Google+ PPQ: Schlimmer als nimmer

Dienstag, 7. Oktober 2008

Schlimmer als nimmer

Das ist sie also, die große, die finale, die letzte Krise des kapitalistischen Systems. Alles war falsch bisher, alles war systemisch auf den Untergang ausgelegt. Die Gier, die Hetze, die derivate, die Futures und Leerverkäufe, die staatliche Überwachung, die Kontrolle durch Behörden - nichts reichte aus, die größte Krise seit den 20er Jahren zu verhindern.

So steht es geschrieben, wo immer noch Buchstaben und Druckerpresse den Ausverkauf aller Werte überstanden haben. Seit der großen Depression gab es soetwas nicht, einen Zusammenbruch, der alles infrage stellt, der Peer Steinbrück sagen lässt "Wenn der Himmel einstürzt, sind alle Spatzen tot".

In einem Land, dem 17 Millionen Telefonnummern, die irgendwer in grauer Vorzeit wahrscheinlich aus dem Telefonbuch gestohlen hat, ausreichen, drei tage lang aufgeregt herumzuflattern, als könnte nunmehr jeder von jedem angerufen werden, ist eine solche Krise schon fast ein ganzes Ende der Geschichte. Relativierung macht keine Schlagzeilen, Einordnung macht keine Angst. Dabei ist die größte Krise seit der großen Depression zu einem großen Stück Projektion, die nur sichtbar ist, so lange kein Licht in den Saal fällt.

Denn wenn dies die größte Krise ist, dann sind wir ihrem Höhepunkt wohl noch ziemlich fern. Damals, in den 20er Jahren, auf dem Höhepunkt der großen Depression, etwa waren 25 Prozent aller Erwachsenen in den USA arbeitslos, etwa die Hälfte aller Hauskredite war notleidend und 7,3 Prozent aller Häuser standen zur Zwangsauktion.

Heute liegt die Arbeitslosenrate in den USA bei 5,5 Prozent, 5,4 Prozent der Hauskredite sind gefährdet, 2,75 stehen vor der Zwangsversteigerung. Große Krise?

Eine Schneeballkrise vielleicht, die sich aufschaukelt, weil die Stühle einfach nicht reichen, damit alle sitzen können.

Denn verglichen mit der Krise von 1980/1981 ist, was wir heute erleben, von den Zahlen aus der Realwirtschaft gesehen allenfalls eine mittelschwere Grippe. Damalslag die Inflaton bei fast 14 Prozent, die Arbeitslosenrate bei 8,5 Prozent, die Zinsen stiegen auf 21 Prozent. Selbst 1999, als Bill Clinton erfolgreich regierte, lag die Rate der Zwangsversteigerungen in den USA höher als heute.

jetzt aber stürzen die Banken, die Balken im kapitalistischen Geldsystem. Heute? In den zwei Jahren 2007 und 2008 krachten 15 US-Banken zusammen. In Bill Clintons letzten beiden Jahren im weißen Haus, 1999 und 2000, waren es auch 15 Banken, die die Pforten schließen mussten. Und 1988 und 1989, zwei Jahren ohne Rezession, gingen mehr als 1000 US-Banken pleite. Durchschnittlich gerechnet, hat der US-Anwalt Lerry Elder ausgerechnet, gingen seit den 20er Jahren jährlich 94 US-Banken pleite.

Woher die Aufregung? Woher die Angst? Warum scheint diesmal alles schrecklicher, endgültiger, katastrophaler? Ist es der Turbokapitalismus, den Oskar Lafontaine beklagt? Die fehlende Macht des Staates, Einfluss zu nehmen? Oder etwa das gegenteil? Als Frnklin Delano Roosevelt seinen "New Deal" proklamierte, um Amerika aufzurichten, zahlten die US-Steuerzahler 12 Prozent ihres Einkommens an den Staat. Heute isnd es 40 Prozent, in Deutschland gar 51. Zeit, sagt Angela Merkel, dem Staat mehr Einfluss zu sichern.

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