Dienstag, 20. März 2007

Fremde Federn II

Liebes, friedfertiges Europa, beruhige dich, alles ist in Ordnung! Ja, Russland wird weiterhin in der Lage sein, die USA anzugreifen. Mit Raketen, trotz einem Raketenabwehrsystem in Osteuropa. Die Pacefahnenträger, Antiamerikaner und Gerhard Schröder können also aufatmen. Denn in einer Welt in der ein Land Angriffe auf sein Territorium vereiteln könnte, dem (das alte) Europa seit über einem halben Jahrhundert seine Freiheit verdankt, will man doch als gemeiner Amerikakritiker nicht leben. Menschen brauchen Träume!

Diese Sorge war übrigens von Beginn an unbegründet. Hätten sich die Kritiker eines Raketenabwehrsystems mal zwei Sekunden ihres Intellekts bedient, anstatt das Denken an Putin abzutreten, wären ihnen einige Depressionen erspart geblieben. Schon der Name: RaketenABWEHRsystem hätte aufhorchen lassen können. Abwehr ist nicht Angriff. Wenn ein Raketenabwehrsystem ein Wettrüsten auslösen sollte, ist die Frage doch: Warum? Wenn Person A einen Feuerlöscher kauft und Person B daraufhin wütend loszieht um den Vorrat an Brandbeschleunigern zu modernisieren und zu erweitern, wer wäre einem dann verdächtiger?

Aber selbst wenn diese Logik bei denen aussetzen mag, die Michael Moore für den brillantesten Amerikaner neben Noam Chomsky halten, gibt es ein weiteres nicht zu unterschätzendes Detail. Ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa kann russische Raketen gar nicht aufhalten. Das wissen die Russen, das wissen die Amerikaner, das wissen alle, die hin und wieder kalte Fakten den eigenen Wunschträumen vorziehen. Denn russische Raketen würden nicht über Europa fliegen, wenn sie in den USA einschlagen sollen. Warum: Ein Blick auf den Globus hilft! Anders sieht es beispielsweise mit iranischen Raketen aus. Diese würden sehr wohl über Osteuropa fliegen. Was also eigentlich eine recht vernünftige Erklärung für das Raketenabwehrsystem sein könnte - das auch Europa vor Angriffen schützen würde - wird lieber verschwiegen, weil vor allen Deutschland ein Interesse daran hat, Russland zu besänftigen. Dafür müssen auch Opfer gebracht werden und es ist doch klar, dass die Freiheit der Tschechen im Zweifelsfall weniger zählt, als die Festigung der Wirtschaftsbeziehungen zu einem Land, das auf dem besten Weg ist wieder eine Diktatur zu werden.

Dass ausgerechnet die beiden Ländern selbstgefällig die Souveränität Tschechiens in Frage stellen, die im Rahmen eines Vernichtungskriegs über dieses Land herfielen beziehungsweise im Dienste einer menschenverachtenden Ideologie ein Gefängnis daraus machten, ist ein interessantes Detail am Rande.

(Gideon Böss auf: senordaffy.de/fdog/blog)

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