Donnerstag, 7. März 2013

Erdrutschsieg für Eurofeinde


Muss die Bundestagswahl neu ausgewürfelt werden? Kommt alles ganz anders als geplant? Ersteht da nach den Piraten, die frischen Wind in die Politikberichterstattung der großen Leitmedien brachten, schon wieder eine neue zweite Kraft jenseits des demokratischen Blocks? Oder haben einmal mehr gewissenlose Hacker im Auftrag der chinesischen Regierung ein deutsches Umfrageergebnis manipuliert, um internationalen Investoren eine nicht vorhandene Kluft zwischen Volk und Regierenden zu suggerieren?

Fakt ist, dass der "Focus" der überaus gefährlichen Bewegung der Euroskeptiker eine Plattform geboten hat, als die Redaktion eine Umfrage auf ihre Webseite stellte, bei der auf die Frage "Würden Sie eine Anti-Euro-Partei wählen" nur die Antworten "Ja" und "Nein" zulässig waren. Verwirrt davon, trotz der beeindruckenden Euro-Bilanz mit Rekordarbeitslosigkeit, Rekordstaatsverschuldung und Rekorddemokratieabbau nach ihrer Meinung gefragt zu werden, entschieden sich rund 94 Prozent der Befragten dafür, geschützt von der Anonymität im Internet, die Antwort "Ja" zu wählen.

Das entspricht etwa dem Ergebnis, das Angela Merkel und Peer Steinbrücknoch vor drei Monaten als alternativlose Kandidaten ihrer Parteien für die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl erzielen konnten. Nun plötzlich der Einbruch und ein Erdrutschsieg der Eurofeinde - erste Experten stellen schon die besorgte Frage: "Wie gefährlich kann die Partei werden?"

Immerhin waren Bundesregierung und Opposition bisher davon ausgegangen, dass nur „zwei Drittel der Deutschen die Rettungsschirm-Politik der Bundesregierung ablehnen“, wie Herrmann Binkert, Chef des Umfrage-Instituts Insa erklärt. Nun aber zeigt sich, dass nur noch rund sechs Prozent der Bürger hinter ihrer Kanzlerin stehen, obwohl die ihnen die Sicherheit ihrer Sparguthaben persönlich zugesichert hat. Dazu kämen, sagt Binkert, rund 30 Prozent politikverdrossene Wähler, die im Herbst keine Stimme abgeben wollen.

Das politische Berlin aber bleibt demonstrativ gelassen, wie die FAZ ermittelt hat. Auch der Meinungsforscher Thomas Petersen vom Institut für Demoskopie Allensbach sieht keinen Grund für Aufregung. Zwar sei die Bevölkerung verunsichert durch die Euro-Krise und unzufrieden mit der Politik der milliardenteuren Euro-Rettungsschirme. Doch nach wie vor habe die Bevölkerung nicht begriffen, worum es bei der Schaffung einer Transfer-Union eigentlich gehe. Grundsätzlich stehe weiter eine Mehrheit hinter der strikten Umsetzung des Hades-Planes, die genaue Ausgestaltung sei aber eine Sache von Fachleuten. „Das hat kein großes Potential für Volksaufregung“, sagte Petersen. Er verwies auf frühere Anti-Euro-Parteien, die gescheitert waren.

Das Umfrageergebnis des "Focus", hieß es zudem im politischen Berlin, dürfe nicht überinterpretiert werden. Vielmehr wolle die Kanzlerin vor dem Beginn der heißen Wahlkampfphase noch einmal Vertreter aller führenden Medienhäuser zu sich ins Kanzleramt bitten, um dafür zu werben, verantwortbar und im gesamteuropäischen Interesse über die Debatten im Wahlkampf zu berichten. Statt "auf dem Europathema rumzureiten, das sowieso keiner richtig verstehe", halte es das Kanzlerinnenamt für angemessen, sich auch in der Berichterstattung auf grundsätzliche Fragen wie mehr Bildung, mehr Gerechtigkeit und mehr Lebensmittelkontrolle zu konzentrieren, verlautete aus der Wahlkampfzentrale. Pannen wie die "Focus"-Umfrage müssten verhindert werden, sie hülfen Europa nicht, verunsicherten aber Menschen.

7 Kommentare:

  1. 94% können sich auch vorstellen, auf dem Mond spazieren zu gehen.

    AntwortenLöschen
  2. Die EUdSSR in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf! Was derzeit scheitert, ist nicht die Idee eines friedlichen Zusammenlebens auf dem Kontinent, sondern der Versuch, über eine Währungsunion ein sozialistisches Utopia zu erzwingen. Ich begrüße jede Partei, die sich diesem Irrsinn entgegen stellt!

    AntwortenLöschen
  3. "im Auftrag der chinesischen Regierung"

    Klingt unglaubwürdig. Die Chinesen haben Interesse am Weiterbestehen des Euros.

    AntwortenLöschen
  4. Zum Thema Vergatterung der Journalisten im Kanzleramt gibt es ein aufschlussreiches Interview bei KenFM mit Christoph Hörstel.

    AntwortenLöschen
  5. @Teja
    Danke für den Hinweis. Der ist leider nicht Google-fähig. Gibt's nen link?

    AntwortenLöschen
  6. Ich wähle seit 1997 nur noch die Bösen der Bösen, die Unnennbaren unter den Sonstigen, und konnte auch andere überzeugen, so zu tun. Bättre än ingenting, wie der Schwede so sächt, nä.
    - Hildesvin -
    P.S. Das Liebesleben der Spulwürmer ist appetitlicher und interessanter als der Umgang der Pressekakerlaken mit den Politwanzen und umgekehrt.

    AntwortenLöschen
  7. Das kommt davon, wenn man dem Volk so komplizierte Fragen zumutet. Hätte man etwa "Wären Sie bereit, gravierende persönliche Konsequenzen in Kauf zu nehmen und für eine europafeindliche Partei zu stimmen?" gefragt, oder einfach nur zweimal "Nein" zugelassen, hätte das die wahre Stimmung im Volke viel getreuer wiedergegeben!
    Jetzt muß man wieder so lange Umfragen, bis das Richtige rauskommt!

    AntwortenLöschen

Richtlinien für Lesermeinungen: Werte Nutzer, bitte beachten Sie bei ihren Einträgen stets die Maasregeln und die hier geltende Anettekette. Alle anderen Einträge werden nach den Vorgaben der aktuellen Meinungsfreiheitsschutzgesetze entschädigungslos gelöscht. Danke.