Dienstag, 25. Juni 2013

Der verschwiegene Terror


Fünf Jahre lang hatte er das weltoffene Deutschland im Visier, terrorisierte er scheinbar wahllos Benutzer deutscher Autobahnen, entging er allen Fahndungsmaßnahmen, narrte er Polizei, BKA und Verfassungsschutz. Jetzt erst ist es den Behörden gelungen, den geheimnisvollen Autobahn-Schützen zu stellen, der seit 2008 regelmäßig arglose Lkw-Fahrer beschossen hatte.

Es war die größte Terror-Serie aller Zeiten - und zugleich ein erneuter Fall von eklatantem Versagen sämtlicher Sicherheitsbehörden. Fünf Jahre lang duldeten die das gefährliche Treiben des Unbekannten, selbst nach Hinweisen und entsprechenden Warnungen hier bei PPQ ließ man den Täter weitere 150 "Schüsse aus einer Langwaffe Kaliber 22" (BKA) auf arglose Autotransporter auf deutschen Autobahnen abgeben. Unzählige Staatsanwaltschaften und Polizisten ermittelten im Fall des Täter - nie kamen sie auch nur in die Nähe einer Lösung - und das, obwohl die Anschläge selbst jenseits der Grenzen stattfanden.

Die Großfahndung des BKA fand im Internet statt, Qualitätsblätter berichteten oberflächlich über eine "mysteriöse Anschlagsserie" (Focus) eines "Heckenschützen" (Spiegel), die nur die Tat eines "Verrückten" (TZ) sein konnte.

Kein Politiker äußerte sich je zu den Taten, für die es - eine auffällige Parallele zum Terror der NSU - nie ein Bekennerschreiben gab. Wo gerade das hätte die Alarmglocken laut schrillen lassen müssen, blieb es still. Wie das Trio Böhnhardt, Zschäpe, Mundlos wurde auch der "Autobahn-Sniper" (Focus) erst im Moment seiner Festnahme zum Thema. Zuvor hatte die größte terroristische Tatserie seit dem Ende des II. Weltkrieges nur sehr geringe Aufmerksamkeit erregt.

Mit dem großen Versagen der Sicherheitsbehörden und der Medien soll sich ab August ein Untersuchungsausschuss im Bundestag beschäftigen. Er werde herausfinden, warum "Spiegel", "Stern" und "Junge Welt" den Terror des "Autobahn-Sniper" nie im Blick hatte. Wie konnte es passieren, dass der Schütze von 2008 bis 2013 mehrere hundert Mal zuschlagen konnte und dass er trotz einiger Auffälligkeiten nicht einmal in die Nähe einer Fahndung geriet?

"Die Autobahnschüsse sind unser 11. September", heißt es bei der Karlsruher Generalbundesanwaltschaft inzwischen unter der Hand. Der Begriff steht in den USA für Pech und Unvermögen vor den Terroranschlägen 2001 - und für die Unfähigkeit der Behörden, miteinander zu arbeiten. Die Bittere Erkenntnis nach fünf Jahren Jagd: Sicherheitsapparate, die ein Land beschützen sollen, können in einer Parallelwelt leben und deswegen kläglich versagen.

13 Kommentare:

  1. " Die Bittere Erkenntnis nach fünf Jahren Jagd: Sicherheitsapparate, die ein Land beschützen sollen, können in einer Parallelwelt leben und deswegen kläglich versagen."

    Man ist zuviel damit beschäftigt alle zu überwachen. Da bleibt für das Wesentliche einfach keine Zeit mehr. PPQ sollte es wissen: Wir sind alle Terroristen oder rechtsradikale Ungetüme.

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  2. Da ist sicher was dran. Wo man unablässig damit beschäftigt ist zusammenhalluzinierten braunen Popanzen hinterherzujagen, werden zu viele Kräfte gebunden und auf längere Sicht verschlissen, die zur Ermittlung und Bekämpfung realer Gefahren und Bedrohungen gebraucht würden. Und zudem mutiert ein Sicherheitsapparat, dem ideologische Vorgaben gemacht werden, wo er überhaupt ermitteln darf, und vor allem wo nicht, immer mehr zum Treppenwitz.
    Die Motivation und das Engagement von Angehörigen der sog. Sicherheitsorgane kann man sich gut vorstellen, wenn sie permanent damit rechnen müssen, das von „oben“, dieser hierzulande immer noch geheimnisvollen, quasi halbgöttlichen Instanz, die Weisung kommt, „Finger weg von dem Fall“, so „Unberührbare“ darin involviert sind, wie z. B. Bereicherer, unsere „Verbündeten“ oder gar der „Beste Geheimdienst der Welt“.


