Sonntag, 28. November 2021

Blackout: 44 Sekunden ohne Tagesschau

Verspätet wie die Bahn: Zum ersten Mal seit 1945 startete die Hauptdanachrichtensendung der ARD verspätet.

Es sind einige wenige Dinge, die wie immer blieben müssen, auch in einer fluiden Transformationsgesellschaft. Oben ist oben, also in Berlin. Unten ist unten, irgendwo bei Sachsen. Inflation ist kein Problem, der Mindestlohn muss hoch und alle in eine Versicherung. Angela Merkel ist Kanzlerin, Europa wächst zusammen, der Euro ist stabil. Linke Parteien sorgen sich um den Menschen, ob der will oder nicht. Und nicht um sich. Rechte Parteien sind machtversessen und bereit, die Prinzipien, die sie nicht haben, auf dem Altar des Populismus zu opfern. Die Bahn ist nicht pünktlich. Der Umstieg auf Erneuerbare ist unumgänglich. Frauen und Männer sind gleich, außer auf dem Fußballplatz.

Ein unerschütterliches Fundament

Das sind sie, die unveränderlichen, unerschütterlichen Fundamente, auf denen das moderne Deutschland ruht. Eine gesellschaftliche Verabredung besagt zudem, dass um 20 Uhr die "Tagesschau" beginnt. 20 Uhr meint ein deutsches 20 Uhr, auf die Sekunde genau geht es los, die Glockenschläge, danach die Abfolge der Tageswahrheiten, bis die Viertelstunde herum ist.

Am Tag aber als Omikron in dem Land eintraf, dass seit kurzem nicht nur die höchsten Strompreise der Welt sein eigen nennt, sondern auch die mit Abstand meisten Corona-Neuinfektionen vorzuweisen hat, brach ein Stückchen dieser alten, liebgewonnenen bundesdeutschen Tradition auseinander. Zehn, zwölf, zwanzig, schließlich 40 und sogar 44 Sekunden vergingen, ohne dass eines der beamteten Gemeinsinnsprechenden auf dem Bildschirm erschien, um das ganze Teile der Bevölkerung ausschließende "Guten Abend, meine Damen und Herren" zu sprechen, das als rituelle Begrüßungsformel noch aus den Tagen zurückgeblieben ist, als ehemalige Flakhelfer die "Tagesschau"-Redaktion leiteten.

Millionen alleingelassen

Millionen saßen nun daheim, alleingelassen für fast eine Minute, ohne Informationen über "ungewöhnliche, aber milde Symptome", den Bundespräsidenten, der mit Blick auf den deutschen Weltspitzenplatz bei den Ansteckungserfolgen gesagt hatte, dass wir schon viel weiter sein könnten, oder die Bundesliga, deren Ball eines Tages das letzte sein wird, was sich im Lande überhaupt noch bewegt. Deutsche Tumbleweeds, von Genesenen getrieben.

Die Welt war aus den Fugen, ein Zeitriss tat sich auf, der immerhin die Erkenntnis brachte, dass die Vorspann-Uhr der staatlichen Hauptnachrichtensendung nach 20:00 weiterläuft und nicht, wie von Verschwörungstheoretikern über Jahrzehnte behauptet und weit verbreitet, unmittelbar nach der 20:00:00 abschaltet.

Nichts mehr wie es war

Nichts ist mehr, wie es war, kaum dass Angela Merkel das Kanzleramt, das sie zuletzt seit 20 Monaten kaum noch verlassen hatte, mental endgültig verlassen hat. Deutsche Strenge, deutsche Disziplin, Pünktlichkeit, Akkuratesse und der feste Glaube an Zahlen, die von völlig überforderten Gesundheitsämtern erfunden, um von noch überforderteren Bundesämtern hochgerechnet zu werden, all diese wunderbaren, herausragenden und so deutschen Sekundärtugenden, sie sind mit einem einzigen symbolischen Schlag verschwunden.

