Mittwoch, 8. April 2009

DDR: Es war nicht alles dünn

Das waren noch Zeiten! Die Gärtner konnten zündeln, soviel sie wollten, die Autos kannten keinen Katalysator und im Ofen verbrannt wurde Erde, vermischt mit Resten von bröckliger Braunkohle. Vor 20 Jahren wusste jeder Insasse der End-DDR, dass etwas in der Luft lag, das nicht nur sehr nahrhaft war: Die Buna-Werke versorgten die Region um Halle jede Nacht mit allen chemischen Verbindungen, die zur Stärkung der siegesgewissen Volkswirtschaft nicht mehr benötigt wurden, Braunkohleheizungen und tuckernde Zweitakter unterlegten das Ganze mit einem Aroma aus rauchiger revolutionärer Romantik.

Im Oktober 1989 hatten Umweltschützer dann laut und lange genug geningelt und die Behörden sahen sich gezwungen, erstmals Angaben zu den bis dahin streng geheimen Inhaltsstoffen der sozialistischen Atemluft zu machen. Und, Überraschung!, da steckte was drin, das jeden Atemzug zum halben Mittagessen machte: Bis zu 970 Mikrogramm Schwefeldioxid pro Kubikmeter Luft maßen die Experten in Halle - erlaubt ist heute allerhöchstens ein Drittel, erreicht wird zumeist nicht einmal ein Wert von drei Mikrogramm. Ein Dreihundertstel dessen, was die DDR, berühmt für ihr dünnes Bier, dank der Anstrengungen des gesamten Volkes ganz nebenbei schaffte: Richtig dicke Luft.

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