Donnerstag, 6. Juli 2017

Das Duell: Mit Merkel und Schulz um des Kaisers Bart

Ein erstes Handout von der Stellprobe im TV-Studio, bei der die wichtigstes Antworten vorabgesprochen wurden.

Die ARD, SAT.1, RTL und das ZDF werden am Sonntag, 3. September 2017, "Das TV-Duell: Merkel - Schulz" als einzigen Höhepunkt des Bundestagswahlkampfs übertragen. Die Fernsehanstalten haben sich gestern mit den Vertretern der Spitzenkandidaten über die Modalitäten verständigt.


Ausgangspunkt der Gespräche war der Herzenswunsch der üblichen vier Fernsehanstalten, "Das TV-Duell" 2017 dramaturgisch neu zu gestalten. Statt des üblichen 90-minütigen Austausches über Allgemeinplätze, unterbrochen von vorher abgesprochenen Fragen der beiden Moderatorenpaare, sollte es in zwei Blöcke von je 45 Minuten um den Austausch von Allgemeinplätzen gehen, unterbrochen von vorher abgesprochenen Fragen jeweils eines Moderatorenteams. Ziel waren eine klarere Struktur, weniger Überraschungen und mehr Raum für die Darstellung der jeweils erfolgreichen Politik von Amtsinhaberin und Chef des Koalitionspartners. Ein Duell mit Hin- und Rückspiel hatten beide Parteien zuvor schon abgelehnt. Das lohne nicht, weil man in zentralen Fragen ohnehin dieselbe Politik vertrete.

Sekundanten der Kanzlerin lehnen ab


Doch nun der Schock: Die Sekundanten der Bundeskanzlerin, die als Amtsinhaberin ein Vetorecht gegen alle Entscheidungen hat, waren mit diesen dramaturgischen Veränderungen nicht einverstanden und lehnten eine Teilnahme unter diesen Bedingungen ab. Insgesamt hatten sich acht Vertreter aller Parteien dreimal getroffen, um dieses Ergebnis zu erreichen. Die Chefredakteure Rainald Becker (ARD), Peter Frey (ZDF) und Michael Wulf (RTL) sowie ProSiebenSat.1-Informationschef Hans-Peter Hagemes; für die SPD Wahlkampfleiter Markus Engels und Vorstandssprecher Tobias Dünow; für die Kanzlerin Regierungssprecher Steffen Seibert und Eva Christiansen aus dem Bundeskanzleramt. Kosten außerhalb der gewöhnlichen Stundensätze der Beteiligten entfielen nicht.

Das Kanzlerduell vor dem Aus, die einzige Chance, die beiden altbekannten Alphatiere der deutschen Politik noch einmal so jung wie am Sendetag zu erleben und ihnen beim Streit um Kaisers Bart zuzuhören, dahin? Nein. Um diese einzige direkte Konfrontation zwischen der Kanzlerin und dem Spitzenkandidaten der SPD dennoch zu ermöglichen und dem Interesse einer sicherlich breiten Öffentlichkeit Rechnung zu tragen, haben sich sowohl die einladenden staatlichen wie auch die privaten Fernsehanstalten entschlossen, zum 2013 praktizierten Modell zurückzukehren.

Dabei werden sich die Moderatorenpaare - Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL), Sandra Maischberger (ARD) und Claus Strunz (ProSieben/SAT.1) - allerdings diesmal mit ihren Fragen um einen neuen zentralen Themenkomplex kümmern: Warum war es nicht möglich, das beliebte Kanzlerduell mal nach einem neuen Modus auszutragen? Ist die Austragung der Traditionssendung nur auf die bisher bekannte Art denkbar? Sind 90 Minuten mit vier Moderatoren alternativlos? Oder braucht es erst eine gesamteuropäische Lösung, nach der sich dann die Moderatoren im Laufe des "Duells" häufiger und vor allem regelmäßiger abwechseln, um ihre vorabgesprochenen Fragen aufzusagen?


"Das TV-Duell" wird am 3. September um 20:15 Uhr stattfinden und live traditionsecht aus der ehemaligen Zentrale des DDR-Fernsehens in Berlin-Adlershof von der ARD im Ersten, von RTL, SAT.1 und dem ZDF übertragen. In leichter Sprache übertragen ZDFneo, One und das neue Jugendformat funk, auf Französisch sendet artearte, für Österreich hat 3sat die Rechte erworben.

Trainingslager in der Schorfheide


Zuvor treffen sich die vier Moderatoren - der früher eingesetzte Stefan Raab fehlt erneut - mehrfach zum inhaltlichen Austausch. Ende August ziehen Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL), Sandra Maischberger (ARD) und Claus Strunz (ProSieben/SAT.1) dann gemeinsam in ein Trainingslager in der Schorfheide, wo mit Unterstützung von Schauspielern der Berliner Akademie (als Merkel) und der Schauspielschule Brüssel (als Schulz) vor allem Gesichter geübt und die genaue Formulierung der Kernfragen mit dem Bundeskanzleramt abgesprochen werden soll.

Dass auf Unionsseite keine Partei-, sondern Regierungsvertreter in ihrer Funktion als Parteivertreter saßen, sorgte bei der SPD für Stirnrunzeln. Merkels Sprecher Steffen Seibert erwiderte, dass Christiansen, eine der engsten Vertrauten Merkels, für den Wahlkampf einen zeitlich befristeten Nebentätigkeitsvertrag mit der CDU-Bundesgeschäftsstelle abgeschlossen habe. Sie habe nichts "nichts Ordentliches gelernt" und verdiene so etwas dazu. Letztlich beließ es die SPD aber wie immer dabei, sich öffentlich zu beschweren, machte dann aber mit. Schulz werde das Thema dann im September direkt mit Merkel ausdiskutieren.

3 Kommentare:

  1. Sehr gut, so kommen SAT.1 und RTL dem Ziel näher an der Rundfunkabgabe (GEZ-Gebühr)teilzuhaben.

    http://www.n-tv.de/wirtschaft/Prosieben-schielt-auf-die-Rundfunkgebuehr-article19916393.html




    Adebar

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  2. FrolleinwunderJuli 06, 2017

    Kicher... manchmal muss ich ernsthaft überlegen, wann das hier ins Ernsthafte kippt...

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  3. Danke für die warnung.

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