zwischen Köln und Aachen“, an dessen Stelle nun aber „im Braunkohle-Tieftagebau das mit 8500 Hektar größte Loch der Welt“ entstehe.


Traurige Sache, umkämpft auch 35 Jahre und zwei Kanzler später:  Das Oberverwaltungsgericht Münster sieht keine Belege dafür, dass die Rodungen im Hambacher Forst notwendig sind, gleichzeitig aber auch keine Chance, den Streit zwischen Naturschutzfunktionären und Kohleunternehmen in einem Eilverfahren zu entscheiden. Abholzungsstopp. Vorläufige Rettung für die von Rodung bedrohten 100 der verbliebenen 200 Hektar Wald im „Hambi“, wie Baumschützer aus der ganzen Republik den wichtigsten Wald des Landes nennen, seit die Polizei darangeht, eine Abholzungsgenehmigung der seinerzeit noch rot-grünen Landesregierung umzusetzen.

Der entscheidende Quadratkilometer


100 Hektar, diese Beschreibung ist Standard. Hundert Hektar, das klingt viel. 140 Fußballfelder. Eine Million Quadratmeter. In handhabbaren Zahlen aber handelt es sich um einen Quadratkilometer - , der ganze 0.0009 Prozent der Waldfläche Deutschlands ausmacht. Einer Waldfläche zudem, die seit Jahren beharrlich wächst: Zwischen 1992 und 2012 sei die Waldfläche in Deutschland „pro Jahr durchschnittlich um 176 Quadratkilometer gewachsen“, meldet das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Der Bundeswaldbericht der Bundesregierung nennt einen Zuwachs von im Durchschnitt rund 1,9 Hektar Neuwald pro Hektar Waldverlust, so dass die Waldfläche Deutschland zuletzt um 0,4 Prozent oder 50.000 Hektar oder 500 Quadratkilometer zugenommen habe.


Dass 100 Hektar – ein Quadratkilometer – über Jahrzehnte als Schicksalswald umkämpft werden, hängt sicher mit vielem zusammen, nur nicht mit der Frage, ob Deutschland entlaubt und abgeholzt wird, ehe wir unseren Enkeln die Erde übergeben, die wir nur von ihnen geborgt haben. Wie im Fall Maaßen oder in der Auseinandersetzung um den konservativen Richterkandidaten Brett Kavanaugh in den USA geht es um Symbole, um nicht entscheidende Entscheidungsschlachten, die stellvertretend für die austragbaren großen Konflikte stehen. Maaßen musste gehen, weil die SPD zeigen wollte, dass sie eine durchsetzungsfähige Partei ist. Er durfte nicht gehen, weil die CSU zeigen musste, dass sie sich nicht von der SPD treiben lässt. Und er wurde schließlich versetzt, weil es Angela Merkel inzwischen an Macht mangelt, einfach mal „Ruhe!“ zu rufen.

Glaubenskampf um Kavanaugh



Bei Kavanaugh ist es dasselbe Bild: Kann Trump ihn ins Amt bringen, straft er alle Lügen, die seit zwei Jahren vom nahen Ende der Präsidentschaft des „Irren“ (FR) schreiben. Schaffen es die Demokraten aber, Kavanaugh zu verhindern - was nun nicht geklappt hat - , wäre das ein Loch im Panzer des bisher unangreifbar scheinenden Präsidenten. Das eigene Lager bekäme Aufschwung durch Hoffnung darauf, dass Trump doch besiegbar ist. Trumps Anhänger hingegen würden der Chance nachtrauern, mit einem erfolgreichen konservativen Kandidaten bis weit in die Zukunft Recht am höchsten Gericht setzen zu können.

So wie es bei Maaßen nicht um Hetzjagden und bei Kavanaugh nicht um einen gescheiterten Beischlafversuch zu Zeiten von US-Präsident Ronald Reagan und Helmut Kohl ging, so wenig geht es beim Hambacher Forst um Wald und Bäume und Braunkohleverstromung. Derzeit werden weltweit 1400 Braunkohlekraftwerke geplant oder sogar schon gebaut, der deutsche Ausstieg  ist ein Spleen, den sich andere, weniger wohlhabende Staaten einfach nicht leisten können. Braunkohle ist billig, ihre Verstromung ist der längste Hebel für eine rasche Erhöhung des Wohlstandes in den Schwellenländern. Der aber, das zeigen Statistiken, ist die einzige Gewähr dafür, dass Bevölkerungswachstum einzudämmen damit die Chance zu erhöhen, ein Gleichgewicht zwischen Natur und Mensch zu finden.


Die kritische Schwelle, hinter der überbordendes Bevölkerungswachstum zurückgeht, liegt bei einem Bruttoinlandsprodukt von rund 1 000 US-Dollar. Unter dieser Grenze haben Frauen meist keinen Zugang zu Bildung und keine Möglichkeiten zur Familienplanung, steigt das Pro-Kopf-Einkommen aber nur ein ganz klein wenig darüber, sinkt die Kinderzahl pro Frau ganz entscheidend. Billige Energie ist Voraussetzung dafür, ist sie vorhanden, liefert sie einen Beitrag zum Umweltschutz, der größer ist als der, der eintritt, wenn die Energieerzeugung in Ländern wie Deutschland weiter mit großem Aufwand optimiert und in Richtung erneuerbare Energien umgebaut wird.

Kommentare:

Gernot hat gesagt…

Beim Hambacher Forst geht es m.W. um Urwald, natürlich gewachsenen Wald, der im Vergleich zu angepflanztem ein Vielfaches an ökologischer Diversität und Vielfalt bietet, ja Arten Lebensraum bietet, die im Wirtschaftswald gar keine Chance hätten.
Außerdem kann Braunkohle an anderen Stellen abgebaut werden; es ist ja nicht so, dass es nur noch die unter dem Hamburger Forst gäbe.
Darüber hinaus hätte man ja auch eine Kompromisslösung finden können, statt den ganzen Wald vernichten zu wollen, etwa ein stufenweiser Abbau und die Renaturierung der jeweils ausgebeuteten Bereiche.

Ich habe den Verdacht, es geht nur wieder darum, ein Stück Restnatur zu vernichten und durch künstliche Umwelt zu ersetzen. An der kann man dann verdienen wie an Getreidesorten, wenn man die jeweilige natürliche Ursprungsart ausgerottet hat.

Auf das Absaufenlassen der Steinkohlezechen sei hingewiesen.

derherold hat gesagt…

Es ist klustig, daß Trumpe durchzieht.

Kavanaugh, Oder "They're bringing drugs. They're bringing crime. They're rapists."

*lol*