Dienstag, 17. August 2010

Über jedes Bacherl geht a Steinbrückerl

Er war Arbeiterführer und er führte die deutschen Truppen in eine siegreiche Schlacht gegen die Schweiz, er scheiterte als Ministerpräsident, hinterließ aber eine mit Zertifikaten und Verbriefungen bis obenhin ausgestattete Landesbank, er meisterte die größte Krise seit der Karoknappheit anno 1985 in der DDR, indem er sie für eine rein amerikanische hielt und nach seinem Ausscheiden schrieb er ein Buch, dass er "Unterm Strich" nannte, als könne er wirklich rechnen.

Dabei weiß der ehemalige Finanzminister und jetzige Bundestagsabgeordnete Peer Steinbrück nur ganz genau, was zählt. Nämlich was unten rauskommt: Seit der Bundestagswahl am 27. September vergangenen Jahres, bei sich der früher führende Sozialdemokrat noch einmal auf ein Hinterbänkchen setzen ließ, hat sich Peer Steinbrück mehrere hunderttausend Euro an Nebeneinkünften zusammengeredet, hat das Internetportal abgeordnetenwatch.de addiert. Gern habe Steinbrück auch bei Bundestagssitzungen gefehlt, um Tag Privat-Vorträge zu halten.

Der frühere Jäger aller Steuerhinterzieher ist dabei recht günstig zu haben. Gegenüber dem Bundestagspräsidenten hat der Ex-Minister seit der Bundestagswahl im September 2009 insgesamt 28 Vorträge angegeben, für die er mindestens je 7.000 Euro erhielt. Zu diesen Mindesteinkünften von zusammen 199.500 Euro aus den Vortragshonoraren rechnet abgeordnetenwatch Einnahmen aus einer Aufsichtsratstätigkeit bei der ThyssenKrupp, die zwischen 130.000 bis 230.000 Euro einbringe, und rund 90.000 Euro aus den Abgeordnetendiäten, die Steinbrück zustehen, weil er seit der Bundestagswahl trotz seiner vielen anderen Verpflichtungen an immerhin sieben von 19 wichtigen Parlamentsabstimmungen teilgenommen hat.

Während die Betreiber von abgeordnetenwatch.de beklagen, dass Steinbrück bislang noch keine der 15 an ihn gestellten Fragen seiner Wähler beantwortet habe, sondern lieber "zahlreichen Nebentätigkeiten" nachgehe, fragen sich andere Experten, warum andere Abgeordnete nicht ein ebensolches Penson wie Steinbrück bewältigen können. Immerhin schaffe es der 63-Jährige, zwischen seinen Auftritten bei Vorträgen, dem Verfassen eines Grundsatzromans über das Wesen des Finanzministerseins und den Belästigungen durch ihm persönlich meist gar nicht bekannte Wählerinnen und Wähler seit Jahren zuverlässig, seine Termine als Darsteller des Kriminalkommissars "Martin Beck" in den fabelhaften Verfilmungen der legendären Bücher des sozialdemokratischen Autorenpaars Maj Sjöwall und Per Wahlöö pünktlich einzuhalten. Steinbrück startete in der schwedischen Serie unter dem Künstlernamen "Peter Haber" (als Erster Kriminalassistent, inzwischen ist er zum Chef der landesweiten schwedischen Riksmordkommission aufgestiegen.

Während Abgeordnetenwatch.de-Mitgründer Gregor Hackmack meckert nun, dass es nicht sein dürfe, "dass ein Abgeordneter bei Bundestagssitzungen und wichtigen Abstimmungen fehlt, gleichzeitig aber einer Vielzahl hoch bezahlter Nebentätigkeiten nachgeht und dafür seine volle Diät kassiert". Derweil aber liefert der vielbeschäftigte Peer Steinbrück als "Martin Beck" vielen Menschen unbeeirrt hochklassige Krimi-Unterhaltung. Zudem, heißt es in SPD-Kreisen, richte der gescheiterte Finanzminister mit jedem Tag, den er nicht als Abgeordneter tätig werde, weniger Schaden an. Mit ausdrücklicher Genehmigung des Abgeordnetengesetzes des Deutschen Bundestags übrigens. Denn das verlangt von seinen Mitgliedern, dass die Ausübung des Mandats "im Mittelpunkt" ihrer Tätigkeit stehen muss. Drumherum ist da jede Menge Platz.

4 Kommentare:

  1. Hochklassige Krimiunterhaltung? Mit Martin Beck?

    Davon hätte ich gehört, wenn das so wäre.

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  2. Nepalese aus BlankeneseAugust 17, 2010

    Maj Sjöwall und Per Wahlöö

    sicher, dass da nich auch Harald Glööckler mit drinne steckt?

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  3. Rüge! Da der Artikel (deutsch) ja schon dasteht und noch dazu ein Adjektiv davor, heisst die Riksmordkommissionen nicht Riksmordkommissionen sondern Riksmordkommission.

    /°\ Stuff

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