Sonntag, 5. Mai 2013

Tote Quote: Herrenabend im Gebührenfunk


Immer wieder sonntags sitzt Günter Jauch mit anderen Männern zusammen, um über Uli Hoeneß zu reden. Letzte Woche noch gab es dafür eine Rekordquote, als Sportmoderator Dieter Kürten, SPD-Politiker Norbert Walter-Borjans, Steuerzahler Dieter Ondracek, FDP-Politiker Wolfgang Kubicki, der Humorist Oliver Pocher und "Focus"-Chefredakteur Jörg Quoos über den abwesenden Herrn H. debattierten. Diesmal fanden sich mit Peer Steinbrück, Erwin Huber, Thomas Gottschalk und Heribert Prantl erneut eine rein männlcieh Expertenrunde zusammen, um den Stab zu brechen über den Mann, der beim FC Bayern einen ebenfalls rein männlichen Aufsichtsrat kommandiert.

Die Einschaltquote war wieder gut, und die Frauenquote betrug wiederum glatt null. Nach nur einer Woche scheint die schicksalhafte Diskussion, die die Mediennation um die Frauenquote führte, völlig vergessen. Geht es um Fußball, Steuern und Verbrechen, sind die Herren der Schöpfung schlagartig unter sich – und es findet niemand etwas dabei. Während bei der „Welt“ die Deutsche Bank „ins Zentrum der Debatte um die Frauenquote“ rückt, , quält sich Berlin mit einer Frauenquote für Straßennamen und die Grünen verklagen sich gegenseitig wegen unzulässiger Männerlichkeit.

Undenkbar bei Jauch. Undenkbar bei Maischberger. Bei Plaßberg. Bei Illner. Hier kommt es immer wieder und stets unwidersprochen zu bizarren Gesprächskreisen mit monogeschlechtlicher Teilnehmerschaft (Fotos oben). Männer fragen, Männer antworten, gleichberechtigt ist der Zuschauer, der seine Gebührenpflicht genießen kann, indem er Glatzen und Schmerbäuche schaut oder sieben Sorten dunkler Anzüge miteinander vergleicht. Ein Mann ohne Binder, vier mit. Einer trägt Pullover. Einer hat das Hemd offen. Wären nicht die Gastgeberinnen, die in ihren Hosenanzügen eher unbeholfen Männer imitieren, könnten alle vier Fernsehgerichte als Herrenabend angekündigt werden: Männer reden über Männer. Frauen schauen zu.

5 Kommentare:

  1. Also, Quote, das war ja nicht so gemeint, daß das Fernsehen selbst ... also, jeder weiß doch, im Ernst, daß das Quatsch ... also, schon, im Grunde gut, aber doch nicht jetzt ... also, wir haben hier doch Wichtigeres zu tun!

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  2. "Herrenabend". Ich hatte es schon einmal erwähnt. Vor vielen Jahren hatte mir einmal ein Unaussprechlicher erzählt, daß Unaussprechliche in den deutschen Zeitungen nur mit offenem Mund gezeigt werden, wobei der leicht geöffnete Mund in der Bildersprache für "debil" steht soll.

    Mit Erheiterung habe ich Titelbilder der Onlineausgaben von "Spiegel" und "Zeit" über den FDP-Parteitag ... genauer gesagt Rösler gesehen.

    ... auch Brüderle in der aktuellen Onlineausgabe der FAZ macht einen "offenen" Eindruck. :-)

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  3. der herold: >... macht einen "offenen" Eindruck<

    Kein Wunder, die FDP ist ja laut Selbstkennzeichnung unter Partei-Methusalem Genschman "nach allen Seiten offen".

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  4. Frauen sind per definition die "Guten". Man kann nicht erwarten, daß sich diese Guten mit so etwas schwerkriminellen wie Steuern (und deren Vermeidung) befassen.

    Das diskrimiert Frauen ja nicht "sonderlich". Man stelle sich den Aufschrei vor er hätte Frauen 5€ die Stunde bezahlt, das wäre ein wirklich frauenrassistische Sache gewesen. Da könnten wir uns aber auf eine Runde bestehend aus Roth, Alice Schwarzer etc gefasst machen.. Seeien wir froh, es hätte Schlimmer kommen können.

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  5. @Anonym: Nach allen Seitsn so offen, daß man sich fragen, muß ob sie noch ganz dicht sind?

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