Dienstag, 1. Mai 2007

Dänenorchester mit Gaspedalgitarren

Kleine Bühne, große Musik: Die Dänen-Combo Doi hatte am Vorabend des 1. Mai zwar kaum Platz auf der winzigen Bühne des ehemaligen Diesterweg-Hauses am Steintor, füllte die verwinkelten Räume aber dennoch mit atemberaubendem Orchesterrock. Wie die Kollegen von Sigur Ros oder Under Byen spielt die Band um Sänger Martin Dirkov nicht einfach Rockmusik im Viervierteltakt, sondern Geräuschkrawall mit Gaspedalgitarren, Kopfgesang und trötender Viola. Worum es in den ausufernden Barock-Gemälden des Quintetts aus Kopenhagen genau geht, bleibt dabei unaufgeklärt: Die Melodien rauschen einfach dahin, es dröhnt in Moll und donnert in Dur, Dirkov singt in zwei Mikrophone abwechselnd, Bassist Caspar Ryttergaard schwenkt den Schädel wie ein Schwermetaller, Keyboarder Michael Fischer drückt die Tasten, als säße er über einer Mozart-Partitur. Gesprochen wird wenig auf der geschätzte zwei Meter schmalen Wackel-Bühne, dafür schichten sie unverdrossen einen Melodiebogen auf den anderen und hämmern einen Rhythmus in den nächsten, dass das Publikum im bröckligen Hühnermanhattan nur noch verwirrt mit den Köpfen wackeln kann. Sehr weit vorn versucht ein einsamer junger Mann mit Fahrradklemme an der Hose, auf Knackbässe und mit Geigenbogen gestrichene Gitarren zu tanzen. Dafür ist diese Musik aber weiß Gott nicht gedacht.

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