Donnerstag, 3. Januar 2013

Geld für die Sieger des Kalten Krieges

Es handelt sich um eine Demokratieabgabe, die nicht zu letzt den Kalten Krieg entscheiden half. Damals stand Karl Eduard von Schnitzler gegen Gerhard Löwenthal, stand die „Aktuelle Kamera“ gegen die „Tagesschau“, stand „Am laufenden Band“ gegen den „Kessel Buntes“ – und die von den Bürgerinnen und Bürgern im Westen mit ihrer GEZ-Abgabe finanzierten Sendungen von ARD und ZDF siegten auf ganzer Front. Im Wettbewerb um die Köpfe der Menschen zeigte sich das öffentlich-rechtliche System der über eine Zwangsabgabe finanzierten Staatsmedien in der Bundesrepublik dem aus einer Rundfunkgebühr finanzierten System der Staatsmedien in der DDR um Längen überlegen.

Moderatoren, Sportreporter und Fernsehsternchen, die wahren Sturmgeschütze, Raketen und Infantriedivisionen der Auseinandersetzung der ideologischen Systeme, gewannen dem Westen so den Kalten Krieg. Seitdem aber müssen sie unbedingt auch den Frieden gewinnen. Das ist nicht etwa billiger, bei allem, was dagegen spricht. Sondern im Gegenteil: Seit kein Gegner mehr auf dem Feld ist, der technisch, inhaltlich und in der Reichweite übertroffen werden muss, haben die im demokratischen Block organisierten Parteien das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem erst richtig ausgebaut.

Bestand der Staatsfunk hierzulande kurz nach dem Ende des konkurrierenden sozialistischen Systems noch aus drei Kanälen mit jämmerlichen zehn Sendern, wuchs das staatliche Rundfunkreiches seitdem mit atemberaubender Geschwindigkeit, um in einer Welt mit mehr als 20 Privatsender, tausenden ausländischen Programmen, mit Internet und 500 Zeitungen die "Grundversorgung" weiter gewährleisten zu können. Aus den zehn über die GEZ finanzierten Sendern, die den Kalten Krieg für sich entschieden hatten, wurden in nicht einmal 20 Jahren bis heute 29. Und aus 9,50 Euro Rundfunkbeitrag wurden 17,98 Euro.

Eine Steigerung um 211 Prozent in 22 Jahren, das liegt sogar noch weit über der von staatlichen Eingriffen geprägten Preisinflation bei Elektroenergie. Dennoch reicht es nicht, dennoch reicht es nie, dennoch ist das aus sich selbst heraus beständig wachsende öffentlich-rechtliche Rundfunksystem gezwungen, immer neue Zahler aufzutreiben, um das eigene Wuchern in die Breite und in die Tiefe zu finanzieren. ARD und ZDF haben 27.000 hauptamtliche Mitarbeiter, das ist viermal so viel wie die Mitarbeiterzahl aller Privatsender.

Die Ausweitung der Rundfunkgebühren auf Besitzer von Computern war ein erster Versuch, die Umstellung des Systems von Gebühren auf ein Abgabe-Modell, das unabhängig von der Nutzung und sogar unabhängig von der Nutzungsmöglichkeit greift, ist der jüngste Schritt. Statt nach potentiellen Rundfunknutzern greift die GEZ nun nach jedermann und allen Frauen: Mindestens 849.000 „Schwarzseher“ sollen durch einen Abgleich mit den Meldeämtern in das Heer der Zahler eingereiht werden, weitere knapp 600.000 Deutsche, die über eine Zweitwohnung verfügen, sollen künftig doppelt zahlen. Und auch 800.000 bislang von TV-Gebühren befreite Schwerbehinderten müssen zur Finanzierung der Demokratiemaschine aus „Wetten, dass…“, „Lindenstraße“, Skisprungwettbewerben, Olympia und Bundesligafußball eben so beitragen wie die 1,4 Millionen Haushalte im Land, die überhaupt keinen Fernseher besitzen.

