Sonntag, 8. März 2009

Aus der Tauss

Bei Zumwinkel standen die Fotografen schon vor dem Haus, als die Fahnder noch unterwegs waren, um die Steuerunterlagen des Post-Chefs abzuholen. Bei Jörg Tauss wusste der "Spiegel" schon, dass es dem SPD-Politiker wegen Kinderpornografie an den Kragen gehen würde, als der Immunitätsausschuß des Bundestages noch über die Vorwürfe beriet. Tauss, ein polteriger Sozialdemokrat mit ganz eigenen Ansichten zum Thema Netzfreiheit und staatlicher Überwachung, war erledigt, als die erste Schlagzeile den Verdacht öffentlich machte. Auf heise.de geht Beate Winsemann der Frage nach, warum die Unschuldvermutung im Fall Jörg Tauss keinerlei Rolle spielt und weshalb irgendwer die Medien mit Informationen munitioniert.

Bereits Minuten nach der Hausdurchsuchung habe "Spiegel Online" mit der Schlagzeile "Ermittlungen wegen Kinderpornografie gegen SPD-Abgeordneten Tauss" aufgewartet. "Detailgetreu wurde hier schon über die Zusammenhänge, über den Bremerhavener, durch den man auf Tauss aufmerksam geworden war, sowie über die Verdachtsmomente berichtet", staunt Winsemann. Das lässt auf akribische und langwieirge Vorrecherchen schließen - die Geschichte war quasi fertig und wartete nur noch auf grünes Licht von der Staatsanwaltschaft.

Ob Tauss ein netter Kerl oder ein ekliger Päderast ist, ob er sein Hobby zum beruf gemacht hat, wie mancher Pornofahnder oder ob er sich nur ersthaft genug mit seiner Aufgabe beschäftigte, um sich ein Bild machen zu wollen, ist ungeklärt und wird es vermutlich bleiben. Der Mann, der nie einen Zweifel daran gelassen hat, dass er etwas gegen Internet-Zensur, Sperrlisten und Datenspeicherung hat, ist aus dem Spiel. Und andere wissen: Schaut her. So schnell geht das.

2 Kommentare:

  1. Interessant. Man sollte mal recherchieren, ob der Mann im Zuge einer Großrazzia aufgeflogen ist oder so ein seltsamer "Zufallsfund" bei "Einzeltäter" (wie ginge das?) war. Nach dem Motto: Polizei kommt vorbei, schaut auf Rechner und findet, was ein Staatsanwalt dort vermutete.

    Außerdem packt die empörungswellende Verfolgung von Pornoglotzern nicht das Problem an der Wurzel.

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  2. So, ja, Nebenprodukt einer Großrazzia. Klingt plausibel. Dieses Gejammere wegen der Vorverurteilung in einigen Nicht-Mainstreammedien war im Falle des NPD-Abgeordneten "Porno-Paul" allerdings nicht zu vernehmen. Natürlich soll nicht vorverurteilt werden, aber gilt das nicht für alle?

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