Freitag, 11. Januar 2013

Gangnam Style: Hitlers neuer Hit

Wo er ist, ist vorn, wo er ist, trägt die Schauspielprominenz SS und Trümmerfrauenschick, wo er ist, steigen die Einschaltquoten und die Innenstädte zerfallen zu Staub. Adolf Hitler inspiriert junge Leute auch 68 Jahre nach seinem Tod zu mutigem Widerstand, er füllt Fernsehprogramme, die sonst leer bleiben würden, bietet Anlässe für politische Motivierung, er ist die Bierscheide zwischen Gut und Böse und er wirkt in der Popkultur als Gegen-Elvis: Ein keifendes Schreckgespenst nahe der Demenz, an Parkison erkrankt und misantrophisch, aber bei Künstlern ebenso beliebt wie bei Politikern.

Hitler rockt, Hitler ist Punk und Pop in einem, ein Pflichtgespenst, das spuken muss wie im Mittelalter der Teufel. Hinter allem Bösen steckt der Untote, in jedem Unsozialen, Nationalen, Antieuropäer ein Adolf, der die Welt verderben will. Je weniger Zeitzeugen es noch gibt, desto mehr haben sie zu erzählen. Nach Traudl Junge und dem Chauffeur spricht nun auch Margot Woelk (95) aus Berlin, die Vorkosterin des Führers, und Tante Else berichtet, wie sie es schaffte, Hitler zu überleben, um  heute davon berichten zu können.

"Geschichte hat den Nachteil, dass sie sich ständig fortsetzt und Daten und Taten anhäuft", heißt es in der Morgenpost, zwangsläufig werde Geschichte damit also immer umfangreicher. Zu Hitler seinen Frauen treten Hitlers Feldzüge, Hitlers Manager, Hitlers "Silberpfeile", Hitlers Stellvertreter. Hitlers größte Hits.

Das Faszinosum, das einst Phillip Jenninger den Job kostete, ist ein Vierteljahrhundert später nicht nur quicklebendig, sondern quicklebendiger denn je. Deutschland ist, rein themengewichtet, mehr Führerstaat denn je. "Keine Nation tut sich so schwer mit ihrer Geschichte wie Deutschland", hat Phillip Jenninger seinerzeit festgestellt, nachdem er den Preis für seinen Ausflug in die Realität bezahlt hatte. Tausendjährig sollte das Reich sein, das Hitler regierte. Medial gesehen sind die Aussichten hervorragend.

6 Kommentare:

  1. Hitler ist wie ein toter Drache, den man gefahrlos tagtäglich noch erschlagen kann, um die Lorbeeren einzustreichen. Und je länger er tot ist, desto mutiger erscheint die Tat. Früher fuhren junge Sozialisten noch an die Orenburger Erdgastrasse oder die Baikal-Amur-Magistrale, um sich zu beweisen. Oder brachten Arbeiterveteraninnen die Einkäufe nach Hause. Heute hüpfen sie auf einer Meile der Demokratie herum, um die Ermordung von Oma und Opa durch alliierte Bomber zu feiern. Letzte selektierten nicht nach Schuldigen und Unschuldigen, Männlein oder Weiblein, Antifaschisten oder Nazis, Homosexuellen, Möhrenlienhabern oder Judenversteckern, die erschlugen, was sie vorfanden. Aber nicht mal für den Anstand um die unschuldigen Opfer zu trauern oder die Trauer wenigstens nicht zu stören, reicht es bei den heutigen Pimpfen.

    Demokratie gegen Gedenken. Der Mist kann nur in Demokratenhirnen gedeihen.

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  2. Und nicht zu vergessen, die Ventilfunktion. Denn die heutigen Krethis und Plethis bekommen ja permanent eingeflüstert: Diskriminierung ist pfui, Fremdes ablehnen ist pfui, Unmut über Flutung durch Orientalen ist pfui, Ärger über Quotenwahn ist pfui, Ärger über Klimawahn ist pfui, Frust über Energiewendeirrsinn ist pfui. – Wie gut, dass es da ein ‚Projektionsobjekt‘ gibt, gegen das aller angestaute Hass, Wut und Frust so herzhaft ausgetobt werden darf, ja vielmehr soll. Schon allein deshalb wird dieser Untoteste aller Untoten immer wieder reanimiert.

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  3. http://www.spiegel.de/spiegel/spiegelblog/titelgeschichten-mit-hitler-im-spiegel-a-864988.html
    Zwei führende Verwerter des Hitler-Erbes, Der Spiegel und G. Knopp, bringen es auf den Punkt:
    „Die größte Fixierung auf den Mann haben weder der eine noch der andere, sondern angeblich - das Publikum.“

    Aus dem „angeblich“ wird aber durch die Einschaltquoten und Verkaufzahlen ein gut belegtes „ganz bestimmt“.

    Eine große Nachfrage nach Hitler bestimmt also das Angebot. Dass Hitlers Popularität in absehbarer Zeit wieder abnimmt, ist wohl nicht zu erwarten.
    Was genau das Publikum in Hitler sieht, dürfte sich kaum in eine griffige Formel fassen lassen.
    Für die meisten dürfte er die Rolle der gottlosen Hexe innehaben, die von Hänsel und Gretel in den Ofen gesperrt wurde, wo sie elendiglich verbrannte. Oder er ist das Krokodil beim Kaschpertheater, auf dessen Tötung sich alle Kinder einigen können.
    Auf der allierten Seite ist Hitler die große Trophäe an der Wand, mit der man umso lauter prahlt, da man der anderen großen Massenmörder des Jahrhunderts nicht habhaft wurde oder, viel besser, gleich mit ihnen paktierte.

    Und ist es am Ende auf allen Seiten nicht auch ein Quentchen simple Bewunderung für den großen Führer und Judenkritiker? Sind wohl doch noch alle heimliche Nazis, Petra Pau, bitte übernehmen.

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  4. Sie hassen ihn, weil er so frenetische Zustimmung erhielt. Die Macht über das Volk, wovon sie träumen.

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  5. Liebe ältere Mitleser. Kommt alle. Wir haben extra für euch den Hit organisiert.

    ab 11:15 Uhr (!) Straßenbahnsonderfahrt “Senioren für Demokratie für Weltoffenheit”

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  6. das ist doch kein hass, das ist hassfolklore

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