Samstag, 22. November 2008

Höflich über die Hürden

Alles wie immer in Halle nach 25 Minuten. Mit einem Gastgeschenk haben die höflichen Kicker des Halleschen FC die zweite Mannschaft der Hamburger SV begrüßt. Nachdem der Schiedsrichter mehrere Versuche der Norddeutschen unterbunden hat, selbst ein Tor zu schießen, tritt die seit Monaten sehr sicher wirkende HFC-Hintermannschaft bei einem Freistoß von links geschlossen beiseite und lässt Olumide, mit gefühlten 1,50 der kleinste Mann auf dem Platz, genug Platz, Torwart Horvath mit einem Flugkopfball zu überwinden.

Halle wirkt müde und geschwächt durch die seit Monaten anhaltende Serie von Auswärtssiegen und Heim-Unentschieden. Hatten die Fans des Traditionsklubs aus der Saalestadt vor dem Anpfiff mit einer Demo zum natürlich samstags nicht besetzten Rathaus Druck für die Sanierung der maroden Mitteldeutschen Kampfbahn gemacht, die Halle unter dem Namen "Kurt-Wabbel-Stadion" als Heimstätte dient, so lässt das Klubpersonal auf dem Rasen jeden Druck vermissen. Hamburg spielt schnell nach vorn, Halle eher quer. Von Torgefahr keine Spur, zwei misslungene Versuche des bei den Fans längst in Ungnade gefallenen Ronny Hebestreit nicht mitgerechnet.

Torchancen aber braucht der HFC schon seit Wochen nicht mehr, um Tore zu machen. Nach einer Ecke verlängert Hebestreit, der am langen Pfosten postierte Hamburger Haas will retten. Und schießt den Ball - vielleicht aus Dankbarkeit für die von Halle so galant gewährte Führung - ins eigene Tor.

Damit ist alles entschieden, denn Halle spielt zu Hause stets nur so lange, bis es 1:1 steht. Fünf von sechs Heimspielen in dieser Saison gingen Remis aus, vier davon endete 1:1. Ausnahmen aber bestätigen die Regel: Geht es daheim gegen die Reservemannschaft eines Bundesligaklubs, wird - wie beim bisher einzigen Heimsieg gegen Cottbus II - 2:1 gewonnen.

Thomas Neubert, als Torjäger im vergangenen Jahr eine Bank, in diesem jedoch erst einmal erfolgreich, wirft sich kurz nach Wiederanpfiff im Strafraum zwischen zwei Hamburger, der Schiri pfeift und Rene Stark schiebt den Ball in die linke Torecke. Anschließend beginnt es gleich leicht zu schneien. Das Spiel der Hallenser friert wieder ein.

Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss. Die Elf von Sven Köhler ist so gesehen ein sehr, sehr, sehr gutes Pferd: Hamburg, so eifrig die Blauen flitzen und schoeßen, ist keine Hürde für die Minimalisten in Rot-Weiß. Mit 15 geschossenen Toren kämpfen andere Vereine gegen den Abstieg, Halle hingegen hat derzeit die Tabellenspitze im Blick und im Hinterkopf ein kleines bisschen schon die Liga, die mit 3. anfängt.

Spätestens dort werden sich die Stadträte, die nach sieben Jahren hanebüchener Diskussionen in der kommenden Woche widerwillig dem als "Sanierung" des Kurt-Wabbel-Stadions getarnten Neubau einer Fußball-Arena in der hochverschuldeten Stadt zustimmen werden, als Wegbereiter des Fußball-Wunders von Halle feiern lassen.

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