Dienstag, 7. Oktober 2014

40 Jahre Parallelgesellschaft

Parallelgesellschaften gibt es nicht nur unter Muslimen, sondern auch unter Ostdeutschen. Die Motive der schärfsten Kritiker von Parallelgesellschaften wie der der Ostdeutschen mit ihren seltsamen Gebräuchen wie der Jugendweihe, dem sprechen des Sächsischen oder dem bizarren FKK-Kult - sind allerdings auch nicht gerade fortschrittlich. Das zeigt eine Studie zur DDR-Geschichte.

Der derzeitigen öffentlichen Debatte um die mangelnde Integrationsbereitschaft einiger Ostdeutscher und um die geistige Verfasstheit eines großen Teils der Westdeutschen, in deren Mitte erstgenannte sich bitteschön ordentlich hinein integrieren sollen, geben die Ergebnisse dieser Studie eine unerwartete Pointe: Ein paradoxer Befund der Studie ist, dass die Motive der schärfsten Ost-und-Parallelgesellschaften-Kritiker oftmals selbst alles andere als fortschrittlich sind.

Demnach speist sich die Ablehnung vieler Westdeutscher vor allem gegen Ostdeutsche selbst aus zutiefst undemokratischen und oft menschenverachtenden Ressentiments. Sie singen nicht das Hohelied der Aufklärung und der "open society", sondern machen mit zum Teil rechtsextremen Vorstellungen gegen eine angebliche Undankbarkeit mobil (über die vor allem diejenigen klagen, in deren Regionen die wenigsten Ex-DDR-Bürger in Deutschland leben). Sie sind nicht viel weniger und chauvinistisch gesinnt, als die von ihnen als fremd empfundenen und abgelehnten ostdeutsch geprägten Neubürger.

Nach unten treten, nach oben buckeln: Der zunehmende Hass gegen sozial Schwächere geht einher mit einer wachsenden Akzeptanz autoritärer Gesellschaftsmodelle: Gut jeder vierte Deutsche wünscht sich laut der Umfrage der Friedrich-Ebert-Studie eine "starke Partei", die die "Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert". Mehr als jeder Zehnte sehnt sich nach einem "Führer", der "Deutschland zum Wohle aller mit harter Hand regiert" und hält die Diktatur für "die bessere Staatsform".

Zurecht analysiert eine Kommentatorin die Ergebnisse der Ebert-Studie: "Während autoritäres Denken, körperliche Gewalt in der Erziehung und Antisemitismus gerade bei vielen Ostdeutschen aus sozialistisch geprägten Gesellschaften verbreitet sind, werden gerade diese Ostdeutschen konfrontiert mit den Ressentiments der narzisstisch gekränkten, krisenverunsicherten Westdeutschen. Zwei demokratieferne Gruppen antagonisieren einander."

Die deutsche Leitkultur schrumpft demnach zu einem sozialdarwinistischen Index, der Zugehörigkeit nur akzeptiert, wenn er vermeintliche ökonomische Vorteile mit sich bringt. Von wegen Goethe, Humboldt oder Schiller – alles, was zählt, ist das ökonomische Kalkül und die klamm-diffuse Vorstellung, etwas Besseres zu sein, während "die Anderen" Sozialschmarotzer sind, kulturferne obendrein.

8 Kommentare:

  1. Bei einem Diktator vermutet man halt, dass er sich zwar diktatorisch, aber immerhin um die Belange seines unterdrückten Volkes kümmert. Und nicht diffus "weltoffen" schwafelt/handelt oder sich als verlängerter Arm irgendeiner Verbrecherclique darstellt, welche irgendwo da über dem grossen Teich residiert.

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  2. Wer gibt schon gerne? Doch nur der Hl. Martin. Ich würde auch keine Leute mögen, die sich mit dem Solidaritätszuschlag als Dauerdroge eingerichtet haben. Ob fern oder nah.

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  3. @Anonym

    Solidaritätszuschlag, Sektsteuer, Ökosteuer, ... das sind alles so kleine Aktionen, die zu einem Zeitpunkt ein Problem beheben helfen sollten und dann im Steuerpaket drinbehalten wurden. Die haben alle wenig bis garnichts mehr mit dem Ursprungsgedanken zu tun. Der Solidaritätszuschlag dabei noch als Hilfe damit ehemalige Ost- und Westdeutschen sich ggs. vergraulen.

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  4. Wobei der, der das Sagen hat, ernannt werden mußte, sich nimmer selbst ernennen durfte, und er durfte nur sechs Monate diktieren.
    Dabei war es gute Sitte, daß er diese sechs Monate nicht bis zum letzten Tag ausreizte.
    Wenn mich doch einer ernennen würde. Mir würden 24 Liktoren voranschreiten. Zuerst würde ich die Mitglieder der medientauglichen Parteien - zwei von hundert - in Schutzhaft nehmen. Die einfachen Mitläufer, so sie einen nützlichen Beruf ausüben, mit Ausnahme der Lehrer_innen, nach zwanzig mit dem Rattanstock auf den Blanken wieder entlassen. Die anderen, dazu die Gender-Dozentinnen, entweder dem Volkszorn preisgeben, oder an Kampfsportvereine und Polizeischulen als Sparringspartner zu vermieten, die Reste dann an die anatomischen Institute verkaufen...
    Den Advokaten würde ich wieder kurze schwarze Mäntelchen anbefehlen, auf daß man die Spitzbuben schon von weitem erkenne. Derselbe, der das angeordnet hat, gebot auch, die Zigeuner mit oder ohne gültige Pässe mit einem hänfenen Strick den Hals zu kitzeln - hier könnte man Ausnahmen zugestehen.

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  5. "Liktoren" musste ich nachgucken - aber grundsätzlich ist Ihr Vorschlag genehmigungsfähig .

    Reichszuchtmeister Sepp

    u.A.w.g.

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  6. Hab' mich in der Trunkenheit vertan, der Nominativ ist dem Akkusativ sein Feind.
    Also entweder den Zigeunern usw... oder die Zigeuner m i t einem hänfenen Strick (Honoré de Balzac - Die Belustigungen König Ludwigs des Elften...)
    Skål!

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  7. ""Liktoren" musste ich nachgucken ...
    Reichszuchtmeister Sepp"

    WAAAAAAAS ?
    Schande !

    fasci di combattimento

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  8. Dieser Post veranschaulicht auf sehr lustige Weise, dass Herrschsucht, Habgier, Neid, Missgunst und wie alle die unverzichtbaren Grundimpulse menschlicher Überlebensstrategien von den je Benachteiligten ("Opfern"!)benannt wurden, zur Spezies gehören, wie der rätselhafte Takt zu Röntgenpulsaren.
    Die Nicht-Opfer haben mit schillernden Rechtfertigungen ihrer Dominanzstrategien ganze Kulturen erschaffen.

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