    Ano-Nymus

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  3. Jetz muß nur noch gekklärt werden, wer ihm die Langwaffe verschafft hat. Wer waren die Unterstützer? Gab es ein Lied, daß hämische Freude und Insiderwissen vermischte? Wir sollten das euvre von "Truck Stop" unter diesem Gesichtspunkt beleuchten. Waren die LKW-Höfe dieses Landes Keimzellen für Haß auf Autottransporter? Wir brauchen einen Kampf für NKW-Fahrer!

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  4. Das ist die NSKTF - die "Nationalsozialistische Kraftwagentransporterfront"! Bestehend aus den drei Mitgliedern Schütze, Waffenverkäufer, Munitionshändler, - und wer weiß, sicher sind notfalls auf dem Hausschießplatz noch andere Mitglieder zu verorten!

    Bekennervideos mit dem Westsandmann, der die Opfer verhöhnt, sollen bei der Antifa schon produziert -äh- angekommen sein.

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  5. Generalbundesanwalt Harald Range: „Die NSU-Morde sind unser 11. September“

    Danke, PPQ, diesen Ausspruch kannte ich noch nicht. Ist das Realsatire?

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  6. Jawollo, darauf sollten unsere wachsamen Staatsschützer ihre Holzaugen fokussieren, wie viele bisher unerkannte Verbindungen jedweder Illegaler Machenschaften zur erschröcklichen NSU bestehen. Mit der sprichwörtlichen, traditionellen theutschen Gründlichkeit, sowie der aktuellen theutschen Paranoia wird man alsbald fündig werden.
    Da werden sich Abgründe auftun. – Vom Rotlichtmilieu, über Rauschgiftkriminalität, bis hin zu schwersten Kapitalverbrechen wird sicher eine Spur zur NSU führen.
    Uralte, ungelöste Kriminalfälle, jahrelanges frustrierendes im dunkeln Tappen wird schlagartig vom Licht der Erkenntnis und Aufklärung abgelöst werden.


    Ano-Nymus

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  7. Bis 20umundfuffzich galt jede Abteilung, jede (Personal-)Stelle zur "Bekämpfung des rechtsextremistischen Terrors" als EDEKA = Ende der Karriere.

    ... weil da nix los war.

    Für gewöhnlich gut unterrichtete Kreise behaupten, daß innerhalb der Geheim/Polizei die HVR (Hauptverwaltung rechts) personalpolitisch genutzt wurde, um ihre Sprittis loszuwerden.

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  8. "genutzt wurde, um ihre Sprittis loszuwerden."

    ??????????

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  9. "genutzt wurde, um ihre Sprittis loszuwerden."

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  10. "genutzt wurde, um ihre Sprittis loszuwerden."

    ??????????

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  11. "Abteilung Horch und Gluck"

    "Spirit of St.Louis and Nordhausen"

    "Spirituelles Erlebnis mit Wilthener Goldkrone"



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  12. " personalpolitisch genutzt wurde, um ihre Sprittis loszuwerden."

    Über die liebgewonnenen Zunahme-Meldungen haben wir uns schon lustig gemacht. Aber Zunahmen gibt es doch. Zwar nicht im Bereich der "Rechten Gewalt" ™, aber bei deren Bekämpfung. Jedenfalls in Sachsen.

    Bis 2009 waren in der SoKo Rex (Sonderkommission zur Bekämpfung des faktisch nichtexistierenden Rechtsradikalismus) 30 Knallfrösche geparkt. Dann musste Ulbig den Haufen wegen zunehmender Personalprobleme auf 40 Schwachköpfe aufstocken.
    Leider kriegt er den Alkohol immer noch nicht in den Griff. Warum sonst sollte er ein Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus bilden, wenn er keine Ablage für 120 Sprittis bräuchte.

    Die offizielle Begründung (Rechtsradikalismus) gibt das nämlich nicht her. Die gewalttätigen Rechtsradikalen (Tautologie, ich weiß) haben im ganzen Jahr 2012 jedenfalls gerade mal 54 Gewalttaten hingekriegt. Damit halten sich 2 Sprittis über ein Jahr an einer rechten Gewalt fest. So wenige sind es aber nur, wenn man unterstellt, dass die 54 Gewalttaten tatsächlich stattgefunden haben - was ich als zeitungslesender Dresdner einfach mal abstreite.

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  13. Vielleicht ist alles ganz anders. Vielleicht gibt es nicht zu viel, sondern zu wenig Personal für den Krampf gegen Rechts. Denn "immer wieder verlaufen Ermittlungen und Prozesse gegen Extremisten aller Art im Sande, weil die Ressourcen fehlen."

    (Tut mir leid, diesen kleinen Seitenhieb gegen diesen Lügner konnte ich mir nicht verkneifen.)

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