Sonntag, 1. Dezember 2019

Respektente: Bundesworthülsenfabrik holt erneut Titel "Wort des Jahres"



Nicht "Flüchtlingschaos", "Abschiebehindernis" und auch nicht "Fridays for future", die politische Debatte in Deutschland in diesem Jahr geprägt haben, sondern der Fantasiebegriff "Respektente" ist von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) zum "Wort des Jahres" gewählt worden. Trotz starker Konkurrenz ist es der Bundesworthülsenfabrik (BWHF) damit zumsiebzehnten Mal in Serie gelungen, den als wichtigsten deutschen Sprachpreis geltenden Titel zu erobern: Die staatlichen Sprachschmiede hatten das Kunstwort auf Wunsch des scheidenden Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD)im Sommer aus bekannten Zweisilbern gedrechselt, die einerseits aus dem Bereich der Jugendkultur Rap ("Reschpekt"), andererseits aber aus der politischen Tradition der Entenversprechen (Norbert Blüm) stammen.

Das Experiment gelang, die deutschen Leitmedien stürzten sich sofort nach Freigabe durch BWHF-Chef Rainald Schawidow auf die Worthülse, deren Silbenmaß die Anlehnung an frühere Erfolgsbegriffe wie "Rettungsschirm", "Energiewende", "Schuldenbremse", "Wachstumspakt" und "Stromautobahn" anzumerken ist. Die GfdS, ebenso wie die BWHF ein hauptsächlich staatlich finanzierter Verein, lobte die „Respektente” als Begriff, der die geplante Einführung einer weiteren staatlichen Ente für Männer und Frauen bezeichne, erklärte der GfdS-Vorsitzende Peter Schlobinski in Wiesbaden.

„Respekente” wird insbesondere mit Hubertus Heil in Verbindung gebracht, der die neue Wortkombination in der BWHF in Auftrag gegeben hatte, um in der Grundenten-Debatte der Großen Koalition die Botschaft zu verbreiteten, dass Lebensleistung Respekt verdiene, der auch einen finanziellen Ausdruck finden müsse. Zur Einführung des zusammengesetzten Substantives, das nach zwei Silben eine charmante Klebestelle aufweist, sagte der Minister: „Nennen Sie es ruhig Respektrente oder Gerechtigkeitsrente.”

Dementsprechend erfreut zeigte sich Heil darüber, dass die Wahl der GfdS nicht auf wild entstandene Begriffe wie "Abschiebehindernis" oder das englische "Fridays for future" gefallen sei. Die Gesellschaft für deutsche Sprache demonstriere damit selbst Respekt für die Worthülsendreher der BWHF, die ihrer Aufgabe, politische Ziele gleichermaßen sorgsam und kreativ zu vermitteln, wie schon bei "Milchpreisgarantie", "Abwrackprämie" und „Transparenzregister“ auf beispielhafte Weise nachgekommen seien. Die Grundente sei damit auch Ausdruck des Respekts gegenüber Mitarbeitern einer Bundesbehörde, die nicht jeden Tag im Blickpunkt des öffentlichen Interesse stehe, die aber viel dazu beitrage, durch die Schaffung neuer Worte eine positive Grundstimmung im Land herzustellen.

GfdS-Chef Peter Schlobinski lobte den „Kampf- und Werbebegriff Respektente” als "interessant", denn er stehe für ein aktuelles Muster in der Politik, die inzwischen semantisch steuere, wie der Frontverlauf in eher trockenen Auseinandersetzungen um politische Grundlinien zu interpretieren seien. Mit "Respekt" assoziierten die Menschen draußen im Lande etwas sehr Positives, erläuterte Schlobinski. Im Fachjargon sei es deshalb ein „Hochwertwort”, dass die Bundesworthülsenfabrik nur in wirklich bedeutsamen Situationen einsetze.  Wer das Wort präge und benutze, könne erwarten, dass auch ihm Respekt entgegengebracht wird. Da Medien auf diesem Weg mit ins Boot geholt würden, bestehe die Hoffnung, den semantischen Erfolg auch in Wählerstimmen ummünzen zu können.


Auf dem zweiten Platz der Abstimmung landete „Rollerchaos”, ein Begriff, der nicht der Bundesworthülsenfabrik entstammt. Platz drei ging an die Klimabewegung „Fridays for Future” dieses Jahr in aller Munde war, aber wegen des ausländischen Ursprungs und der immanenten Fügungsstruktur von der neunköpfigen Jury nach intensiven und konstruktiven Diskussionen abgelehnt werden musste „Fridays for Future ist kein Wort, das einen sofort anspringt und auf Platz eins landen muss."

4 Kommentare:

  1. OT, Vergebung:
    "Rotz, Wasser und Realität ..." bei uns oll Danisch. Köstlich, herrlich, atlitschna, utmärkt, marvelleous, nicht mit Geld zu bezahlen.

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  2. Der lachende MannDezember 01, 2019

    Habe auch herzlich gelacht.

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  3. Man darf doch den Jungs nicht übelnehmen, dass sie eine Idee der Regierung ein bißchen promoten.

    wählt SPD! (gez. Vorsitzende eins & zwei, die Namen merken Sie sich eh nicht)

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  4. "Rotz, Wasser und Realität ..." bei uns oll Danisch.

    Troja, Achilles gegen Boagrius: "Is there no one else?"

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