Samstag, 5. Juni 2010

Spät entdeckte Steuergeld-Spekulation

Auf den Punkt genau zwei Jahre nur hat es gedauert, bis der hellwache Landesrechnungshof von Sachsen-Anhalt wirklich Böses witterte : Das Finanzministerium "spekuliere mit Steuergeldern", zitierte Landesrechnungshofchef Seibicke eine Pressemitteilung des Finanzministeriums aus dem Juni 2008.

Damals hatte der kommisarische Arbeiterführer und Beinahe-SPD-Ministerpräsident Jens Bullerjahn bekanntgegeben, im Kampf gegen den Raubtierkapitalismus neue Wege gehen zu wollen. Um künftig auf der Jagd nach möglichst hohen Renditen von den Vorteilen der weltweiten Kapitalmärkte profitieren zu können wie andere Spekulanten auch, ließ sich der Mann aus dem Mansfeld die Genehmigung geben, Landesgelder in Aktien und Wandelanleihen anlegen zu dürfen. Unter dem Namen "neues Gesamtkonzept für eine zukunftssichere Anlage von Landesvermögen" (Bullerjahn) galt das auf die schnelle Mark gerichtete Konzept Eingeweihten seinerzeit als logische Fortsetzung der bereits mit der Gründung einer Zweckgesellschaft in Amsterdam begonnenen Strategie, den eigenen Schuldenberg mit undurchsichtigen Geschäften auf dem grauen Markt für islamische Geldanlagen weiter zu erhöhen.

Pünktlich kurz vor der weltweiten Finanzkrise wurde begonnen, Geld des Landes, darunter Rücklagen des neu geschaffenen Pensionsfonds, nicht mehr nur in mündelsichere Anleihen, sondern auch in Aktien und Wandelschuldverschreibungen zu investieren. "Das", so der Finanzminister seinerzeit, verspreche eine "angemessene Rendite" und diene "zur Realisierung von Wachstumschancen". Wie hoch die mit dem erhöhtem Risiko erzielte Rendite am Ende war, während die Weltbörsen um 30 bis 40 Prozent einbrachen, machte das Finanzministerium nie bekannt. Auch der Landesrechnungshofsbericht schweigt sich dazu lauthals aus. Zuletzt hatte Sachsen-Anhalt seine Bürger zum Spekulieren aufgefordert: Mit dem als "Anleihe des Landes" angepriesenen "Bonus-Garant-Zertifikats", die gemeinsam mit dem Hegde Funds Calyon designt wurde, konnte jeder Normalbürger auf ganz und gar undurchschaubare Weise an der "Wertentwicklung des Aktienindex DJ Euro Stoxx Select Dividend 30" (Finanzministerium) teilhaben. Aus hundert Euro werden mit der Bauernfänger-"Anleihe" des Bundeslandes in nur fünf Jahren satte 124,95Euro, verspricht der Finanzminister. Mit dem simplen Tagesgeldkonto hingegen läge der Gewinn bei gerademal 124,62 Euro - also doch schon 33 Cent weniger.

Wer mag, kommt derzeit noch etwas günstiger in das Papier: Ursprünglich zu 100 Euro emittiert, ist das Zertifikat mit der Wertpapierkennnummer A0FAHH seitdem fünf Euro billiger geworden - um die Höchstrendite zu kassieren, müsste der DJ Euro Stoxx Select Dividend 30 sich in den kommenden zwei Jahren nur noch knapp verdoppeln, sonst gibt es
im November 2012 einfach nur 100 Euro für 95 zurück. Wenn, das weiß der gelernte Lehman-Anleger, der Emittent bis dahin noch da ist.

3 Kommentare:

  1. der Bullerjens ist schon ein Großer ... manchen Leuten reichert er aber ziemlich ...

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  2. beeindruckend ist, dass er mit der masche durchkommt. als er seine strategieänderung damals verkündete, ist kein mensch aufgestanden und hat von spekulation mit steuergeld gesprochen. nein, es wurde applaudiert, der jens war ja so ein gewitzter... und jetzt spricht keiner davon, dass es damals auch schon einen landesrechnungshof gab

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  3. Ein würdiger Arbeitervertreter. Auf Aufforderungen zum Abschluß windiger Emissionen sollte man mit körpereigenen Emissionen antworten.

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