Sonntag, 12. September 2021

Anti-Amerikanismus: Tod dem Amerikaner

Petra Heinze-Beckmann kann immer noch nicht verstehen, warum der Alltagsrassismus noch so offen in der Gesellschaft nach außen getragen wird. Sie viel darüber gelesen, Filme angeschaut und Seminare besucht. Trotzdem passiert es aller paar Tage, dass ihr im Alltag Dinge begegnen, die ihr übel aufstoßen. Deshalb wehrt sich Heinze-Beckmann, stets sucht sie das Gespräch mit Menschen, um die aufzuklären über das, was falsch läuft in unserer Welt, in unserem Land - auch wenn es manchmal zäh ist, wie sie ganz offen sagt.

Im Herbst vor 32 Jahren erst haben sich die DDR-Bürger selbst befreit, ohne auf Hautfarbe, Herkunft oder Sprache zu schauen. Selbst Sachsen waren willkommen, erst recht jeder Amerikaner. Heute aber stand Heinze-Beckmann unverhofft in einem Supermarkt und musste das ansehen: Ein "Sandbrötchen mit Butterlasur", vom Hersteller aus unbekanntem Grund "Amerikaner" genannt.

Engagierte Frau entsetzt

Die engagierte junge Frau aus Brandenburg war entsetzt, wie immer, wenn sie Hass und Rassismus entdeckt. Hat nicht der Bundestag erst im Frühjahr ein neues Gesetz beschlossen, dass es Menschen einfacher machen soll, Hass zu melden? Hatte nicht der Fall des Ex-Fußball-Nationaltorwarts Jens Lehmann deutlich gemacht, wie ernst es der Gesellschaft ist, Schluss zu machen mit Menschen, die  Aussagen über Fußballprofis treffen, die nicht dem Grundgedanken von Respekt und Höflichkeit folgen?

Was damals noch für eine Welle der Empörung sorgte und die Grünen veranlasste, ihr Mitglied Boris Palmer aus der Partei auszuschließen, scheint heute schon wieder vergessen. Petra Heinze-Beckmann  hat selbst viele Jahre in Amerika gelebt und daher weiß sie, dass gerade Amerikaner auf Zurückweisungen und Lebensmittelbergleiche allergisch reagieren. Als Kind habe sie cool gefunden, später aber bemerkt, dass sich in den Ursprungsversionen Passagen finden, in denen Menschen mit Worten bezeichnet werden, die als Umschreibung von früher gebräuchlichen rassistischen Bezeichnungen dienen, die selbst damals schon nicht mehr benutzt werden durften. 

Zuschreibungen wie Zigeuners***k

Aus ihrem ostdeutschen Elternhaus kenne sie zudem rassistische Zuschreibungen wie "Zigeunerst**k" und "Russenbrot", Begriffe, die Heinze-Beckmann emotional abstoßen. "Amerikaner" falle für sie in dieselbe Kategorie, in der landsmannschaftliche Gemeinsamkeiten einer Gruppenherkunft als Speisename genutzt würden. "Als Mutter von zwei Kindern sehe ich heute, dass damit jemand verletzt werden könnte." Natürlich gebe es auch in ihrem Umfeld Freunde und Bekannte, die das Wort noch verwenden, obwohl es in bestimmten Kreisen fast schon routinemäßig als Code für Weltherrschaft, Vormundschaft und eine Lebensweise genutzt wird, die immer mehr anständige Deutsche ablehnen. Eigentlich finde sie es auch schwierig, Diskussionen über solche Wörter zu führen. "Denn ich kann gar nicht verstehen, warum diese Wörter manchen Menschen so wichtig sind, dass damit ein Gebäck benannt werden muss."

Sie vertrete die Ansicht, dass damit Schluss sein müsse, besser heute als morgen. "Einige argumentieren, dass mit solchen Worten Traditionen bewahrt werden sollen, etwa die Erinnerung an die originalen Amerikaner mit Zuckerguss, die es früher gab." Aber Tradition sei eben nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers. Missbräuchliche Verwendungen müssten umgehend eingegrenzt und verboten werden. "Sprache hat sich immer entwickelt und entwickelt sich weiter", glaubt Heinze-Beckmann, "so ist es auch hier." Wenn es auf der ganzen Welt nur einen gebe, der wegen der herabwürdigenden Bezeichnung der Sandbrötchen eine Träne vergießt, "dann kann es doch nicht sein, dass wir das Wort weiter benutzten.".

4 Kommentare:

  1. Das muß heraus aus Zettels Raum.

    https://zettelsraum.blogspot.com/2021/09/hey-joe.html

    Ich weiß nur nicht wie.

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  2. Bin auch immer wieder entsetzt, wenn irgendwo "Berliner" (zum Aufessen) angeboten werden.
    Ein ganz übler Fall von Alltagsrassismus!

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  3. Bei uns hießen Berliner immer Pfannkuchen, vielleicht auch weil in der Provinz keiner Berliner leiden konnte. Erst mit den kulturunsensiblen Bäckereiketten kamen auch die Berliner an.

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  4. Hey Joe, was hast du da zu tun mit diesem Colt in deiner Hand. Hey Joe. was machst du da mit diese Wumme? - Ich hab meine Frau totgemacht, Ole, ich hab sie gesehen, sie war zugange mit 'nem annern Macker. Ich hab meine Frau totgemacht! Das machte Rums, und dann lagse auffe Seide ...

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