Das lohnt sich. Etwa 750 Millionen Euro Zusatzeinnahmen erwartet der staatliche Rundfunk künftig jährlich aus der Umstellung – bei einer bisherigen Gesamteinnahme von etwa 7.5 Milliarden Euro sind das erneut zehn Prozent mehr. Für ein Jahr ist der Sendebetrieb damit aufrechtgzuerhalten. Anschließend könnte es dann Zeit, eine Extra-GEZ für Haustiere einzuführen.

12 Kommentare:

  1. Es kommt praktisch also keiner drumrum, die Zwangsgebühr zu zahlen, selbst wenn er keinen Fernseher besitzt, geschweige denn staatliche Propaganda konsumiert. Da bleibt nur noch passiver Widerstand, siehe Bernd Höcker.

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  2. Auf einen kleinen Irrtum wäre hinzuweisen: die Anstalten wachsen ganz zweifellos überallhin, die Kosten zur Finanzierung ihres Managements, der Altersversorgung etc., nur wachsne sie ganz sicher nicht in die Tiefe - schon gar nicht, was die Programminhalte anlangt.

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  3. Sollen diese ganzen Intendanten etwa ehrlicher Arbeit nachgehen. Als Frisör oder Autolackierer vielleicht? Kann das einer wollen?

    Es ist ein Gebot tätiger Menschenliebe diese Leute zu unterhalten und außerdem versorgen sie die Bevölkerung mit Grund, treiben also eine Grundversorgung. Wie mit Luft, die der Mensch ja auch atmet, die aber völlig ohne Sendeanstalten produziert wird. Jeder kann daher freiwillig auf das Einatmen verzichten, ohne dennoch eine Sauerstoffabgabe zahlen zu müssen, weil die Bäume bisher nicht auf einem Obolus für die Sauerstoffproduktion bestehen. Sie sind genügsam und fahren auch keine teuren Autos oder müssen luxuriöse Häuser bewohnen.

    Das ist der Unterschied zu den Rundfunk- und Fernsehanstalten. Die müssen Menschen beschäftigen, weil eine Lüge erst einmal erzählt werden muß, damit sie ein anderes Ohr erreicht. Und menschen müssen essen, wohnen, sich kleiden, bevor sie muße haben, sich immer neue Lügen auszudenken und unter die Leute zu bringen. Das ist kein Zuckerschlecken und sollte entsprechend honoriert werden.

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  4. Das mit dem Kalten Krieg ist gut! Was wäre aber eigentlich gewesen, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten, oder zumindest mit einem Unentschieden rausgekommen wären? Wäre Jörg Schönenborn dann nicht Chefredakteur des WDR? Hätte Jörg Beckmann dann keine TalkShow? Dürfte Bela Rethy dann keine Fußballspiele mehr kommentieren? Gäbe es dann weniger Desinformation und Dilettantismus praktisch in jeder Sendung? Weniger Parteibuch und Inkompetenz als Zutrittsbedingung in den Heiligen Zirkel der Desinformation?
    Wäre diese sagenhafte riesige Best of Compilation an Schranzen, Irren und kriminellen Selbstbedienern in den politischen Aufsichtsgremien (siehe Rundfunkräte der Sendeanstalten: http://de.wikipedia.org/wiki/Rundfunkrat ) dann nicht in den Reichsrundfunkräten? Hieße das Schutzgeld dann nicht „Demokratie- und Kulturschutzabgabe“? Gäbe es weniger Rosamunde Pilcher-Verfilmungen? Gäbe es nicht jedes Jahr eine 8-Milliarden-Euro-Beute (in ReichsEuro natürlich) in der Partei zu verteilen? Zum Teilen mit Nichten und Nutten?
    Ich weiß es nicht. Bei Jörg Schönenborn wäre ich mir allerdings ziemlich sicher.

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  5. Es löhnt sich eben, eine Meinung zu haben, die man verbreiten darf.

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  6. "Gäbe es dann weniger Desinformation und Dilettantismus praktisch in jeder Sendung?"

    @Anonym, über den "Charakter" einer totalitären Diktatur muß man wohl nicht diskutieren.

