Mittwoch, 24. April 2013

Armes Frankreich


Frankreich marschiert in der ersten Reihe in der von deutschen Politikern eher symbolisch Transparenz-Offensive. Wenn schon die Regierung nicht weiß, wie es weitergehen soll, sollen wenigstens alle alles über die finanzielle Verhältnisse der Regierenden wissen. Der unter Beschuß stehende große Reformator Francois Hollande hat seine immerhin 34 Minister deshalb veranlasst, ihre persönlichen Vermögen offenzulegen. Zu bestaunen sind nun einige Dutzend wohlsituierte Herzenslinke wie Laurant Fabius, der ein millionenschweres Immobilienvermögen hält. Andererseits aber sind da bettelarme Minister wie Thierry Renpentin oder Yamina Benguigui, deren Lebensersparnisse etwa dem entsprechen, was ein deutscher Bundespräsident beiseite legen kann.

Thierry Renpentin, ein "Staatsminister für europäische Angelegenheiten", besitzt derzeit zwar - wie etliche Minister - einige großzügige Wohnungen in Paris. Auf den Konten des 50-Jährigen aber herrscht womöglich in Erwartung weiterer Rettungsmaßnahmen nach der Zypern-Schablone gähnende Leere: 2950 Euro hat Renpentin bei der Credit Agricole auf dem Konto, 500 Euro liegen auf einem Sparbuch dort. Bei der Postbank bunkert er zusätzlich 19 Euro auf einem Girokonto und 442 Euro liegen hier auf einem Livret-A-Sparkonto.

Sechs Millionäre sind unter den Ministern, aber auch einige so bettelarme Schlucker. Die Kluft zwischen Arm und Reich, die Deutschland seit Jahren beharrlich plagt, ist auch am Kabinettstisch von Francois Hollande zu Hause: Christiane Taubira etwa verfügt über Rücklagen etwa in der Nähe des Meridians, die zu großen teilen verfügbar sind. Wirtschaftsminister Moscovici dagegen hat zwar ein Apartment in Paris, dessen wert er mit 200.000 Euro angibt. Doch an Barmitteln stehen ihm gerademal 37.000 Euro zu Verfügung, weitere 30.000 hat er angelegt. Auch Nicole Bricq geht es nicht so gut: Sie zählt zu ihrem Vermögen nicht nur ein winziges, aber überaus teures Apartment in Paris. Sondern auch einen 14 Jahre alten Renault Megane, der angeblich 22.000 Euro wert ist. Umweltministerin Delphine Batho wäre gar auf Spenden angewiesen, müsste sie diesen vergoldeten Renault kaufen: Sie hat in den 40 Jahren ihres Lebens 16.000 Euro zusammengespart.

8 Kommentare:

  1. Frag' mich wirklich was machen die mit Ihrem ganzen Gehalt? Sparen scheint es bei den Meisten nicht zu sein. Die finanzielle Abhängigkeit der Minister von Ihrem "tollen" Staat ist ja wirklich "bemerkenswert".

    AntwortenLöschen
  2. Ich glaube denen kein einziges Wort! Wie ist das immer vor den Wahlen? Schöne Worte und Versprechungen, und wenn gewählt, dann zeigen sie ihr wahres Gesicht. Alles gelogen. So auch hier. Jetzt sind sie alle bettelarm, aber schauen wir doch mal was für Vergünsitigungen, Sitzungsgelder, Lobby-Arbeit etc. zusätzlich zum Lohn erhalten!
    Alles eine grosse Lüge, um das Volk davon abzuhalten, dieses Politik-Ganster Mafia aus der Regierung zu jagen.

    AntwortenLöschen
  3. Warum nicht, die deutsche Sparer-Mentalität haben die Franzosen eher nicht. Es ist sicherlich auch vernünftiger, zugewiesenes Geld schnellstmöglich loszuwerden, anstatt es für den EU-Staat auf irgendwelchen Buchgeldkonten zu horten.

    AntwortenLöschen
  4. Bei solchen horrenden sozialen Unterschieden im Kabinett (!) sollten sie doch mal die Sozialisten ranlassen!

    AntwortenLöschen
  5. Im westlichen Soschialismus war es üblich - so sehr wird sich das vom Östen nicht unterschieden haben - daß die sozialdmeokratischen/sozialistischen Funktionäre weniger über große Barvermögen, sondern eben über "Beziehungen" verfügten, z.B. die 140qm Wohnung in Bestlage für mtl. 83,59 Franc, die Jagd für 100 Franc Jahrespacht.

    Plus Pensionsanspruch plus Aktien und Wertpapiere auf dem Namen der Frau plus Baugrundstück für den Schwiegersohn, etc.

    ... und der Rest eben in Schwarzgeld.

    AntwortenLöschen
  6. Apropos 700-Euro-Wulff:
    Der war offenbar nach seiner Scheidung (und den entsprechendem Unterhaltszahungen) finanziell eher klamm.

    Keiner fragt, wie denn Joschka F. vier Ehen überlebt und dann Villa und 30 Jahre jüngerer "Filmproduzentin" haben kann.

    Vier Scheidungen kann man sich nur erlauben, wenn man sehr reich oder sehr arm ist.:-)

    AntwortenLöschen
  7. "Keiner fragt, wie denn Joschka F. vier Ehen überlebt und dann Villa und 30 Jahre jüngerer "Filmproduzentin" haben kann."

    Warum auch?
    Fragt ja auch keiner wie der Oskar zu seiner Villa der sozialen Gerechtigkeit kam.

    AntwortenLöschen
  8. @Volker

    Warum Sie sich da wundern, wundert mich. Apparatschiks im Sozialismus ernten die Früchte aller Arbeitenden.

    Das ist eben der Triumpf der "sozialen Gerechtigkeit" und zeigt wie überlegen der Sozialismus doch dem Kapitalismus ist - speziell natürlich den wahren Ausbeutern...

    AntwortenLöschen

Richtlinien für Lesermeinungen: Werte Nutzer, bitte beachten Sie bei ihren Einträgen stets die Maasregeln und die hier geltende Anettekette. Alle anderen Einträge werden nach den Vorgaben der aktuellen Meinungsfreiheitsschutzgesetze entschädigungslos gelöscht. Danke.