Dienstag, 23. Juni 2009

Wer rettet die Piraten?

Empörendes meldet Das Wirtschaftsblatt von den wüsten Gestaden der somalischen Piratenküste. Ein russischer Kreuzfahrtunternehmer bietet dort jetzt reichen Russen Jagdausflüge an, deren Wild die wilden Piraten auf der gefährlichsten Wasserstraße der Welt bilden.

Das Kreuzfahrtschiff ist dabei der Köder für die Piraten, versuchen sie, das scheinbar harmlose Schiff zu entern, erleben die Afrikaner ihr blaues Wunder. "Statt wehrloser Handelsmatrosen", fantasiert das Wirtschaftsblatt, "stehen ihnen bis an die Zähne bewaffnete russische Touristen gegenüber".

Ein Tag an Bord des gecharterten Kreuzfahrschiffes kostet 5.790 Dollar. Dafür wird aber solange geschippert, bis die echten Piraten auch wirklich angreifen. Mindestens ein Piratenüberfall mit Kaperungsversuch wird vom Reiseunternehmer garantiert.

Eine Maschinenpistole des Typs AK-47 kann von den russischen Kreuzfahrtpassagieren an Bord für 9 Dollar am Tag gemietet werden. 100 Schuss Munition kosten 12 Dollar. Ein Granatwerfer kostet 175 Dollar am Tag. Dazu gehören drei Granaten, die im Mietpreis enthalten sind. Die Benutzung eines an der Reeling fest installierten Maschinengewehres soll 475 Dollar kosten.

Damit die Piraten aber nicht doch noch auf dumme Ideen kommen, erhalten die reichen Russen einen Extra-Personenschutz. An Bord des Schiffes halten jederzeit zahlreiche ehemalige Mitarbeiter russischer Sondereinsatzkommandos ein wachsames Auge auf die Gäste. Die russischen Elitekämpfer sollen vor allem in der Nacht für Sicherheit auf dem Kreuzfahrtschiff sorgen - welche Festnahmeregeln im Falle eines wirklichen Überfalls gelten und ob die Bundesmarine wirklich auslaufen wird, um die bedrohten Flibustier vor den ballergeilen Ruthenen zu schützen, wird in einer Uno-Sicherheitsratssondervorstellung Ende August entschieden, die Ergebnisse sollen dann im Wahlkampf verwendet werden.

5 Kommentare:

  1. VolkerStrammJuni 23, 2009

    Dieses undifferenzierte Piratenbashing finde ich empörend.
    Wir sollten schon differenzieren zwischen der Mehrheit der friedlichen Piraten und der kleinen Minderheit bösartiger Piratisten.

    AntwortenLöschen
  2. Genau. Die vielen friedlichen Piraten, die völlig diskreditiert werden und die doch nur sozial gerechte Teilhabe wollen an der Fracht und dem Privatbesitz von Matrosen und Passagieren. Sind Piraten etwa keine Berggorillas, die unseres besonderen Schutzes bedürfen? Ich glabe schon.

    AntwortenLöschen
  3. Das ist ja "endgeil", wie man im Dschungelcamp sagen würde, schwarzer Humor und Geldverdienen schließen sich also nicht aus. So etwas ähnlich ködriges, allerdings ohne finanziellen Hintergrund, wurde im Halle der 90er Jahre durchgeführt, als junge Knaben schwule Männer dorthin lockten, wo sie eine ordentliche Tracht Prügel bekamen.

    Natürlich hat alles zwei Medaillen, wer jedoch ein Maschinengewehr positioniert, sollte damit rechnen, daß auch auf ihn eines gerichtet wird.

    AntwortenLöschen
  4. Der eigentliche Witz ist, daß Goldman Morgenstern & Partners offenbar dem
    Fake aufgesessen sind. Aber wenn die schon Financial Intelligence in der Überschrift haben ...

    AntwortenLöschen
  5. noch besser! dann ist die geschäftsidee ja noch frei

    AntwortenLöschen

Richtlinien für Lesermeinungen: Werte Nutzer, bitte beachten Sie bei ihren Einträgen stets die Maasregeln und die hier geltende Anettekette. Alle anderen Einträge werden nach den Vorgaben der aktuellen Meinungsfreiheitsschutzgesetze entschädigungslos gelöscht. Danke.