Sonntag, 22. November 2009

Mit Springer im virtuellen Warteraum

Der Krieg ist eröffnet. Acht ahre nach einem ersten, damals grandios gescheiterten Versuch, abgetippte Pressemitteilungen von großen Parteien, Waschzettel von Plattenfirmen, Filmpremieren-Geständnisse zumeist unbekannter Prominenter und ad hoc-Mitteilungen von Dax-Konzernen im Internet als "Qualitätsinhalte" zu verkaufen, hat der Axel-Springer-Konzern einen furiosen neuen Anlauf gestartet. Auf einer in Flash programmierten Bezahl-Nachrichten-Seite, die bei schnellen DSL-Verbindungen nur knappe 30 Sekunden braucht, bis sie geladen ist, macht der Mutterkonzern von unverzichtbaren Blättern wie "Bild" und "Welt" mobil gegen die "Kostenlos-Kultur" (Kai Dieckmann) im Netz. An diesem Wochenende hat das Unternehmen das Online-Angebot "Welt am Sonntag eMag" gestartet, das für 1,50 Euro neben "speziell aufbereiteten" Inhalten der gedruckten Version auch exklusive Beiträge bieten soll.

Freuen darf sich der auf nie dagewesene Lesegenüsse abonnierte eMag-Kunde im ersten Analuf schon mal auf unverzichtbare politische Beiträge wie "Guttenbergs Kraft - Was ihn so stark macht" und Lebenshilfe für die Weihnachtszeit, die "Ski laufen, Panzer fahren - 24 Trips für den Advent" überschrieben ist. Und natürlich auf die absolut total ultra exklusive Geschichte "Wie ich Uli Heoneß das Leben rettete", die es nur im Bezahlspriger gibt. Wenn man nicht der vor drei Jahren im "Spiegel" wummernden Reklametrommel lauschen möchte, die seinerzeit zur Markteinführung des Buches "Die wahre Geschichte des FC Bayern" erzählte "Wie Uli Hoeneß einen Flugzeugabsturz überlebte".

eMag? Demnächst auch noch auf dem iPhone? Echt, wenn das kein Erfolg wird.

6 Kommentare:

  1. Nach unendlich langer Wartezeit wurde mir angezeigt, daß ich einen alten Flashplayer installiert hätte.
    Wahrscheinlich habe ich aber auch nur einen nichtgenehmigten Browser.

    Naja, wenn sie es nicht hinbekommen, daß diese Seite in Opera angezeigt wird, ist sie für mich nicht wichtig.

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  2. ich kam ja auch nur bis zu den schlagzeilen und musste mir die texte dazu dann aus anderen quellen suchen. sieht für mich nach einer neuen dimension onlinejournalismus aus ;-)

    was das wieder gekostet hat...

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  3. So ganz am Kunden vorbei geplant ist das doch nicht. Immerhin haben die zu Demonstrationszwecken einen kostenlosen Artikel. Und das erste Wort nach der Überschrift ist - wie sich das für ordentlichen Journalismus gehört - natürlich Hitler.

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  4. Ja, die dt. Medien sind große Hitler-Fans. Wie sonst ist zu erklären, daß sie sich ständig mit ihm beschäftigen und dabei die heutigen Probleme weitgehend übersehen.

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  5. Also, ich habe jetzt einen der anderen Browser gestartet (leider können die Beauftragten bei meinem Kreditinstitut und die in "meiner" Firma auch nicht richtig programmieren, weshalb sowas nötig ist) und bin bis zu der Beitragsübersicht gekommen, weiß aber nicht, warum ich dafür Geld ausgeben sollte.

    Wenn mir nach WELT oder Süddeutscher ist, gehe ich zum örtlichen Kiosk und komme meist mit der Kronen-Zeitung zurück. Da erfährt man mal was über Österreich und über die EU wird auch kräftig abgelästert.

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  6. klar, hitler als teaser. was denn sonst?

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