An einem ganz gewöhnlichen Samstagabend, ohne Vorwarnung und ohne Entschuldigung, ereilt ein Vorgeschmack von Blackout eine Republik, die sich eingerichtet hatte in ihren Ritualen, die vertraut hatte auf das politische Personal einer Seifenoper, das durch eine Handvoll Talkshows tingelt wie eine Kölner Partyband durch die bizarren Prunksitzungen, festhaltend am Glauben, dass immer dort vorn ist, wo Deutsch gesprochen wird. Kurz vor knapp für die neue Regierungskoalition bröckelt, was bisher  fest zementiert schien. Gewissheiten fallen. Gesellschaftliche Garantien sind hinfällig. Versprechen wie das, dass die "Tagesschau" wie andere deutsche Sender vor ihr noch  die neuesten Inzidenzraten, Farbenspiele und Zwistigkeiten aus dem Regierungsviertel melden wird, wenn ringsum schon die Zombieapokalypse tobt, werden gebrochen.

Für die neue Transformationsrepublik erscheint die Verspätung als Menetekel, ein Hinweis darauf, dass nichts bleiben kann, wie es gewesen ist. Weshalb alles, was fest gemauert in der Erden stand, zur Diskussion steht.

10 Kommentare:

  1. Das war, damit sie das hier nicht melden müssen.

    Die Ampler sind noch gar nicht gewählt, da greifen sie schon nach dem Geld der Rentner, das diese noch gar nicht überwiesen bekommen haben.

    Das Auto zur Voprfahrt für die feierliche Vereidigung fährt nicht , weil jemand auf Rentenprogressionsbremse gelatscht hat.
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    Entgegen der Prognose

    Rentenerhöhung fällt deutlich geringer aus

    Nach einer Nullrunde sollten die Altersbezüge der Rentner im nächsten Jahr um mehr als fünf Prozent steigen. Nun tritt die Ampelkoalition auf die Bremse.

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  2. Oder paßte diese Meldung nicht in das tagesbeschauliche Weltbild?

    Klimawandel hard at work
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    Unter minus 20 Grad

    Zu kalt in Finnland: Start der Langläuferinnen verschoben

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  3. Schön, dass unsere medial vielfältig rumschnpüffelnde Anmerkung uns nun auch den Wetterbericht aus Finnland serviert. Es könnte ja jemand dort einen Spontanurlaub planen wie all jene trallalageilen Eventsüchtigen, die in Pandemiezeiten z. B. unbedingt nach Südafrika düsen mussten, um als Souvenir eine neue Virisvariante ins noch nicht ausreichend divers infizierte Doitselan mitzubringen. Phosphormunition für die unendliche 2G-Geschichte des Regimes. Hier dominiert Käfighaltung, zugleich aber gibt es weltweite Reisefreiheit.

    Man kann täglich detailverliebt über den deutschen mentalen Verfall schwafeln, ohne den Idiotenkurs der Mehrheit zu ändern, oder einfach zu der Erkenntnis gelangen, dass es mal wieder soweit ist mit dem kollektiven Besserwisserahn samt Endsiegfantasien und Sündenbockstigmatisierung. Dieses Duckmäuservolk ist einfach zu grundverblödet, um global noch eine Chance zu haben. Aber 1A-Hexenjäger sind sie zweifellos. In der tollwütig geifernden Meute Schuldige suchen, jagen und lynchen, das schaffen die garantiert auch heutzutage wieder prima.

    Wo bleibt der Asteroid, wenn man den dringend mal braucht?

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  4. @Rohrkrepierer aka Showmaster

    Na, wieder mal hier im Land. Und schon wieder keine Pillen genommen?

    Jetzt haben sie es der Anmerkung endlich wieder mal heftig gegeben.

    Ich bin mit ihnen solidarisch. Aus Solidarität mit Ungeimpften, Impfmuffeln, Impfunwilligen und Impfverweigerern. Und Bekloppten, was ich vergaß, da die Zeile im Blogtitel zu Ende war.

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  5. Etwas angespannte Atmo hier, ui jui.
    Also: SEND IN THE CLOWNS!

    Frage: Was sind Fefes Quellen?
    Das sind Fefes Quellen: Auf einem weißen Schimmel ritt der Drosten herein und segnete euch zum Advent mit einer neuen Modellierungsstudie.

    "Eine neue Modellierungsstudie zeigt, dass selbst bei niedrigerer Impfquote die Übertragung ganz überwiegend von Ungeimpften ausgeht."

