Mittwoch, 3. März 2010

Schulterschluß am Hindukusch

"Mein ganzer Reichtum ist mein Lied", sang Georg Herwegh, "unser ganzer Reichtum ist die Öffentlichkeitswirkung unserer Anschläge", wissen die afghanischen Taliban 170 Jahre später. Empört von Plänen des afghanischen Geheimdienstes, der die Berichterstattung über Selbstmordanschläge verbieten will, haben die gruseligen Gotteskrieger protestiert: Es handele sich bei den Zensurplänen eindeutig um eine Einschränkung der Pressefreiheit. Durch das Sendeverbot versuche die Regierung, «ihr Versagen im Kampf von Mann gegen Mann mit den Mujaheddin in allen Ecken des Landes zu verbergen», zitiert Deutschlands einzig wahre Nachrichtenagentur dpa eine "Mitteilung".

Bizarrer Schulterschluß am Hindukusch, denn das findet das politische Washington auch. «Es ist völlig klar, dass wir Pressefreiheit unterstützen. Wir mögen keine Einschränkung der Medien», versicherte der amerikanische Sondergesandte Richard Holbrooke. Aussenministerin Clinton werde bei der Regierung in Kabul Beschwerde führen, kündigte er an. Es müsse den Taliban ermöglicht werden, ihre traditionelle Ankündigung ihrer traditionellen Frühjahrsoffensive wenigstens veröffentlichen zu können, da die Offensive selbst ja nun schon traditionell sowieso nicht stattfinde.

2 Kommentare:

  1. Putzig, beim Überfliegen von Bild und Überschrift las ich: "Schulterschuß am Hindukusch"

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