    Aber man darf auch sehen, daß die DDR mit ihren "Kulturschaffenden" ein wenig pfleglicher umgegangen ist. Daß da eine Helga H. oder Arbeitermanne im *Kessel Buntes* Politlosungen auf Pappschildern hochgehalten hätten ("Mehr Wohnungsbau", "Mehr Völkerfreundschaft") oder daß das Kabarett einen noch besseren Herrschaftssozialismus fordern mußte oder ehem. Friseure wie Klaas HU ihre EMPÖRUNG über mangelnde Linientreue verbreiten durften, ist nicht bekannt.

    Überdies hat die Avantgarde des Proletariats - inkl. kleinerer Widersprüche und Selbstbedienungen - nicht das Gegenteil von dem getan, was sie gesagt hat.

    ... "die da" haben auch nicht alles getan, um ihr Gemeinwesen zu ruinieren und bei der Ermordung ihrer Frauen und Kinder dezent weggeguckt. Die EßÖDe hat noch "den Feind" bekämpft und nicht ihre eigene Bevölkerung.

    Ob sie da Parallelen zu den *Unaussprechlichen* sehen, überlasse ich ihnen.

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  7. Kleine Ergänzung:
    Mir hat einmal ein Verfemter in den 90igern gesagt, daß Zeitungen idR keine Bilder von ihm brächten. Wenn sie es doch täten, dann Aufnahmen von "schräg unten", weil da jeder wie ein Hausschwein aussehe.

    Man kann ja mal kurz auf die erste Seite SpiegelOnline wechseln, um sich anzuschauen, wie dort Rösler gezeigt wird. :-))

    Nebenbei: "Offener Mund" steht für Aggressivität oder "ikonographisch" für "debil".

    Vielleicht einmal bei google_Bilder nach *FDP Rösler* suchen.
    Und diese vielleicht einmal mit Bildern von Cem Özdemir vergleichen.

    P.S. Immer daran denken: "offener Mund" und "schräg unten".

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  8. "Was wäre aber eigentlich gewesen, wenn die Nazis den Krieg gewonnen hätten, oder zumindest mit einem Unentschieden rausgekommen wären?"

    Da muss man nicht mutmaßen. Die Methoden sind auf der ganzen Linie so ähnlich, dass beim Vergleich die Aufzählung der Unterschiede kürzer ist als die der Gemeinsamkeiten.

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  9. Es gibt noch einen Unterschied:
    ALLE Claqueure des Arbeiterstaates konnten sich immer noch auf die Partei, die Partei, die Partei zurückziehen, die auch Hugo Eberleins Sohn und Sergej Lochthovens Vater eine feste Burg bot.

    Worauf will sich den ein Chefredakteur von Tagesspitzel oder Tageschau zurückziehen ?
    "Tut mir leid, ich mußte das Massaker von Lüttich vertuschen, ich mußte gescriptete Beiträge zur Märchenwald-Terrorzelle verbreiten, ich mußte gezielte desinformation zum Abschlachten in Syrien und Libyens verbreiten ...

    ... die DEMOKRATIE erforderte es !"

    Nö, trotz aller "antifaschistischer" Verrenkungen hat die neue Gleichschaltung keinerlei "religiösen", keinen ideologischen Überbau. Außer Korruption. ;-)

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  10. Tagesaktuell in BLÖD. Mußte ich gar nicht suchen, wird mir präsentiert.

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  11. Da ist im Vergleich dieses tagesaktuelle Foto eine wahrer Augenschmaus.

    Ja, so strahlt ein frisch gebackener Spekulationspapa.

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  12. "ich mußte gescriptete Beiträge zur Märchenwald-Terrorzelle verbreiten"

    Kennt jemand den aktuellen Stand in Sachen Nationalsozialistischerzellebraunearmeeuntergrundfraktionterroruntergrundnetzwerktrio?

    Ich meine, die Verteidiger hatten nicht mal eine Woche Zeit, um die die U-Haft verlängernden "Gründe" zu lesen - und das münchner Bauerngericht weiß immer noch nicht, ob es über die Zulassung der Anklageerhebung entscheiden soll?
    Wo doch angeblich alles klar und zig-fach bewiesen ist?

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