Google+ PPQ: Die rauchenden Schlote der Philanthropie

Sonntag, 22. September 2019

Die rauchenden Schlote der Philanthropie


Sie räusperte sich. "Globalisierungskritik? Schon lange von der Wirtschaft eingenommen. Es gibt regionale Produkte zu kaufen, und man wirbt damit, inländischer Hersteller zu sein. Die Freiheit des Individuums? Wird von jedem verdammten Turnschuhhersteller zelebriert. Klassische bürgerliche Ideale? Die Modelabels bedienen den modernen Spießer ebenso wie der Buchmarkt, die Autohersteller und Ikea."

Vegetarier werden ebenso von einem ganzen Industriezweig beliefert wie die Verfechter eines exzessiven Fleischkonsums. Tiere zu essen ist cool, keine Tiere zu essen, ist auch cool, Single sein ist cool, in familiären Strukturen zu leben ist cool, Internet und totale Vernetzung ist cool, aber den Strom nur aus der eigenen Solaranlage im Garten zu beziehen ist auch cool.

Die Umwelt zu lieben ist cool, aber einen dicken SUV zu fahren auch. Freiheit ist cool, aber Sicherheit ist auch irgendwie cool. Feminismus ist cool, aber das Playboy-Bunny zu spielen ist genauso cool.

Es gibt nichts mehr, für das man sich einsetzen kann, alles ist schon durchgekaut und verdaut.

Man kann sich gegen dieses Establishment überhaupt nicht mehr auflehnen, weil es nur noch etwas ist, das an jedem möglichen Angriffspunkt sofort nachgibt und einen vereinnahmt. Und dann kommt man nicht mehr heraus.

Sogar die Liebe zum Menschen hat ihren eigenen Wirtschaftszweig."

"Die Pharmaindustrie", bestätigte Simon.

"Die rauchenden Schlote der Philanthropie", nickte Marie.

Sie stießen an, Marie mit der Weinflasche, Simon mit der Faust. "Das einzige Ideal, das für mich noch in Frage kommt", sagte sie, "ist der totale Ausstieg. Nicht mehr an der ganzen Scheiße partizipieren. Den Kopf in den Sand stecken."

"Es gibt Reisebüros, die sich auf Aussteiger spezialisiert haben." Simon grinste.

"Dann bleibt mir nur noch der Zynismus."

Patrick Brosi, Der Blogger, 2015

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Nachsicht für OT: >> Herrmann der Cherusker 22. September 2019 at 18:25

Diese Lackaffen gehen also „für die Wissenschaft an sich“ auf die Straße. Das wird „der Wissenschaft an sich“ egal sein. Diese Lackaffen kommen ja auch immer mit dem überholten Argument, dass 97% der Wissenschaftler Zehohzwei für die Erderwärmung verantwortlich machen. Blabla.
Zu Zeiten Galieo Galileis waren 99,99999% der Meinung, die Erde sei eine Scheibe .... <<
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So sinnse, die Pipis. Galilei war, sehr ungefähr, um sie 100 Jahre nach Magellan ...

Die Anmerkung hat gesagt…

die dummen Schafe gehen doch freiwillig zum Schlachter

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