    Genau!!1! Nicht überwiegend, nein, GANZ überwiegend! Wer schafft es, die Wiesel zu zählen? Die haben da allein 3 Wiesel in die zwei Worte 'neue Modellierungsstudie' gepfercht.

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  6. "Eine neue Modellierungsstudie zeigt, dass selbst bei niedrigerer Impfquote die Übertragung ganz überwiegend von Ungeimpften ausgeht."

    So etwas, wie auch die Hannoversche Zeitung: "Das neue Virus: NOCH gefährlicher" -
    das sind so die Sachen, die einen heftig herunterziehen.
    Aber auch auf Pipi, von wegen, Schweden hat es richtig gemacht - auf Herdenimmunität setzen - und Übersterblichkeit unter den hochbetagten Siechen in Kauf nehmen. Papperlapapp, ich habe noch från tidigare tider Konnektionen nach dort, war auch i augusti dort einmal zugange: Da war keine Übersterblichkeit. Kannste glauben!
    Kein Aas läuft da mit Maske herum, außer ein paar gesengten Teutschen, und vereinzelten Negroiden - die aber lassen ihre naturgemäß weiten Nüstern oberhalb der Maske frei ...

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  7. Es ist mir einfach schleierhaft, wie man nach fast zwei Jahren Pandemie immer noch so planlos dasitzen kann. Als der Wahlkampf losging, so im Frühsommer blabla

    Mir wäre eher schleierhaft (wäre, ist es aber nicht, denn ich bin klug und weise, und mich betrügt man nicht), wie ein doch eigentlich gewitzter Bursch wie Danisch auf das schmale Brett kommt, da wäre eine Pandämie.

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  8. Schon recht schamlos von mir, aber wo kann man noch ohne Anmeldung -
    Vor wenigen Tagen stand eine Nachricht, ein alternder Punk im Saarland wäre mit einer Säge gerichtet worden, nachdem er geprahlt, sein Gesippe hätte den fünfjährigen Pasqal eigenhändig ermordet?
    Kein Problem, wenn das gar zu OT sein sollte. Good riddance.
    Ich vers-tehe die Problematik.

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  9. https://breaking-news-saarland.de/traurige-gewissheit-zerstueckelte-leiche-ist-der-vermisste-punker-nikolaus-l/

    Traurige Gewissheit: Zerstückelte Leiche ist der vermisste Punker Nikolaus L.

    Bei dem Mann aus Nalbach, der bestialisch umgebracht wurde (wir berichteten), handelt es sich um den vermissten Nikolaus L. († 60). Das hat die Polizei bestätigt. Der Alt-Punker galt seit Freitag vergangener Woche als vermisst. Er lebte zuletzt in einer betreuten Wohngruppe in Nalbach.

    die 50-jährige spätere Tatverdächtige. Zusammen tranken die drei zunächst in gemütlicher Runde Alkohol, so die Polizei. Im Verlauf des Treffens kam es aus bislang ungeklärten Gründen aber dann zum Streit zwischen den drei, wobei der 60-jährige Mann getötet wurde. Wie genau der Nalbacher zu Tode kam, will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen derzeit nicht sagen.

    Sicher scheint aber, dass dem Opfer erst nach dessen Tod die Extremitäten abgetrennt wurden – offenbar, um sich leichter seiner Leiche entledigen zu können. Arme, Beine und Kopf wurden in einem Waldstück in der Nähe des Tatorts vergraben. Danach schafften es die beiden aber wohl nicht, den Torso des Mannes verschwinden zu lassen. Er lag tagelang in der Wohnung des 41-Jährigen.

    https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/panorama/toetungsdelikt_nalbach_fall_pascal_100.html

    Wohl keine Verbindung zum Fall Pascal

    Zwischen dem Tötungsdelikt von Nalbach und dem Fall des seit 20 Jahren verschwundenen Pascal aus Saarbrücken-Burbach gibt es offenbar keinen Zusammenhang. Das jetzige Opfer war bereits 2003 vernommen worden und hatte damals seinen Bruder belastet - offenbar zu Unrecht.

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  10. Unter minus 20 Grad ...

    Es wäre - nicht zum ersten Mal - das allerletze Aufbäumen von Mütterchen Klima wider den bösen Menschen, bevor die Erhitzung aber so richtig loslegt. Es wird kälter, weil es wärmer wird.

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