Freitag, 17. September 2021

Der deutsche Denkmal-Ausstieg

Wenn heute noch Denkmale für große Geister mit imposantem death count gebaut werden, dann im Auftrag fremder Mächte.

Gehämmert aus Stein oder gegossen aus Stahl, in Kupfer getrieben und gemauert bis in den Himmel hinein. Manche waren Tore, manche Sockel, gekrönt von Reitern. Andere zeigten mannhafte Kerle, den Blick weit in eine Zukunft gerichtet, die selbstausgedachte Formeln der Dargestellten für jedermann begreifbar machten. Statuen und erigierte Köpfe, Herren mit Hut und ohne, Kaiser, Könige, Arbeiter- und Bauernführer und Wissenschaftler - über hunderte von Jahren gehörte es zum guten Ton einer jeden westlichen Gesellschaft,  selbst wenn sie eine kommunistischen Grundform angenommen hatte, sich über die bildhafte Darstellung der eigenen Götter, Führer und Glaubensgenossen selbst zu vergewissern.
 

Kulturtechnik des Abendlandes

 
Das Denkmal, gewidmet den Toten von Kriegen, den Erfindern von Formeln, einem Kaiser, König oder - so er denn siegreich war - Rebellen, ist eine Kulturtechnik des Abendlandes, die andere Zivilisationen nicht kannten, ehe sie begriffen, welche Macht gemeißelte Bilder haben können. Von Asien über Russland bis nach Südamerika und Afrika trat das Denkmalwesen seinen globalen Siegeszug an. Gehörte es im alten China wie in Japan zur Tradition, Ahnentempel und historische Pagoden immer mal wieder abzureißen, blieben mit Beginn der Neuzeit erstmals Denkmale wie das Standbild des Republikgründers Sun-Yat-sen - sichtlich ein Nachbau entsprechender Monumente westlicher Zivilisationen - dauerhaft stehen. Auch die Statuen, die von den großen südamerikanischen Reichen künden, sind allesamt jüngeren Datum: Erst die Ururururururenkel der Eroberer verehrten dem ermordeten Inka-Herrscher Pachacútec ein vergoldetes Standmal.

Ausgerechnet dort aber, wo das Denkmal erfunden wurde, geht der Trend weg vom Neubau. wenn überhaupt etwas gebaut werden muss, dann kein Denkmäler mehr, sondern ein Mahnmal. Statt wie früher Erinnerungsorte zu schaffen für den eigenen Ruhm, die großen Erfolge, die gewonnenen Kriege und selbstausgedachten Erfindungen, widmet sich Deutschland zum Beispiel seit vielen Jahren schon intensiv der Schaffung einer allumfassenden Gedenklandschaft für die eigene Schande, das Versagen, die vielen begangenen Verbrechen und die unverzeihlichen Fehler, die gemacht wurden.

Kein Nachschub für künftige denkmalschützer


Denkmalschutz wird großgeschrieben, die Schaffung von Nachschub für künftige Denkmalschutzgenerationen aber ist in Deutschland vollkommen zum Erliegen gekommen. Weder für den Erfinder der Mp3-Datei noch für den zweiten deutschen Kosmonauten, der nicht Mitglied der Mauerbauerpartei war, nicht für den ersten Empfänger einer E-Mail im Land und auch nicht für den Weltmeistertrainer Jogi Löw wurde ein Standmal errichtet. Willy Brandt hat noch eines bekommen, in Phase direkt vor dem Ausstieg und auch nur im Innenbereich. Das letzte wirkliche Denkmal wurde in Gelsenkirchen errichtet, zu Ehren des russischen Massenmörders Lenin und finanziert von einer fremden Macht. 
 
Deutschland konzentriert sich derweil ganz auf Mahnmale, die die schon länger hier Lebenden und die Dazugekommenen an seine Schande und seine unauslöschlichen Verbrechen erinnern. Wie frühere Staatswesen nicht innehalten konnten und eine endlose Reihe von Steinen, Bronzen und Gusseisen nutzten, die eigene Geschichte als Triumphe für die Ewigkeit zu erigieren, Kaiser, Könige und Wissenschaftler zu verewigen, gefällt es nun, an dunkle Stunden und tausende Jahre zu erinnern. Der letzte große Neubau war das Holocaust-Mahnmal in Berlin, wie der Name schon sagt. Aktuelle Pläne gelten der Errichtung eines Mahnmals für die "Gastarbeiter" (Morgenpost)., wobei der Name noch umstritten sein dürfte.

 

8 Kommentare:

  1. Erfahrene Experten aus unserem Bündnis stimmen die Nothilfe ab ...

    Zitat bei Danisch (nicht v o n ihm): "Erfahrene Experten" - köstlich. Weiße Schimmel, schwarze Rappen, brutales Zusammenschlagen. Experto credite.

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  2. oder das G36, das angeblich nicht geradeaus schießt ... (Aus demselben Strang)

    Was e Wunder, es ist ein Sturmgewehr für Einzelfeuer und selter, kurze Feuerstöße, wurde aber aber beschossen mit einer kleinen Ewigkeit Dauerfeuer, heftiger als ein Fla-MG, wirklich jedes Donnerrohr würde da in der Zielgenauigkeit nachlassen.
    (Merke ich sogar bei meinen beiden Kumpels Mosin&Nagant - schon nach zwanzig Schuß Einzelfeuer.)

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  3. Damit wäre das G36-Desaster nicht passiert.

    https://www.youtube.com/watch?v=WfldlkX6eTc

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  4. Apropos Denkmalsschutz: Die ursprüngliche Hütte, wo unten Der Sargdeckel (auf Bolschewikiblödia nichts zu finden, nebenbei betteln die gerade wieder um Zaster, um ihre "Unabhängkeit" >bruhaha, kreisch, sich-ins-Knie-beiß< zu wahren ...) sich befand, war wohl aus dem 18.Jhd.?

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  5. Am 3. Oktober Enthüllung des Denkmals 'Die Größten Deutschen Siege der Geschichte' vor dem Reichstag.

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  6. Denkmäler werden schon noch gebaut, allerdings beziehen sie sich nicht mehr auf den ganzen Menschen, sondern sozusagen auf seine inneren Werte (ja ich weiß, in dem Fall Kalauer von der schlimmsten Sorte).
    https://www.tagesspiegel.de/kultur/kulturhauptstadt-2025-nahaufnahmen-aus-chemnitz-1-lieber-streiten-als-gleichgueltig-sein/26601086.html

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  7. lieber-streiten-als-gleichgueltig-sein ...

    Hühnelklam. Mein ehlwüldigel Sifu lehlte mich in den Neunzigeln auch den Daoismus, das Wu-Wei:
    Gerade gelassene Gleichgültigkeit, besonders aber bei Pillepalle bzw. bei Sachen, die mich einen Scheixx angehen.

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