Google+ PPQ: Abriss-Exkursionen: Das ist ja die Viktorshöhe

Freitag, 24. August 2012

Abriss-Exkursionen: Das ist ja die Viktorshöhe

In alter Zeit, als die DDR-Mark noch hart war, zeigt der Sozialismus hier, was er konnte. Hoch oben auf dem Berg baute die Arbeitermacht ihren Werktätigen einen Urlaubspalast im Geschmack der Zeit: Fachwerk und Beton, ein Kinderspielplatz aus Rohrstahl und ein Aussichtsturm, von dem der Blick fast bis in den Westen ging.

Als der Westen dann selbst kam, ließ die Nachfrage nach Urlaub im Harz mächtig nach. Aus dem Ferienparadies der Seilwerke Rothenburg wurde eine Ruine, aus der Gaststätte ein dunkles Loch voller verrottetem Laub. Zwischendrin lag auch mal eine Leiche hier, die sich später als die eines bekannten Hulk-Hogan-Doubles aus Gernrode entpuppte.

Als Wanderziel ist die Viktorshöhe immer noch unverzichtbar. Wie der nicht mehr bestaunbare Checkpoint Charlie in Berlin zieht gerade das nicht mehr Sichtbare, das Verschwundene die Massen magisch an. Allen Privatisierungswünschen hatte die Treuhand einst widerstanden, bis alles "zerdonnert, zerschlagen, randaliert" war, wie der Friedrichsbrunner Bürgermeister sagt. Heute haben selbst die Betonwände Löcher. Die rohe Kraft des Kapitalismus siegt über die Fürsorge des sozialistischen Systems, die bis in die Freizeit reichte.

Der Rest ist Idylle. Der Wind rauscht durch die Ruinen, Sonnenstrahlen glänzen in den Scherben zerschlagener Fensterscheiben. Schimmlige Gardinen wehen im Wind, Graffiti leuchten fröhlich von den Wänden.

Mehr mitteldeutsche Abrissexkursionen hier, und noch mehr hier, hier, hier und hier.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

http://homepage.univie.ac.at/henning.schluss/seminare/023bildung_und_genetik/texte/01sloterdijk.htm