Samstag, 12. Oktober 2013

Innovative Geschäftsideen: Prangern statt googeln

Der Start eines neuen großen Webportals, von dem Insider seit Monaten wispern, sollte in diesen bewegten Tagen starten, nun aber muss er ausfallen. Die Geschichte dieses Scheiterns aber ist ein Lehrstück, eine Geschichte, die davon erzählt, wie ein überreguliertes, von Amtsgerichten regiertes und in Paragrafen eingepferchtes Land unternehmerische Initiative und gesellschaftliche Innovation ausbremst und erstickt. Dabei war die Idee so simpel: Eine Datenbank sollte, ganz im Sinne des vielbeschworenen Socialweb 2.0, von ihren Nutzern gefüllt werden - nicht mit schnöden Waren wie bei Ebay und nicht mit komischen Kommmentaren wie bei facebook.com.

Nein, pranger.de war angetreten, den Druck aus den Köpfen vieler Enttäuschter, Verlassener und Betrogener zu nehmen. Als soziales Überdruck-Ventil wollte die von einigen kunstsinnigen Enthusiasten mit Prekariatserfahrung konzipierte Seite außerhalb der geschlossenen Anstalten Möglichkeiten schaffen, Frust konstruktiv und fröhlich abzulassen und Ärger über Ex-Freundinnen und E-Freunde, säumige Rechnungszahler und pfuschende Handwerker, verlogene Politiker und unpünktliche Lokführer gepflegt und mit einem rufschädigendem Augenzwinkern zu artikulieren.

Der erste Beitrag stand schon fest: Einer der Initiatoren plante, einer früheren Verflossenen unter der Überschrift "Meine Ex, die alte Schlampe" noch einmal ein gemeinsam angefertigtes recht pikantes Video zeigen. Auch weitere interessante Beiträge nahezu fertig erstellt: Ein Mann, dessen Auto bei einem Verkehrsunfall einen Kratzer abbekommen hatte, wollte dem Unfallgegner ein außergerichtliches "Arschloch" nachrufen, eine Frau, der bei Ebay gefälschtes Parfüm angedreht worden war, die Welt vor dem gewissenlosen Verkäufer warnen.

Doch nun, mitten in der heißen Phase, stellt sich heraus, dass pranger.de bereits belegt ist. Und auch rufmord.de die nicht minder aussagestarke Alternative, ist blockiert. Von einem Düsseldorfer Privatmann, der sie nicht nutzt. Damit werden echte Initiative von unten ausgebremst. Die Warnungen kleingeistiger Rechtsexperten vor möglichen rechtlichen Konsequenzen, die eine als Beleidigungs- und Beschimpfungsportal angelegte innovative neue Seite in einem restlos überregulierten Staat wie Deutschland hätte haben können, haben die Initiatoren noch verlacht. Das aber tötet jedes Geschäftsmodell. Schade drum, denn potentiell war "prangern" schon ein Wort wie "Googeln". So aber geht eine große Idee aus der Welt, ohne sie besser gemacht zu haben. Und die Chinesen bauen das dann wieder nach. www.rufmord.asia ist ja noch frei.


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1 Kommentar:

  1. Gibt es das pikante Video noch? Veröffentlichung würde ich dann in die Wege leiten können wollen tun.

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