Sonntag, 7. September 2008

Umm unausgegraben

Nach dem 11. September 2001 wurde es ein bisschen ungemütlich für Al Kaida in Afghanistan. Eigentlich waren Bin Laden und sein Führungskollege Ajman al-Sawahiri davon ausgegangen, dass die amerikanische Administration zusammenbrechen und aus dem Bundesstaat zahlreiche kleine, unabhängige Länder werden würden. Stattdessen schickten die USA Marschflugkörper - und aus der Umma, der weltweiten Gemeinde der Gläubigen, strömten keineswegs die erwarteten Massen an Freiwilligen zur Fortführung des Dschihad in die Berge um Tora Bora.

Lawrence Wright berichtet in seinem erstaunlichen Buch "Der Tod wird Euch finden", wie Sawahiris Frau Umm Assa auf der Flucht nach Pakistan starb: Als die Liebste des Terroristen mit ihrem behinderten Kind in einem Gästehaus der Taliban-Regierung an der Straße nach Pakistan Halt machte, trafen US-Raketen ihre Unterkunft.

Umm Assa überlebte, ebenso wie die kleine Aischa. Doch während die sofort gefunden wurde, hatten Trümmer des Hauses ihre Mutter unter sich begraben. Die Retter setzten das Kind, das unter dem Down-Syndrom litt, vor dem Haus auf ein Bett, und gingen daran, Umm Assa zu bergen. Die aber weigerte sich, ausgegraben zu werden, weil sie befürchtete, die Männer könnten ihr Gesicht sehen. Als sie aufhörte zu schreien, schauten die Retter auch wieder nach dem Kind. Das war allerdings inzwischen erfroren.

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